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Foren » Ergotherapie-Forum » Arbeiten im Altenheim
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Datum - 5. Februar 2010 13:26
User-Profil anzeigen Jasmin_B (38)

Jasmin_B



Hallo ihr,
ich arbeite seit November letzten Jahres in einem Altenheim mit 127 Bewohnern und 4 Stockwerken. Eingestellt bin ich ganz normal als Ergo, ich bin im Stellenschlüssel aber auf eine Pflegefachkraft eingestellt worden. Es enstand dadurch schon vor meinen Arbeitsantritt missmut über mich, da ihnen ja dadurch eine Fachkraft fehlt. Das alles kann ich locker wegstecken, ich setz mich schon durch, aber ich hätte sehr viele Fragen, die so wie ich hoffe mir jemand von euch beantworten kann.

1. Mir wurde gleich zum Anfang gesagt das die Gerontofachkräfte für alle Beschäftigungen zuständig sind, was ich zu tun habe steht in einr ausführlich beschriebenen Stellenbeschreibung. Meine Aufgaben sollten reichen von Kontrakturenvorbeugung bis hin zu Übernahme von Betreuung der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Vieles was in meiner Stellenbeschreibung auftaucht hat meines erachtens nichts mit Ergo zu tun. Erstgespräche vor Heimeinzug halten und vieles mehr!?

2. Ich bin die einzige Ergo und soll nun Pflegeentlastend arbeiten, bei 127 Bewohner kaum möglich, bei uns wird mit einen bestimmten System am Computer gearbeitet hier soll ich über jeden Bewohner genau Probleme/Ressourcen, Ziele und Maßnahmen eintragen (die wie ich finde natürlich notwendig sind, aber bei 127 Bw!!) und diese auch noch nach bestimmten Wochenturnus evaluieren!?

3. Mein Konzept habe ich selbst nach bestimmten Wünschen meines Chefes erstellt, nun fragte er mich warum es ein extra Ergokonzept überhaupt geben muss, denn wir ( Gerontofachkräfte, Betreuungsassistenten nach §87b, Ergotherapeutin) heißen so wie so gemeinsam "soziale Betreuung" und da macht es nach ihm doch mehr Sinn ein gemeinsames Konzept zu erstellen!? Es gibt aber auch ein Gerontopsychatrisches Konzept und warum dann kein Ergo!? Ich kann das alles nicht verstehen, hab doch nicht die Ausbildung gemacht um nun Soziale Betreuung zu heißen?

Wer hat Erfahrung in Senioreneinrichtungen und kann mir meine vielen Fragen beantworten und mir weiter helfen. Denn meine Arbeit mit den älteren Menschen macht mir sehr viel Spaß, aber nicht wenn ich nebenbei noch so vieles machen soll und nur noch dokumentieren und schreiben, da bleibt doch keine Zeit mehr für die Bewohner.

Lg Jasmin





Antworten
 
Datum - 5. Februar 2010 15:34 Antwort: 1
User-Profil anzeigen sunergi (19)

sunergi



Hallo Jasmin B,

deine arbeitsstelle klingt mir etwas nach ausbeutung! für ein zusammenfassendes konzept ist das Qualitätsmanagement des heimes zuständig, für erstgespräche mit dem Heimbewohner die PDL. Nur wenn du die folgenden heimbewohner betreust- nein therapierst, sind logisch erstgespräche notwendig. für eine betreuung sind alltagsgestalter zuständig. für einen ergotherapeuten in einem Heim für senioren sind therapieeinheiten im motorisch-funktionellem, sensomotorisch als auch psychisch-funktionellem bereich vordergründig. Zumindest ist bdies bei mir der fall. und hiernach wird ein Konzept für die ergotherapie geschrieben. so das der chef oder die kontrolle des MDK deine handlungen nachvollziehen kann.

lg

 
Datum - 5. Februar 2010 20:44 Antwort: 2
User-Profil anzeigen boale70 (208)

boale70



Hallo Jasmin,

sicherlich ist das zunächst einmal vielleicht eine beängstigende Situation. Als Ergotherapeut in einer Pflegeeinrichtung sind die Schnittstellen sehr groß und gerade die Frage der Abgrenzung gegenüber anderen Berufsgruppen drängt sich für mich in den Vordergrund. Toll finde ich, dass Dein Chef trotz &87b´ler eine Ergotherapeutin einstellt. Das ist nicht der Regelfall.
Und klar wird das bei den Funktionskräften sicherlich etwas Missmut geben, aber das steckst Du weg.
Zu Deinem Punkt 1 finde ich, die räumliche Umwelt gehört sehr wohl zu den Aufgaben des ET, toll dass so viel Vertrauen in Dich gesteckt wird. Das sind doch echte Herausforderungen.
Zu Deinem 2. Punkt, klar entlastest Du die Pflege, wenn die Bewohner wieder selbständiger Betätigungen durchführen können. Implementiere Gruppenangebote in festen Zeitschienen und Einzel auf Bedarf. Unterstützt wirst Du sicherlich von den §87b´lern die Betreuungsangebote durchführen. Vielleicht liest Du mal den ganzen Paragraphen durch, dann fällt Dir die Abgrenzung leichter. Die Überschneidungen sind eh fliessend... Aktivierende Bezugspflege, Beschäftigungsangebote...
Das Ergokonzept bettet sich sicherlich in ein Gesamtkonzept ein, es geht hier ja auch ums Qualitätsmanagement des Hauses. Du hast die Ausbildung gemacht, um die Arbeit eines Ergotherapeuten zu machen. Und das machst Du jetzt einfach. Wie es Dein Chef nennt ist doch erst mal nicht ganz so wichtig.
Frag mal 100 Ärzte nach der Tätigkeit von Ergotherapeuten, da wist Du über die Antworten staunen.

Wir hatten vor zwei Wochen Gurdun Schaade im Klinikum Stuttgart und Sie hat da ein paar tolle Dinge zu diesem Thema gesagt. Wir müssen doch einen gewissen Berufsstolz haben und unsere Arbeit auch selbst als wichtig und relevant erachten. Ich für meinen Teil freue mich immer noch über dieses spannende und abwechselnde Berufsfeld. Und jeden Tag was Neues. Und das jetzt seit gut über 10 Jahre

Also wir erbringen als Team in kooperierenden Pflegeeinrichtungen sog. Komplexleistungen. Wir haben alles in allem wesentlich mehr Klienten und haben nur insgesamt 0,3 VK zur Verfügung. Es klappt gut. Natürlich wars ein langer Weg, aber wer bekommt schon einfach so was geschenkt? Wir schulen Pflegekräfte, Pflegehelfer, 87b´ler, Angehörige, ehrenamtliche Helfer, machen Wohnraumberatung, Einzel- und Gruppentherapie. Insgesamt ein tolles und spannendes Feld für innovative Köpfe mit Ideen.
Das ist die Voraussetzung um ein solches Projekt zu stemmen. Als Ärmel hochklappen und ran an den Speck, oder? Das sind doch Berufsfelder für Ergotherapeuten. Also wenn ich Dir helfen kann, gerne.
Aber Du mußt es gerne machen wollen. Das ist doch eine rieeesen Chance, für Dich, für Deine Bewohner und unseren ganzen Berufsstand.

Liebe Grüße Chris

 
Datum - 6. Februar 2010 15:37 Antwort: 3
User-Profil anzeigen et-nano (424)

et-nano



Hallo Jasmin,

Zitat:
3. Mein Konzept habe ich selbst nach bestimmten Wünschen meines Chefes erstellt, nun fragte er mich warum es ein extra Ergokonzept überhaupt geben muss, denn wir ( Gerontofachkräfte, Betreuungsassistenten nach §87b, Ergotherapeutin) heißen so wie so gemeinsam "soziale Betreuung" und da macht es nach ihm doch mehr Sinn ein gemeinsames Konzept zu erstellen!? Es gibt aber auch ein Gerontopsychatrisches Konzept und warum dann kein Ergo!? Ich kann das alles nicht verstehen, hab doch nicht die Ausbildung gemacht um nun Soziale Betreuung zu heißen?

Es ist schade das dich dein Chef nicht über die Grundlagen im Altenheim informiert.
Jegliche Handlung im Heim wird vom MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) und der Heimaufsicht überprüft. Hierzu gibt es unter anderem dem MDK-Prüfbogen. Der schreibt dem Heimen Vor welche Richtlinien sie beachten müssen. Unter anderem das es die Bereiche Pflege und soziale Betreuung gibt. Für beide Bereiche muss ein detailliertes Konzept vorliegen, welches unter anderem definiert welche der einzelnen Berufsgruppen für welche Tätigkeiten verantwortlich ist. Eines der im Prüfbogen vorgeschlagene Berufsgruppen ist der Ergotherapeut, dessen Aufgaben aber nicht näher angegrenzt sind. Das hat in meinen Augen den Vorteil das jedes Heim die Aufgaben intern so strukturieren kann wie es die Bewohner brauchen. Ebenfalls ist definiert das die soziale Betreuung (festangestellte + ehrenamtliche Mitarbeiter) von einer Mitarbeiterin des Hauses koordiniert werden muss. So kommt es zu in der im Punkt 1. beschriebenen Situation. Das heißt du hast eine Leitungsfunktion, zu der auch die konzeptionelle Arbeit gehört. Das du für die zielsetzung in dem Bereich Aktivierung und Therapie zuständig bist finde ich völlig normal. Wenn du die inhaltliche Planung und Koordination der Mitarbeiter zuständig bist solltest du alle Bewohner kennen. Du musst ja nicht zu jedem Täglich hin, solltest aber z.B. durch regelmäßige Besprechnungen immer auf dem laufenden sein. Klar macht das Evaluieren viel Arbeit, aber auch die eingearbeitet Mitarbeiter können einen Anteil übernehmen, denn auch sie sind verpflichtet Besonderheiten und die Tagesform des Bewohners bei der Aktivität zu dokumentieren. Somit ist in meinen Augen die Doku immer aktuell und Abbauprozesse/Verbesserungen werden sofort erfasst. Dann musst du nur noch alle paar Monate/Wochen (je nach Definition im Hauskonzept) bestätigen das die Ziele noch aktuell sind bzw. veränderte Ziele/Maßnehmen eintragen. Da du die Dokumentation und Ziele nicht per Hand abschreiben musst, müsste sich der benötigte Zeitaufwand im Rahmen halten.

Fakt ist, je besser die Dokumentation, desto besser schneidet deine Abteilung bei einer Prüfung ab. Nun musst du dir nur noch die frage beantworten, kannst du mit bzw. in einer Leitungsposition arbeiten, oder brauchst du eine Stelle bei der du wie eine Hilfskraft nur aktivieren darfst. Wenn du rein ergotherapeutisch arbeiten möchtest, dann musst du in eine Klinik oder Praxis wechseln.

Liebe Grüße sendet
Nadja

www.ebede.net - Forum für Ergotherapie bei Demenz

 
Datum - 8. Februar 2010 12:49 Antwort: 4
User-Profil anzeigen Jasmin_B (38)

Jasmin_B



Danke für euere aufschlussreichen und vielseitigen Antworten, ich denke das es jetzt erst mal alles richtig anlaufen muss und ihr recht habt das ich es als positive Herausforderung sehen muss. Ich denke das ich stark genug bin mich durchzusetzen und viele habe, die auch hinter mir stehen, wie z.B PDL und Gerontofachkräfte. Ich werde darauf zurück kommen und mich bei euch melden wenn ich euch brauche!!

Großes Dankeschön

Lg Jasmin

 
Datum - 8. Februar 2010 15:39 Antwort: 5
User-Profil anzeigen boale70 (208)

boale70



Das ist eine gute Einstellung, drück Dir die Daumen

 
Datum - 9. Februar 2010 20:36 Antwort: 6
User-Profil anzeigen Lory (191)

Lory



Hi!Wollte jetzt kein extra Thema für meine Frage aufmachen,deshalb frag ich hier in der Hoffnung,dass ich Antwort bekomme.Und zwar würde mich interessieren was ihr von Mobiles über den Betten der hauptsächlich bettlägrigen Bewohner haltet?
Grüße Lory

Niemand ist ohne Mängel,wir sind Menschen keine Engel!

 
Datum - 12. Februar 2010 13:28 Antwort: 7
User-Profil anzeigen Jasmin_B (38)

Jasmin_B



Zitat:

Hi!Wollte jetzt kein extra Thema für meine Frage aufmachen,deshalb frag ich hier in der Hoffnung,dass ich Antwort bekomme.Und zwar würde mich interessieren was ihr von Mobiles über den Betten der hauptsächlich bettlägrigen Bewohner haltet?
Grüße Lory

Niemand ist ohne Mängel,wir sind Menschen keine Engel!

Hallo Lory, lustig aber genau über das mach ich mir im Moment auch Gedanken, ich hab jetzt mit einer Hauptschule in unserem Ort ein Projekt in Planung, es sollen Deckenbilder entstehen für die bettlägrigen Bewohner im Haus, wir haben dazu intern eine AG gebildet, inder ich mich mit den Gerontos austausche was wir uns vorstellen und so weiter und da kam diese Diskussion Mobile ja oder nein ebenfalls auf!?

Also ich persönlich bin hin und her gerissen, wir haben im Haus eine Bw die ein Mobile von ihrer Tochter bekommen hat, es hängt sehr weit herunter, aber sie nimmt es gerne an und greift danach, ich kann sogar meine Therapie damit verbinden, indem ich sie aktiv danach gereifen lasse und so ein größere Extension erreiche und ihr zugleich eine Motivation für die Bewegung gebe.
Um mir das einfach genauer vorstellen zu können hab ich mich mal bei meiner Nichte unter ein Mobile gelegt das ungefähr genau so weit über mir hing, also ich selbst muss ehrlich sagen, mich hat es etwas bedrängt, man glaubt es würde was herunter fallen können oder ähnliches. Bin ebenfalls für viele Meinungen offen, denn in unserer AG können wir uns ebenfalls nicht einigen ob Deckenbilder oder Mobile schöner, besser, sinnvoller oder oder oder sind!?

Noch ne kleine Extra Frage hat jemand Ideen für Deckenbilder und deren Montage?

Lg Jasmin!!


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