Tide (33)
 | Zitat:Ich habe jetzt selbst den Mot, FEW 2, Mann Zeichen Test und den Händigkeitstest angeschafft. Es ist mir aber nicht genug. Der Mot geht nur bis 6 Jahre, ganz toll! Der FEW 2 geht nur bis 9,11 Jahre auch ganz toll. Irgendwie fallen zu viele Kinder bei irgendwelchen Test hinten herunter weil die Altersgrenzen meiner Meinung nach nicht ausreichend sind. Hallo Noph79, in Anbetracht deiner oben zitierten Aussage muss ich annehmen, dass du wenig Vorstellung davon hast, was fuer einen Aufwand es bedeutet, einen Test zu normieren und zu standardisieren. Wenn dir die Altersgrenzen zu eng bemessen sind, ermutige ich dich herzlichst die von dir genannten Tests fuer erweiterte Altersgruppen zu normieren... Der MOT ist meines Wissens veraltet und sollte, wenn du auf aktuelle Tests setzt, durch das MABC-2 oder den Bruininks-Oseretzky Test ersetzt werden. Ich habe allerdings noch eine andere Anmerkung: standardisierte Tests koennen sehr wichtig sein, um Hypothesen zu untermauern. Sie koennen aber auch Professionalitaet vorgaukeln und die eigentlich ergotherapeutische Zielformulierung ersetzen. Man kann das M-ABC durchfuehren und - nehmen wir an - das Kind, welches man testet schneidet schlecht ab, z.B. unterhalb der 5ten Perzentile. Super! Jetzt kann man senso-motorisch behandeln. Das Kind hat ja ein definitives Motorikproblem! Allerdings, wenn man so ans Werk schreitet braucht man sich nicht Ergotherapeut nennen, denn Ergotherapie hat was mit Taetigkeit, mit Betaetigung und eben mit betaetigungsbezogenen Problem/ Schwierigkeiten zu tun. Nehmen wir an, ein Kind schneidet sehr schlecht im Motoriktest ab, im Gespraech mit den Eltern und/ oder dem Kind stellt sich aber heraus, dass die Probleme gut kompensiert werden, sprich das Kind hat keine nennenswerten Betaetigungsprobleme, kann sich z.B. selbstaendig ankleiden, hat keine Probleme mit dem Schreiben, bewaeltigt seine Hausaufgaben, kann alltaegliche Verrichtungen und Taetigkeiten in denen es involviert ist, gut durchfuehren... ergotherapeutische Behandlungsindikation trotz schlechtem Motoriktes-Ergebnisses: KEINE! Andersherum kann ein Kind laut M-ABC im "Durchschnittsbereich" liegen, oder z.B. nur in den Subtests fuer Feinmotorik schlecht abschneiden, im Gesamtergebnis aber der Norm entsprechen. Die Bezugspersonen koennen aber klar ergotherapeutische relevante Ziele identifizieren, z.B. Schnuersenkel zu binden, Knoepfe oder Reissverschluss an der Jacke zu machen, den Stift festhalten oder Gabel und Messer benutzen - ja, was dann? Ich wuerde dir deshalb empfehlen, nicht nur in Tests zu investieren - die Zielstellung fuer die ergotherapeutische Behandlung ist viel wichtiger als ein Testergebnis. Tests koennen von grosser Bedeutung sein, wenn es darum geht, Hypothesen zu untermauern (z.B. ob Probleme in der Motorik wirklich motorischer Natur sind, oder aber eher mit Aufmerksamkeitsproblemen oder Planungsproblemen zu tun haben) oder sie koennen bestimmte Diagnosen untermauern, wie z.B. Developmental Co-ordination Disorder (= minimale cerebrale Dysfunktion o. Globale Enticklungsstoerung der Motorik). Deshalb waere mein Rat, auch Ausschau nach guten Frageboegen zur Erhebung betaetigunsrelevanter Ziele zu halten (z.B. COPM) und moeglicherweise auch Geld eher in eine gute Fortbildung (man kann dann Kollegen durch eine interne Fortbildung ebf. weiterbilden) zu investieren, die sich mit der Identifikation betaetigungsrelevanter Ziele und moeglichen Loesungsansaetzen befasst. CO-OP waere hier ein Beispiel, wenn es um die Behandlung kognitiv normal entwickelter Kinder geht... Viel Glueck bei der Uebernahme der Praxis wuenscht - Elias |