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Mir liegt hier mit „Handwerk in der Ergotherapie“ ein absolut aktuelles Buch zu einem sehr traditionellen Thema vor. Beim ersten Anblick des Buches, insbesondere des Fotos auf dem Buchumschlag, sind mir sofort all die manchmal beschwerlichen Stunden eingefallen, die mich die Handwerksberichte und Tätigkeitsanalysen in meiner Ergotherapieausbildung gekostet haben. Dann aber, nach genauerem Hinsehen, habe ich mir gewünscht, ich hätte dieses Buch bereits während meiner Ausbildung zur Verfügung gehabt. Dem Leser vermittelt dieses Werk einen tieferen Einblick in die Bedeutung des Handwerks als Therapiemittel, als Betätigung und als zielgerichtete Aktivität.
Das zweite große Kapitel setzt sich mit den theoretischen Grundlagen des Handwerks auseinander. Die Autoren gehen ausführlich der Frage nach, was Kreativität ist, wie kreativ der Mensch ist und wie sich Kreativität im handwerklichen Tun auswirkt. Die Objektbeziehungstheorie wird ebenso definiert wie die Bedeutung der Psychoanalyse in der Ergotherapie. Lern- und Motivationsprozesse bilden eine wichtige Grundlage für die ergotherapeutische Intervention. So werden uns in diesem Buch Modelle aus der Motivationspsychologie vorgestellt wie auch persönliche und situative Aspekte erläutert.
Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit Flow – Erfahrungen in der Ergotherapie, d.h. hier geht es darum, die Bedeutung des „In-einer-Tätigkeit-aufgehens“ zu verstehen. In der Ergotherapie wird nach verschiedenen Modellen untersucht, befundet, beobachtet und behandelt. Wie also findet sich das Handwerk in diesen Modellen wieder? Diese Frage wird von den Autoren versucht zu beantworten im Kontext des Bieler Modells, des MOHO, des CMOP, des OPPM und des Kawa-Modells. Letzteres ist relativ neu in der Ergotherapie, und wurde in den neunziger Jahren in Asien entwickelt. „Kawa“ stammt aus dem Japanischen und bedeutet „Fluss“. Dieses Modell kann angewendet werden, um Kreativität und Handwerk in Einklang zu bringen, das heißt, den „Lebensfluss“ zu ermöglichen. Für mich persönlich ist dieses Konzept neu, wenn gleich ich mich persönlich – eher unbewusst - mit dem einen oder anderen Grundgedanken beschäftigt habe.
Im weiteren Verlauf können wir nachlesen, wie sich der Handwerksunterricht in der Ausbildung im Laufe der Zeit veränderte und welchen Stellenwert dieser Teil der Ausbildung heute besitzt. Zum Beispiel wird auch ausführlich der Frage nachgegangen, welche Lernprozesse durch den Handwerksunterricht in Gang gebracht werden. Spätestens an dieser Stelle werden wir als Leser gedanklich zurück in unsere Ausbildung geführt, bzw. erinnern wir uns an unsere „ersten Schritte“ als Therapeut. Besonderes Augenmerk habe ich in diesem Kapitel auf die Fallbeispiele gelegt. Sie sind nicht nur übersichtlich, sondern in jeder Beziehung nachvollziehbar.
Ein weiterer Teil des Buches beschäftigt sich mit dem gedanklichen Prozess, den der Ergotherapeut durchläuft, wenn er praktisch arbeitet. Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Planung, Durchführung der Therapie, bei der Anleitung des Patienten, bei der Beratung der Angehörigen usw.? Die ausführliche Darstellung des leittextgestützten Arbeitens freut mich als Praktiker natürlich ganz besonders. Denn hier findet man Tipps und Anregungen für die tägliche Arbeit.
Das Kapitel „Handwerk in der Praxis – Fallbeispiele“ möchte ich ganz besonders Schülern der Ergotherapie ans Herz legen. Sowohl die Therapie des Einzelnen ist anschaulich geschildert als auch die Arbeit mit Gruppen. Die Beispiele beziehen sich auf die forensische Ergotherapie, auf die Behandlung von Suchtkranken, auf die Arbeitstherapie und auf die Arbeit mit körperbehinderten Menschen.
Abschließend findet sich eine Diskussion über das Für und Wider des Einsatzes von Handwerk in der Ergotherapie. Es gibt sowohl kritische Stimmen auf der einen als auch Wohlwollen auf der anderen Seite. Der Philosoph Sartre betrachtete „Tun, Sein und Haben als fundamentale Aspekte des menschlichen Lebens“.
In diesem Sinne möge der geneigte Leser seine eigenen Schlüsse ziehen. Alles in Allem liegt hier ein Handwerks–Buch im umfassenden Sinne vor. Es richtet sich sowohl an Schüler und Studenten als auch an den praktizierenden Ergotherapeuten. Danke.
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