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Doppelbilder nach Kleinhirninfarkt

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21. Oktober 2008 09:35 # 1
jane64
jane64
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 148

Guten Morgen,

wer hat Erfahrungen sammeln dürfen mit Patienten, die nach Infarkt an Doppelbildern leiden.
Beim Blick nach unten, z.B. Treppen steigen, werden 4 Füße gesehen und die einzelnen Stufen erscheinen schief. Auch beim Blick zur Seite entstehen diese Bilder. Wenn normal in die Ferne geschaut wird, ist alles in Ordnung, ebenso beim Lesen. Der Übergang von Fern auf Nah bzw. umgekehrt, ist ebenfalls problematisch.
Die Augen wurden untersucht, es war nichts auffällig. Die muskulären Bewegungen sind auch ohne Befund.

Lässt sich da therapeutisch etwas verbessern und wenn ja, was und wie?

Danke für Eure Antworten,
Jane



21. Oktober 2008 12:32 # 2
kolhagen
Registriert seit: 24.04.2005
Beiträge: 2

Hallo Jane!
Also soweit ich weiß, sind das Anzeichen einer Hemianopsie. DAs kann man noch genauer differenzieren, in welchen Quadranten sie vorkommt. Je nachdem, ob es ein rechts- oder linksseitiger Infarkt war, ist die Prognose zur Heilung gut oder weniger gut. Da der Patient sich dessen meist bewusst ist (im Unterschied zum Neglect), kann er Kompensationstechniken erlernen. Die Rückbildung ist sehr langwierig und kann aber durch visuelles Explorationstraining evtl. beschleunigt werden. Wenn Doppelbilder auch SChwindel verursachen oder dergleichen, mal mit ner Augenklappe versuchen, damit die Patienten mal "zur Ruhe kommen" (z.B. beim Lesen); ersetzt aber das Training nicht!
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas helfen!
Lieben Gruß
21. Oktober 2008 17:48 # 3
Ve
Registriert seit: 10.09.2002
Beiträge: 104

also,

1. nach meinem wissen ist ne hemianopsie nach posteriorinfarkt, einzuteilen in quadranten ist ok aber es besteht ein gesichtsfeldausfall in irgendeinem rahmen, also keine doppelbilder

2. finde augenklappe zum zur ruhe kommen o.k., auch wenn man gangschule machen möchte aber sonst so oft wie möglich mit beiden augen

das heisst die doppelbilder entstehen nur beim blick nach unten??
Wie ist das Gangbild (Rumpfstabilität, Stabilisierung im Stand etc?)
Wie ist die Auge- Hand-Koordiniation?
Ataxie?
Augenuntersuchung heisst für Dich Augenfolgebewegungen - beide Bulbi wichen nicht ab etc??


Es besteht eine Verbindung Vestibolucerebellum und Augenmusklekerne - dient Feinabstimmung nahzu aller Augenbewegungen. Natürlich kann man da was verbessern, wie lang ist es den her?
Ich schliesse aus deiner Beschreibung dass nur in Aktivität ein visuelles Problem auftritt?

Da sind jetzt viele Gedanken und Fragen in dieser Antwort, wenn Du sie beantworten könntest schreibe ich gern ein Paar Therapie-Ideen auf.

Ve


21. Oktober 2008 18:16 # 4
jane64
jane64
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 148

Danke für die Ausführungen!

- Infarkt September '08
- 1 Woche KH ohne Therapie
- keine mot. Einschränkungen - Gangbild, Rumpfstabilität o.k.
- kein Schwindel, aber eben große Unsicherheit beim Laufen
- Augenfolgebewegungen ohne Einschränkungen
- kein Gesichtsfeldausfall
- Lesen ohne Probleme, auch beim Zeilenumbruch alles problemlos
- Augenklappe soll nicht verwendet werden - "Augen sind zum Sehen da" (Arzt)
- Doppelbilder hauptsächlich bei der Umstellung der Augen fern-nah, nah-fern und
beim Blick nach unten sowie beim seitlichen Schauen auf die Hände der ausgestreckten Arme und unscharf
- Koordination im Nahbereich (z.B. Kartoffel schälen) problemlos

Bedanke mich für alle kommenden Therapievorschläge,
Jane


22. Oktober 2008 21:11 # 5
Ve
Registriert seit: 10.09.2002
Beiträge: 104

Wie im Kkh ohne Therapie, dat is ja ärgerlich!

Falls Du ein tolles Buch suchst um Neuroanatomie und Funktion nachzuschlagen kann ich im übrigen "Neuroanatomie - Struktur und Funktion Autor: M. Trepel Verlag: Urban und Fischer.
Liest man da nach ist Funktion Blickstabilisierung wohl einziger Ausfall des Infarktes. Somit müsste sich eine sakkadierte Blickfolge ergeben wenn er deinem Finger von links nach rechts hinterherschaut(ohne den Kopf mitzubewegen). Ergibt sich bei Ruckartigen Bewegungen ein Spontannystagmus? Wäre auch noch ein stimmiges Zeichen.
Ähnlich wie bei Ataxie über Ziel hinausschiessen ist es auch mit den Blickfolgebewegungen so dass die Augenstellung mehrfach korrigiert werden muss ehe neu ins Blickfeld getretene Gegenstände fixiert werden können (sog. Blickhypermetrie).
"Die ausgefallene Unterdrückung des vestibulookulären Reflexes, die über die fehlende zerebelläre Projektion in den Vestibulariskomplex zu erklären ist, äussert sich folgendermassen: bei Bewegungen des eigenen Körpers kann Betroffener Objekte die sich mit ihm bewegen nicht mehr fixieren z.B. auf Uhr sehen beim Laufen oder Lesen beim Busfahren), da immer vom Vestiublariskern aus ungehmmmt eine Gegenbewegung der Bulbi initiiert wird."
Mein Folgeschluss wäre die Akkumodation also Anpassung Nah-Fern wie du schon beschrieben hast zu beüben. Zum anderen Beüben von Blickfixierung in Bewegung wobei ich an der Schwelle des gerade nicht mehr möglichen bzw. gerade noch möglichen Arbeiten würde, das heisst ersmal dies Schwelle herausfinden - das ist für ihn klar eingrenzbar und ein Fortschritt ist über dieses Schrittweise Arbeiten gut zu verfolgen für euch beide.
Ist das ein Ansatz der Dich weiterbringt?

Ve

22. Oktober 2008 23:25 # 6
oetken1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3213

Zitat:


Mein Folgeschluss wäre die Akkumodation also Anpassung Nah-Fern wie du schon beschrieben hast zu beüben. Zum anderen Beüben von Blickfixierung in Bewegung wobei ich an der Schwelle des gerade nicht mehr möglichen bzw. gerade noch möglichen Arbeiten würde, das heisst ersmal dies Schwelle herausfinden - das ist für ihn klar eingrenzbar und ein Fortschritt ist über dieses Schrittweise Arbeiten gut zu verfolgen für euch beide.
Ist das ein Ansatz der Dich weiterbringt?

Ve



Hallo Ve,
finde es spannend, daß noch jemand diesen Ansatz für die Therapie neurologischer Sehstörungen verwendet.
Habe damit in der ambulanten Arbeit gute Erfahrungen gemacht. Auch als es Ende der 90er noch hieß - Neurologische Sehstörungen kann man nur kompensatorisch behandeln. Das stimmt einfach nicht.
Voraussetzung ist, daß die Patienten keine weiteren großen kognitiven Einschränkungen haben, wie Restneglect u.a. - also gute Voraussetzungen fürs Lernen mitbringen.
Würde noch empfehlen, dem Patienten ganz konkrete Aufgaben zu stellen mit klaren Zeitvorgaben, damit er ein Ziel hat und auch ganz kleine Fortschritte nachvollziehen kann. Bsp. : "Bitte stellen Sie sich aufrecht und ruhig hin. Schauen Sie auf das Haus auf dem Bild an der Wand. Sobald ein Doppelbild kommt, schließen Sie die Augen. - Nach 5 Sekunden wieder öffnen. Jetzt wenden Sie langsam den Kopf nach rechts, weiter das Haus anschauen usw. "
Diese Arbeit erfordert volle Konzentration und eine gute Ausdauer und Frusttoleranz, bringt aber viel. Wichtig ist, die Anforderungen ganz genau zu strukturieren und langsam zu steigern. Viele Pausen einlegen.
Der Patient soll lernen, seine Hirnfunktion selbst zu steuern, also über Großhirnfunktionen anfangs. Dann langsam automatisieren.
Viel Erfolg

Oetken1
17. Mai 2009 16:21 # 7
vollergo
Registriert seit: 05.02.2008
Beiträge: 10

@ve

könntest Du noch genauer ausführen, wie man die Akkumodation des Auges, also die Anpassung Nah- Fern beüben kann? Danke schonmal und viele Grüße...

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