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Selbstbefriedigung bei Kindern

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26. Mai 2011 18:52 # 1
Sonik
Registriert seit: 08.06.2006
Beiträge: 32

Hallo,
ich hab in der Praxis eine Neuaufnahme die mich grübeln lässt. Ein par Eckdaten: Mädchchen, 5,1Jahre, ehem. Frügeb. (31.Woche), große Defizite Koord./Gleichgewicht, prob./vesti/takt.(taktil ehem. defensiv, inzwischen gut reguliert. prob. und vesti. weiß ich leider noch nichts genaues), seit der Geburt alle 6 Monate zur Untersuchung im SPZ, Mototherapie...ja...das wars erst mal glaube ich.
Dieses Mädchen betreibt intensiv Selbstbefriedigung. Hauptsächlich im Kindergarten, selten zu Hause. Sie zeigt keine Scham und ist dabei völlig abwesend, zieht auch ihr T-Shirt hoch etc. Außerdem ist sie sehr fixiert auf "körperliche Reize" anderer Menschen. z.B. "der Mann hat kein Shirt an, er ist nackt" oder"schau die Frau hat ein dünnes Top an" solche Dinge...
also dass Kinder sich entdecken und auch befriedigen ist mir bekannt. Aber das Ausmaß in diesem Fall scheint mir sehr extrem. Auch das Interesse an körperlichen Reizen anderer Menschen. Das scheint wir doch sehr "sexuell" für ein so junges Mädchen.
Wie geht man richtig damit um? gibt es Erfahrungen oder Tipps? Auch für die Eltern und Erzieher.

Danke schonmal

26. Mai 2011 20:03 # 2
oetken1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3213

Geändert am 26.05.2011 20:03:00
Hallo Sonik,

au weia.

Auf jeden Fall ist dies Verhalten ziemlich auffällig.

Kinder entdecken und entwickeln ihre Sexualität, mit sich selbst und auch mit anderen Kindern (die berühmten "Doktorspiele" ). Aber sie wissen im Allgemeinen, dass der Intimbereich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Allerdings gibt es nicht wenige Elternhäuser, in denen das "Kind" sexualisierter Misshandlung ausgesetzt ist. Auch in Einrichtungen ist das häufiger der Fall, als wir wahrhaben wollen.

10 Prozent aller Kinder sind Betroffene sexualisierter Misshandlung (im strafrechtlichen Sinne: "schwerer Missbrauch" ).
Ein nicht unerheblicher Teil davon landet wegen allerlei Auffälligkeiten bei uns in der Ergotherapie.

Was sagen die Eltern dazu? Wen gibt es alles im Umfeld, der mit dem Kind umgeht? Was sagen die ErzieherInnen?

Evtl. telefonierst du mal mit dem SPZ, ob die das wissen und was sie darüber denken. Für den Fall, dass sie sich dort ignorant verhalten, kannst du auch Kontakt zu einer seriösen Beratungsstelle aufnehmen.

Empfehlungen gebe ich dir gern per PN.

Toll, dass du dich für das Mädchen einsetzt.

Im Durchschnitt müssen betroffene Kinder 8 Erwachsene um Hilfe bitten (in welcher Form auch immer), bevor einer aktiv wird.

Grüße von

Oetken1
26. Mai 2011 20:03 # 3
Rowdy
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 876

hallo du...
im kinderpsychiatrischen bereich hatten wir öfter kinder, die viel "an sich rumgespielt" haben. sexuelle lust spielt in dem alter weniger eine rolle, eher ein schönes gefühl.
verbieten sollte man es nicht. man kann versuchen, dem kind zu erklären, dass man versteht, wenn sie es schön findet, aber dass man sowas doch für sich machen sollte und nicht, wenn andere kinder dabei sind.

wir hatten mal ein mädchen, die hat aus heiterem himmel und völlig zusammenhangslos rausgeplatzt: "du hast eine muschi" oder ähnliches. wir haben dann meistens mit einem neutralen "ja, das ist richtig" geantwortet und haben im programm weitergemacht.

26. Mai 2011 21:13 # 4
chipchap
chipchap
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 1334

Hallo Sonik,

daß ein Kind in dem Alter keine Scham zeigt, ist eigentlich okay.
Unsere "erwachsene" Moralkultur, daß man sich in der Öffentlichkeit nicht
nackt zeigt, ist eben noch nicht verinnerlicht...
Die Selbstbefriedigung lässt sich ja auch mit den von Dir beschriebenen
großen Defiziten in vielen Wahrnehmungsbereichen erklären. Mit der
Selbstbefriedigung verschafft sich das Kind ein eindeutiges und starkes
(dazu noch schönes) Wahrnehmungserlebnis. Andere Kinder schaukeln endlos
oder bohren in den Augen bis sie Sterne sehen...

Auffällig finde ich tatsächlich, daß das Kind verbal die Kleidung (oder Nichtbekleidung)
anderer Menschen kommentiert. Die Frage wäre, wie die Eltern / die Familie zu Hause
mit dem Thema Nacktheit/Sexualität umgehen. Hier ist eine große Bandbreite möglich.

Andererseits könnte es ja auch möglich sein (hab ich selbst von Kindern gehört),
daß große Geschwister etc. im Internet z.Bsp. pornographische Filme/Fotos
ansehen und das kleinere Kind sieht heimlich oder auch (gedankenlos) geduldet
mit.
Ich denke, Du brauchst vor allem im Gespräch mit den Eltern viel Fingerspitzengefühl
und solltest betreff ihrer Reaktionen auf das Thema Deinem Bauchgefühl trauen.
Mimik/Gestik verrät in der Regel mehr als alles Gesagte.

26. Mai 2011 21:25 # 5
oetken1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3213

Geändert am 26.05.2011 21:27:00
Hallo liebe KollegInnen,

zu der Frage was bei diesem Thema "normal" ist und was nicht und inwieweit man in Bezug auf potentiell übergriffige Angehörige von Kindern seinem "Bauchgefühl" trauen kann und inwieweit nicht, empfehle ich die Publikationen von "Strohhalm e.V."

Link

und dieses Buch:

Link

Ich bin selbst Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit und mir hätte damals der Kontakt zu Menschen, die zu diesem Thema gut informiert sind und unerschrocken handeln und helfen sehr gut getan.



Vielen Dank Allen die Interesse zeigen am Thema!

Grüße von

Oetken1
26. Mai 2011 22:49 # 6
Lance4
Registriert seit: 16.06.2004
Beiträge: 7

Geändert am 26.05.2011 22:50:00
Hallo,

wie sieht den das Umfeld des Mädchens aus? Wirft das Fragen auf? Bei mir in der Praxis häufen sich leider auch Missbrauchsfälle. Daher sollte man einmal mehr tätig werden. Wir haben zum Glück in unserer Praxis in benachbarten Räumlichkeiten einen Arzt für Kinder und Jugendpsychiatrie und Gesprächstherapeuten für Kinder und Jugendliche. Vielleicht hast du in deiner Nähe auch Gesprächspartner angrenzender Berufsgruppen die dir und dem Mädchen weiterhelfen können. Ich finde in unserer Zeit muss man sehr kritisch mit solch einer Problematik umgehen.

Viel Erfolg!

27. Mai 2011 09:54 # 7
Fine43
Registriert seit: 14.01.2011
Beiträge: 976

Geändert am 27.05.2011 09:56:00
Hallo Sonik,
zunächst würde mich mal interessieren, was als Diagnose auf dem Rezept steht. Denn dies könnte ja auf Grund einer geistigen Behinderung oder deutlich Intelligenzminderung zu diesem Verhalten beitragen. Ist dies nicht der Fall (bzw. trotzdem), kannst du meiner Meinung nach zwingend davon ausgehen, dass es hier durch Elternhaus oder dem näheren Umfeld des Kindes zu solch einer Sexualisierung des Kindes gekommen ist. Ob es derzeit in akuter Not ist, können wir nur annehmen. Trete auf jedenfall sobald du kannst mit dem Kinderarzt in Verbindung und bespreche das weitere Vorgehen. Auch gibt es Kontaktadressen und Unterstützung vom Jugendamt, Telefonseelsorge (anonym), Selbsthilfevereine vor Ort.
Das Verhalten des Kindes ist ernst zu nehmen und nicht mit einem einfachen Entdecken des eigenen Körpers zu vergleichen. Hier muss zwingend genau hingeschaut werden.
Ich wünsche dir ganz viel Unterstützung von seiten des Arztes, denn auch heir gibt es leider viel zu viele, die sich scheuen bei so einem brisanten Thema in Aktion zu treten.

"Fast alles, was wir gelernt haben, wissen wir nicht. Aber wir können es". (Spitzer)
27. Mai 2011 12:45 # 8
nitl
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 542

Zitat:

Hallo Sonik,

au weia.

Auf jeden Fall ist dies Verhalten ziemlich auffällig.

Kinder entdecken und entwickeln ihre Sexualität, mit sich selbst und auch mit anderen Kindern (die berühmten "Doktorspiele" ). Aber sie wissen im Allgemeinen, dass der Intimbereich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Allerdings gibt es nicht wenige Elternhäuser, in denen das "Kind" sexualisierter Misshandlung ausgesetzt ist. Auch in Einrichtungen ist das häufiger der Fall, als wir wahrhaben wollen.

10 Prozent aller Kinder sind Betroffene sexualisierter Misshandlung (im strafrechtlichen Sinne: "schwerer Missbrauch" ).
Ein nicht unerheblicher Teil davon landet wegen allerlei Auffälligkeiten bei uns in der Ergotherapie.

Was sagen die Eltern dazu? Wen gibt es alles im Umfeld, der mit dem Kind umgeht? Was sagen die ErzieherInnen?

Evtl. telefonierst du mal mit dem SPZ, ob die das wissen und was sie darüber denken. Für den Fall, dass sie sich dort ignorant verhalten, kannst du auch Kontakt zu einer seriösen Beratungsstelle aufnehmen.

Empfehlungen gebe ich dir gern per PN.

Toll, dass du dich für das Mädchen einsetzt.

Im Durchschnitt müssen betroffene Kinder 8 Erwachsene um Hilfe bitten (in welcher Form auch immer), bevor einer aktiv wird.

Grüße von

Oetken1



Hallo Oetken1,

ich finde den Tipp mit dem Anruf beim SPZ etwas "fragwürdig", da es grundsätzlich nicht erlaubt ist, überhaupt über dieses Kind mit dem SPZ zu sprechen, nur mit dem behandelnden Arzt. Außer, das SPZ hat die VO ausgestellt Zudem darf das SPZ auch keinerlei Infos über dieses Kind weitergeben

lg

27. Mai 2011 13:42 # 9
snoozly
Registriert seit: 30.07.2001
Beiträge: 65

Hallo Oetken1,

ich finde den Tipp mit dem Anruf beim SPZ etwas "fragwürdig", da es grundsätzlich nicht erlaubt ist, überhaupt über dieses Kind mit dem SPZ zu sprechen, nur mit dem behandelnden Arzt. Außer, das SPZ hat die VO ausgestellt Zudem darf das SPZ auch keinerlei Infos über dieses Kind weitergeben

Hallo zusammen,
natürlich darf der Anruf nur mit einer Schweigepflichtsentbindung geschehen (falls die VO nicht von denen ausgestellt wurde), aber solche Telefonate erachte ich als sehr wichtig und notwendig. Vielleicht ist auch gerade diese Info dem SPZ bisher noch nicht zu Ohren gekommen! Das wäre wirklich das Erste was ich machen würde!

Schöne Grüße, snoozly

27. Mai 2011 18:37 # 10
oetken1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3213

Hallo snoozly,

Danke für den Hinweis.

Ich hatte Soniks Beitrag so verstanden, dass das SPZ die VO ausgestellt hat.

Bei uns (Berlin) ist es so, dass "beides" nicht geht - entweder ist das Kind im SPZ oder beim Kinderarzt in Behandlung. Und entsprechend wird verordnet.
Kinderärzte können höchstens mal zur "Diagnostik" ins SPZ schicken. Oder sie müssen ganz überweisen und die Behandlung so lange abgeben, wie das Kind im SPZ betreut wird.

Wäre auch mal spannend, von euch zu erfahren, welches "Prozedere" es da in den verschiedenen Bundesländern bzw. KV-Regionen gibt.

Falls ihr Interesse habt, dann mache ich dazu einen neuen Beitrag auf.

Grüße von


Oetken1
27. Mai 2011 22:25 # 11
nitl
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 542

Zitat:

Hallo Oetken1,

ich finde den Tipp mit dem Anruf beim SPZ etwas "fragwürdig", da es grundsätzlich nicht erlaubt ist, überhaupt über dieses Kind mit dem SPZ zu sprechen, nur mit dem behandelnden Arzt. Außer, das SPZ hat die VO ausgestellt Zudem darf das SPZ auch keinerlei Infos über dieses Kind weitergeben

Hallo zusammen,
natürlich darf der Anruf nur mit einer Schweigepflichtsentbindung geschehen (falls die VO nicht von denen ausgestellt wurde), aber solche Telefonate erachte ich als sehr wichtig und notwendig. Vielleicht ist auch gerade diese Info dem SPZ bisher noch nicht zu Ohren gekommen! Das wäre wirklich das Erste was ich machen würde!

Schöne Grüße, snoozly



Hallo snoozly,
ich bin da natürlich deiner Meinung, wollte nur drauf hinweisen, dass man das nicht ohne Einwilligung der Eltern darf, außer das SPZ hat die VO ausgestellt, wie du schon erwähnt hast
Es war bei mir bei einem Telefonat mit dem behandelnden Arzt sogar so, dass diese mir keine Informationen über die Gespräche mit der Mutter gegeben hat, auch nicht über das Kind, da sie meinte, sie dürfte das nicht wegen der Schweigepficht, ich aber im Gegenzug dem Arzt gegenüber offen berichten darf

@oetken1
in Niedersachsen ist es so, dass bei stark entwicklungsverzögerten Kindern in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung im SPZ stattfinden muß, auch dann vom SPZ eine Folge- VO ausgestellt werden kann, danach wieder vom Kinderarzt.
Alles im Rahmen eines Regelfalls. Geht die VO außerhalb des Regelfalls stellen die Ärzte hier die grundsätzlich nur dann aus, wenn das Kind in einem SPZ vorstellig war.


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