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Petition "Hören Sie am Freitag dem 28.9. auch Betroffene zur Beschneidung an!"

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26. September 2012 21:03 # 1
oetken1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3213

Geändert am 26.09.2012 21:04:00
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Liebe KollegInnen,

die rituelle Genitalverstümmelung von Jungen (kurz "Beschneidung" genannt) sollte von einem Staatswesen, das für sich beansprucht, dass seine Gesetzgebung auf humanistischen Grundwerten beruht verhindert werden.

Genitalverstümmelungen ohne medizinsiche Indikation wiedersprechen den gesetzlich garantierten Grundrechten in unserem Land.

Die derzeitige "Pro-Kampagne", vor der viele Politiker einknicken, ist zwei Bestrebungen geschuldet:

- konservative religiöse Kräfte, zu denen auch einflußreiche Teile der christlichen Kirchen gehören, führen einen Machtkampf mit der Mehrheit der Einwohner in diesem Land, die "Beschneidung" ablehnen

- die Verantwortlichen befürchten, dass die jüngsten Verquickungen von BND und Neofaschistenszene dazu genutzt werden, der Politik Ausländer- und Religionsfeindlichkeit vorzuwerfen.

Dabei geht es denjenigen, die Genitalverstümmelung verbieten lassen wollen, nicht um bestimmte Religionen, sondern um menschen- und kinderfeindliche archaische Praktiken.

Opfer von Genitalverstümmelung werden am 28.9. bislang nicht angehört. Dabei sind sie die wirklichen Experten, was lebenslange Folgen angeht.

Grüße von

Oetken1
27. September 2012 00:01 # 2
KW
Registriert seit: 10.02.2005
Bundesland: Niedersachsen
Beiträge: 548

Ich finde diese politische Entwicklung unfassbar. Reaktionäre Kulte fordern Rechte gegenüber ihren Schutzbefohlenen ein und berufen sich dabei auf die Freiheit der Ausübung ihrer zweifelhaften Praktiken. Einige läuten sogar offiziell das Ende ihrer Religion ein, wenn sie ihre Kinder nicht verstümmeln dürfen. Statt überzeugender Erklärungen (die es anscheinend nicht gibt, sonst würden sie ja geliefert werden), bauen die offiziellen Vertreter dieser Kulte Jammer-, Klage- und Drohszenarien auf. Sie berufen sich auf die Toleranz und sind selber nicht in der Lage, diese auszuüben. Die aktuelle Diskussion ist ein Armustzeugnis für diese institutionalisierten Religionen, die anscheinend nicht in der Lage sind, ihre Riten und inzwischen wohl teilweise sinnfreien Traditionen einer modernen Welt anzupassen. Das unsere Regierung davor einknickt, haben wir insbesondere einem kollektiven schlechten Gewissen zu verdanken, das sicher seine Gründe hat, aber hier nicht als Rechtfertigung dienen darf. Was kommt als nächstes? Anträge zur Klitorisbeschneidung? Steinigung von Ehebrecherinnen als neues Destillat des Strafgesetzbuches?

27. September 2012 12:49 # 3
ergtoner
Registriert seit: 10.01.2008
Beiträge: 167

In der Tat ist diese (ausbleibende) Diskussion ein Armutszeugnis, der Meinung schließe ich mich ohne wenn und aber an.
Jedoch wird es eine Beschneidung (furchtbarer Begriff in diesem Zusammenhang) für Mädchen nicht geben, dass könnte man sich nicht leisten, nachdem man jahrelang die Praktiken in afrikanischen Ländern (zu Recht) gegeißelt hat.

Es zeigt uns aber auch dass mit zweierlei Maß gemessen wird und es keine Grundsätze bei der Beurteilung dieser Praktiken gibt.
Diese pseudo political correctness ist nur noch zum ....

27. September 2012 13:40 # 4
rapor
Registriert seit: 04.08.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 1068

Das kann man nunwirklich nicht vergleichen!
Weder von der Intension, noch von den Auswirkungen her.
Bei der Beschneidung von Jungen wird keine Funktion beeinträchtigt, es gab meiner Kenntnis nach, hygienische Gründe. Die Entfernung der Vorhaut wird auch durchaus zur Vermeidung von Krankheitsübertragung auch ärztlich empfoheln.
Darüber sollte jeder mündige Bürger selbst entscheiden können, für sich selbst.
Die weibliche Genitalverstümmlung wird häufig mit dem Zielvorgenommen, das Lustempfinden zu stören oder zu verhindern, teilweise auch um Besitzverhältnisse zu klären.
Sie hatte meist oder sogar immer gravierende bleibende Schäden zur Folge.
Die Beschneidung von Männern hat in den meisten Fällen keine negativen Folgen bei den ca. 30% der männlichen Weltbevölkerung die davon betroffen sind.
Wichtig finde ich eine medizinisch korrekte Operation und das Einverständnis des mündigen Betroffenen bei nichtmedizinischer Indikation.

27. September 2012 13:42 # 5
lokielie
Registriert seit: 25.08.2007
Bundesland: Baden-Württemberg
Beiträge: 489

Ja, leider sind die hochoffiziellen Stellen UND Personen irgendwie nicht in der Lage die noch nicht entscheidungsfähigen Kinder zu schützen - s.o.g. Punkte religiöse bzw. kulturelle Ummantelung. Was erwachsene und für sich selbst entscheidende Personen machen - ihr Ding. Aber für Kinder sollte die Unverletzlichkeit gesichert werden. Psychische Probleme entstehen ja nicht nur - siehe eines der Argumente - durch den Ausschluss aus der Runde der Beschnittenen, sondern auch durch die Beschneidung selbst! Nur Religion kann und darf doch nicht das Argument sein, wenn es eigentlich um eine Körperverletzung geht. Wir leben doch im Jahre 2012!

>>>Gemeinsam kann man vieles erreichen<<<
27. September 2012 13:48 # 6
lokielie
Registriert seit: 25.08.2007
Bundesland: Baden-Württemberg
Beiträge: 489

Nachtrag - ein dies betreffender Blogbeitrag:
Link

>>>Gemeinsam kann man vieles erreichen<<<
27. September 2012 15:45 # 7
ergtoner
Registriert seit: 10.01.2008
Beiträge: 167

Zitat:

Das kann man nunwirklich nicht vergleichen!
Weder von der Intension, noch von den Auswirkungen her.
Bei der Beschneidung von Jungen wird keine Funktion beeinträchtigt, es gab meiner Kenntnis nach, hygienische Gründe.


Es gibt doch bei den Jungs keine primär medizinische Indikation, Beschneidung erfolgt aus religiösen Gründen.
Ich würde mir wünschen, dass es keine Unterschiede Junge/Mädchen gibt, auch nicht bei diesem Ritual.

Was unserem Staat wirklich gut getan hätte, wäre die konkrete Einbettung des Kölner Richterspruches in die tägliche Praxis.
Zudem hätte man sowohl bei den Juden als auch bei den Moslems lange überfällige Diskussionen über alte Denkweisen und Riten angeregt und wäre mit einem Schlag den Vorwurf der Diskriminierung entgangen, da man religionsübergreifend argumentieren kann.

Somit ist diese Chance vertan.

Zitat:

Die Entfernung der Vorhaut wird auch durchaus zur Vermeidung von Krankheitsübertragung auch ärztlich empfoheln.
Darüber sollte jeder mündige Bürger selbst entscheiden können, für sich selbst.


Da stimme ich Dir zu, wenn die Jungs zu Männern herangewachsen sind können sie das für sich entscheiden.





28. September 2012 13:41 # 8
Ivanhoe
Registriert seit: 21.03.2002
Beiträge: 355

"...längst überfällige Diskussionen anregen..."

Das ist falsch!
Im Moment fliegt dem religiös-konservativen Lager eine Wahrheit nach der anderen um die Ohren. Der jüdische, wie der islamische Glaube stehen vor tiefgreifenden Veränderungen, viele Muslime sehen im arabischen Frühling
den Beginn einer Reformation, in Israel gehen die Menschen auf die Strasse und protestieren gegen die Sozialpolitik und orthodoxen Kappes!

Das mit der kindlichen Beschneidung finde ich schlecht, und sein Leben und seine Spiritualität nach alten Schmökern auszurichten ist für mich überholt.

Aber als ETs müssen wir die Menschen in ihrer kulturellen Identität achten und respektieren, sonst ist unsere Berufsethik nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde.
Freiheit, Verantwortung und Toleranz sind nicht immer einfach zu begreifen und Demokratie entsteht nicht nur durch einen Richterspruch zur Beschneidung, hier ist wieder Hirn und Diskussion gefragt.

Was mich immer wieder stört ist dieses "sich empören" und für andere denken, sogar für ganze Bevölkerungsgruppen: der deutsche Oberlehrer in
Reinform.

Nur mal drüber nachgedacht!

Gruß
Kai




29. September 2012 16:44 # 9
ergtoner
Registriert seit: 10.01.2008
Beiträge: 167

Geändert am 29.09.2012 17:47:00
Zitat:

"...längst überfällige Diskussionen anregen..."

Das ist falsch!
Im Moment fliegt dem religiös-konservativen Lager eine Wahrheit nach der anderen um die Ohren. Der jüdische, wie der islamische Glaube stehen vor tiefgreifenden Veränderungen, viele Muslime sehen im arabischen Frühling
den Beginn einer Reformation, in Israel gehen die Menschen auf die Strasse und protestieren gegen die Sozialpolitik und orthodoxen Kappes!


Nur geht es nicht darum ob die Leute in Israel oder den arabischen Ländern auf die Straße gehen, sondern es geht um die Rechtsprechung in Deutschland. Das sind 2 völlig verschiedene Dinge. Tiefgreifende Veränderungen und öffentliche Auseinandersetzungen kann ich weder bei Moslems noch Juden in Deutschland erkennen. Das die jüdische Gemeinde reflexartig Argumentationen bzgl. des Holocaust aus dem Hut zieht ist da sehr bezeichnend.
Denn sowohl Muslime als auch Juden leben in Deutschland ein Leben z.T. fern der Regeln ihrer Herkunftsländer.

Was die Kölner Richter gemacht haben ist eigentlich völlig unspektakulär, sie haben die bestehende Praxis der Beschneidung im juristischen Tatbestand formuliert, nämlich Körperverletzung.

Und aus juristischer Sicht ist allein die Unterscheidung zwischen Jungen und Mädchen nicht haltbar. Der Gleichbehandlungsgrundsatz wird für religiösen "Kappes" mal eben über Bord geworfen.

Das sage ich nicht als ET sondern als Bürger dieses Landes. Denn zu sagen: "... wir als Therapeuten sollten doch die Umstände und Menschen so nehmen wie sie sind" geht mir zuweit in Richtung Gutmenschentum.


Zitat:

Das mit der kindlichen Beschneidung finde ich schlecht, und sein Leben und seine Spiritualität nach alten Schmökern auszurichten ist für mich überholt.

Was mich immer wieder stört ist dieses "sich empören" und für andere denken, sogar für ganze Bevölkerungsgruppen: der deutsche Oberlehrer in Reinform.
Nur mal drüber nachgedacht!
Gruß
Kai


Vielleicht sollten wir froh sein, das wir solche Dinge auch öffentlich sagen dürfen (was nicht meint Recht zu haben).

Wenn man es nie anders kennengelernt hat, dann kann man sich den Luxus leisten leisten so etwas als Oberlehrer behaftetes zu bezeichnen.
Aber auch in Deutschland gibt es viele, die noch wissen wie das mit nicht vorhandener Meinungsfreiheit aussieht. Vielleicht sollte auch darüber nachgedacht werden.
Es geht nicht darum über die Köpfe anderer hinweg zu entscheiden, es geht um die Grundsätze die wir für unser Leben aufgestellt haben.

Insofern lasse ich Dir deine Toleranz...





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