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Genussgruppe

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7. Oktober 2013 10:20 # 1
mira.s
Registriert seit: 13.09.2013
Beiträge: 13

Hallo,

ich habe ein Anliegen. Hoffe, dass ich damit hier im Unterforum richtig bin.
Ich arbeite als Ergotherapeutin in einer Reha Klinik für Sucht und Psychosomatik. Derzeit bin ich aber mit 20 Std. nur für die Psychosomatik angestellt. Ich bin drei Tage in der Woche in der Klinik.
An einem Tag biete ich Nachmittags von 15 - 16:30 Uhr eine Genussgruppe an.
Das Konzept und die Umsetzung habe ich zusammengestellt und geschrieben.
Bisher habe ich auch nur 1 Durchlauf gemacht. D.h ich hatte bisher 4-5 Sitzungen mit jeweils einem Sinnesbereich (Ideen mit aus dem Buch "die kleine Schule des Genießens" genommen).
Nun ist es ja so, dass die P. nur 4 Wochen in der Reha sind.
Aufgrund von Urlaub meinerseits, Patienten brechen Therapie ab, "zu später" Beginn des Angebotes für P. die gehen und dementsprechend nur 1-3x das Angebot annehmen können etc. zieht sich das ganze Angebot ganz schön.

Grunddaten zur Gruppe:
max. Teilnehmer 10
aktuelle Teilnehmer: 9 - 1 (letzte Sitzung wäre nur 1 P. anwesend) - wenn alle kommen.
4 Sinnesbereiche (riechen, schmecken, fühlen, sehen/hören) aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer d. P.
geschlossene Gruppe
15 - 16:30 Uhr

Zu Beginn hatte ich richtig Lust und tolle Ideen (abgesehen davon ob die überhaupt umsetzbar gewesen wären).
Jetzt hab ich kaum noch Lust, bin unzufrieden da ich eine offene Gruppe doch eher als "störend / hinderlich" empfinde, habe meine Erwartungen und Hoffnungen stark zurück gschraubt.
Zu Beginn wollte ich noch Präventionsmaßnahmen mit als Thema rein nehmen, was ich gerade außen vor lasse, da es sonst zu lang dauern würde und das Genießen, die Achtsamkeit und die Erfahrung zu kurz kommen würde.
Wenn es klappt, soll die Genussgruppe ab nächstem Jahr auch für die Sucht angeboten werden. Dann sieht das schon wieder ein bisschen besser aus ::thumbup::

Jetzt meinen Fragen:
Wer hat Erfahrung mit Genussgruppen?
Wie handhabt ihr die Genussgruppe?
Offene / geschlossene Gruppe?
Welche Erfahrungen habt ihr so gemacht?
Für welches Klientel bietet ihr Genussgruppe an?

Ich hoffe, mir kann jemand Antworten geben ::smile::
7. Oktober 2013 18:21 # 2
Kinaa
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 720

Hallo mira.s,

bei uns im Haus (Suchtreha) wird auch Genusstraining angeboten, allerdings von der Ernährungsberaterin. Achtsamkeit gibt es noch mal separat von einem Sozialtherapeuten. Ich sehe die Ernährungberaterin am Mittwoch, da kann ich sie mal "interviewen" ;) Vielleicht magst du mir noch mal eine Erinnerung per PN schicken, damit ich's nicht vergesse. Was ich schon sagen kann, ist:

Frequenz: 1x/Woche
Dauer: 60-90 Minuten (bin nicht sicher, frage nach)
Inhalt: 1 Sinn / Woche
Struktur: offene Gruppe

Bei uns gibt es ausschließlich offene Gruppen, das geht organisatorisch nicht anders. Lediglich die Bezugsgruppen sind halboffen. Ich leite auch einige modular aufgebaute Angebote und mache mir damit keinen Stress mehr. Die Module laufen immer in der gleichen Reihenfolge und wenn ein "Durchgang" abgeschlossen ist, geht es von vorn los. Wenn dann ein Patient ein Modul verpasst oder eines doppelt mitmacht, ist das eben so. Ich selbst finde es schade, dass es so ist, weil man jede Einheit so konzipieren muss, dass sie in sich abgeschlossen ist und nie etwas machen kann, was auf dem Inhalt der letzten Woche aufbaut. Aber so ist's nunmal, es lohnt sich nicht, sich darüber zu ärgern ;)

Viele Grüße! Kinaa
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
7. Oktober 2013 21:08 # 3
nimis
Registriert seit: 29.09.2007
Beiträge: 728

Hallo mira s.,
Beim Ergo-Kongress vor ein paar Jahren haben auf dem Ergokongress 2 Kolleginnen ein für mich ziemlich überzeugendes Konzept für eine Genussgruppe vorgestellt. Näheres müsstest Du über den DVE in den alten Kongressprogrammen rauskriegen - in denen sind auch immer Kontaktadressen der Referentinnen zu finden.
Viel Glück!
nimis
8. Oktober 2013 09:07 # 4
Motte123
Registriert seit: 09.02.2012
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 423

Geändert am 08.10.2013 09:09:00
Hallo!

Also ich bin auch in der Psychosomatik und mache Genussgruppen, allerdings "nur" vertretungsweise. Ein wirkliches Konzept haben meine Mitarbeiter soweit ich weiß (leider) nicht. Ich habe mir allerdings selbst eins zusammengestellt, weil ich total ungern "ins Blaue" reinarbeite und man dann auch recht schnell merkt, dass ich keinen Plan hab. :D

Ich habe mir mal von Lindenmeyer "Therapie Tools - Offene Gruppen 2" geholt und da gibts ein Manual, was ich zumindest teilweise nutze. Ich kann nicht selbst bestimmten, ob ich offene oder geschlossene Gruppen nehme - die Genussgruppen sind bei uns nämlich alle grundsätzlich geschlossen. Ich finde es z.B. im Bereich der Genussgruppe auch besser.
Genussgruppe findet bei uns immer 1x die Woche für 60 min. statt. 60 Minuten sind in meinen Augen auch ausreichend, da es für die Pat. recht anstrengend zu sein scheint, sich auf ihre Sinne zu konzentrieren (oder es wieder zu lernen).
Also nochmal zur Übersicht:

Frequenz: 1x/Woche
Dauer: 60 Minuten
Inhalt: 1 Sinn / Woche
Struktur: geschlossene Gruppe

Ich als Ergo lege halt besonders viel Wert auf die Wahrnehmung. Da wir auch interne Schulungen bezüglich Achtsamkeit hatten, kann ich da auch einiges mit reinnehmen. Die Genussgruppe wird eigentlich am Anfang immer etwas belächelt, weil es doch eigentlich "ganz normal" ist, dass man riecht, schmeckt etc.. Wenn man das aber dann mit den Patienten BEWUSST ausprobiert, merken sie erstmal, wie "unachtsam" sie in diesen Bereichen geworden sind.
Die positivste Resonanz habe ich von Depressionspatienten bekommen. Sie haben endlich wieder etwas Positives gespürt und ein paar Ressourcen wiedererkannt und schätzen gelernt (was man nicht wahrnimmt, schätzt man ja auch nicht). Ähnlich erging es mir bei Patienten mit Essstörungen (wobei da teilweise auch heftige emotionale Reaktionen ausgelöst wurden... aber nicht im negativen Sinne).
Bei Suchtpatienten hab ich das noch nicht angewandt, wäre aber wohl zu beachten, dass man da nicht eine zu enge Parallele zum Konsum (Alk, Drogen...) zieht. Genuss und Sucht muss da vermutlich stark getrennt werden und ich denke, dass die Suchtpat. je nach Stadium da vielleicht auch noch gar keinen Unterschied sehen (bin ich süchtig oder hab ich da einfach nur Lust drauf?). Da würde ich mich dann vorher informieren und würds nicht einfach so mal probieren. ::smile::

Liebe Grüße
Motte
Sag Menschen nicht, wie sie Dinge tun sollen. Sag ihnen was zu tun ist, und sie werden dich mit ihrem Einfallsreichtum überraschen.
8. Oktober 2013 11:10 # 5
mira.s
Registriert seit: 13.09.2013
Beiträge: 13

Vielen lieben Dank für eure Antworten.

Kinaa, dir hab ich ja schon eine PN geschickt.

Nimis, danke, da werd ich mal stöbern.

Motte: sehr interessant. Auch dir danke. Werde mal nach dem Buch schaun.

Fakt ist ja, dass ich noch keine große Erfahrung mit der Genussgruppe habe. Klar ist aber, dass die P. die von Anfang bis Ende dabei waren, auch viel für sich selbst mitnehmen konnten und dies auch so reflektiert haben.
Ich persönlich finde ja geschl. Gruppen auch besser. Aber ich will versuchen das mit der offenen Gruppe mal zu testen. Mir fällt es nur unheimlich schwer (oder ich steh mir selbst im Weg?!), mich da reinzudenken. Wie ich das Konzept umschreibe, wie dann meine Einheiten ausschauen als offene Gruppe.
Ich finde es in geschl. Gruppen auch viel sinnvoller, weil alle Sinne dann mal angesprochen werden. Und der P. kann dann erfahren, was ihm näher liegt als vllt. der andere Sinn. Und wenn es eine offene Gr. ist, kommt und geht jeder wie es ihm passt? - und bekommt nicht den für ihn vllt. stimmigen Sinnesbereich mit. Wobei sie ja sowieso nicht alle Sinnesbereiche mitbekommen, da viele gehen.
Was bei einer offenen Gr. eben einfacher ist, da immer wieder neue P. dazu kommen können. Und ich hätte wohl öfters mehr P. als nur 4 in der Gr. sitzen.

Was auch klar ist, dass ich dann bei Suchtpatienten klar anders agieren muss.
Mein Wunsch wäre es eben auch, Sucht + Psychosomatik in meiner Gruppe zu haben. Ich denke, das kann sich sehr gut ergänzen.
Bei mir läuft die Gr. auch 90 min. Und das empfinde ich schon oftmals als sehr kurz. Auch die P. haben berichtet, dass es ruhig intensiver und länger gehen hätte können.

War eigentlich jemand von euch auf so einer Fortbildung mal?
Außer Nimis jetzt. Ich hab dazu nämlich nichts gefunden. Und ich denke, da gibt es viele unterschiedliche Methoden innerhalb der Umsetzung. DAS würde mich ja auch nochmal interessieren.
8. Oktober 2013 16:26 # 6
nimis
Registriert seit: 29.09.2007
Beiträge: 728

Hallo mira s.,
hab gerade noch mal gewühlt, ob ich meine alten Kongressunterlagen noch finde - das würde leider länger dauern...
Aber das hier war ganz leicht zu finden: http://www.dve.info/uploads/tx_nbevents/14-12-Genu.pdf
Gruß
nimis
10. Mai 2016 11:42 # 7
alibali
Registriert seit: 17.05.2007
Beiträge: 37

Hallo an Alle!!!

Hat jemand Erfahrung in der Umsetzung eines Genusstrainings im Einzelsetting. Ich habe als Grundlage das Buch "die kleine Schule des Genuss". Finde mich aber mit der Umsetzbarkeit nicht ganz so zurecht. Ich hab schon mal 2 Einheiten ausprobiert. Meine Klientin wirkt interessiert und macht auch mit. Hab ihr nun die erste "Hausaufgabe" gegeben, bin nun gespannt was zurück kommt. Nun aber ich wollte mich auch nach euren Erfahrung und Tipps erkundigen.

Danke und liebe Grüße
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