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Läsion des N. ulnaris li. bei 12,6-jährigen Jungen

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22. Januar 2015 08:00 # 1
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

Geändert am 22.01.2015 09:28:00
Hallo,

Mein Klient hatte vor 4,5 Jahren eine Fraktur des Humerus li., behandelt wurde damals mit 2-K-Drähten als Osteosynthesematerial, außerdem "Neurolyse und Dekompression N. Ulnaris im Bereich des Sulcus".

In der darauf folgenden Ergotherapie wurde im Bereich des kleinen Fingers und an der Handkante li. viel mit einer Zahnbürste gebürstet, auch warme Rapsbäder wurden eingesetzt.

Jetzt wurde er bei mir vorstellig. Momentane Problematik:
- Zuerst einmal ist der Junge (leider) linkshändig!
- am kleinen Fi. li. hat er außen distal noch ein leichtes Taubheitsgefühl.
- Liegt die Hand flach auf dem Tisch, gelingt ihm keine vollständige Adduktion, er findet nicht den Anschluss zum Ringfinger, es bleibt eine Lücke von ca. 0,3 cm.
- Die Flexion gelingt ihm nicht endgradig.

Vordergründiges Betätigungs- und Partizipationsproblem:
Er kann insbesondere bei Klausuren nicht das Arbeitstempo halten. Nach ca. 30 Minuten muss er eine Pause machen, dann in immer kürzeren Abständen. Seit dem Unfall ist Schreiben anstrengender, die Hand verkrampft schneller. Es treten auch spürbare Irritationen nach einer gewissen Zeit der Belastung auf. Manche Klausuren hat er nicht geschafft, auf seinem Gymnasium herrscht ein gewisses Tempo vor.
Darüber hinaus empfindet er keine Einschränkungen.

Bisherige Maßnahmen:
Zuerst natürlich Anregung eines Nachteilsausgleiches aufgrund der motorischen Einschränkung. Klappt wohl auch, er bekommt etwas mehr Zeit für die Klausuren.

Ich werde eine Belastungserprobung mit Einsatz der Kamera vornehmen, mir so einen besseren Eindruck verschaffen.

Frage an euch, die mehr Ahnung im Bereich Neurologie haben:
Was kann ich noch tun? Ich weiß ja, der Unfall ist fast 5 Jahre her und Nerven benötigen manchmal eine lange Zeit, um sich zu erholen (wenn überhaupt noch...).
Gibt es eine spezielle Behandlungstechnik, die nach so langer Zeit "zieht"?
Oder sollte er sich mit dem Nachteilsausgleich zufrieden geben? Er hat ja über das ausdauernde Schreiben hinaus keine Einschränkungen.

Ich freue mich auf Antworten und Ideen...

Lieben Gruß, ergotron

22. Januar 2015 11:39 # 2
WeißS
Registriert seit: 20.01.2012
Beiträge: 10

Hallo,

ganz schön ärgerlich für den Jungen. Ich würde erstmal alles ausprobieren, bevor ich die Situation als gegeben hinnehme. Kann es dem Jungen vielleicht helfen bei Belastung ein Dymische Orthese bei Ulnarisläsion zu nutzen? Oder eine Achterschalufe/Zwillingsverband zur besseren Adduktion? Ist im Alltag der Computer vielleicht sinnvoller als per Hand zuschreiben???Nochmalige Vorstelleung bei einem Spezialisten?

Keine Ahnung ob Dir diese Infos weiterhelfen, wünsche Euch auf jeden Fall noch viel Erfolg!

Schöne Grüße Sabrina


Dipl. Ergotherapeutin (FH), Handtherapeutin der Akademie für Handrehabilitation

www.handakademie.de
22. Januar 2015 14:48 # 3
d.simon
Registriert seit: 22.10.2011
Beiträge: 316

Zitat / WeißS hat geschrieben:
Hallo,

Kann es dem Jungen vielleicht helfen bei Belastung ein Dymische Orthese bei Ulnarisläsion zu nutzen? Oder eine Achterschalufe/Zwillingsverband zur besseren Adduktion?

Schöne Grüße Sabrina


Was genau soll die dynamische Orthese beim Schreiben machen und wie soll diese aussehen?
Dominik Simon
Ergotherapeut / Handtherapeut DAHTH



22. Januar 2015 20:42 # 4
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

@WeißS:

Erstmal vielen Dank für deine Antwort!
Ich möchte natürlich nichts als "gegeben hinnehmen", sonst würde ich mich ja nicht ans Forum wenden...::rolleyes::

Nur: Leidensdruck besteht nur ein geringer, er sieht es nur als ein geringes, aber störendes Handicap an. Sicherlich würde er eine dynamische Orthese, die evtl. auch nicht extrem auffällig ist, beim Schreiben nutzen, aber kann sie wirklich was bringen?
Der "Spezialist" hat ja die Ergo empfohlen, evtl. sollte ich mich mal rückversichern, wie er seinen Auftrag genau definiert.

Der Junge und seine Eltern wollen halt mal was ausprobieren, der Arzt würde bis zu 20 Einheiten verschreiben...ich bin mir nur nicht sicher, wie ich die sinnvoll nutzen könnte.

Ich denke immer noch, dass ein Nachteilsausgleich und "abwarten" ok ist, da der Leidensdruck nicht all zu hoch ist. Ich möchte nur nichts ausgelassen oder übersehen haben, deshalb bitte ich euch um Tipps und Tricks.

Übrigens: Beim Tippen ist er momentan noch langsamer...und mit 10 Fingern geht eh´ nicht...!

Lieben Gruß, ergotron
22. Januar 2015 21:21 # 5
Maria2
Registriert seit: 06.12.2006
Beiträge: 3149

Ich würde folgende Angebote machen! Eine neue Stifthaltung ausprobieren, wo er weniger Kraft benötigt.
Kennst Du diese Haltung? Link

Langfristig wäre für ihn vielleicht das Fünf-Finger-Schreiben sinnvoll. Link

Sonst sehe ich es wie du.
Grüße von

Maria2


22. Januar 2015 21:29 # 6
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

Hallo Maria2,

nein, die Haltung kannte ich nicht, wäre aber in seinem Fall maximal entlastend (bei mir in der Hand fühlt es sich zumindest so an)...danke für die tolle Idee.::thumbup::

Auch der andere Link ist interessant...

Lieben Gruß, ergotron
22. Januar 2015 21:38 # 7
*Erna*
Registriert seit: 11.07.2003
Beiträge: 326

Geändert am 22.01.2015 21:39:00
Hallo ergotron,

erst mal: Frohes neues Jahr! ::thumbup::

Ich finde deine Idee gut, eine Belastungserprobung mit der Videokamera festzuhalten. Danach kannst du (hoffentlich) genau feststellen, wann und warum Pausen notwendig sind, wie die Verkrampfung genau aussieht, ggf. wodurch die Verkrampfung entsteht, ob das Arbeits-/Schreibtempo innerhalb der ersten 30 Minuten altersgerecht ist und wie stark es nachlässt, etc.
Wenn du soweit bist, fallen dir sicherlich weitere Lösungsansätze ein (z.B. Adaption des Schreibens (Stifthaltung, Stift, alternatives Schreibgerät), so dass die Verkrampfung möglichst gering gehalten werden kann; Entspannungsübungen für die Hand während der Pausen, etc.).

Zudem würde mich interessieren:
Wie sieht es mit der Handgeschicklichkeit während anderer Aktivitäten aus? Setzt die Verkrampfung auch bei anderen länger andauernden Aktivitäten ein (z.B. Tippen auf dem Smartphone/Gameboy/PSP, Zusammenbauen von LegoTechnic?) Ist die Hand generell "gut trainiert" und wird aktiv eingesetzt oder vermeidet der Junge (unterbewusst) den Einsatz bzw. anstrengende Tätigkeiten seit der Fraktur?
Da die Fraktur jetzt schon 4,5 Jahre her ist und zwischen 8 und 12 Jahren einiges passiert (auch was das Schreibtempo angeht): War sein Arbeits-/Schreibtempo zuvor immer okay oder ist er generell seit der Fraktur langsamer im Schreiben bzw. benötigt seither Pausen?

Und: Warum ist er beim Tippen "noch langsamer"? Ich dachte, da hätten die Kids uns was voraus?! ::wink::

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und bin mir sicher, er ist bei dir in besten Händen! ::biggrin::

Beste Grüße
*Erna*

22. Januar 2015 22:05 # 8
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

Hallo *Erna*,

auch dir noch ein frohes Neues Jahr!::thumbup::

Dein Post ist sehr anregend, ich habe morgen die zweite Einheit und werde mich der Sache nähern. Klar ist es interessant zu erfahren, ob er sich schleichend an eine Schonhaltung gewöhnt hat, aber im Erstgespräch wurde schnell klar: Smartphone und PSP gehen sehr gut, erst recht PSP, "da brauch´ ich ja nur meine Daumen"...::smile::! Lego macht er gerne und ausdauernd.
Ich werde mir auch mal anschauen, wie er tippt...

Und nein, sein Schreibtempo war auch vorher schon etwas langsamer, es kam auch zu Verkrampfungen, aber halt nicht auf so hemmende Art und Weise wie seit der Fraktur.

Ich werde morgen das COPM durchführen...bin mal gespannt, was dabei rauskommt.

Danke für deinen Input...und lieben Gruß,
ergotron

23. Januar 2015 08:35 # 9
Kukdiehe
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1461

Geändert am 23.01.2015 09:12:00
Hallo ergotron,

zu der Stifthaltung kann ich dir auch Stifte empfehlen, wo du auch noch mal weniger Kraft benötigst. Es gibt diese Füller mit runder Kugel.

Ich habe noch was gefunden schau mal hier nach ergonomie-am-arbeitsplatz.de/ergonomische-stifte-und-schreibhilfen Da gibt es so einen Stift mit einem Halbring. Steht auch da wo man den her bekommt.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
23. Januar 2015 19:50 # 10
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

Ihr Lieben,

erstmal vielen Dank für eure Hilfe, ich bin wirklich beeindruckt.::biggrin::

Es ist nochmal einiges etwas klarer geworden:
- Es geht nur ums Schreiben!
- Er möchte definitiv eine Verbesserung und Entlastung erreichen.
- Er bekommt jetzt 15 Minuten mehr Zeit für Klausuren, fühlt sich aber dennoch benachteiligt, weil seine Mitschüler trotzdem mehr Zeit hätten, ihre Ergebnisse zu kontrollieren.
- Je mehr er den kleinen Finger adduzieren möchte, desto mehr geht er in Hyperextension.
- Nach 30 Minuten schreiben schüttelt er nicht einfach die Hand aus, sondern hält mit der anderen das Handgelenk proximal fest, dann dreht er die Hand sehr oft, dies führe zur spürbaren Entlastung! Nur werden die Abstände dieses "Rituals" immer kürzer.

Deshalb meine momentane Idee:
Stabilisierung des Handgelenks beim Schreiben mit einer entsprechenden Bandage. Könnte ja beim Schreiben zur Entlastung führen. Was haltet ihr davon?

@kukdiehe:
Die Idee ist gut, er wird nur Schwierigkeiten haben, sowas "uncooles" anzunehmen.::tongue::

Gruß, ergotron

28. Januar 2015 19:50 # 11
ergotron
Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 510

Kurze Info:
Der Arzt befürwortet den Einsatz einer Bandage, kann jetzt "anprobiert" werden, dann verordnet er sie anstandslos, da ja fast alle Beugemuskeln innerviert werden und somit Stabilität beim Schreiben erreicht werden kann...

Hoffe, es klappt...

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