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Diskussionsforum

Sichtstunde Arbeitatherapie

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2. Oktober 2015 10:21 # 1
Registriert seit: 29.08.2015
Bundesland: Sachsen
Beiträge: 2

Hallo zusammen,
ich habe in einem Monat meine Erste Sichtstunde, ich bin mir ne sicher.Meine Klientin ist stets motiviert, offen und erledigt ihre Arbeit erledigt sie in einer zufriedenstellenden Qualität. Wirklich, dass einzige was ich mir jetzt als Behandlungsschwerpunkt rausgefiltert habe, ist die Steigerung der Frustrationstoleranz
Bei der es bei meiner Klientin noch stark happert
Dafür habe ich mir überlegt, sie Wäsche Bügeln zu lassen, die sie anschließend sortieren und einräumen muss.
Mir ist eben aufgefallen, dass sie sehr lange braucht um starke Knitterspuren zB.zu beseitigen sie mehr fordert und nervt auf deutschgesagt, als die anderen, übrig anfallenden Montagearbeiten.
Ich bin mir eben total unschlüssig, ob das das geeignete AT Mittel ist um an ihrer Frustrationstoleranz zu arbeiten. Man muss aber auch dazu erwähnen, dass sie sehr eingeschränkt ist
als möglichen Behinderungen hat Gehbehinderung, Lernbehinderung, Sehbehinderung und und und
Würde mich wirklich um bissel fachmännischen Rat freuen, bin gerade bissel am Ende mit meinem Latein.
Danke im Voraus.
3. Oktober 2015 06:19 # 2
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 722

Hallo Zoe113,

dass du nicht weiter weißt, wundert mich nicht. Wie soll man ohne Ziele die "Marschrichtung" wissen? Also: Was sind die Ziele der Patientin?
Welches sind ihre aktuellen und welches ihre angestrebten Lebens- und Arbeitsumstände? Man kann und darf übrigens durchaus mit seinen Patienten sprechen, anstatt "sich als Behandlungsschwerpunkt irgendetwas rauszufiltern, was einem so aufgefallen ist". Ich habe hier im Forum (und auch bei unseren Praktikanten) häufiger mal den Eindruck, das mit dem "Sichtbefund" wurde völlig missverstanden..

Noch etwas: Hat man denn nur dann eine ausreichende Frustrationstoleranz, wenn man gerne und ohne gefordert/genervt zu sein bügelt? Ist das eine behandlungsbedürftige Beeinträchtigung, eine Indikation für Ergotherapie? Ganz ehrlich: Ich finde bügeln ober-ätzend. Es fordert mich (z.B. beim Blusen oder Hemden Bügeln) sicherlich mehr als andere, z.B. eine versierte Hausfrau, und mein Endergebnis ist nicht perfekt, aber ausreichend. Ich fluche dabei und schiebe es auf, bis kein Weg mehr daran vorbei führt. Ich nähe sehr, sehr gern, würde es aber noch lieber tun, müsste man dazu nicht bügeln. Bei meiner Arbeit muss ich zwar nicht bügeln, habe aber auch so manche Aufgabe, die mich nervt. Muss man das jetzt therapieren? Ich denke nicht.

Wenn die Patientin keine Beeinträchtigungen und dementsprechend auch keine Therapie(!)ziele angibt und du ebenfalls keinen Anlass für eine Behandlung siehst, dann ist möglicherweise auch alles okay so, wie es ist. Warum wird diese Möglichkeit so selten in Erwägung gezogen? Bei uns gibt es Patienten, die lediglich direkt nach Aufnahme Kontakt zu uns Ergotherapeuten haben (Erstgespräch/Anamnestik, Einführungsgruppen) und dann ihre ganze Behandlungszeit über gar nicht mehr, einfach weil keine ernstzunehmende Indikation besteht. Die muss ich dann auch nicht krampfhaft suchen.

Bei der Therapie geht es darum, Patienten zu behandeln, die in ihrer Teilhabe beeinträchtigt sind, nicht darum, jede noch so kleine "Macke" auszumerzen. Wir sollten mal runterkommen und aufhören, Menschen optimieren zu wollen.

Viele Grüße, Kinaa
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
3. Oktober 2015 09:23 # 3
Registriert seit: 04.08.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 1251

Zitat / Kinaa hat geschrieben:
Wenn die Patientin keine Beeinträchtigungen und dementsprechend auch keine Therapie(!)ziele angibt und du ebenfalls keinen Anlass für eine Behandlung siehst, dann ist möglicherweise auch alles okay so, wie es ist. Warum wird diese Möglichkeit so selten in Erwägung gezogen? Bei uns gibt es Patienten, die lediglich direkt nach Aufnahme Kontakt zu uns Ergotherapeuten haben (Erstgespräch/Anamnestik, Einführungsgruppen) und dann ihre ganze Behandlungszeit über gar nicht mehr, einfach weil keine ernstzunehmende Indikation besteht. Die muss ich dann auch nicht krampfhaft suchen.


Meist geht es darum Einheiten abzurechnen, bzw. Therapie(angebote) nachzuweisen. Auch um zusätzliche Förderungen zu erhalten.
Business as usual.

Schönes Wochenende
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!
3. Oktober 2015 10:21 # 4
Registriert seit: 29.08.2015
Bundesland: Sachsen
Beiträge: 2

Geändert am 03.10.2015 10:45:00
Hallo Kinaa ,
also erstmal habe ich das Gefühl, du hast hier ganz sehr was falsch verstanden, meine SCHULE besteht darauf, dass ich einen ARBEITSTHERAPEUTISCHEN Behandlungsschwerpunkt setze. Ich kann ja nun ne einfach in meinen Bericht schreiben, "Aus meiner Sicht gibt es nichts an der Klientin zu fördern, deshalb ist eine weitere Behandlung seitens mein nicht erfordelich." Ich würde auch gerne mal wissen, woher du dir heraus nimmst, ich habe mit der Klientin keine Gespräche geführt ? Davon habe ich in meiner vorherigen Nachricht nichts dergleichen erwähnt. Im Gegenteil, ich habe sehr wohl meine Klientin befragt - in alle Bereiche und diese hat mehrmals gesagt, dass sie sich nicht mehr so schnell aufregen will, ihr gehe das selbst auf den Geist, dass sie ständig so schnell die Nerven verliert . An ihr ist viel zu machen , aber eben nicht unbedingt von arbeitstherapeutischer Perspektive aus, sondern eher auf motorisch funktioneller Basis. Jedoch und das schreibt mein Bildungsträger vor, muss ich meine Ziel in arbeitstherapeutischer Ausgangsrichtung formulieren.
Also muss ich leider etwas finden und "Erbsen zählen" und glaube mir, ich bin der gleichen Meinung wie du. Ich finde es auch nicht gut ,auf Krampf jedes kleinste Defizit finden zu wollen, um einen Therapieansatz zu entdecken.. Doch dann sagt meine Lehrerin wieder, "dann wäre der Klient nicht in der Werkstätte, wenn an ihm nichts zu optimieren ist."
Lg Zoe
3. Oktober 2015 11:18 # 5
falladar
falladar
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 1376

an Zoe 113,

mit wenig Informationen bekommt man leider auch Antworten die einem nicht gerecht werden oder auch persönlich angreifen. Dein Schreibstil ist da auch nicht gerade förderlich.

Warum willst du in der Sichtstunde deine Klientin derart an ihre Grenzen bringen?

"Mir ist eben aufgefallen, dass sie sehr lange braucht um starke Knitterspuren zB.zu beseitigen sie mehr fordert und nervt auf deutschgesagt, als die anderen, übrig anfallenden Montagearbeiten."

... vor allem schreibst du selbst:

"als möglichen Behinderungen hat Gehbehinderung, Lernbehinderung, Sehbehinderung und und und"

Dein arbeitstherapeutischer Schwerpunkt deiner Therapie und deiner Sichtstunde, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse deiner Klientin, kann hier das Finden und Umsetzen von Strategien im Bereich Frustationstolleranz im Arbeitsalltag sein.

Was frustriert sie und wann? Was ist die Ursache? Was hilft ihr die Frustation zu verringern? Wie muß Ihr Arbeitsalltag evtl. angepasst werden (mehr (Raucher-) Pausen, Entspannungsübungen, größerer/kleinerer Arbeitsplatz/-bereich, anderer Arbeits- Einsatzbereich, andere Arbeitsstrukturen, Einzel- oder Teamarbeit, Adaptionen, ect.)? Sind es immer die gleichen Handlungsmuster?

"Erbsen zählen" ist hier überhaupt nicht notwendig. Genau hinschauen und hinhören reicht hier völlig aus um den Vorgaben deiner Schule und den Bedürfnissen deiner Klientin gerecht zu werden. Besprich mit ihr, welchen Arbeitsbereich deine Klientin bevorzugt. Auch sie ist durch deine Sichtstunde im Streß und sollte sich wohl fühlen und sich nicht vorgeführt fühlen.

Ich wünsche dir viel Erfolg.

MfG falladar

3. Oktober 2015 11:38 # 6
saloia
saloia
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 3624

Frustrationstoleranz scheint nicht nur für die Klientin ein gutes Stichwort ::tongue::

Zitat / Zoe 113 hat geschrieben:
... woher du dir heraus nimmst, ich habe mit der Klientin keine Gespräche geführt ? Davon habe ich in meiner vorherigen Nachricht nichts dergleichen erwähnt.
Gemach, gemach-- du hast um Hilfe gebeten, da sollte man bei einer Antwort nicht gleich zubeissen.... Übrigens liegt genau da evtl das Problem: das du eben nichts dergleichen dazu geschrieben hast, das du Gespräche geführt hast...

Doch dann sagt meine Lehrerin wieder, "dann wäre der Klient nicht in der Werkstätte, wenn an ihm nichts zu optimieren ist."
Oh, dann hätte ich in best. Bereichen jahrelang "umsonst" gearbeitet. Kennt deine Dozentin den Begriff (und die Zielsetzung!!) "Statuserhalt" nicht?? Oft genug das Einzige, was bei best. KHBildern noch möglich ist- aber deshalb nicht weniger wichtig... Zu dem Begriff "Optimierung" sag ich lieber nichts


Ganz allgemein: Kannst du bitte ein bischen weniger "Mundart" schreiben?? Macht sich weder in Foren, noch in offiziellen Berichten/Schreiben gut.....
3. Oktober 2015 19:56 # 7
saloia
saloia
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 3624

Wie so oft--- es kommt Kritik, oder auch nur gegensätzliche Meinungen auf den aktuten Hilferuf -------------------------------------- und die "Hilfesuchende" meldet sich nicht mehr...
Schwach!!!
4. Oktober 2015 06:25 # 8
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 722

Hallo rapor,

Zitat / rapor hat geschrieben:
Meist geht es darum Einheiten abzurechnen, bzw. Therapie(angebote) nachzuweisen. Auch um zusätzliche Förderungen zu erhalten.
Business as usual.


Ja, leider. Damit kann ich mich sehr, sehr schlecht (eigentlich gar nicht) anfreunden und bin froß, das Glück zu haben, so nicht arbeiten zu müssen.

Hallo falladar und saloia,

Danke euch, ich glaube, ihr habt verstanden, was ich meine. ::smile::

Hallo zoe113,

immer mit der Ruhe. Meine Frustration (wo wir gerade beim Thema sind...) gilt nicht explizit dir, sondern der Situation an sich. Immer wieder dieselben Problemstellungen bei Schülern (und nicht selten auch ausgebildeten Therapeuten).. es ist mittlerweile so, dass wir zwar gern Ergotherapeuten einstellen würden, auch Bewerbungen bekommen, aber letztendlich in fremden Gewässern fischen und auf andere Berufsgruppen zurückgreifen, weil die Ausbildung dem, was bei uns gefordert ist, nicht gerecht wird. Ja, das frustriert mich. Und wenn ich dann lese, dass "die nächste Generation" dieselben Baustellen mitbringen wird und keine Besserung in Sicht ist, dann äußere ich mich dementsprechend.
Bin aber auch immer wieder froh, dass es auch die guten Gegenbeispiele gibt, wie einige Teilnehmer hier im Forum (saloia, falladar, Maria2, oetken1, rapor, MSchiwack usw.) immer wieder zeigen. Ihr lasst mich hoffen ::wink::

Nichtsdestotrotz habe ich dir mit meinem Beitrag Denkanstöße zu geben versucht, habe aber nicht den Eindruck, dass sie angekommen sind. In Foren ist es nun mal so: Ich kann nur von dem ausgehen, was du schreibst. Noch immer hast du weder Ziele benannt noch den Kontext umrissen. So kann man keine Behandlung planen.
Sie hat eine Geh-, Seh- und Lernbehinderung, schreibst du. Aber welche konkreten Teilhabebeeinträchtigungen ergeben sich daraus? Du schreibst
Zitat:
An ihr ist viel zu machen
(über die Formulierung würde ich noch mal nachdenken), aber was genau denn? Was genau hat sie? Inwiefern beeinträchtigt sie das?

Bloß, weil einige Einschränkungen motorisch-funktioneller Natur sind, bedeutet das nicht, dass sie nicht auch von arbeitstherapeutischer Relevanz sein können und sich nicht auch entsprechende Formulierungen finden lassen. Meiner Erfahrung nach schlägt sich der Großteil der Beeinträchtigungen auf anderen Ebenen auch bei der Teilhabe am Arbeitsleben nieder. Ein paar "ganz frische" Beispiele aus meinem Berufsalltag:
Maurer mit Rückenschmerzen infolge eines Bandscheibenvorfalls --> Mofu-Problem mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Dachdecker mit Gangunsicherheiten durch Neuropathien infolge Alkoholkonsums --> Neuro- und psychotherapeutisches Problem, im Extremfall mit Berufsunfähigkeit.
Verkäuferin mit Schiefhals und Tremor, trank immer vor und während der Arbeit, um Symptome und Scham zu mildern, infolge dessen Jobverlust nach über 25 Jahren --> mofu, neurologische und psychotherapeutische Fragestellung mit erheblichen Auswirkungen auf die Teilhabe am Arbeitsleben.
Lagerarbeiter mit Depressionen, Schlafstörungen, gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus und völligem Verlust der Tagesstruktur in arbeitsfreien Zeiten, dadurch Schwierigkeiten, nach dem Urlaub Job wieder anzutreten und zu erfüllen --> psychiatrische Fragestellung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit.
Handwerker auf Montage, Vereinsamung, geringe Entspannungsfähigkeit, keine Freizeitinteressen, Einengung der Freizeit auf Alkoholkonsum --> soziale und psychologische Fragestellung, verstärkt durch die für ihn ungünstigen Arbeitsbedingungen.

Ich könnte ewig so weiter machen, aber ich will niemanden langweilen ::wink::Will sagen: Mir ist es bisher sehr selten untergekommen, dass Problemstellungen aus anderen Bereichen sich nicht auch auf die Teilhabe am Arbeitsleben niedergeschlagen hätten. "Arbeitstherapie" ist mehr als nur das Beobachten irgendwelcher Grundarbeitsfähigkeiten und häufig lassen diese sich nicht steigern, wenn man nicht das große Ganze berücksichtigt. Der Kern der Sache ist häufig ein anderer als der offensichtliche.

Noch etwas: Das Ziel muss nicht immer sein, die konkrete Fähigkeit zu steigern (dieser Trainings-Ansatz ist für mich ohnehin fraglich). Du beschreibst, dass deine Patientin motiviert und bemüht ist und die geforderten Qualitätskriterien erfüllt. Bügeln nervt sie (was genau regt sie denn auf und wie genau äußert sich das?). Ich frage mich, ob man daraus auf eine grundsätzliche Einschränkung der Frustrationstoleranz schließen kann (und bezweifle es; möglicherweise heißt die "Baustelle" auch eher "Selbstanspruch/Selbstwert/realistische Einschätzung der eigenen Leistung o.ä.).
In solchen Fällen kann das Ziel auch ein anderes sein. Ich kann nur ins Blaue tippen, ich weiß ja nichts über den Kontext und die Möglichkeiten, aber:
Unter welchen Voraussetzungen könnte sie in einen attraktiveren Arbeitsbereich wechseln? Welche Voraussetzungen dafür bringt sie bereits mit, welche fehlen noch? Ließe sich daran mit ihr arbeiten?
Können die Teilnehmer ihre Arbeit selbst strukturieren und aufteilen (z.B. das Bügeln abgeben)? Falls ja: Welche sozialen Kompetenzen fehlen der Patientin, um sich mit den anderen absprechen und sich für ihre Interessen einsetzen zu können?

So viel erstmal, ich hoffe, du hast verstanden, dass ich nur Denkanstöße geben möchte. Menschen sind komplex, Therapien und ihre Planung daher ebenso. Es kann aber viel Spaß machen, sich daran zu versuchen ::smile::

Viele Grüße, Kinaa
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
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