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Valenser Schiene

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20. Januar 2018 00:03 # 1
Chris08
Registriert seit: 07.04.2008
Beiträge: 47

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer von Euch hat Erfahrungen mit der Valenser Schiene?

Es geht um einen relativ jungen (50 Jahre alten) und relativ mobilen Patienten nach Schlaganfall und mit Hemiparese, der neben einer Fußheberschwäche vor allem das Problem hat, dass er während der Standbeinphase im Knie überstreckt bzw dass das Knie dann durchschlägt. Während der Schwungbeinphase kommt es zu einer mäßigen Supination (und leichter Zirkumduktion).

Meine Frage wäre ob die Valenser Schiene neben der Unterstützung des Fußhebers und der Korrektur der Supinationsstellung auch das Übertrecken im Kniegelenk verhindert. Ich war bisher immer der Meinung, dass sie das tut, der Orthopädiemechaniker, mit dem wir heute ein Gespräch hatten, meinte allerdings, dass sie das nicht tut. Er schlägt eine individuell angepaßte, zweigelenkige, bilateral geführte Orthese vor (vom Fuß über Sprunggelenk und Knie bis Mitte des Oberschenkels) um das Knie ausreichend stabilisieren zu können. Mir kommt das etwas übertrieben vor und ich habe so meine Bedenken - vor allem weil eine solche Orthese recht schwer ist (geschätzt mind. 2 kg?) und ich die Befürchtung habe, dass es allein aufgrund des Gewichts evtl. zu einer Tonuserhöhung kommen könnte. Ganz abgesehen davon, dass es für die Körpereigenwahrnehmung sicherlich nicht förderlich ist immer einen derart großen und schweren Fremdkörper am Bein zu haben.

Der Patient kann ohne Hilfsmittel (bzw nur mit Handlauf) die Treppe alternierend hoch und runter gehen. Beim Runtergehen kommt es nicht zu einer Überstreckung im Knie - er kann das Köpergewicht auf dem betroffenen Bein übernehmen und das Knie dabei in physiologischer Weise stabilisieren. Darin sehe ich, dass Potential vorhanden ist, das evtl. verloren gehen könnte wenn durch die Orthese zuviel Funktion abgenommen wird. (Der Orthopädiemechaniker verneint das zwar - aber ich habe doch gewisse Zweifel).

Die "Walk On Reaktion" (Orthese von Otto Bock), die wir heute im Sanitätshaus testen konnten, hat leider kein befriedigendes Ergebnis gebracht. Das Knie ist trotzdem durchgeschlagen.

Die Hauptursache für die geschilderte Problematik sehe ich in der Retraktion der Hüfte und denke, dass durch entsprechende Physiotherapie (Verbesserung der Hüftextension etc) gute Erfolge möglich sein müßten.

Ich wäre froh Eure Einschätzungen und Eure Erfahrungen zu hören - vor allem bezüglich der Valenser Schiene.

Vielen Dank im Voraus!

Chris
20. Januar 2018 15:22 # 2
annebraun
Registriert seit: 15.10.2016
Beiträge: 7

Hallo Chris,
Wir haben in unserem Team (KG und Ergo im geriatrischen Bereich)
guter Erfahrungen mit den Produkten von Sporlastic. Für deinen Patientem
mit, wie du beschreibst relativ gute Selektivität, könnte vielleicht der
Foot-up reichen. Sehr gut daran finde ich dass es keine
Sensibilität-Verwirrung gibt an der Fusssohlr
weil die Orthese keine Platte hat die im Schuh ist.
Zur Stabilisierung des Knies würde vielleicht auch schon eine
Bandage reichen? Damit arbeiten wir auch viel, entweder mit seitliche Stabilisation
in Form von Metalstäbchen oder eine Bandage aus festem Material.
Dein Ansatz an der Hüftmuskulatur zu arbeiten
hört sich plausibel an; da liegt oft die Ursache, so ist meine Erfahrungen.
Wünsche dir viel Erfolg!
LG, Anne
21. Januar 2018 10:51 # 3
Chris08
Registriert seit: 07.04.2008
Beiträge: 47

Hallo Anne,
vielen Dank für Deine Antwort.
So etwas wie den "foot-up" hat er aus der Reha mitbekommen. Er ist jetzt seit einem Jahr zu Hause und kommt damit nicht zurecht - die Fußspitze hängt trotzdem runter. Und das obwohl er tatsächlich leichte Aktivität im Fußheber hat.
Jetzt hat er seit ca 2 Monaten eine Bandage für das Knie mit der Möglichkeit seitlich Keile einzusetzen um die Extension zu begrenzen - leider ohne Erfolg. Das Knie schlägt trotzdem durch. Und das wiederum obwohl er wie beschrieben in manchen Situationen (Treppe runter) das Knie gut stabilisieren kann...
Habt Ihr im Team auch Erfahrungen mit der Valenser Schiene? Kann die das Durchschlagen im Knie verhindern?
LG Chris
23. Januar 2018 15:41 # 4
roo22
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1037

Die Valenser Schiene kann ein Durchschlagen des Knies nach hinten nicht verhindern. Aber durch die bessere Positioniereung des Fusses, des anderen Gangbildes und der anderen verbesserten Informationen ist es durchaus möglich das der Patient dann eher in der Lage ist dies zu steuern.
Aber warum probiert ihr es nicht einfach aus? Unser Orthooädiemechaniker kommt immer mit Probierteilen wo man schon einmal eine Weile ausprobieren kann bevor man sich festlegt. Die Patienten laufen alle einige Tage mit den Schienen bevor es zur Rezeptierung kommt.
23. Januar 2018 20:04 # 5
Chris08
Registriert seit: 07.04.2008
Beiträge: 47

Hallo roo22,

Vielen Dank für Deinen Beitrag.

Wir haben die "Walk on Reaction" von Otto Bock im Sanitätshaus ausprobiert - die hat das Durchschlagen im Knie leider nicht verhindert. Die Valenser Schiene muß meines Wissens individuell angepaßt werden und in einen Schuh eingearbeitet werden - das wird probeweise wohl nicht möglich sein. Ansonsten wäre das natürlich optimal.
Mit welchen Schienen habt Ihr die besten Erfahrungen? Da ich in einer Praxis arbeite und nicht in einer Klinik ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht so einfach. Leider habe ich noch keinen Orthopädiemechaniker "meines Vertrauens" gefunden...
Was die Sache erschwert ist ein ausgeprägter Klonus im Bein und verminderte Wahrnehmung/Sensibilität im Fuß. Hier möchte ich jetzt mal intensiver ran mit Perfetti etc. Hoffe dass sich dadurch auch der Hypertonus der Wadenmuskulatur beeinflussen läßt.. Habt Ihr damit Erfahrungen?

LG Chris
24. Januar 2018 11:50 # 6
roo22
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1037

Hallo! die haben immer Probeschuhe mit Valenserschiene dabei gehabt. Vielleicht wäre da das mygait eine Idee. Letztendlich klingt es an v iel Vorarbeit bevor Laufen.
Wir haben den Godesberger Winkel ab und zu. Letztendlich ist die Schienenversorgung jetzt keine so extrem häufige Sache im Akutkrankenhaus. Meist gehen die Leute ja erst noch zur Reha. Aber bei Langzeitpatienten oder in der Tagesklinik haben wir ab und zu gute Erfahrungen. Außerdem habe ich 10 Jahre in der Neurologie gearbeitet. Plus Papa mit Apoplex.
Ich würde dir wirklich raten mir einmal verschiedene Arten der Versorgung vorführen zu lassen. Die Sanitätshäuser machen da oft kostenlose Fortbildungen. Habt ihr Rehateam/ Orthoteam in der Gegend?
Ansonsten würde ich einfach mal welche anrufen und dein Problem schildern. Das kann man nicht so übers Knie brechen, was sagt denn der behandelnde Physio dazu?
24. Januar 2018 14:04 # 7
kaenguru
Registriert seit: 26.08.2007
Beiträge: 214

Hallo Chris,
ich habe viele Jahre Erfahrung mit der Valenser Schiene.

Die Reaktion des Tonus ist entscheidend, habe ich gemerkt.
Es gibt Patienten, die reagieren auf den Federzug in die Dorsalextension mit höherem Tonus oder gar gesteigerten Myoklonien. Dabei schlägt dann das Knie am Ende der Standbeinphase sogar eher noch mehr durch. Das ist Mist. Bei anderen Patienten funktioniert es trotz Flexorenspastizität einsA, der Tonus wird reduziert, es kommt dadurch reaktiv nicht zu einer passiven Überstreckung im Knie, sondern sogar insgesamt zu einer besseren aktiven Kniekontrolle.

Im Schnitt hilft meiner Erfahrung nach die Valenser mehr Patienten mit distaler Spastizität, als alle anderen Varianten. Am wenigsten hilft die leichte Peronaeusschiene, die eigentlich für periphere Läsionen ist. (Dafür ist sie auch gut geeignet, oder für Patienten mit schlaffer zentraler Parese)
Die ganz große Variante, die du beschreibst, habe ich nur bisher 2x in 26 Jahren gehabt, und zwar einmal bei einem Patienten mit Polio im Kindesalter und einmal bei einem Pat. mit zwanzig Jahre zurückliegendem Apoplex.
Ich finde sie viel zu schwer für unsere Apoplektiker.

Lieben Gruß, kaenguru
25. Januar 2018 21:36 # 8
Manu16
Registriert seit: 15.04.2009
Beiträge: 5

Hallo Chris,
Seit ca 2 Jahren arbeite ich als Ergotherapeutin im Sanitätshaus in der Orthetik. Ich versorge zwar nur die obere Extremität (die untere ist bei uns Physiosache), aber lass mich folgendes sagen:
Eine Valenser Schiene löst in der Regel das Problem der Fußheberschwäche, aber nicht die Überstreckung im Knie. Bei uns bekommen die Kunden eine ausführliche Beratung mit Bewegungs- und Ganganalyse und Testung der möglichen Versorgungen. Bei Fußheberschwäche und Genu recuvatum hilft meistens eine Toe Off (Orthese mit vorderer Anlage), die über ihren Hebel zu einer Veränderung des Drehmoments führt. Anders ausgedrückt: das Knie kann nicht mehr in die Überstreckung gehen. Natürlich ist es immer auch von den übrigen Funktionen abhängig.
In manchen Fällen funktioniert auch eine Unterschenkelspirale gut.
Soweit ich weiß, hat funktionelle Elektrostimulation wie z. B. das MyGait keine direkte Auswirkung auf das Knie. Leider funktioniert es auch nicht bei jedem.
Eine Ganzbeinorthese ist meines Wissens dann erforderlich, wenn die Stabilität im gesamten Bein nicht gegeben ist. Wenn der Patient es schafft, Gewicht mit dem betroffenen Bein zu übernehmen wie z. B. beim Treppen steigen, wäre er damit wahrscheinlich überversorgt und es würde ihn eher einschränken als unterstützen.
Ich hoffe, ich konnte helfen.
Gruß Manu
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