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Praxisleitung als Berufsanfängerin

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11. Juli 2018 10:22 # 1
86er
Registriert seit: 07.07.2018
Beiträge: 2

Zu diesem Thema wurden hier schon des öfteren Fragen gestellt und beantwortet. Ich schätze mal zu meinem Fall steht hier noch nichts. Ich bin seit fast einem Monat fertige Ergotherapeutin. Auf meiner Suche nach einem Arbeitsplatz bin ich auf eine interessante Anzeige als Leiterin einer Ergopraxis gestoßen. Just for fun habe ich mich beworben und schon am gleichen Tag eine positive Antwort erhalten. Kurz daraufhin hatte ich auch schon das Vorstellungsgespräch.

Meine Aufgabe als zukünftige fachliche Leitung besteht darin, eine neu gebaute Praxis von null auf hochzuziehen, dazu gehören; Einrichten, Werbung machen, Kontakt zu Krankenkassen und Ärzten, Wirtschaften und natürlich parallel dazu Klienten an Land ziehen und behandeln und bestimmt noch einiges mehr. Ich wäre zunächst einmal die einzige Ergotherapeutin. Ich bin ein absoluter Anfänger, bin aber gleichzeitig sehr angetan vor der Herausforderung.

Meine Fragen dazu: Gibt es jemanden, der vor der gleichen Aufgabe stand? Wie ist diese Herausforderung zu bewältigen? Ist es überhaupt eine gute Idee, dass ich mich darauf einlasse? Gibt es Hilfestellungen oder Literatur zu diesem Thema. Ich habe im Net nichts finden können.

Danke schonmal für die Antworten::thumbup::
11. Juli 2018 11:22 # 2
MiMim
Registriert seit: 20.10.2016
Beiträge: 20

Hallo 86er,

ich kann verstehen wenn dich ein solches angebot reizt oder dir interessant erscheint und respekt, wenn du da mutig hinschaust und es dich interessiert, aber mir kam sofort der gedanke in den sinn... in welchem rahmen wird diese praxis eröffnet ( "kl." freie praxis, oder in zusammenhang in einem gesundheitszentrum mit anderen fachrichtungen...) und warum stellt der oder die inhaber/in es nicht erst mal selber auf?

es ist überhaupt nicht böse gegen dich oder allgemein gegen berufsanfänger gemeint, aber ich glaube nicht das mensch sich die aufgabe, die da gestellt wird "erlesen" kann als berufsneuling. ich glaube da gehört
praxis er-leben und ein guter überblick über sehr viel dazu und den kann man aus meiner sicht ohne praxiserfahrung nicht wirklich haben.
es ist sicherlich auch von mensch zu mensch unterschiedlich, weil jeder anders gestrickt ist, aber viele erfahrene ET's tun sich mir der eröffnung und dem aufbau einer praxis ja schon aufgrund der komplexität schwer.
bei mir kommt da ein ungutes gefühl hoch, wenn ich den plan des anbieters...so wie du ihn beschreibst...lese...
ich wär da an deiner stelle achtsam... da kommt ja ein berg an arbeit und verantwortung auf dich zu und wie gut wirst du da vom/n praxisinhaer/in unterstützt?

es lesen und schreiben hier ja auch viel PI mit, vllt. mögen dir von denen ja welche hilfreiches für deine entscheidung mitteilen?

ich wünsche dir viel glück und gutes bei deiner entscheidungsfindung.
viele grüsse
MiMim
11. Juli 2018 11:33 # 3
86er
Registriert seit: 07.07.2018
Beiträge: 2

Danke für die rasche Antwort.

Das soll eine Art Praxiskomplex werden. In diesem Komplex entstehen je eine Logo-,Physio- , Arzt- und Ergopraxis. Der Inhaber ist Inhaber eines großen Seniorenheims direkt nebenan. Die Praxen sind jedoch unabhängig davon. Mir wurde zwar versichert, dass ich eingearbeitet werde, doch bin ich tatsächlich die einzige ET dort. Ich weiß nicht, wie kompetent die Einarbeitung dann sein kann. So langsam kriege ich auch ein ungutes Gefühl bei der ganzen Sache. Klar wäre es eine ungemein interessante Erfahrung, doch ich habe Angst das ganze nicht bewältigen zu können.
11. Juli 2018 12:01 # 4
Roose
Registriert seit: 25.01.2017
Beiträge: 23

Hallo 86er,

hör auf dein Bauchgefühl.
Wenn du Bedenken hast, den Aufgaben nicht gewachsen zu sein, nimm dich ernst und verschaffe dir erst einmal einen Überblick. Gerade in einer Praxis hat man als Berufsanfänger die erste Zeit ordentlich zu tun und zu lernen, von verschiedenen komplexen Krankheitsbildern, unterschiedlichstem Klientel, Berichtswesen, Kontakt zu Ärzten und Krankenkassen etc. Sich zusätzlich die Verantwortung für eine neue Praxis (mit Allem was dazu gehört) aufzubürden finde ich bedenklich, auch im Bezug auf die eigene Psychohygiene und das Stresslevel.

Viele Grüße, Rooses

Keiner ist so verrückt, das er nicht noch einen Verrückteren findet, der ihn versteht. (Nietzsche)
11. Juli 2018 12:10 # 5
Motte123
Registriert seit: 09.02.2012
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 286

Geändert am 11.07.2018 12:13:00
Als ich schon "Inhaber eines großen Seniorenheims" lese, wurde mir flau im Magen.....
Ich weiß, es gibt auch noch ganz wenige, seltene Ausnahmen hier in DE, aber für gewöhnlich sind die Inhaber von Seniorenheimen mittlerweile entweder profitorientierte Neureiche oder aber es stecken millionenschwere, börsendotierte Investoren dahinter (mittlerweile kaufen ja auch immer mehr dicke Immobilienfirmen die Privatheime auf). In beiden Fällen eine absolut schlechte Voraussetzung für dich.
Ich rate mal und falls ich daneben liege, freue ich mich sehr auf Korrektur: Du würdest mit einem mickrigen Anfangsgehalt von 1.800,00 EUR brutto eingestellt werden, weil "du ja Berufsanfängerin bist" und du bekommst die größte Verantwortung von allen aufgehalst...
Frag den Inhaber doch mal, wer dich denn da fachlich einarbeiten soll, wenn gar kein anderer Ergotherapeut oder Mitarbeiter mit PI-Erfahrung da ist... was antwortet er dir dann? Meistens haben die Inhaber selbst nämlich absolut gar keinen Schimmer von der ganzen Bürokratie, die hinter einem Praxisaufbaue hintersteckt. Dass sie eine Berufsanfängerin als Praxisleitung zum Aufbau einstellen wollen, zeugt in meinen Augen leider schon von Geldgier. Denn eine erfahrene Ergo als Praxisleitung hat natürlich auch ihren (anderen) Preis als eine Berufsanfängerin (zurecht und verständlicherweise).
Meistens ist das Bauchgefühl richtig. Ich würde mich nochmal bei dem Inhaber erkundigen und die entsprechenden Fragen stellen. Und dann abwägen.
Erzähl doch, wie es gelaufen ist, das würde mich sehr interessieren!

P.S.: Eine Freundin von mir sollte eine Praxis mit größtenteils russischem und kasachischem Klientel (Alkohol- und Drogenabusus) auf die Beine stellen. Da sie Russin ist, war der Inhaber hellauf begeistert, da die Sprachbarriere oft sehr groß war. Sie war jedoch Berufsanfängerin. Sie hat keinerlei Unterstützung bekommen und obgleich sie fachlich wirklich viel auf dem Kasten hatte, scheiterte diese Projekt (der Inhaber hat ihr auch fachliche Unterstützung verbal zugesichert). Der Inhaber hat sie dann irgendwann gar nicht mehr weiter entlohnt und war irgendwann von der Bildfläche verschwunden bzw. hat sich aus dem Staub gemacht. Meine Freundin musste noch ihren Ausbildungskredit abbezahlen und hatte kein Geld für einen Anwalt. Das nur als kleine Anekdote.
Sag Menschen nicht, wie sie Dinge tun sollen. Sag ihnen was zu tun ist, und sie werden dich mit ihrem Einfallsreichtum überraschen.
11. Juli 2018 16:21 # 6
falladar
Registriert seit: 27.09.2004
Bundesland: Berlin
Beiträge: 992

... vielleicht mal hier bei den Forenbeiträgen anderer Berufsanfänger nachlesen:

https://www.ergotherapie.de/foren/suche.aspx#&&page=1&search=Berufsanf%25c3%25a4nger&forum=0

z.B.:
https://www.ergotherapie.de/foren/topic.aspx?id=28161
https://www.ergotherapie.de/foren/topic.aspx?id=26986
https://www.ergotherapie.de/foren/topic.aspx?id=19423

Früher musste man mind. 2 Jahre Berufserfahrung (vollzeit) nachweisen um eine Praxis leiten zu dürfen. Für eine BG-Zulassung gilt das indirekt heute noch. Deinen beruflichen Hintergund kenne ich jedoch nicht. Wenn du vor der Ergotherapieausbildung schon jahrelang in Leitungsfunktionen gearbeitet hast und auch die Ausbildung für dich keine allzu große Herausforderung war, dann ist das vielleicht genau der richtige Job für dich.

MfG falladar
"Der Eine hofft, dass die Zeit sich wandelt, der Andere nutzt die Zeit und handelt."
11. Juli 2018 19:51 # 7
ergo-ex
Registriert seit: 27.06.2017
Beiträge: 79

Ich war 5 Jahre im Job, als ich FM wurde. Und habe KEINE Ahnung gehabt vom ganzen "amtlichen" Hickhack.
Was da auf mich zukam, war enorm.
Und als FL hast du ja noch die Themen Personalführung, Außenrepräsentation usw am Hals..
Ich habe einige FL zusammenbrechen sehen- alles "junge Dinger" mit wesentlich weniger Erfahrung als ich, die aus dem einen oder anderen Grund die FL übernommen hatten/mussten...

Mit meiner Erfahrung würde ich sagen- nein! Ohne langjährige Erfahrung niemals!

Es geht nicht gegen dich- Du KANNST es noch gar nicht wissen: aber du hast die Voraussetzungen nicht. Lern erstmal die Basics und kümmer dich dann- evtl- um den bürokratischen Kram.
12. Juli 2018 08:35 # 8
Kukdiehe
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1282

Ich selber würde jetzt noch nicht gleich als Fachliche Leitung ganz ohne Berufserfahrung anfangen. Ich selber habe zwar auch damals nicht soviel Berufserfahrung gesammelt, aber ich habe zumindest erst mal hier und da als Krankheitsvertretung in irgendwelchen Krankenhäusern ausgeholfen. Ich selber habe erst mal par Monate Berufserfahrung gesammelt, bevor ich eine Stelle als Fachliche Leitung angetreten bin. Weil du dir auch erst mal Tipps von erfahrenen Kollegen du dir holen kannst, was du den mit deinem Patienten noch alles machen kannst wenn du mal nicht weiter weist.
Es ist deine Aufgabe, dich erst mal bei den Ärzten vorzustellen, Flyer zu gestalten und diese überall zu verteilen. Dir zu überlegen welche Therapiematerialien brauche ich und vieles mehr.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
12. Juli 2018 09:05 # 9
Kelpie-ET
Registriert seit: 11.03.2018
Beiträge: 7

Ich würde dir abraten dieses Angebot anzunehmen. Fachlich kannst du noch nicht so weit sein.

Mich würde interessieren was dir an Gehalt geboten wird?

Mir wurde auch mal so ein Angebot unterbreitet. Da sollte ich eine neue Praxis von Grund auf hochziehen. Dort wurden mir für die ersten Monate 400€ Gehalt geboten (solange die Praxis noch nicht laufen würde, könnte ich ja noch ALG beziehen - so der Vorschlag des potenziellen Arbeitgebers).

Viele AG suchen kostengünstig einen Depp vom Dienst, Berufseinsteiger sind da oftmals sehr willkommen (da günstig)
14. Juli 2018 09:11 # 10
freckle
Registriert seit: 05.02.2007
Beiträge: 793

Yep - so auch meine Gedanken. Never ever!
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