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Helfen und trotzdem Hilfe brauchen?

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31. Oktober 2018 23:48 # 1
LexLeave
Registriert seit: 02.01.2017
Bundesland: Berlin
Beiträge: 1

Guten Tag,
hoffentlich könnt ihr mir aus meiner gedanklichen Sackgasse helfen.
Ich bin nun seid über 2 Jahren als Ergotherapeut tätig und arbeite im geriatrischen Bereich.
Es kommt oft vor das ich meine Klienten bis zum letzten Atemzug begleite oder lange Herzenswüsche der Klienten diskutiere.
Nun kommt es das ich unter einer anstrengenden privaten Situation leide (die ich hier nicht unbedingt preisgeben muss) und immer weiter in eine Depression gerutscht bin.
Ich kann meinen Klienten nicht mehr länger den dauerlächelden Therapeuten vorspielen und Ruhe ausstrahlen funktioniert kaum noch. Ich bin schnell gereizt und einfach aus der Ruhe zu bringen was es mir kaum noch ermöglicht eine vernünftige Therapie durchzuführen.

Um ein absolut vollständiges Bild der Situation darzustellen, ich hatte bereits den Gedanken einfach vor das nächste Auto zu laufen, was ich natürlich nicht machen will oder werde.

Nun bin ich auf der Suche nach einer Psychotherapie die mir hilft diese Gedanken wieder in den Griff zu bekommen doch nun stehe ich vor der Frage, Kann ich anderen eine Hilfe seine wenn ich es nicht mal schaffe mir selbst zu helfen?

Ich hoffe ihr könnt mir eine konstruktive Einschätzung zu diesem generellen Thema geben.
mit freundlichen Grüßen Lex
1. November 2018 08:09 # 2
vogelbeere
Registriert seit: 23.09.2018
Beiträge: 96

Geändert am 01.11.2018 08:25:00
Lieber Lex!

Zuerst zu deiner Grundfrage: Meiner Meinung nach sind sich selbst helfen und anderen helfen zwei unterschiedliche Fähigkeiten, die zwar verbunden sind, aber nicht gleich stark sein müssen. Ich habe selbst einige Zeit mit Menschen mit Depressionen gearbeitet. Da gab es nicht wenige, die in sozialen Berufen tätig waren. Den meisten fiel nicht die soziale Komponente ihrer Arbeit schwer, sondern die Abgrenzung. Und kein Mensch kann immer lächeln.

Es ist aber denke ich so, dass du, wenn du dich in deiner helfenden Tätigkeit verausgabt und ausbrennst, dich noch weniger um dich selbst kümmern kannst. Von daher finde ich es ganz wichtig, dass du erstens für sich herausfindest, ob du in der jetzigen Situation eine Auszeit von deiner beruflichen Tätigkeit benötigst, um dich um dich selbst zu kümmern, und zweitens, dass du dir gute Abgrenzungsstrategien überlegst für deine Arbeit mit Menschen.

Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, dass du bald jemanden findest, bei dem du eine Therapie machen kannst. Scheue dich auch nicht davor, ärztlichen Rat einzuholen.
1. November 2018 08:56 # 3
saluki
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 78

Ich kann Vogelbeere nur zustimmen.

Was du im beruflichen Setting machst, und privat schaffst, sind 2 Paar Schuhe.

Du willst Hilfe? Dann fordere sie dir ein.
Sorge zunächst für dich. Stärke dich wieder selbst und regele deine private Situation.
Und wenn du dich wieder bereit fühlst, dann hilfst du wieder deinen Klienten/Patienten.

Auch ein Helfer kann mal Hilfe brauchen.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
1. November 2018 10:41 # 4
ErgoSaraLe
Registriert seit: 01.07.2018
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beiträge: 35

Lexleave:

"ich bin doch keine Maschine,..:" Tim Bendzko
Wir sind alle Menschen und irgendwann kommt man an seine Grenzen, entweder körperlich oder Psychisch.
Das ist überhaupt nicht schlimm.
Du wirst eine Auszeit benötigen, um mit dir und deinen Problemen ins Reine zu kommen und auch Entscheidungen treffen zu können. Lass dich Krankschreiben und versuche Hilfe zu finden durch einen Psychotherapeuten oder durch einen guten Kumpel/ Kumpelinne. Je nach Situation reicht ein klärendes Gespräch.

Es gibt immer mal Situationen wo man alleine nicht mehr weiterkommt ::unsure:: Wichtig ist nur den Mut zu haben es zu ändern. Seine eigene Psychohygiene darf man nie vergessen!

KopfHoch ::rolleyes::::thumbup::

"Du hast erst verloren, wenn Du aufhörst es zu versuchen."
1. November 2018 23:17 # 5
ergo-ex
Registriert seit: 27.06.2017
Beiträge: 257

Geändert am 02.11.2018 13:07:00
Es gibt den schönen, wahren Satz "Wer versorgt die Versorgenden?"
Und aus eigener Erfahrung kann ich dir nur dringend raten, "Fremdhilfe" jetzt erstmal hinten an zu stellen.
Klienten UND dich wirst du nicht zeitgleich "versorgen" können, oder um deine konkrete Frage konkret zu beantworten: Nein, im Moment kannst du Klienten wohl eher nicht helfen, dafür bist du grade selbst zu "bedürftig" (ich weiß, das Wort wird nicht gern gehört....)
Zieh dich raus(Krankmeldung- rechne damit das es. länger als 2 Wochen werden!!- evtl auch Reha) und evtl tatsächlich nen Fachwechsel andenken.
Mir hat das sehr gut getan und ich habe erst da gemerkt, wie dringend nötig es war.
War lange Jahre selbst im Geri/Gerontopsychbereich- die Tatsache und Belastung, das man immerzu das Ende eines Lebens begleitet, es wenig gibt, was wirklich!! nochmal besser wird im Leben der Klientel, ist nicht zu unterschätzen.

2. November 2018 13:53 # 6
roo22
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1095

Es ist wie bei der Notfallrettung. Der Retter soll sich nicht selbst in Gefahr begeben.
Wenn es dir selbst gut geht kannst du das auch vermitteln und anderen weitergeben. Sicher ist es erstmal wichtig dich selbst zu stabilisieren .
Was würdest Du denn einem Patienten mit deiner Fragestellung raten?
13. November 2018 23:50 # 7
Tina 65
Registriert seit: 27.12.2016
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Beiträge: 66

Hallo LexLeave ,
es kann auch eine stationäre psychotherapeutische Behandlung zum Beispiel in der Pschychosomatik hilfreich sein. Suizidgedanken gleich welcher Art sind schon ein heftiger Warnschuss.
Wenn du Dich nicht klar hast, kannst Du den Patienten keine ausreichend gute therapeutische Beziehung anbieten.
Eine Weile kann man sicher "Dienst nach Vorschrift" machen. Auch das ist zulässig. Aber auf Dauer macht es Dich kaputt und von alleine gehen schwere Krisen selten vorbei.
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