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Brainstorming: Struktur und Regeln

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15. März 2019 13:34 # 1
vogelbeere
Registriert seit: 23.09.2018
Beiträge: 80

Hallo!

Ich arbeite ein paar Stunden im psychiatrischen Bereich (ein stationäres Langzeitsetting) und habe seit kurzem eine Patientin von einer Kollegin, die jetzt weg ist, übernommen. Mit dieser kann ich kaum arbeiten, weil sie macht, was sie will und sich auf keinerlei Vereinbarungen einlässt. Da sie sehr auf Essen fixiert ist, möchte sie unbedingt mit mir kochen, und das ohne vorher noch was anderes zu machen (sie neigt dazu, dann sehr manipulativ zu agieren, entwertend zu werden usw., um an ihr Ziel zu kommen). Ich habe noch nicht einmal einen Rahmen schaffen können als Basis für eine Zusammenarbeit mit der Patientin (in Form von Zielen, Regeln und einer gewissen Struktur). Ich weiß nur, dass sie kaum auf Angebote (Aktivitäten und auch Gespräche egal welcher Art) meinerseits einsteigt, und ganz schnell dazu neigt, eine Einheit einfach abzubrechen. Ich stehe echt an und weiß nicht, wie ich mit ihr arbeiten soll. Sie ist immer wieder psychotisch und auch kognitiv eingeschränkt.

Habt ihr Ideen dazu? ::confused::
15. März 2019 22:20 # 2
HHAltona
Registriert seit: 05.10.2011
Bundesland: Hamburg
Beiträge: 436

Die Kundin/Klientin scheint ja schon gewisse Regeln anzubieten... was spricht dagegen sich zum Beziehungsaufbau ein Stück darauf einzulassen?

Was möchte denn die Kundin/Klientin von der Therapie? Läßt sich das nicht machen was sie will? Und wenn nicht, warum nicht? Vielleeicht könnte das ja sogar Spaß machen udn dagegen spricht doch nichts - außerdem stärkt es die Beziehung. Das könnte wiederum Folgen haben auf die generelle Erreichbarkeit/Bereitschaft Deines Gegenübers...

Ich bin ja großer Fan der Idee des "Shared-Decision-Makings" oder eben der Partizipativen Entscheidungsfindung.
Alleine schon deswegen, weil ich wenn ich Kunde/Klient bin, auch so behandelt werden will!
Wir verwalten unsere Praxis mit Thera-Pi.org - OpenSoure und gut!
17. März 2019 11:13 # 3
vogelbeere
Registriert seit: 23.09.2018
Beiträge: 80

Danke für den Input. Ja, gute Frage. Innerlich sträubt sich alles in mir dagegen, "Ja und Amen" dazu zu sagen - teils, weil ich weiß, dass es da wirklich nur um das Essen geht und nicht um die Betätigung des Kochens an sich und teils, weil ich einfach Bedenken habe, ob das dem Beziehungsaufbau auf wirklich dienlich ist oder ob ich dann Erwartungen schüre, die ich nicht schüren möchte (Die Patientin könnte ja den Eindruck gewinnen: "Wir werden ab jetzt immer machen, was ich will, ich muss nur alles andere strikt ablehnen, dann werden meine Wünsche erfüllt.")
Ich sehe schon, ich muss das nochmals für mich durchdenken. Vielleicht ist es nur ein innerer Widerstand, der mehr mit mir selbst als mit meiner Klientin zu tun hat... Sollte das der Fall sein, dann werde ich wohl "über meinen Schatten springen" und mit ihr kochen. Mal sehen.
17. März 2019 12:27 # 4
HHAltona
Registriert seit: 05.10.2011
Bundesland: Hamburg
Beiträge: 436

Zitat / vogelbeere hat geschrieben:
Danke für den Input. Ja, gute Frage. Innerlich sträubt sich alles in mir dagegen, "Ja und Amen" dazu zu sagen - teils, weil ich weiß, dass es da wirklich nur um das Essen geht und nicht um die Betätigung des Kochens an sich und teils, weil ich einfach Bedenken habe, ob das dem Beziehungsaufbau auf wirklich dienlich ist oder ob ich dann Erwartungen schüre, die ich nicht schüren möchte (Die Patientin könnte ja den Eindruck gewinnen: "Wir werden ab jetzt immer machen, was ich will, ich muss nur alles andere strikt ablehnen, dann werden meine Wünsche erfüllt.") ....


Sprich mit der Klientin drüber - Du bist für den Rahmen der Therapie zuständig. Und - nutzte den Antrieb der Kundin/Klientin, wenn schon mal einer da ist.

Und Essen kann eine starke Motivation darstellen - das kennen wir doch alle!

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17. März 2019 13:43 # 5
ergo-ex
Registriert seit: 27.06.2017
Beiträge: 133

Geändert am 17.03.2019 13:47:00
...geteilte Entscheidungsfindung: JA.
Aaber-- dann doch auch tatsächlich geteilt.
Würde für mich bedeuten: Kochen, ja- wenn..... (auch meine Entscheidungen erfüllt werden)
Möglicher Ansatz: Einheit zeitlich aufteilen, Einheitenweise aufteilen (hier besteht natürlich die Gefahr, das die Klientin abbricht, wenn nicht "ihre" Wunschstunde stattfindet)

Wenn sich in dir alles sträubt, weil du dich ausschließlich(!) auf die "Forderung"(!) der Klientin einlässt, wirst du wahrscheinlich in der "auferlegten" Therapiedurchführung nicht "grade stehen" können, dich womöglich "erpresst/erpressbar" und fachlich "weggedrückt" fühlen.
17. März 2019 19:37 # 6
KevinB92
Registriert seit: 13.09.2012
Beiträge: 5

Hmm...
Also ich kann nur sagen, was ich machen würde.
Wenn sie gerne kochen möchte, würde ich das machen- wieso auch nicht?
Du kannst es ihr ja anbieten BEVOR sie auf dich zukommt es "fordert".
Hol sie dir erstmal ins Boot, sonst wird das glaube ich nichts.
Später kannst du das Setting ja immer noch umbauen, den Zielen anpassen oder was auch immer.
Mit dem Kochen bzw. Arbeiten in der Küche kann man doch soooo viel machen...::tongue::
17. März 2019 23:46 # 7
saluki
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 43

Wenn ich dich richtig verstehe hast du mit der Patientin noch keine Ziele besprechen können.oder?
Das wäre für mich das erste...warum ist sie da? Was ist ihr Auftrag an dich....hat sie überhaupt einen?

Vielleicht hat sie auch gar keinen Auftrag an dich...dann könnt ihr euch beide die ganze Sache auch sparen.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
18. März 2019 20:25 # 8
vogelbeere
Registriert seit: 23.09.2018
Beiträge: 80

Danke für eure Inputs und helfenden Fragen. Ich werde nicht alle beantworten, weil ich nicht zu sehr ins Detail gehen möchte und meine zeitlichen Ressourcen leider knapp sind, aber ihr habt mir schon so weit geholfen, dass ich jetzt weiß, wie ich vorerst vorgehen werde.
Alles Liebe jedenfalls und vielen Dank nochmals! ::smile::
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