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Religiösität alsTherapeut zeigen = erlaubt?

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5. Oktober 2019 06:54 # 1
FlotteLotte
Registriert seit: 12.04.2016
Beiträge: 2

Geändert am 05.10.2019 07:00:00
Hallo liebe Kollegen,

momentan beschäftigt mich ein Thema gerade sehr und ich bin sehr gespannt wie eure Meinungen dazu sind. Es geht um Folgendes:

Wie wir alle wissen, ist Religion und Glaube ein sehr sensibles Thema, das mit vielen Emotionen behaftet ist. Egal in welcher Religionsfrage, die in unserer Gesellschaft gestellt wird, finden sich schnell heftige, kontroverse Diskussionen wieder. Kopftuch im Beruf erlauben, Burkini verbieten, Kreuze aus den Klassenzimmern oder beibehalten - wir sind uns doch eher kaum einig, das Ausüben des eigenen Glaubens bleibt selten Privatsache. Toleranz wollen wir alle, können sie selten geben.

Und nun denke ich da an uns als Therapeuten, unsere Rolle in der Therapie und Beziehungsgestaltung mit unseren Klienten. In der Schule hatten wir einmal eine Diskussion, ob man als Ergotherapeut religiöse Zeichen (Kreuz um den Hals, Kopftuch, etc.) für die Zeit der Therapie ablegen sollte oder ob das als Teil der Person des Therapeuten vom Patienten akzeptiert werden muss.

Privat setze ich mich zur Zeit verstärkt mit Glaubensfragen auseinander. Da habe ich mir die Frage gestellt, wenn ich nun z.B. zum Islam konvertiere und ein Kopftuch aus Überzeugung tragen möchte, wie wirkt sich das auf meinen Beruf aus? Ich nehme speziell dieses Beispiel, weil in unserer Gesellschaft das Tragen eines Kreuzes weniger Probleme bereitet als das Kopftuch.

Findet ihr es legitim auf die Ausübung seines Glaubens als Therapeut zu bestehen und das nach außen zu zeigen?

Ein Kopftuch oder der Tichel bei den Jüdinnen kann man nicht verstecken, da heißt es entweder tragen oder nicht. Kreuze kann man dezent unter der Kleidung "verstecken".

Sieht das mein Arbeitgeber als Problem, wenn ich mich als Christin beworben habe und irgendwann als kopftuchtragende Muslima daher komme?

Wie geht man mit Patienten ins Gespräch, die man tagtäglich sieht und die einen ganz anders kennen?

Ich denke da besonders an Seniorenheime, in der Glauben noch mehr eine Rolle spielt bedingt durch die ältere Generation. Klar gibt es viele Kollegen von der Pflege, die Kopftuch tragen. Aber was machen Konvertiten, die man zuvor anders kennen gelernt hat?

Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen!
Wie am Anfang schon erwähnt, wir wissen alle: heikles Thema - aber ich hoffe das wir uns alle konstruktiv darüber austauschen können ohne verbale Ausreißer.

Liebe Grüße die FlotteLotte ::smile::
5. Oktober 2019 08:51 # 2
KW
Registriert seit: 10.02.2005
Bundesland: Niedersachsen
Beiträge: 492

Hallo FlotteLotte,

interessantes und wichtiges Thema! Und nicht pauschal zu reglementieren. Es kommt sicherlich auf viele Faktoren an: das Klientel mit dem man zu tun hat, die geografische Lage (es gibt Orte, wo man weniger tolerant ist als an anderen Orten), die Behandlungsvoraussetzungen (sensiblere (Psychiatrie) oder weniger sensible (Orthopädie) Bereiche), etc.

Ich persönlich unterhalte mich in meiner Praxis gelegentlich mit langjährigen Patienten über Glaube, Weltanschauung, Politik etc. Manchmal halte ich aber meine persönliche Meinung zurück, denn sonst würde es auf einen Streit hinauslaufen.

Da ich die Meinung vertrete, dass der Glaube Privatsache ist, finde ich z.B. Kreuze in Schulen oder die Berufung auf "christliche Werte" in Parteien eher fragwürdig. Ich selber habe in meiner Praxis eine Buddhastatue stehen, weil mir vieles aus dieser Weltanschauung sehr zusagt. Es kommen aber keine Gespräche deshalb auf, weil Buddhas oft Dekomaterial im Wellness- und Gesundheitsbereich sind und nicht als Satement wahrgenommen werden.

Ich versuche, tolerant zu sein wenn ich Menschen begegne, die ihre Religiosität offen nach außen tragen. Meine Toleranz wird erheblich belastet wenn ich Frauen mit Kopftuch sehe. Das Kopftuch sagt ja nichts über ihre fachliche Kompetenz aus. Ich gehe zwar offen und genauso freundlich wie auf alle anderen Menschen auf diese Damen zu, aber innerlich muss ich einmal tief durchatmen, denn das Kopftuch triggert in mir Gedanken an Engstirnigkeit, Frauenunterdrückung, Intoleranz etc., die ich erstmal beiseite packen muss.

Ich persönlich finde Zurückhaltung in weltanschaulichen Belangen, gerade in unserem Beruf, eher besser als schlechter. Wir haben mit vielen verschiedenen Menschen zu tun und sollten unsere Weltanschauung oder unseren Glauben niemandem aufdrängen.

Herzliche Grüße,
Karsten
R46.2 – und Spaß dabei!
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