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Sichtstunde psychiatrie

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6. Oktober 2019 18:54 # 1
choli
Registriert seit: 06.10.2019
Beiträge: 2

hallo ihr lieben,

ich habe am dienstag meine erste probesichtstunde im bereich psychiatrie. kurzfristig musste ich den patienten wechseln und bin jetzt etwas ratlos. meine patientin hat eine bipolare störung, und ist sehr therapie erfahren. ich habe sie jetzt die letzte woche beobachtet, um zu schauen woran ich mit ihr arbeiten könnte. aber mir sind nirgendwo auffälligkeiten aufgefallen. sie konzentriert sich, ist selbstbewusst, neugierig neue dinge auszuprobieren, redet viel, ist offen...
deswegen hab ich mir überlegt genau da anzusetzten und sie etwas in ruhe machen zu lassen, zb etwas aus ton. sie soll in sich gehen und ein gefühl, welches ihr als erstes in den sinn kommt, wenn sie an das jetztige wochenende denkt, versuchen durch den ton zum ausdruck zu bringen und soll währenddessen nicht reden, sich also wirklich nur auf ihr inneres konzentrieren. danach dann gemeinsame reflexion, welches gefühl das ist usw.

hört sich das nach einer geeigneten therapieeinheit an? und hat jemand inspiration wie ich dazu 2 ziele formulieren könnte? zb "Patientin redet 20 minuten während dem töpfern nicht, um sich mehr auf ihr inneres erleben zu konzentrieren"?

für tipps und ratschläge bin ich sehr dankbar :)
6. Oktober 2019 21:37 # 2
Rowdy
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 844

Hallo,

Wenn "inneres Erleben" ihr Ziel ist, ist das ok.
Hat sie das so benannt?

Wenn ich meine Patienten (frühreha Geriatrie) nur beobachte, würde ich bei etwa 40% "Ruhe und Entspannjng im Bett" interpretieren.
Wenn wir über Ziele SPRECHEN, kommt meist doch was Alltagsnahes dabei raus. ...

Sie ist ja nicht aus Langeweile in der Psychiatrie oder weil das Essen da schmeckt... was möchte SIE erreichen?

Vg

Ps: Ziele werden IMMER aufgestellt und nicht nur für die Sichtstunde
9. Oktober 2019 22:56 # 3
saluki
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 56

Ziele werden vor allem IMMER erstmal mit dem Patienten formuliert! (ggf. falls dieser nicht Aussagefähig ist, mit Angehörigen)

Ziele für einen Patienten nur durch Beobachtung zu entwickeln geht im schlimmsten Fall völlig an den Wünschen und Möglichkeiten des Patienten vorbei.
Nur weil ich etwas an dem Verhalten des Patienten behandlungsbedürftig empfinde, heißt das nicht, dass mein Patient das auch so sieht.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
12. Oktober 2019 08:31 # 4
Kinaa
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 721

Hallo choli,

das geht so ein bisschen in die Richtung "wie man's macht - man macht's verkehrt":
Wenn die Klientin viel spricht, soll sie üben, den Mund zu halten.
Würde sie wenig sprechen, sollte sie sicherlich üben, sich zu äußern.
Bewegt sich viel - soll stillhalten.
Bewegt sich wenig - soll aktiver werden.
Bringt sich im Gespräch ein - soll sich zurückhalten.
Bringt sich kaum ein - soll sich äußern.

Das könnte man endlos fortführen. Ich halte das für einen schlechten Umgang mit Menschen, dieses ewige Herumkritteln von außen...
Ich finde diese Art der "Zielfindung vom therapeutischen Thron aus" nicht sinnvoll.
Wie die anderen schon schrieben: Sprich mit der Klientin! Es wird Gründe geben, warum sie sich in der Psychiatrie aufhält, nur sind die wahrscheinlich etwas komplexer, als dass du sie "mal eben" von außen durch Beobachtung (übrigens m.E. ein Unding, dass das in den (bzw. in manchen) Schulen noch immer als Mittel der Wahl verkauft wird - wir arbeiten nicht im Zoo!) identifizieren könntest.

Ich wünsche mir, dass Klienten als mündige Menschen betrachtet werden, die man in die Planung ihrer Behandlung einbezieht, die gefragt werden und deren Antworten zählen, die ernst genommen werden als die Gestalter ihres eigenen Lebens - statt beobachtet und bevormundet zu werden.

VG! Kinaa
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
12. Oktober 2019 08:32 # 5
Kinaa
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 721

Entschuldigt, ich habe nicht gesehen, dass die Sichtstunde schon gelaufen ist.
Meinen Beitrag lasse ich dennoch stehen.
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
12. Oktober 2019 18:27 # 6
Rhodesian Ridge
Registriert seit: 10.02.2019
Beiträge: 24

Wie ist denn deine Sichtstunde gelaufen?
Ich wünsche dir, dass sie dir gelungen ist.
Bevor du urteilen willst über mich und mein Leben, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg, durchlaufe die Straßen, Berge und Täler, fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude. Durchlaufe die Jahre, die ich ging, stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin, stehe immer wieder auf und gehe Genaus die selbe Strecke weiter, genau wie ich es tat. Und erst dann kannst du urteilen.
-Verfasser unbekannt-
12. Oktober 2019 21:12 # 7
choli
Registriert seit: 06.10.2019
Beiträge: 2

Hallo :)

Das ist Ziele mit Patienten besprechen muss, ist mir klar und habe ich auch gemacht nur ist dabei wirklich nichts rausgekommen! Das ist allgemein sehr schwierig bei ihr , man stellt ihr eine Frage und sie redet ohne Punkt und Komma und kommt vom Hundertsten ins Tausende aber ne richtige Antwort auf seine Frage bekommt man nicht. Also es war wirklich sehr schwer im Gespräch mit ihr herauszufinden was ihrer Meinung nach ihre Stärken und Schwächen und was ihre Ziele sind. Deswegen habe ich einfach versucht etwas zu machen von dem ich dachte es könnte ihr helfen... ich habe gemerkt dass sie sich immer sehr damit brüstet was sie alles gut kann (als würde sie versuchen etwas dahinter zu verstecken)! Sie erzählt einem wie gut sie nähen und Zeichen kann usw aber sie spricht nie von ihren Gefühlen oder wie es ihr bei irgendwas ergangen ist.

Mein Thema war dann ein Gefühl durch Ton zum Ausdruck bringen. Sie sollte an das Wochenende zurückdenken, was sie gemacht hat und was sie gefühlt hat. Das Gefühl was am stärksten hängen bleibt sollte sie durch Ton modellieren zum Ausdruck bringen (also ausdruckszenzrierte methode). Während dem modellieren sollte sie möglichst schweigen und wirklich auf ihr Inneres erleben achten.

Man hat richtig gemerkt wie schwer es ihr gefallen ist wirklich mal nicht zu reden (sonst in den ergo stunden redet sie manchmal 1 1/2 Stunden am Stück durch) und man konnte richtig den Prozess beobachten beim modellieren. Im Endeffekt hat sie ein aufgeklapptes Buch modelliert mit einer Buchseite darin, die sich an den Ecken von der anderen Buchseite löst. Die zwei Buchseiten stellen ihre Eltern dar und sie ist die Buchseite dazwischen die sich langsam von diesen löst. Ihr Erklärung dazu war dass sie am Wochenende sehr viel Bücher gelesen hat die ihre Psychologin ihr empfohlen hat. Dadurch ist ihr sehr viel bewusst und klar geworden auch über die Trauer über den Tod ihrer mutter und über das Verhältnis zu ihrem Vater. Die Gefühle die sie dabei verspürt hat waren Dankbarkeit und Hoffnung (ja sind im Endeffekt keine richtigen Gefühle aber man hat auch bei der Reflexion wieder gemerkt sie kann diese einfach nicht richtig benennen).

Im Endeffekt war die Patienten unglaublich glücklich danach und hat sich sehr bei mir bedankt und meinte das hat ihr sehr geholfen und sie würde gerne nochmal sowas mit mir machen. Auch von meinem lehrer und meiner anleiterin hab ich ein großes Lob bekommen.

Liebe Grüße euch allen :)
13. Oktober 2019 18:26 # 8
Rhodesian Ridge
Registriert seit: 10.02.2019
Beiträge: 24

Hört sich nach einer gelungenen Sichtstunde an.
Das freut mich sehr für dich.
Herzlichen Glückwunsch.
Bevor du urteilen willst über mich und mein Leben, ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg, durchlaufe die Straßen, Berge und Täler, fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude. Durchlaufe die Jahre, die ich ging, stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin, stehe immer wieder auf und gehe Genaus die selbe Strecke weiter, genau wie ich es tat. Und erst dann kannst du urteilen.
-Verfasser unbekannt-
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