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Überkreuzen Körpermittellinie

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22. Oktober 2019 16:49 # 1
Karina89
Registriert seit: 15.09.2011
Beiträge: 7

Hallöchen!

Irgendwie klingt die Frage sehr blöd, weil die Befundung dieses Bereichs in der Ergotherapie ja schon selbstverständlich ist.
Kann mir jemand genau erklären, wofür das Überkreuzen der Körpermittellinie wichtig ist?
Also klar, hängt es mit dem Corpus callosum zusammen und dass beide Hirnhälften miteinander arbeiten. Aber das ist für mich so "schwammig".

Und: Wenn Kinder das Überkreuzen der KML vermeiden (aber z.B. trotzdem können), wofür kann das ein Hinweis sein?

Ich würde mich über ein paar genauere Erklärungen freuen!
22. Oktober 2019 18:01 # 2
Rowdy
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 848

Hallo,
Das Überkreuzen de4 Mittellinie ist für fast alle alltagspraktischen Tätigkeiten erforderlich.
Versuche mal selbst darauf zu achten. Mir fallen spontan ein: schreiben, Auto fahren, Zähne putzen, staubsaugen, die Butter auf dem Tisch von links nach rechts stellen... du findest bestimmt selbst noch mehr!

Wenn ein Kind es kann, aber nicht macht, würde ich ganz spontan sagen, dass es noch nicht automatisiert ist. Es lässt sich allerdings nicht beurteilen, ohne genaue Infos zu haben.
24. Oktober 2019 14:44 # 3
xxu
Registriert seit: 12.09.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 180

Hallo Karina 89

Ich finde, die Frage klingt keinesfalls blöd. Ich finde es gut, wenn du Fragen stellst und Dinge damit in Frage stellst. Das ist in der Ergotherapie wie in allen Heilberufen meiner Meinung nach dringend nötig....::wink::
Zitat / Karina89 hat geschrieben:
weil die Befundung dieses Bereichs in der Ergotherapie ja schon selbstverständlich ist.
Hier geht es dann schon los: Wer behauptet das oben Gesagte? Warum ist "die Befundung dieses Bereichs in der Ergotherapie" deiner Meinung nach "selbstverständlich"? Ich befunde nicht speziell, ob ein Kind seine Körpermittellinie überkreuzt, es sei denn, es gibt einen Zusammenhang zu seinem Betätigungsanliegen. Ich würde kein Kind ergotherapeutisch behandeln, weil es seine Mittellinie nicht überkreuzt.

Meine Ausbildung ist knapp 30 Jahre her und ich erinnere mich gut, dass damals sehr großen Wert darauf gelegt wurde, ob ein Kind seine Körpermittellinie spontan überkreuzt oder nicht. Schon damals war das Thema "schwammig" und es ist es bis heute geblieben. Ich erinnere mich, dass damals Kinder behandelt wurden, weil sie "einen niedrigen Muskeltonus" hatten, "die Körpermitte nicht überkreuzten" und "nicht integrierte Restreflexe" hatten und "starke Mitbewegungen" zeigten. Alles ohne Bezug zum Alltag des Kindes. Das ist keine zeitgemäße Ergotherapie. Ich weiß nicht, ob dies in den Schulen noch so unterrichtet wird und ich weiß nicht, ob du Schülerin, Berufsanfängerin oder schon länger im Beruf bist. Wenn du Schülerin bist, diskutiere das doch mit deinen Lehrern und Mitschülern. Wenn du arbeitest, mit deinen Kollegen. Häufig werden solche offenbar "selbstverständlichen" Dinge einfach hingenommen. Wenn man mal näher hinsieht, gibt es für diese Annahmen jedoch keine nachvollziehbaren Grundlagen, geschweige denn wissenschaftliche Belege.

Recherchiere hierzu doch einmal im Internet und auch hier im Forum ( z. B. "Mythos Mittellinienkreuzung die Zweite"): die Meinungen gehen stark auseinander. Es gibt Verfechter der Idee, eine mangelnde Mittellinienkreuzung habe Einfluss auf ALLES und müsse unbedingt "geübt" werden.

Zitat / Karina89 hat geschrieben:
Und: Wenn Kinder das Überkreuzen der KML vermeiden (aber z.B. trotzdem können), wofür kann das ein Hinweis sein?
Fest steht meines Erkenntnisstandes nach nur, dass es ab einem gewissen Alter ein Zeichen der Unreife ist, wenn keine körperliche Behinderung wie z. B. Hemi vorliegt. Also schauen, wo gibt es Probleme im Alltag und dort behandeln, zum Beispiel mit CO-OP. Dann ist das Thema vom Tisch. ::smile::

Was Alltagsrelevanz angeht, muss ich Rowdy (s. o.) wenigstens teilweise widersprechen: ich kann prima schreiben, ohne meine Körpermittellinie zu überkreuzen, indem ich das Blatt auf der rechten Körperseite platziere. Kein Problem, das machen viele. Und wo ich für das Autofahren die Körpermittellinie überkreuzen müsste (außer natürlich mit meinen Augen), ist mir nicht klar. Vielleicht übersehe ich da ja auch etwas. Aber in meinem Auto sind alle Bedienelemente so praktisch angebracht, dass ich sie mit rechts oder links auf der jeweiligen Körperseite gut bedienen kann. ::biggrin::

Und halte uns gerne auf dem Laufenden, was deine Recherchen ergeben haben. Ich bin froh, wenn diese Themen immer mal wieder auf den Tisch kommen und damit in Frage gestellt werden. Nur so können sich Dinge weiterentwickeln.

Schöne Grüße
xxu



24. Oktober 2019 16:52 # 4
Rowdy
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 848

@Xxu
Das Blatt auf eine Seite beim schreiben legen ist aber dann ein Ausgleich zum nicht-kreuzen.

Ok, beim Autofahren überkreuze ich, wenn ich beispielsweise wende oder wieder mal wild einparke. Da hat mich aber schon vor 20 Jahren mein Fahrlehrer zusammengefaltet, weil die Hände am Lenker wild gekreuzt haben. Man kann, soll aber wahrscheinlich nicht ::laugh::

Vg
29. Oktober 2019 09:04 # 5
Tekka
Registriert seit: 16.02.2007
Beiträge: 168

Link


Hm....
Zitat aus dem Text " Werden Überkreuzbewegungen vermieden, wird der Alltag ein Stück umständlicher für alle Beteiligten."
Ich finde es nachvollziehbar.

Zu vergessen auch nicht, was es für Auswirkungen auf die Hirnphysiologie hat, wobei ich das nun auf die Schnelle nicht gefunden habe.
30. Oktober 2019 14:48 # 6
xxu
Registriert seit: 12.09.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 180

Und, Karina 89,

was fängst du jetzt mit unseren Antworten an? Wie weit bist du mittlerweile mit deinen Recherchen? Ich finde es ja schade, wenn jemand eine Diskussion los tritt und sich dann weiter nicht dazu äußert. Aber vielleicht kommt das ja noch...

@Tekka
Zitat / Tekka hat geschrieben:
Zitat aus dem Text " Werden Überkreuzbewegungen vermieden, wird der Alltag ein Stück umständlicher für alle Beteiligten."
Ich finde es nachvollziehbar.
Nachvollziehbar finde ich das auch, das ist ja jeweils das Verhängnisvolle. Die Argumentation in diesem Buch klingt schlüssig, basiert jedoch auf der Edu-Kinesthetik und wurde mittlerweile mehrfach wiederlegt. Nicht alles, was im Netz steht oder in Büchern ist wahr.

Zitat / Tekka hat geschrieben:
Zu vergessen auch nicht, was es für Auswirkungen auf die Hirnphysiologie hat, wobei ich das nun auf die Schnelle nicht gefunden habe.
Genau, das ist der Punkt. Wirst du auch nicht finden. Zumindest nichts, was über wilde und unbewiesene Theorien hinausgeht. ::smile:: Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wenn jemand da vertrauenswürdige Quellen hätte. Das Thema taucht ja immer wieder auf.

Beste Grüße
xxu
30. Oktober 2019 19:40 # 7
Tekka
Registriert seit: 16.02.2007
Beiträge: 168

.. immer noch zu faul die Bücher zu suchen.

Zu dem Kontext gefunden habe ich folgende Studien
Link
Link
Link
Link
Link

Wobei keine so wirklich den hier besprochenen Kernpunkt trifft.

Allerdings habe ich auch nichts Gegenteiliges gefunden. Was genau wurde von wem widerlegt?
30. Oktober 2019 19:41 # 8
Karina89
Registriert seit: 15.09.2011
Beiträge: 7

Danke für eure Antworten! Viele interessante Sichtweisen und Anregungen zum Nachdenken und für weitere Recherchen..!

Ich bin momentan in meiner Zusatzausbildung für SI und bin nächste Woche im Kurs für die Zertifizierung - deshalb bin ich leider noch nicht dazu gekommen, mich genauer zu euren Beiträgen zu äußern! Ich habe fleißig mitgelesen und mir viele Gedanken dazu gemacht.. auch meinen Alltag genauer "analysiert", mich und meine Patienten hinsichtlich spontanen Überkreuzungen beobachtet.

Entschuldigt meine späte Antwort und dass meine genauere Rückmeldung erst übernächste Woche - nach dem Kurs - erfolgen wird. Dann kehrt hoffentlich mehr Ruhe ein, da ich momentan neben Familie und Beruf viel am Lernen bin.

Viele liebe Grüße

Karina ::smile::
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