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Kollegin ist bipolar

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16. August 2020 01:03 # 1
Freyja
Registriert seit: 23.11.2005
Beiträge: 42

Hallo!

Vor zirka einer Woche hat meine Kollegin mir anvertraut, dass sie bipolar sei. Sie arbeitet bei uns seit knapp 3 Monaten...Unserem Arbeitgeber möchte sie das erst nach der Probezeit mitteilen.
Je mehr sie mir von ihrer Erkrankung erzählt desto "schlechter" fühle ich mich dabei. Einerseits finde ich es toll, dass sie scheinbar soviel Vertrauen in mich hat, unserem Chef gegenüber finde ich es allerdings unfair.
...Irgendwie stehe ich nun zwischen 2 Stühlen...ich habe ihr versprochen nichts zu sagen.
Tue ich damit das Richtige?

*Liebe Grüße dalass*
16. August 2020 15:05 # 2
verena3
Registriert seit: 24.03.2008
Beiträge: 25

Hallo, na, wenn du dich daran erinnerst, dass es eines von weiteren Symptom bipolarer Menschen st, zu spalten, hat deine Kollegin ja in ihrem Sinne alles "richtig" gemacht. Nur leider ist ja das genau Ausdruck ihrer Erkrankung und auch ihr Problem.
Du könntest sie evtl.fragen, wie es mit ihrer Krankheitseinsicht steht, ob sie dies Spalten auch als solches erkennt wenn sie dich bittet dem Chef nichts zu verraten......und vermutlich wird das zukünftig auch so weitergehen.....sei gewappnet und sehe den Tatsachen ins Auge.::unsure::
Viele Grüße
16. August 2020 17:31 # 3
ergo-ex
Registriert seit: 27.06.2017
Beiträge: 274

Verena hats schon sehr gut beschrieben.

Ganz heikel finde ich, dass du mit deinem "Insiderwissen" zur Helferin (drastisch ausgedrückt: Mittäterin) dabei wirst, dem Chef strategisch geplant!! erst nach der Probezeit von der Erkrankung berichten zu wollen. "Beschiss mit Ansage", wofür jemand=du als "backup" mit ins Boot geholt wird--->die Kollegin muss das nicht allein tragen, weil du ja eingeweiht bist.
Das ist für mich zu sehr Kalkül, als das ich das mittragen wollen würde (ob die Kollegin das dann auch wirklich "outet", ist nochmal eine andere Frage)...
Schlimmstenfalls fällt dann ggüber Chef noch irgendwann der Satz: aber Freyja hat das gewusst...
*hmmmmmm* Ich weiß nicht, wie ich als Chef da reagieren würde.

Ich habe jahrelang im Psychbereich gearbeitet und denke, dass ich eher wenig Vorbehalte (bei psych. Erkrankungen) habe.
Wenns aber ums kollegiale miteinander arbeiten und sich aufeinander verlassen (müssen!!) geht, setze ich ganz klar andere Maßstäbe.

Lies doch nochmal, was es zu bipolaren Störungen auf seriösen Seiten im WWW gibt, zb hier Link
Und überleg dir, so leid es mir auch für die Kollegin tut, ob eine längerfristige Zusammenarbeit im Team unter den Vorzeichen vorstellbar ist, oder ob es nichtirgendwann "für alle" ein Problem wird..

PS: Zu diesem Thema würden mich wirklich Antworten von PI interessieren..

16. August 2020 20:29 # 4
Freyja
Registriert seit: 23.11.2005
Beiträge: 42

Nabend!

Ich danke euch beiden, dass ihr mir geantwortet habt! ....Ich habe in Bezug auf bipolare Störung nicht soviel bis kaum Erfahrung deswegen habe ich mir diesbezüglich schon im Internet Informationen gesucht.
Genau das war auch mein Gedanke, dass sie später sagen kann/wird:" Aber A... hat es die ganze Zeit gewusst, sie hätte es ja sagen können!" ...ich weiß nicht, ob Chef schon irgend etwas bemerkt...mich beschäftigt das sehr, da ich zu ihm auch ein offenes und ehrliches "Verhältnis" habe...er hat schon mal desöfteren gefragt, ob soweit alles in Ordnung ist...ich bin auch drauf und dran ihm von ihrer Erkrankung zu erzählen, ich sehe das auch nicht als Petzen an....seitdem ich von ihrer Erkrankung weiss, kann ich sie nicht mehr zu 100% als Kollegin ansehen...

Vorab wollte ich ihr nahe legen es Chef selbst zu erzählen...

Liebe Grüße

16. August 2020 20:40 # 5
J. Richter
Registriert seit: 26.06.2020
Beiträge: 1

Geändert am 16.08.2020 20:41:00
Hallo liebe TE,

aus meiner Sicht lässt sich das Ganze stark verkürzen. Wirkt sich ihre Erkrankung auf die Qualität ihrer Arbeit aus? Wenn sie nun also ihr Arbeit ganz normal erledigt, die Klienten größtenteils zufrieden mit den Interventionen sind und sie sich gut ins Team integriert, so gibt es es aus meiner Sicht keinen Grund der Chefin, dem Chef etwas über die Krankheit zu berichten. Im übrigen hat der Chef auf diese Information gar kein Recht.

Sollte Sie in den Punkten nicht überzeugen, so kannst du dem Chef, der Chefin genau diese Punkte berichten und er/sie kann eine Entscheidung innerhalb der Probezeit treffen.

Im übrigen halte ich verhaltenszuschreibungen nach Diagnosen für diskriminierend. Hier gibt es auch keine wissenschaftlich haltbaren Studien. In erster Linie ist es deine Kollegin und keine Patientin und vielleicht vertraut sie Dir und möchte offensiv mit ihrem Handicap umgehen.

Viele Grüße
17. August 2020 03:10 # 6
Seb.
Registriert seit: 05.05.2008
Beiträge: 6

Danke für deine sehr professionelle Antwort

@ Freyja ich schreibe dir mal eine PM


Zitat / J. Richter hat geschrieben:
Hallo liebe TE,

aus meiner Sicht lässt sich das Ganze stark verkürzen. Wirkt sich ihre Erkrankung auf die Qualität ihrer Arbeit aus? Wenn sie nun also ihr Arbeit ganz normal erledigt, die Klienten größtenteils zufrieden mit den Interventionen sind und sie sich gut ins Team integriert, so gibt es es aus meiner Sicht keinen Grund der Chefin, dem Chef etwas über die Krankheit zu berichten. Im übrigen hat der Chef auf diese Information gar kein Recht.

Sollte Sie in den Punkten nicht überzeugen, so kannst du dem Chef, der Chefin genau diese Punkte berichten und er/sie kann eine Entscheidung innerhalb der Probezeit treffen.

Im übrigen halte ich verhaltenszuschreibungen nach Diagnosen für diskriminierend. Hier gibt es auch keine wissenschaftlich haltbaren Studien. In erster Linie ist es deine Kollegin und keine Patientin und vielleicht vertraut sie Dir und möchte offensiv mit ihrem Handicap umgehen.

Viele Grüße
17. August 2020 11:30 # 7
Sssophie
Registriert seit: 06.05.2011
Beiträge: 106

Zitat / J. Richter hat geschrieben:
Im übrigen halte ich verhaltenszuschreibungen nach Diagnosen für diskriminierend. Hier gibt es auch keine wissenschaftlich haltbaren Studien.

Danke für den Hinweis.
Bei der Bipolaren Erkrankung gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen inklusive von Patienten die mehrere Jahre symptomfrei sein können bevor wieder eine depressive oder manische Episode folgt.


Ich würde generell wenn eine Kollegin mir so etwas anvertraut darauf hinwirken dass sie selbst sich äußert oder gleich zu Beginn sagen dass man solche Infos nicht "im Geheimen" wissen möchte. Ggf. deutlich machen dass Offenheit im Team wichtig ist und hintenrum geteilte Infos nicht gut sind.
17. August 2020 18:30 # 8
Freyja
Registriert seit: 23.11.2005
Beiträge: 42

Hallo!
Ich habe heute der Kollegin nahe gelegt, unserem Chef auch davon zu erzählen, was sie dann auch gemacht hat. ...ich selbst fühle mich nun "befreit", brauche kein Geheimnis mehr mit mir herum tragen, das mir Magenkneifen bereitete.

LG
17. August 2020 18:39 # 9
ergo-ex
Registriert seit: 27.06.2017
Beiträge: 274

Geändert am 17.08.2020 21:49:00
Ja-- sorry und gleichzeitig Danke für den "Tritt" @J. Richter..
Die, die sich Pro Kollegin/Anti Diskriminierung einsetzen haben natürlich (auch) Recht

Was bis zu meinem Post nicht beschrieben worden war, ist, dass Chef schon nachgefragt hat, ob...
Da wäre ja dann die Gelegenheit für die TE, was zu sagen...
Ist das passiert??!
GIBT es denn Probleme in der Zusammenarbeit??!!

Ich denke, hauptsächlich gehts aber darum, Freyja die Bürde des "allein- eingeweiht- seins" zu nehmen..
Schwierige Kiste...


Edit: der letzte Beitrag von Freyja wurde mir vor meiner Antwort nicht angezeigt. So wie jetzt geschildert ist es natürlich am allerbesten und die TE ist entlastet
17. August 2020 22:10 # 10
nimis
Registriert seit: 29.09.2007
Beiträge: 730

Hallo,

bitte Vorsicht mit psychiatrischem Halbwissen!

Zumindest Verena3 scheint hier "bipolar" mit "Borderline" zu verwechseln. Das Phänomen z.B. Teams zu spalten trifft sehr häufig auf Menschen mit Borderline-Erkrankung zu - nicht aber auf Menschen mit bipolarer Erkrankung.

Gruß
nimis
20. August 2020 22:51 # 11
Seb.
Registriert seit: 05.05.2008
Beiträge: 6

Zitat / nimis hat geschrieben:
Hallo,

bitte Vorsicht mit psychiatrischem Halbwissen!

Zumindest Verena3 scheint hier "bipolar" mit "Borderline" zu verwechseln. Das Phänomen z.B. Teams zu spalten trifft sehr häufig auf Menschen mit Borderline-Erkrankung zu - nicht aber auf Menschen mit bipolarer Erkrankung.

Gruß
nimis



Sehe ich genauso, danke für deinen Beitrag
21. August 2020 11:01 # 12
Kukdiehe
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1450

Es kommt halt immer drauf an, wie gut sie auch eingestellt ist. Es gibt ja auch Patienten die haben eine gute Krankheitseinsicht und sind Medikamentös sehr gut eingestellt. Ich kann aber es auch verstehen, wenn man nicht gleich vor Anstellung oder in der Probezeit mit so einer Erkrankung hausieren geht. Man weis nie, wie einer auf so etwas reagiert und wie offen das Gegenüber ist.
Ich selber könnte mir solange ein Patient Medikamentös sehr gut eingestellt ist und vom Arzt an sich nichts dagegen spricht diesen Beruf auszuüben mir auch vorstellen so Jemanden auch einzustellen. Dies Personen können sich dann meistens sogar noch am Besten in Patienten einfühlen.

Man muss nur wissen, wie man mit solchen Menschen umgehen kann. Letztendlich sieht man es auch in der Probezeit ob das gut klappt oder nicht.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
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