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Patient sehr fordernd

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9. September 2020 06:25 # 1
Jessl
Registriert seit: 09.12.2014
Beiträge: 1

Hallo,

ich habe eine Frage und evtl könnt ihr mir weiterhelfen.
Versteht mich nicht falsch, ich liebe meinen Beruf und übe ihn gewissenhaft aus. Allerdings bereitet mir in letzter Zeit ein älterer Patient ein paar Kopfschmerzen.
Es handelt sich um einen 80 jährigen Mann, welcher in einer Pflegeeinrichtung untergebracht ist. Besagter Herr ist geistig fit, jedoch bereiten ihm Gleichgewicht und allgemeine Beweglichkeit Probleme. Er wurde bereits über 7 Jahre von einer Kollegin von mir behandelt, welche sich (meiner Meinung nach) etwas zu sehr um ihn kümmerte, da er keine Angehörigen hat. (Sie ging mit ihn ins Café, besorgte Einkäufe, erledigte Arztgänge usw. alles im privaten Raum). Diese Kollegin ist nun schwanger und ich behandle nun Herrn X.
Leider hat meine Kollegin meine Handynummer an Herrn X weitergegeben, weshalb er mich nun ständig zu den unmöglichsten Zeiten (Samstagmorgen, abends um 20 UHR oder im Urlaub) anruft, und die Dinge von mir fordert, die meine Vorgängerin auch erledigt hat. Wenn ich verneine reagiert er meistens mit Wut.
Derzeit geht es um eine neue Verordnung für Ergotherapie. Der Neurologe, welcher die Verordnung bis her ausgestellt hat, verschreibt nur noch einmal im Quartal ein Rezept. Jetzt erwartet Herr X von mir, ich solle zu seiner Hausärztin fahren und mich darum kümmern. Auch das Heim erwartet dies von mir.
Ich kann doch nicht während meiner Dienstzeit oder privat zu den Ärzten fahren und Rezepte beantragen oder?
Habt ihr Tips für Literatur oder Links, in denen genau beschrieben wird was ein Ergo darf und was zu weit geht?
Bitte zerreisst mich nicht in der Luft ich bin mit diesen Herrn total überfordert::unsure::
9. September 2020 07:57 # 2
biene37
Registriert seit: 15.03.2003
Beiträge: 938

Du musst das nicht alles tun, was deine Vorgängerin gemacht hat, Nein!!! Das war privat und hat mit dir nichts zu tun. Es geht über ein Patienten- Therapeutenverhältnis, wie es sein sollte, weit hinaus. Lege doch eine Pause ein, die ist legitim, zumal wahrscheinlich die Ziele der Therapie eh nicht mehr ganz so klar sind. Würde ich in diesem Fall auch von einer Woche zur anderen machen, da ihm sonst viel Diskussionsstoff einfällt. Und dein Chef/ Chefin müssen das wissen und hinter dir stehen!!
LG und gutes Gelingen
Sabine::smile::
"Die Kunst ist, den Kindern alles, was sie tun oder lernen sollen, zum Spiel zu machen."
John Locke
9. September 2020 07:58 # 3
saluki
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 72

Das sind definitiv nicht deine Aufgaben.
Ich würde noch verstehen, diese Dinge mit dem Patienten gemeinsam im Rahmen der Behandlungen zu erledigen...also der Patient würde von die unterstützt und angeleitet diese Dinge selbst zu erledigen.
Aber du bist dafür nicht verantwortlich, und schon gar nicht in deiner Freizeit.

An deiner Stelle würde ich mich fragen, wie wichtig der Patient für euren Patientenstamm ist...bzw. für dich. Heißt, überlege ob du ihn unter diesen Umständen weiter behandeln möchtest. Denn bisher grenzt du dich offensichtlich gut ab. Und das, finde ich, solltest du auch nicht aufgeben.

LG Andi
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
9. September 2020 08:10 # 4
KW
Registriert seit: 10.02.2005
Bundesland: Niedersachsen
Beiträge: 547

Schritt 1: dem Patienten ein mal kurz und bündig erklären, was Du zu tun bereit bist und was nicht. Und dies sollte über die verordnete Behandlung nicht hinausgehen. Evtl. auch die Heimleitung hierüber informieren. Dem Patienten untersagen, Dich auf Deinem Privathandy anzurufen. Notfalls die Nummer sperren.

Schritt 2: Wenn die Forderungen trotzdem anhalten, die Behandlung abbrechen. Sich mit Energievampiren abzugeben, ist weder lukrativ noch angenehm, und dem Patienten bringt es auch nichts.

Wichtig: Klare Ansagen und keine weiteren Diskussionen.
Viel Erfolg!

Karsten
R46.2 – und Spaß dabei!
9. September 2020 08:29 # 5
rapor
Registriert seit: 04.08.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 1068

Zuerst einmal würde ich seine Nummer in meinem Telefon blockieren. Die ist privat und in therapeutischen Belangen kann er sich an die Praxis wenden.

Viel Kraft und Erfolg
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!
9. September 2020 10:24 # 6
falladar
Registriert seit: 27.09.2004
Bundesland: Berlin
Beiträge: 1338

Diese Situation sollte Thema eurer nächsten Fallsupervision/Teamsitzung sein. Hier läuft einiges aus dem Ruder und bedarf einer dringenden Klärung im Unternehmen.

- wie werden Patientenübergaben im Unternehmen vorgenommen
- wie wird mit privaten Daten von Mitarbeitern umgegangen
- wie wird das Prozedere der Folgeverordnungen im Unternehmen geregelt
- wie sind Kontakte mit Heimleitung, Pflege und Ärzten in externen Einrichtungen geregelt (was kann/soll/muss sattfinden und was eben nicht)
- wie sind private Kontakte zu Patienten geregelt
- wie sind die Haftungsfragen bei zusätzlichen Leistungen (außerhalb der Therapie) geregelt
- wie ist der Umgang mit fordernden, aggressiven, grenzüberschreitenden Patienten geregelt
- wer ist in Konfliktsituationen (Therapeut/Therapeut, Therapeut/Patient, Therapeut/Angehörige, ...) der jeweilige Ansprechpartner im Unternehmen und wie ist die einheitliche Vorgehensweis/der Dienstweg

Wenn es dazu bei euch keine oder keine einheitliche Regelung gibt, solltet ihr diese für euch erarbeiten und im Unternehmen als Standarts (QM) einführen. Diese Regelungen sind schriftlich zu fixieren und von allen Beteiligten im Unternehmen umzusetzen und immer wieder auf Umsetzbarkeut, Aktualität und Vollständigkeit zu überprüfen und anzupassen.

LG falladar
"Der Eine hofft, dass die Zeit sich wandelt, der Andere nutzt die Zeit und handelt." (nach Dante Alighieri)
30. September 2020 12:03 # 7
Gux
Registriert seit: 18.05.2004
Beiträge: 5

Ich glaube, dass da ein grundlegendes Problem vieler Ergotherapeuten besteht. Wir als Ergotherapeuten fühlen uns für alles verantwortlich und machen häufig Sachen, die eigentlich nicht in die Therapie gehören. Hier ist das Problem, wie gestalte ich Distanze und Nähe. Das ist vor allem in den Pflegeheimen oft sehr schwierig, da eben viele Menschen keine Angehörigen haben und sich sehr an die Therapeuten klammern. Das sollte ein Fortbildungspunkt in den Teamsitzungen sein. Vielleicht kann man sich auch von außen jemand hereinholen, der über dieses Thema referiert.
Du machst alles richtig, da Du Dich von den Tätigkeiten Deiner Vorgängerin distanzierst. Wenn Dein Patient immer wieder anruft, würde ich ihm das direkt verbieten und vielleicht wirklich die Therapie abbrechen. Das einzige, was man vielleicht in Bezug auf die Verordnung tun könnte, dass man ein Telefongespräch mit der Hausarztpraxis führt. Besprecht das in der Teamsitzung! Viel Erfolg!
30. September 2020 14:53 # 8
rapor
Registriert seit: 04.08.2002
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 1068

Ich bin Heilmittelerbringer, nicht Heilsbringer. Ich bin auch nicht berufen, das ist auch nur ein Job und privat habe ich weder mit Patienten noch mit meinem Chef Kontakt.
Mich belasten schon mal Probleme derPatienten, dann muß ich psychohygienische Maßnahmen anwenden und mich abgrenzen.

Gutgehn
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!
30. September 2020 15:52 # 9
kaenguru
Registriert seit: 26.08.2007
Beiträge: 301

Hallo Jessl,

alleine schon, dass du befürchtest, dass wir dich in der Luft zerreißen... Warum? Weil du es machst? Oder weil es dir zu viel wird?

Ich sehe es wie meine Vorschreiber:

Distanz aufbauen.
An Chef abgeben, bzw. Chef soll jemand anderen hinschicken und Pat. und Einrichtung dann im Vorfeld briefen, was ein Th. macht und was nicht.
Bitte um Supervision. (Sollte sowieso selbstverständlich sein)

Du hast völlig recht, das geht so nicht. Es sei denn, er hat dich in seinem Testament bedacht ;-).
Selbst dann ist es privat und nicht therapeutisch.
Mein Vater betreut seit Jahren ein Ehepaar in einem Pflegeheim (Arztbesuche, Vollmacht Finanzen, Einkäufe, Koordination Therapeuten usw., alles was sonst evtl. die leiblichen Kinder machen würden), er wird dafür bezahlt und ist im Testament bedacht. Also, machen kann man sowas schon, aber das hat mit Ergotherapie dann nichts zu tun.

Sei stark und sorg für dich!

Lieben Gruß, kaenguru
Im Alter möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.
30. September 2020 20:59 # 10
KD
Registriert seit: 15.01.2017
Beiträge: 42

Grenze dich ab.
Dass deine Vorgängerin ohne dich zu fragen deine private Handynummer rausgegeben hat, geht gar nicht.
Ich würde ihn freundlich aber bestimmt darauf hinweisen, dass du ihm WÄHREND der Therapie gerne mit Rat und Tat zur Seite stehst, aber gewiss nicht in deiner Freizeit oder wenn du mit anderen Patienten beschäftigt bist.
Wenn er grantig wird, dann immer freundlich bleiben, aber bestimmt die Grenzen abstecken. Für gewisse Dinge ist auch das Pflegepersonal zuständig und darauf würde ich dann verweisen.
30. September 2020 22:37 # 11
Rowdy
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 867

Hallo...
Ich habe 8 Jahre in einer Praxis gearbeitet und ein Großteil meiner Kollegen hat dort auch sehr private Bindungen zu den Patienten aufgebaut. Auch Arztbesucje, Besorgungen, Telefonnr. Rausgegeben...
Ich wurde manchmal schräg angeschaut, wenn ich das nicht gemacht habe.

Jetzt bin ich seit fast 3 Jahren in der Frühreha und habe ganz gut gelernt, abzugrenzen und zu sagen "Entschuldigen Sie bitte, aber das ist nicht meine Aufgabe. Bitte wenden Sie sich an...."
Ich meine, es geht dabei nicht um Kleinigkeiten, die mal nebenbei laufen, sondern schon um zeitintensive Dinge. Die Patienten reagieren meist gut und sagen, dass sie das nicht wussten. Die meisten bedanken sich, wenn ich sie an den richtigen Ansprechpartner vermittle.

Versuche es, sei freundlich und sachlich.... Ich drück dir die Daumen...
1. Oktober 2020 11:29 # 12
roo22
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1092

Abgrenzen ohne wenn und aber. Es gibt wahnsinnige Auswüchse .Habe allen ernstes in einer Trauergruppe mit einer Dame diskutiert , die das Grab ihres Schützlings ungepflegt fand und einen kleinen Grabstein hat anbringen lassen ohne überhaupt Kontakt zu Angehörigen aufzunehmen. Da fiel mir nur Übergriffig und blankes Entsetzen ein.
Bei unseren Schülern bewerten wir angemessenen Distanz und Nähe.
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