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Trauerbegleitung 6jähriges Kind - Vater Glioblastom im Endstadium

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17. September 2023 17:54 # 1
Registriert seit: 29.10.2015
Beiträge: 11

Hallo liebes Forum,

ich behandle seit ca. einem Jahr einen Erwachsenen Mann (Vater von 3 Kinder), der auf Grund eines Glioblastom anfangs Lähmungen in Arm+Bein hatte, mittlerweile aber auf der Palliativ Station im KH ist.

Durch die ,in den letzten 6 Monaten, häufigen Hausbesuche habe ich auch die Kinder / Ehefrau besser kennengelernt. Vor 2 Monaten hat nun das jüngste Kind (6) bei mir mit Ergotherapie begonnen wegen Konzentrations und Aufmerksamkeitsproblemen. Einschulung war nun letzte Woche.

In anbetracht der Situation sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite wohl ganz normal und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass das Kind (eigentlich die ganze Familie) eine Trauerbegleitung braucht um mit der Situation fertig zu werden.
Natürlich habe ich mich zu dem Thema schon im Netz informiert, aber vielleicht habt Ihr ja noch weitere Anregungen, wie ich beides Verbinden kann. Die Mutter versucht derzeit alles allein zu stemmen und nimmt nur wenig Hilfe von Außen an. (Sie versucht Firma ihres Mannes / Kinder /Pflege und Hund unter einen Hut zu bekommen - da ist Chaos vorprogrammiert)

Auf jeden Fall äußert der Junge beispielsweise , dass er manchmal froh sei, wenn der Vater im KH ist - so hätte die Mutter auch mal Zeit für andere Dinge...

Mein Schwerpunkt ist momentan:
- Fragen zum diesem Thema vom Kind sachlich aber ehrlich zu beantworten
- Schuldgefühle aufzuspüren und versuchen die Mutter zu sensibilisieren aber auch darüber mit dem Kind zu sprechen und diese zu neutralisieren - zumindest im Ansatz
- Interssen und Motivation + positive Erlebnisse zu fördern

Da das Kind noch recht jung ist und die gesamte Tragweite noch nicht erfasst, brauche ich natürlich auch viel Fingerspitzengefühl was dieses Thema betrifft.

Hat jemad von euch noch hilfreiche Link´s oder Tipps, worauf ich achten sollte / was positive Inhalte sein könnten.

Vielen Dank im Voraus

BellaMi
~ was ich nicht weiß, kann ich mir aneignen ~ doch manchmal ist Unwissenheit ein Segen ~
18. September 2023 08:36 # 2
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 202

Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema...mit dem ich vor 2 Jahren persönlich konfrontiert war. Allerdings war ich Mitte 30 und mein Vater 80Jahre alt.

Wenn die Frau/ Mutter keine Hilfe annehmen will, wirst du nicht viel machen können.
Bezüglich des Sohnes...bist du mit der Mutter darüber im Austausch?
Also sowohl was der Junge dir rückmeldet, als auch deine eigenen Gedanken zur Situation?

LG Salu
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
18. September 2023 13:26 # 3
Registriert seit: 30.05.2008
Beiträge: 148

Hallo BellaMi
oh da hast Du eine Aufgabe bekommen... Aber Achtung Du bist Ergotherapeutin und nicht Psychologin. Manchmal muss man Situationen auch einfach aushalten bis die Zeit reif ist.

Mir kommt in den Sinn:

für die Frau: Phasen der Anpassung an schwere Belastung (Kübler-Ross, George und George): Es könnte sein dass sie in der aktivismusphase ist und sich gar nicht sich einlassen kann.

für das Kind:
Link vielleicht hilft es die Gefühle zu ordnen. und da gibt es auch noch Literaturtipps

für Dich: Link, leider aus der Schweiz, hatte bei Ihr einen Kurs gemacht
hier noch ein Interview zum Thema Gefühlsmonster und Trauerarbeit: Link, es gibt auch noch 1 oder weitere Teile

für alle: Link Thema wie umgehen wenn ein Elternteil von einer Hirnverletzung betroffen ist.

vielleicht helfen Dir die Anregungen weiter
Herzliche Grüsse
18. September 2023 17:09 # 4
Registriert seit: 29.10.2015
Beiträge: 11

Zitat / saluki hat geschrieben:
Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema...mit dem ich vor 2 Jahren persönlich konfrontiert war. Allerdings war ich Mitte 30 und mein Vater 80Jahre alt.

Wenn die Frau/ Mutter keine Hilfe annehmen will, wirst du nicht viel machen können.
Bezüglich des Sohnes...bist du mit der Mutter darüber im Austausch?
Also sowohl was der Junge dir rückmeldet, als auch deine eigenen Gedanken zur Situation?

LG Salu


Hallo Salu
Ja ich bin mit der Mutter im Austausch und sie ist mittlerweile auch etwas mehr sensibilisiert als am Anfang - Sie dachte ihr "kleiner" kriegt das noch gar nicht so mit. Aber Sie ist nun bereit auch Hilfe anzunehmen - nur bekommt man die auch nicht immer so schnell.
Es ist nun im Gespräch, dass der Vater in ein Hospiz geht und die würden dann auch Trauerbegleitung anbieten.
~ was ich nicht weiß, kann ich mir aneignen ~ doch manchmal ist Unwissenheit ein Segen ~
18. September 2023 17:21 # 5
Registriert seit: 29.10.2015
Beiträge: 11

Zitat / nirtak70 hat geschrieben:
Hallo BellaMi
oh da hast Du eine Aufgabe bekommen... Aber Achtung Du bist Ergotherapeutin und nicht Psychologin. Manchmal muss man Situationen auch einfach aushalten bis die Zeit reif ist.

Mir kommt in den Sinn:

für die Frau: Phasen der Anpassung an schwere Belastung (Kübler-Ross, George und George): Es könnte sein dass sie in der aktivismusphase ist und sich gar nicht sich einlassen kann.

für das Kind:
Link vielleicht hilft es die Gefühle zu ordnen. und da gibt es auch noch Literaturtipps

für Dich: Link, leider aus der Schweiz, hatte bei Ihr einen Kurs gemacht
hier noch ein Interview zum Thema Gefühlsmonster und Trauerarbeit: Link, es gibt auch noch 1 oder weitere Teile

für alle: Link Thema wie umgehen wenn ein Elternteil von einer Hirnverletzung betroffen ist.

vielleicht helfen Dir die Anregungen weiter
Herzliche Grüsse



Hallo nirtak70, danke für deine Interessanten Anregungen. Wie schon an Salu gerichtet, ist die Mutter nun doch bereit Hilfe anzunehmen und ein Hospiz mit psychologisch geschultem Personal ist da mit an Board. Es ist auch nicht so, dass ich mich da besonders qualifiziert dafür fühle, sondern dass ich eben die Problematik erkannt habe und nicht warten wollte zu handeln, da ich finde, dass Hilfe oft zu spärlich und zu wenig angeboten wird, oder die betreffenden Stellen oft so überlastet sind dass man lange wartet bis was passiert.
Die Ehefrau hatte Pflege für Morgens und Abend´s beantragt und kein Pflegedienst konnte einen festen Platz vergeben. ::scared:: Da kann man nur hoffen dass man nicht mal selbst einen braucht ::unsure::

Ging mir privat auch mal so, als ich mich hab scheiden lassen. Da sollte ich 9 Monate auf einen Therapieplatz warten... Bin dann in die Bücherei gegangen und hab es weitestgehend mit mir selbst ausgemacht.::blush::

Da ich aber 39 und der kleine erst 6 ist, wollte ich möglichst frühzeitig entsprechende Impulse geben.
Aber natürlich hast du recht, dass besonders bei solchen Themen eine Abgrenzung extrem wichtig ist. ::smile::

Ich arbeite nur nach der Devise - man kann nicht alles Wissen aber wenn man möchte kann man alles Lernen ::laugh::
~ was ich nicht weiß, kann ich mir aneignen ~ doch manchmal ist Unwissenheit ein Segen ~
19. September 2023 14:35 # 6
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 202

Ich denke, wenn es in der Situation aufploppt, dann kannst du da sicher auch emphatisch mit umgehen und darauf eingehen.

Wenn der Junge darüber reden will, dann sollte er das dürfen, finde ich...

Meine Kinder waren da zum Beispiel sehr unterschiedlich...meine kleine Tochter (jetzt 8 Jahre alt) wollte und will auch 2 Jahre später immer noch über den Tod ihres Opas reden...denkt immer mal wieder darüber nach...

Mein großer Sohn (jetzt 11 Jahre alt) hingegen war da sehr zurückgenommen...er wollte nicht reden. Vielleicht wollte er die Trauer nicht spüren, vielleicht hat es ihn einfach nicht so sehr berührt, vielleicht hat er das auch gut mit sich selbst ausmachen können...keine Ahnung...


LG Salu
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
28. September 2023 22:33 # 7
Registriert seit: 30.07.2001
Beiträge: 10

Hallo BellaMi,
wir hatten mal einen ähnlichen Fall, allerdings kamen die Kinder kurz nachdem der Vater urplötzlich verstorben war zu uns zur Therapie. Um der Familie zusätzliche Unterstützung zu geben, haben wir Ihnen empfohlen sich an diesen Verein zu wenden.
https://www.kindertrauerbegleitung-regensburg.de
Vielleicht gibt es bei euch in der Nähe auch so eine Einrichtung oder vielleicht können die in Regensburg dir auch weiterhelfen?
LG Kerstin
29. September 2023 17:15 # 8
Registriert seit: 24.10.2004
Beiträge: 20

Zitat / BellaMi hat geschrieben:
Hallo liebes Forum,

ich behandle seit ca. einem Jahr einen Erwachsenen Mann (Vater von 3 Kinder), der auf Grund eines Glioblastom anfangs Lähmungen in Arm+Bein hatte, mittlerweile aber auf der Palliativ Station im KH ist.

Durch die ,in den letzten 6 Monaten, häufigen Hausbesuche habe ich auch die Kinder / Ehefrau besser kennengelernt. Vor 2 Monaten hat nun das jüngste Kind (6) bei mir mit Ergotherapie begonnen wegen Konzentrations und Aufmerksamkeitsproblemen. Einschulung war nun letzte Woche.

In anbetracht der Situation sind Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite wohl ganz normal und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass das Kind (eigentlich die ganze Familie) eine Trauerbegleitung braucht um mit der Situation fertig zu werden.
Natürlich habe ich mich zu dem Thema schon im Netz informiert, aber vielleicht habt Ihr ja noch weitere Anregungen, wie ich beides Verbinden kann. Die Mutter versucht derzeit alles allein zu stemmen und nimmt nur wenig Hilfe von Außen an. (Sie versucht Firma ihres Mannes / Kinder /Pflege und Hund unter einen Hut zu bekommen - da ist Chaos vorprogrammiert)

Auf jeden Fall äußert der Junge beispielsweise , dass er manchmal froh sei, wenn der Vater im KH ist - so hätte die Mutter auch mal Zeit für andere Dinge...

Mein Schwerpunkt ist momentan:
- Fragen zum diesem Thema vom Kind sachlich aber ehrlich zu beantworten
- Schuldgefühle aufzuspüren und versuchen die Mutter zu sensibilisieren aber auch darüber mit dem Kind zu sprechen und diese zu neutralisieren - zumindest im Ansatz
- Interssen und Motivation + positive Erlebnisse zu fördern

Da das Kind noch recht jung ist und die gesamte Tragweite noch nicht erfasst, brauche ich natürlich auch viel Fingerspitzengefühl was dieses Thema betrifft.

Hat jemad von euch noch hilfreiche Link´s oder Tipps, worauf ich achten sollte / was positive Inhalte sein könnten.

Vielen Dank im Voraus

BellaMi
31. Oktober 2023 09:23 # 9
Registriert seit: 20.03.2003
Bundesland: Bayern
Beiträge: 18

Hallo liebe BellaMi,
Ich möchte an dieser Stelle keinen Rat aus ergotherapeutischer Sicht geben, sondern lediglich auf meiner persönlich.
Ich bin mit acht Jahren Vollwaise geworden, meine Mutter starb ebenfalls an Krebs. Mich hat man damals überhaupt nicht aufgeklärt. Natürlich habe ich mitbekommen, dass meine Mutter krank ist, war mir aber der Tragweite beziehungsweise der Folgen nicht bewusst. Statt auf mich einzugehen, hat man mir eher vorwürfe gemacht, dass ich so rücksichtslos auf dem Bett meiner Mutter herumspringe. Und von einem Tag auf den anderen war sie weg. Auch danach wurde mit mir nicht wirklich darüber gesprochen.
Ich möchte damit nur sagen, wie wichtig es ist, das Kind ehrlich aufzuklären. Eine Sache, die ich mir aus heutiger Sicht gewünscht hätte, wäre ein Brief von meiner Mutter mit Dingen, die sie mir fürs spätere Leben mit auf den Weg gibt. Oder vielleicht so etwas wie diese Bücher, die es heute gibt „ Mama/Papa. Erzähl doch mal…“
Es ist sehr gut, dass du dir Hilfe zum Helfen suchst!
Ich wünsche dir viel Kraft für diese schwierige Aufgabe!
Viele Grüße
Steffi
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