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Die Blankoverordnung in der Ergotherapie ab 01. April 2024 - Ein umfassender Überblick

Der Vertrag nach § 125a SGB V über die Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung in der Ergotherapie (kurz: Blankoverordnung) steht und tritt zum 01.04.2024 in Kraft. Die Ergotherapie ist damit der erste Heilmittelbereich, dem mehr Eigenverantwortung und Flexibilität in der Gestaltung der Therapie zugetragen wird, denn über das Heilmittel, die Therapiefrequenz und -Dauer entscheiden bei dieser neuen Verordnungsform die Therapierenden selbst.

Blankoverordnung Ergotherapie

Bei der Blankoverordnung stellen Ärzte und Psychotherapeuten nach wie vor die Diagnose, verordnen aber kein konkretes Heilmittel mehr. Die Wahl des Heilmittels, der Therapiefrequenz, der Dauer der einzelnen Behandlungstermine sowie der Gesamtdauer der Therapie obliegt hier den Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten.

Die Blankoverordnung beschränkt sich zunächst auf die folgenden drei Diagnosegruppen:

  • SB1 (Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenke und Extremitäten)
  • PS3 (wahnhafte und affektive Störungen)
  • PS4 (dementielle Syndrome)

In der weiteren Entwicklung soll die pädiatrische Versorgung ergänzt werden.

Ausstellung der Blankoverordnung durch die Verordnenden

Praxisprogramme erkennen ab dem 01. April 2024 durch die eingegebene Diagnosegruppe, ob eine Blankoverordnung möglich ist und fragen vom Verordnenden ab, ob eine Blankoverordnung ausgestellt werden soll.

Stellt der Verordnende eine Blankoverordnung aus, unterliegt diese nicht der vertragsärztlichen Wirtschaftlichkeitsprüfung nach § 106b SGB V.

In medizinisch begründeten Fällen kann der Verordnende auch bei Vorliegen einer Diagnose nach § 125a von einer Blankoverordnung absehen und selbst über die Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten entscheiden. Die wirtschaftliche Verantwortung bleibt dann bestehen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat hierzu eine Praxisinformation herausgegeben.

Wie erkenne ich eine Blankoverordnung?

Eine Blankoverordnung wird auf dem bekannten Muster 13 ausgestellt. Eine Verordnung ist der Heilmittelversorgung mit erweiterter Versorgungsverantwortung zuzuordnen, wenn vom Verordnenden eine Diagnosegruppe nach § 125a SGB V (derzeit SB1, PS3 oder PS4) und im Feld „Heilmittel nach Maßgabe des Kataloges“ der Text „BLANKOVERORDNUNG“ angegeben wurde.

SB1 / PS3 / PS4 +BLANKOVERORDNUNG

Auf die folgenden Angaben auf dem Verordnungsvordruck ist im Sinne der Heilmittelrichtlinie dann zu verzichten:

  • Anzahl der Behandlungseinheiten
  • Heilmittel nach Maßgabe des Kataloges und ggf. ergänzende Angaben zum Heilmittel
  • ggf. ergänzende Heilmittel
  • Therapiefrequenz

Sofern auf einer Blankoverordnung vom Verordnenden hierzu dennoch Angaben gemacht wurden, müssen diese von den Leistungserbringenden nicht berücksichtigt werden.

Diese und weitere Details regelt die Anlage 3 des Vertrags: Notwendige Angaben auf der Heilmittelverordnung mit erweiterter Versorgungsverantwortung und einheitliche Regelungen zur Abrechnung".

Ergotherapie bei Blankoverordnung: Umsetzung und Besonderheiten

Wurde vom Verordnenden eine Blankoverordnung für die ambulante ergotherapeutische Behandlung ausgestellt, so entscheidet die Ergotherapeutin oder der Ergotherapeut selbst über das Heilmittel, die Therapiefrequenz, die Dauer der einzelnen Behandlungstermine als auch die Gesamtdauer der Therapie.

Behandlungsbeginn und Gültigkeit der Verordnung

Blankoverordnungen sind jeweils 16 Wochen ab Ausstellungdatum gültig und müssen innerhalb von 28 Tagen begonnen werden. Die 16-Wochen-Frist stellt sicher, dass auch bei der Heilmittelverordnung mit erweiterter Versorgungsverantwortung in vertretbaren Abständen ein erneuter Arztkontakt stattfindet, um die medizinische Indikation für eine Heilmitteltherapie zu überprüfen.

Dabei sind parallele Verordnungen mit oder ohne erweiterte Versorgungsverantwortung zu derselben Diagnose (ICD-10-zweistellig) und derselben Diagnosegruppe nicht zulässig.

Die Heilmittelauswahl

Die Auswahl des Heilmittels erfolgt im Rahmen der im Heilmittelkatalog für die jeweilige Diagnosegruppe vorgegebenen verordnungsfähigen Heilmittel. Dabei sind pro Behandlungstermin auch verschiedene Heilmittel möglich.

Die Therapiefrequenz

Innerhalb der 16 Wochen Gültigkeit der Blankoverordnung legt der Ergotherapierende die Therapiefrequenz und die Dauer der einzelnen Behandlungstermine fest und hat damit die Freiheit, die Therapie bedarfsgerecht und patientenindividuell zu gestalten.

Die Therapiezeit je Behandlungstermin beträgt dabei mindestens 30 Minuten und höchstens 180 Minuten. Pro Tag kann ein Behandlungstermin erfolgen.

Aufgrund unterschiedlich möglicher Dauer werden ergotherapeutische Leistungen patientenindividuell in Zeitintervallen (ZI) à 15 Minuten abgegeben.

Pro Behandlungstermin kann zusätzlich ein Zeitintervall à 15 Minuten für Vor- und Nachbereitung sowie Verlaufsdokumentation erbracht und abgerechnet werden.

Bedarfsgerechtes Ampelsystem mit flexiblen Zeitintervallen

Um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten und einer unverhältnismäßigen Mengenausweitung vorzubeugen, wurde ein Ampelsystem mit den Ampelphasen grün, gelb und rot eingeführt. Für jede dieser Ampelphasen ist je Diagnosegruppe eine Anzahl an Zeitintervallen definiert (1 ZI = 15 Minuten). Die Ampelphasen beziehen sich dabei in der Betrachtung immer nur auf die einzelne Blankoverordnung mit einer Gültigkeit von maximal 16 Wochen. Die im Ampelsystem vereinbarten Behandlungsmengen bilden die Versorgung dabei mindestens im gleichen Umfang wie bisher ab.

Die Ampelphasen sind laut Anlage 1 zum Vertrag nach § 125a SGB V folgendermaßen definiert:

Phase grün

Die grüne Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Menge der aufgewendeten Zeitintervalle (ZI) in einem aus derzeitiger Sicht der Vertragspartner medizinisch-therapeutisch sinnvollen und verhältnismäßigen Rahmen liegt und in der Regel ausreichend ist, das Therapieziel zu erreichen.
Eine steuernde Maßnahme ist in der grünen Phase daher nicht notwendig und findet nicht statt.

Phase gelb

Die Menge der Zeitintervalle innerhalb der gelben Phase kann von der Therapeutin oder dem Therapeuten eigenverantwortlich bei vorliegendem individuellem Bedarf der Versicherten eingesetzt werden.
Bei Nutzung der gelben Phase kann eine Information durch die Krankenkasse an die Leistungserbringenden erfolgen.

Phase rot

Die Vertragspartner gehen derzeit davon aus, dass die Behandlungsmengen innerhalb der roten Phase bei individuellem Heilmittelbedarf der Versicherten zur Erreichung der Therapieziele erforderlich sein können. Unter dieser Berücksichtigung setzt die oder der Therapierende die Menge der Zeitintervalle innerhalb der roten Phase eigenverantwortlich ein. Es erfolgt ein Vergütungsabschlag in Höhe von 9 % auf die Zeitintervalle, die innerhalb der roten Phase erbracht werden.

Blankoverordnung Ergotherapie - Ampelsystem

Für Verordnungen des langfristigen Heilmittelbedarfs sowie des besonderen Verordnungsbedarfs gelten die Regelungen der einzelnen Ampelphasen nicht.

Angaben zu Leistung und Therapiezeit auf der Verordnungsrückseite

Bei der Blankoverordnung ist die abgegebene Leistung verständlich im Wortlaut oder mittels Abkürzungen unter Angabe des Datums sowie der Therapiezeit auf der Rückseite der Verordnung zu notieren.

Die Dauer der als Therapiezeit abgegebenen Leistung(en) ist dabei als Minutenangabe der aufsummierten Zeitintervalle à 15 Minuten für jedes erbrachte Heilmittel separat anzugeben (bspw. mot.-funkt. Beh. 30, Hirnleistungstr. 60 usw.). Falls der Platz in einer Zeile nicht ausreicht, kann die nächste Zeile zusätzlich benutzt werden.

Unterbrechung

Bei der Blankoverordnung führen Unterbrechungen von länger als 14 Kalendertagen nicht dazu, dass die Heilmittelverordnung ihre Gültigkeit verliert. Eine Begründung der Unterbrechungen, die länger als 14 Kalendertage dauern, ist nicht erforderlich.

Abbruch oder vorzeitiges Ende der Therapie

Wird im Verlauf der Therapie vor dem Ende der Gültigkeit der Blankoverordnung das angestrebte Therapieziel erreicht, wird die Therapie vorzeitig beendet.

Wird die Therapie abgebrochen, informiert der oder die Leistungserbringende den Verordnenden hierüber. Es ist keine Dokumentation auf der Verordnung erforderlich.

Therapiebericht

Ein Therapiebericht erfolgt weiter nur auf Anforderung über die Verordnung und muss mindestens folgende Informationen enthalten:

  • Geplantes Therapieziel
  • Darstellung der erzielten Behandlungsergebnisse
  • Angewendete Heilmittel und Anzahl der Behandlungstermine
  • Angabe der erbrachten Zeitintervalle pro Blankoverordnung
  • Angabe der Frequenz

Hausbesuch

Die Durchführung eines Hausbesuchs ist nur möglich, wenn dies vom Verordnenden auf der Verordnung entsprechend angegeben wurde.

Wurde auf einer Blankoverordnung ein Hausbesuch verordnet, kann die oder der Therapierende nach Absprache mit der Patientin oder dem Patienten die Heilmittelbehandlung gemäß § 11 Absatz 1 der Heilmittelrichtlinie in der häuslichen Umgebung oder in den zugelassenen Praxisräumen durchführen.

Gesetzliche Zuzahlung

Da es dem Leistungserbringenden obliegt über die Auswahl und die Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungstermine zu entscheiden, kann die Höhe der gesetzlich festgelegten Zuzahlung variieren. Die Patienten und Patientinnen müssen darüber vor Beginn der Behandlung informiert werden. Zudem muss eine schriftliche Information über die voraussichtlich zu erwartende Höhe der Zuzahlung und über mögliche Rückzahlungsansprüche bei zu viel entrichteter Zuzahlung erfolgen. Zu viel eingezogene Zuzahlungen sind zurückzuerstatten. Dabei ist die Quittung über die Zuzahlung nach § 61 Satz 3 SGB V entsprechend zu ändern.

Dokumentation

Zur Qualitätssicherung sind der Therapieplan, insbesondere die Auswahl der Heilmittel sowie die Frequenz, Dauer und Anzahl der Behandlungstermine auf Grundlage ihrer medizinisch-therapeutischen Notwendigkeit zu dokumentieren.

Vergütung und Abrechnung

Die Vergütungssätze der einzelnen ergotherapeutischen Maßnahmen, umgerechnet auf 15-Minuten-Zeitintervalle, unterscheiden sich bei der Blanko- und der konventionellen Verordnung nicht. Vergütungsanpassungen im Vertrag nach § 125 Absatz 1 SGB V führen automatisch auch zu Preisanpassungen im Vertrag nach § 125a SGB V.

Für den besonderen Aufwand im Zusammenhang mit der Blankoverordnung, insbesondere für die Steuerung des Ablaufs der Versorgung sowie die Sicherung der Versorgungsqualität, die Dokumentation des Versorgungsablaufs als auch die intra- und interprofessionelle Beratung, gibt es eine neue versorgungsbezogene Pauschale in Höhe von derzeit 91,38 Euro, die je Blankoverordnung abgerechnet werden kann.

Im Rahmen einer Blankoverordnung können bis zu zwei unterschiedliche Schienen bis je 400,- Euro ohne Kostenvoranschlag erstellt und abgerechnet werden. Darüber hinaus ist vorab ein Kostenvoranschlag zur Genehmigung einzureichen.

Pro Blankoverordnung können außerdem bis zu zwei Behandlungstermine zur Integration in das häusliche und soziale Umfeld erbracht und abgerechnet werden.

Alle Details dazu regelt die Anlage 2 Vergütungsvereinbarung des neuen Vertrags.

Weiterführende Informationen

Vertrag nach § 125a SGB V (Blankoverordnung):

Informationen und Angebote der Berufsverbände:

Die beiden Ergotherapie-Berufsverbände informieren ihre Mitglieder umfassend zum Thema Blankoverordnung.

Der BED e.V. veranstaltet derzeit u.a. Webinare zum Thema, an denen Interessierte auch ohne Verbandsmitgliedschaft teilnehmen können: Webinarreihe: Blankoverordnung

Auch der DVE bietet seinen Mitgliedern abendliche WebTalks zum Thema Blankoverordnung an.

Praxisinfo der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV):

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