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Aktivität vs. Betätigung: Warum die Unterscheidung für die Ergotherapie entscheidend ist

In der ergotherapeutischen Beratung und Therapieplanung ist die Differenzierung zwischen Aktivität und Betätigung essenziell. Während Aktivitäten oft als allgemeine, funktionale Fähigkeiten beschrieben werden, geht es bei Betätigungen um die individuelle Bedeutung, die eine Person mit diesen Fähigkeiten verknüpft. Diese Unterscheidung beeinflusst nicht nur die Zielsetzung, sondern auch den gesamten Therapieaufbau.

Ergotherapie - Aktivität vs Betätigung

Aktivität: Das "Was"

Aktivitäten sind grundsätzliche Handlungen, die erlernt, verbessert oder wiederhergestellt werden können. Beispiele sind:

  • Gehen
  • Greifen
  • Schreiben
  • Anziehen
  • Sprechen

Diese Fähigkeiten sind wichtig, doch sie allein reichen nicht aus, um eine sinnstiftende Therapie zu gestalten. Hier kommt die Betätigung ins Spiel.

Betätigung: Das "Warum"

Betätigungen geben den Aktivitäten Kontext und Bedeutung. Sie beantworten die Frage: Wofür braucht die Klient*in diese Fähigkeit? Beispiele:

  • "Ich möchte wieder gehen können, um selbstständig einkaufen zu gehen."
  • "Ich möchte meine Hand wieder besser bewegen können, um mein Lieblingshobby – Malen – wieder auszuüben."
  • "Ich möchte mehr Kraft haben, um mit meinen Enkelkindern zu spielen."

Durch diese Perspektive wird die Therapie nicht nur funktional, sondern auch zielgerichtet und individuell sinnvoll.

Aktivität oder Betätigung: Wie diese Unterscheidung hilft

1. Zielsetzung nach individuellen Lebenszielen

Ergotherapeut*innen sollten nicht nur fragen, was Klien*tinnen wieder können wollen, sondern vor allem warum. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Therapieplanung.

2. Alltagsrelevanz als Motivation

Therapie ist erfolgreicher, wenn sie einen direkten Bezug zum Alltag der Klient*innen hat. Die Motivation steigt, wenn klar wird, dass die Anstrengung zu einer bedeutsamen Verbesserung im eigenen Leben führt.

3. Gezielte Interventionen statt isolierter Fähigkeitstraining

Statt nur Muskelkraft oder Koordination zu verbessern, wird die Therapie so gestaltet, dass Betätigungen gezielt geübt werden. Beispielsweise kann das Gangtraining nicht isoliert stattfinden, sondern in der realistischen Umgebung des Supermarkts.

Fazit

Die Unterscheidung zwischen Aktivität und Betätigung ist essenziell für eine effektive und sinnstiftende Ergotherapie. Während Aktivitäten die Bausteine sind, geben Betätigungen ihnen den persönlichen Wert. Ergotherapeut*innen können durch diese Differenzierung gezieltere Beratung bieten und einen Therapieaufbau schaffen, der nicht nur funktional, sondern auch bedeutsam ist. Denn letztlich geht es nicht darum, was man kann – sondern darum, was man damit macht!

Text: Sabrina Heizmann, Institut Wissen (InWi)

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