Die Deutsche Schmerzgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie haben die erste umfassende S3-Leitlinie speziell für ältere Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen veröffentlicht. Die Leitlinie „Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)“ bietet eine klare Orientierung für alle an der Versorgung geriatrischer Patient:innen beteiligte Berufsgruppen.
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Evidenzbasierte Empfehlungen für Therapie und Versorgung
„GeriPAIN“ liefert erstmals eine strukturierte, evidenzbasierte Orientierung für die Diagnostik und Behandlung von Schmerzen im Alter. Die Leitlinie berücksichtigt typische Herausforderungen, etwa das Erkennen von Schmerzen bei Menschen mit Demenz oder anderen kognitiven Einschränkungen.
Sie gibt konkrete Empfehlungen für nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie und psychosoziale Unterstützung. Gleichzeitig werden sichere medikamentöse Strategien vorgestellt, die auf individuelle Risiken und Wechselwirkungen abgestimmt sind. Invasive Verfahren wie gezielte Injektionen oder Nervenblockaden sollen nur dann eingesetzt werden, wenn sie klar begründet sind und das gesamte Risikoprofil berücksichtigt wurde.
Ein zentraler wissenschaftlicher Mehrwert liegt in der Einbindung interdisziplinärer Perspektiven: Ärzt:innen, Pflegekräfte, Therapeut:innen, Sozialarbeitende und Betroffene werden gleichberechtigt in den Versorgungsprozess einbezogen. So entsteht eine ganzheitliche, klientenzentrierte Versorgung, die über die reine Behandlung einzelner Symptome hinausgeht.
Mehr Sicherheit, Qualität und Teilhabe
„GeriPAIN“ zielt darauf ab, die Sicherheit älterer Patient:innen zu erhöhen, Versorgungslücken zu schließen und die Zusammenarbeit aller Berufsgruppen im Schmerzmanagement zu stärken. Die Leitlinie liefert klare, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, die eine hochwertige, effiziente und nachhaltige Versorgung ermöglichen. Gleichzeitig zielt sie darauf ab, die Teilhabe älterer Menschen zu fördern und sie aktiv in Entscheidungen rund um ihre Gesundheit einzubeziehen.
Neben der fachlichen Expertise floss auch die Erfahrung Betroffener direkt in die Leitlinie mit ein.
Ein neuer Standard für die Versorgung im Alter
Mit „GeriPAIN“ wird erstmals ein umfassender, interprofessioneller und sektorenübergreifender Ansatz für das Schmerzmanagement älterer Menschen in Deutschland umgesetzt – in der ambulanten sowie der akut- und langzeitstationären Versorgung. Die Leitlinie baut auf der bestehenden S3-Leitlinie „Schmerzassessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ (AWMF-Registernummer 145-001) auf und erweitert sie um Empfehlungen zur Diagnosestellung sowie zur nicht-medikamentösen, medikamentösen und invasiven Schmerztherapie. Damit wird ein bisher fehlender systematischer Rahmen für eine ganzheitliche Schmerzversorgung im Alter geschaffen.
Die vollständige S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)“ ist im AWMF-Leitlinienregister (Registernummer 145-005) abrufbar.