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Stürze in Pflegeheimen: Wie lassen sie sich verhindern?

Wie lassen sich Stürze von Menschen in Pflegeeinrichtungen wirksam reduzieren? Ein aktueller Cochrane Review mit fast 69.000 älteren Probanden zeigt klar: Am erfolgreichsten sind kombinierte Maßnahmen. Besonders erfolgversprechend war die Kombination aus körperlichem Training und Vitamin-D-Supplementierung. Pflegepersonal und Einrichtungsleitung sollten dabei aktiv eingebunden werden. Für Ergotherapeut:innen ergibt sich daraus eine klare Orientierung für die Praxis.

Sturzprävention in Pflegeheimen

Warum Stürze im Pflegeheim so häufig und verheerend sind

Bewohner:innen von Pflegeeinrichtungen stürzen im Durchschnitt etwa zweimal pro Jahr – deutlich häufiger als ältere Menschen zu Hause. Die Folgen sind oft schwerwiegend: eingeschränkte Mobilität, Knochenbrüche, Verlust der Selbstständigkeit bis hin zur dauerhaften Bettlägerigkeit oder sogar zum Tod. Stürze entstehen meist nicht durch eine einzelne Ursache, sondern durch das Zusammenspiel vieler Faktoren wie Muskelschwäche, Medikamente und deren Nebenwirkungen (etwa Schwindel), kognitive Einschränkungen und Umweltbedingungen. Für die Praxis heißt das: Einzelmaßnahmen reichen selten aus.

Multifaktorielle Ansätze zeigen die größte Wirkung

Sturzprävention muss auf unterschiedlichen Ebenen gedacht werden. Der Cochrane Review bezog 104 Studien (mit 68.964 älteren Menschen) in die Auswertung ein. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 84 Jahre, 72 % davon waren Frauen.

Es zeigte sich: Maßnahmenpakete, die auf die individuellen Risiken zugeschnitten sind und aktiv vom Pflegepersonal mitgetragen und begleitet werden, verringern nachhaltig die Zahl der Stürze. Wirksame Ansatzpunkte sind dabei die Überprüfung der Medikation, eine ausreichende Vitamin-D-Supplementation, Bewegungstraining sowie die Anpassung der Umgebung, wie etwa bessere Beleuchtung, eine angepasste Betthöhe und trittsicherer Bodenbelag.

Bewegung wirkt – aber nur, wenn sie bleibt

Tanzen, Gehtraining, Balance- und Kraftübungen senken zwar die Sturzrate deutlich, jedoch nur, wenn sie regelmäßig mehr als einmal pro Woche durchgeführt werden. Auch Menschen mit Demenz profitieren davon. Wird das Training jedoch beendet, geht der Effekt verloren.

Ernährung und Vitamin D: unterschätzte Hebel

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D senkt vor allem Wiederholungsstürze. Zusätzlich zeigen Milchprodukte im Speiseplan eine unterstützende Wirkung: die zusätzliche Zufuhr von Proteinen und Kalzium kann das Risiko für Stürze und sturzbedingte Knochenbrüche erheblich reduzieren.

Einfluss einer alleinigen Medikamentenoptimierung nicht eindeutig

Manche Medikamente können beispielsweise Schwindel, Benommenheit oder Gangunsicherheit auslösen und damit das Risiko für Stürze erhöhen. Laut Dyer et al. (2025) waren als einzelne Maßnahme die Interventionen zur Optimierung der Medikation jedoch zu vielfältig und hatten insgesamt nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Sturzrate. Ihre Wirkung entfaltet sich daher vermutlich eher im Zusammenspiel mit Bewegung, Umweltanpassung und Schulungen.

Ergotherapeut:innen als Bindeglied

Sturzprävention in Pflegeeinrichtungen funktioniert am besten als Teamarbeit. Ergotherapeut:innen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Um einen nachhaltigen Beitrag in der Sturzprävention zu leisten, gibt es daher mehrere Hebel:

  • individuelle Sturzrisiken der Klient:innen systematisch erfassen
  • bewegungsorientierte Gruppen- und Einzelangebote fest in den Alltag etablieren
  • Pflegepersonal einbeziehen, um Kontinuität zu sichern
  • Ernährung, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel überprüfen sowie eventuelle Gespräche mit Leitung und Küche führen
  • Umweltfaktoren im Alltag kritisch prüfen

Eingeschränkte Aussagekraft der Evidenz

Im Sinne einer wissenschaftlich korrekten Darstellung ist es uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Aussagekraft des Reviews durch mögliche Verzerrungen (z. B. Vorwissen der Untersuchten) limitiert sein kann.

Originalpublikation:
Dyer, S. M., Kwok, W. S., Suen, J., Dawson, R., Kneale, D., Sutcliffe, K., Seppala, L. J., Hill, K. D., Kerse, N., Murray, G. R., van der Velde, N., Sherrington, C., & Cameron, I. D. (2025). Interventions for preventing falls in older people in care facilities. Cochrane Database of Systematic Reviews, 8(8), CD016064. https://doi.org/10.1002/14651858.CD016064

Buch-Tipp

Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 2017

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