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Bessere Diagnose und gezieltere Therapie motorischer Defizite nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall scheitern viele Menschen an täglichen Handgriffen im Haushalt. Der Grund dafür sind Lähmungserscheinungen, die von Schädigungen im Gehirn herrühren. Diese wirken sich auf die feinmotorischen Fähigkeiten aus. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigt durch eine veränderte Testmethode nun einen Weg auf, mototische Defizite exakter zu messen und demnach gezielter therapieren zu können.

Klassische Tests zur Überprüfung manueller Geschicklichkeit belegen: Viele Patienten haben nach einem Schlaganfall Probleme einfache Alltagsgegenstände und Werkzeuge zu greifen oder zu halten. Sehr häufig wird der Jebsen Taylor-Handfunktionstest durchgeführt, wo etwa ein Satz auf ein Blatt Papier geschrieben werden muss.

„Der Jebsen-Test wie auch andere Tests zeigen allerdings nicht auf, welche einzelnen Faktoren dazu führen, dass sich Schlaganfallpatienten bei einfachen Handgriffen wie etwa nach einem Blatt zu greifen so schwer tun“, erläutert Professor Joachim Hermsdörfer vom Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft der Sport- und Gesundheitsfakultät an der TUM. „Darum haben wir Tests selbst entwickelt, um anhand der daraus identifizierten beeinflussenden Faktoren gezieltere therapeutische Ansätze abzuleiten.“ Ihre Ergebnisse haben Joachim Hermsdörfer und Erstautorin Kathrin Allgöwer gerade im Magazin „Clinical Neurophysiology“ veröffentlicht.

Motorische Defizite nach Schlaganfall: Bessere Diagnose und gezieltere Therapie
Foto: © Fontanis / Fotolia.com

Drei Faktoren zur Klassifizierung der Feinmotorikstörung

Eine Gruppe von 22 Patientinnen und Patienten im Alter von 32 bis 78 mit einer halbseitigen Lähmung, der so genannten Hemiparese nach einem Schlaganfall, haben an der Studie teilgenommen. Ihnen gegenüber stand eine gleich große Kontrollgruppe mit gesunden Probanden. Getestet wurden das Hochheben von Gegenständen verschiedener Gewichtsklassen und Oberflächen, die vorausschauende und reagierende Griffkontrolle, das visuell-motorische Vermögen sowie einige weitere Fertigkeiten.

Im Vergleich beider Gruppen ließen sich drei Faktoren ausmachen, die maßgeblich waren, um die Feinmotorikstörung zu klassifizieren:

- die Kontrolle der Griffkraft
- die motorische Koordination sowie
- das Tempo der Bewegung

Mit statistischen Methoden konnten die Wissenschaftler schließlich belegen, dass diese drei Faktoren zu 69 Prozent die Alltagsdefizite des umfassenderen Jebsen-Tests voraussagen.

Ergebnisse erlauben gezieltere Therapiemaßnahmen

"Dank unserer Ergebnisse können Patienten und Patientinnen künftig nach einem Schlaganfall gezielter in den Bereichen therapiert werden, wo ihre Schwächen evident sind", sagt Professor Hermsdörfer.

Für die Tests wurden selbstentwickelte Geräte benutzt, unter anderem die Gripforce-Box, mit der die Griffkraft der Hand überprüft wird. Diese könnte künftig für Therapeuten so weiterentwickelt werden, dass sie zum Zweck der Diagnose des Status-quo von Personen nach einem Schlaganfall eingesetzt wird. "Daran arbeiten wir derzeit noch", sagt der Bewegungswissenschaftler. „Das Ziel ist zusammen mit zwei kurzen klassischen Tests künftig mit der GF-Box eine präzise Aussage über die Hintergründe einer Feinmotorikstörung von Schlaganfallpatienten im Alltag zu machen.“

Originalstudie

Kathrin Allgöwer und Joachim Hermsdörfer: Fine motor skills predict performance in the Jebsen Taylor Hand Function Test after stroke, Clinical Neurophysiology 31.7.2017. DOI: 10.1016/j.clinph.2017.07.408


Quelle: Technische Universität München


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