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Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze vielversprechend

Das Ziel jeder Rehabilitation lautet: Schlaganfallpatienten sollen wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren oder in einen anderen Beruf einsteigen können. Gelingt dies nicht mehr oder ist der Patient nicht mehr berufstätig, ist das Ziel der Rehabilitation die möglichst vollständige Teilhabe und das Wiedererlangen der Selbstständigkeit. Dass Rehabilitation für alle Altersgruppen möglich und wichtig ist, wurde wiederholt belegt. Ältere Schlaganfallpatienten profitieren ebenso wie jüngere von einer intensiven Neurorehabilitation. Neue Erkenntnisse zur Plastizität des menschlichen Gehirns legen nahe, dass mit innovativen Therapien noch bessere Rehabilitationsergebnisse nach einem Schlaganfall möglich wären.

Eine große Chance bieten nicht invasive neuromodulatorische Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) oder die transkranielle Gleichstromstimulation (TDCS), die begleitend zur Standardtherapieverfahren der Rehabilitation eingesetzt werden können. So konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Agnes Flöel an der Berliner Charité zeigen, dass Patienten mit chronischer Sprachstörung (Aphasie) auch noch nach sechs Monaten alltagsrelevant von einer Behandlung mit tDCS im Vergleich zu einer Schein-Stimulation profitieren. Ähnliche Effekte konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Gereon Fink, Uniklinik Köln, bei Patienten mit Halbseitenlähmung in der Frühphase der Rehabilitation mittels TMS erzielen. Im Vergleich zur Scheinstimulation verbesserte sich die Handfunktion der TMS-stimulierten Patienten, wobei die Effekte auch noch drei Monate nach der Rehabilitation nachzuweisen waren.

„Diese ermutigenden Studienergebnisse belegen eindrucksvoll das Potenzial neurowissenschaftlich basierter Forschungsansätze zu innovativen Therapieansätzen in der Neurorehabilitation“, so Prof. Fink, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Interdisziplinäre Behandlung

Deutschland verfügt über ein flächendeckendes und im internationalen Vergleich hervorragendes Angebot von Rehabilitationsplätzen sowohl in Rehakliniken wie auch in ambulanten Rehabilitationseinrichtungen. Dort arbeiten Neurologen, Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten interdisziplinär zusammen. Sie bemühen sich intensiv um die Schlaganfallpatienten und helfen ihnen, verloren gegangene Funktionen wie Wahrnehmung, Bewegung und Sprache möglichst vollständig wiederzuerlernen. Dennoch bedarf es laut Prof. Fink konzertierter Anstrengungen, neue Therapieansätze zur Förderung der Rehabilitation zu entwickeln, damit mehr Schlaganfallpatienten die berufliche Eingliederung gelingt und sie wieder Eigenständigkeit mit sozialer Teilhabe erreichen.

Zwei Drittel mehr Schlaganfälle bis 2050

Dank der Erfolge in der Akutbehandlung des Schlaganfalls durch Lysetherapie und Thrombektomie ist der Schlaganfall heute nicht mehr die dritt-, sondern nur noch die fünfthäufigste Todesursache in unserer Gesellschaft. Schlaganfallpatienten profitieren von der Behandlung auf Stroke Units. Die Kehrseite: Mehr Schlaganfallpatienten benötigen eine Rehabilitation, zumal die Anzahl der Schlaganfälle zunimmt.

Pro Jahr erleiden ca. 250 Personen je 100.000 Einwohner einen Schlaganfall. In Deutschland kommt es demnach jedes Jahr zu ca. 210.000 Schlaganfällen. Bis 2050 wird sich die Zahl allein aufgrund der zunehmend älter werdenden Bevölkerung um ca. 66 Prozent erhöhen, so dass in 2050 mit mindestens 350.000 Schlaganfällen pro Jahr zu rechnen ist. Damit wird die Zahl erworbener Behinderungen ebenfalls deutlich zunehmen: Ca. 60 Prozent der Schlaganfallpatienten weisen 3 Monate nach ihrem Schlaganfall eine leichtgradige Behinderung auf, ca. 30 Prozent eine mittel- bis schwergradige Behinderung.

„Der Schlaganfall ist die wichtigste Ursache erworbener Behinderungen in unserer Gesellschaft und damit der häufigste Grund für beruflichen und sozialen Rückzug“, sagt Fink. „Trotz aller Bemühungen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, suchen nach wie vor viel zu viele Schlaganfallpatienten und ihre Angehörigen zu spät ärztliche Hilfe. Deshalb müssen viele mit den Folgen ihres Schlaganfalls leben, sei es einer Halbseitenlähmung, einer Sprachstörung, einer Seh- oder räumlichen Wahrnehmungsstörung. Und deshalb müssen wir auch unsere Anstrengungen verstärken, das Potenzial zur Rehabilitation noch besser auszuschöpfen.“


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.


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