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Studie untersucht Effekte computergestützten Trainings bei Kindern mit Gesichtsfeldausfall

Mediziner des Universitätsklinikums Tübingen haben eine Studie zur visuellen Rehabilitation bei Kindern mit Gesichtsfeldausfällen veröffentlicht. Ein computergestütztes Training vermittelt den Kindern eine Strategie, die es ihnen ermöglicht, ihr gesamtes Blickfeld zu erweitern, um somit besser zu sehen. Im Ergebnis zeigt sich eine Verbesserung der Lebensqualität sowie Aktivitäten des täglichen Lebens.

Bei Kindern, die eine Schädigung der Sehbahn erlitten haben - beispielsweise aufgrund von Tumorerkrankungen oder epilepsiechirurgischen Eingriffen -, kommt es zu seitengleichen Gesichtsfeldausfällen (homonyme Hemianopsie). Vor beiden Augen fehlt dieselbe Hälfte des Gesichtsfelds. Als Ergebnis dessen können die betroffenen Kinder auf der Seite des Ausfalls Gegenstände oder Personen nicht wahrnehmen. Ihr Sehvermögen ist massiv eingeschränkt, Unfälle und eine Einschränkung der Lebensqualität sind die Folgen. In Deutschland sind schätzungsweise jährlich mehrere hundert Kinder neu betroffen, weltweit einige tausend.

Die Tübinger Forscher haben nun erstmals eine Studie mit Kindern durchgeführt, die unter seitengleichen Gesichtsfeldausfällen leiden. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen nahmen sie an einem speziell konzipierten Computertraining für zuhause zur Rehabilitation ihres Gesichtsfeldausfalles teil. Hierbei lernten sie spielerisch ihre Augenbewegungen im gesamten Blickfeld einzusetzen und somit den Gesichtsfeldausfall auszugleichen. Ziel der visuellen Rehabilitation ist es, das Restsehvermögen zu optimieren.

22 Kinder mit Gesichtsfeldausfall trainierten mit dem Programm über einen Zeitraum von sechs Wochen, zweimal täglich 15 Minuten, an fünf Tagen in der Woche. Eine Untersuchung von 16 gesunden Kindern lieferte entsprechende Vergleichwerte für die Messungen.

Während des Trainings zeigten 21 der 22 erkrankten Kinder eine Verbesserung der Suchzeiten. Die Untersuchung der Augenbewegungen in der Klinik erwies, dass die Kinder nach der Therapie deutlich öfter in ihre blinde Seite schauen als vor dem Training und dies mit größeren und effizienteren Augensuchbewegungen tun. Die Kinder haben eine Strategie erlernt, mit der sie schneller und effizienter suchen und die sie auch bei alltäglichen Aufgaben anwenden können. Einige Kinder berichteten, dass sie im Alltag nun viel besser zurechtkommen. Ein Kind schildert, dass es wieder Tennis spielen konnte, ein anderes Bowling.

Originalveröffentlichtung:
Effects of visual search training in children with hemianopia
Iliya V. Ivanov, Stephan Kuester, Manfred MacKeben, Anna Krumm, Manja Haaga, Martin Staudt, Angelika Cordey, Claudia Gehrlich, Peter Martus, Susanne Trauzettel-Klosinski
PLOS ONE, July 18, 2018
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0197285


Quelle: Universitätsklinikum Tübingen


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