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Wie Babys die Welt begreifen: Verstehen lernt man nicht vor dem Bildschirm

Der Frage, wie Säuglinge eine Gedankenwelt aufbauen und allmählich denken lernen, geht die Abteilung Entwicklungspsychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) nach. In aktuellen Studien konnte die Forschergruppe zeigen, dass sich Babys neue Gegenstände besonders gut merken und vorstellen können, wenn sie diese genau betrachten und dabei gleichzeitig mit den Fingern abtasten. Verstehen lernt man folglich nicht vor dem Bildschirm.

Wie Babys die Welt begreifen

Denn gerade das Abfahren der Kanten und Oberflächen mit den Fingern ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Babys eine genaue Vorstellung von einem Gegenstand entwickeln können, auch wenn sie diesen nicht mehr sehen. Das Team widerlegt damit frühere wissenschaftliche Thesen. Lange Zeit ging man auch in der Entwicklungsforschung davon aus, dass nur ältere Kinder und Erwachsene zu solch höheren Denkleistungen fähig seien. In aufwändigen Studien konnten die Gießener Entwicklungspsychologinnen allerdings nachweisen, dass schon Babys zu derartigen Leistungen in der Lage sind.

„Babys, die Objekte sorgfältig mit Blicken und Fingern erkunden, können sich solche Objekte nicht nur im Geiste gut vorstellen, sie können diese in ihrer Vorstellung beispielsweise auch drehen“, erläutert Prof. Dr. Gudrun Schwarzer, die das Projekt leitet. Das auf diese Weise verinnerlichte Wissen über bestimmte Gegenstände helfe den Babys auch, diese im richtigen Moment anzuschauen und rechtzeitig zu ergreifen, selbst wenn sich die Gegenstände bewegen. Diese Fähigkeit bzw. Fertigkeit sei entscheidend, um im Alltag sicher mit Objekten umzugehen und damit erfolgreich Handlungen auszuführen.

Die Forscherinnen und Forscher am Fachbereich 06 der JLU haben inzwischen ein Trainingsprogramm erstellt, mit dem Eltern ihren Kindern das Erkundungsverhalten von Gegenständen beibringen können. Das Forschungsteam verdeutlicht in diesem Zusammenhang zugleich, dass gerade bei jungen Kindern erfolgreiches Lernen und Verstehen nicht vor dem Fernseher oder Tablet stattfindet. „Kinder brauchen vielmehr eigene Aktivität und reale Erfahrungen mit Gegenständen, um über sie Wissen zu verinnerlichen“, appelliert Prof. Schwarzer an alle Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie an Betreuerinnen und Betreuer beispielsweise in Krabbelgruppen.

Zahlreiche Familien aus Gießen und Umgebung haben durch ihre Bereitschaft zur Studienteilnahme die aktuellen Forschungsergebnisse erst möglich gemacht. Viele Mütter oder Väter hatten mit ihren Babys und Kleinkindern das Forschungsteam im Philosophikum I der JLU besucht. Das Gießener Team will nun weitere Faktoren untersuchen, die für das frühkindliche Lernen und Verstehen entscheidend sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler freuen sich daher sehr über alle Eltern, die an den Folgestudien teilnehmen. Interessierte Eltern sind herzlich eingeladen, sich telefonisch (0641 99-26003) oder über die Homepage (http://www.uni-giessen.de/fbz/fb06/psychologie/abt/ep/info) mit der Abteilung für Entwicklungspsychologie in Verbindung zu setzen.


Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen


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