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DAK Kinder- und Jugendreport 2019: Jedes vierte Schulkind leidet unter psychischen Problemen

Laut dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit zeigt jedes vierte Schulkind in Deutschland psychische Auffälligkeiten. Zwei Prozent leiden dabei an einer diagnostizierten Depression, ebenso viele unter Angststörungen. Fast acht Prozent der depressiven Kinder kommen innerhalb eines Jahres ins Krankenhaus, durchschnittlich für 39 Tage. Nach der Entlassung fehlt oft jedoch eine passende ambulante Nachsorge. Die Folge: Beinahe ein Viertel der jungen Patienten wird später erneut stationär behandelt.

Jedes vierte Schulkind leidet unter psychischen Problemen

Dem Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit mit dem Schwerpunkt „Ängste und Depressionen bei Schulkindern“ liegen als Basis die Abrechnungsdaten der Jahre 2016 und 2017 von rund 800.000 minderjährigen DAK-Versicherten zugrunde. Dem Report zufolge verzeichnet die Depressionshäufigkeit als auch die Zahl der Klinikeinweisungen aufgrund von Depressionen in diesem Zeitraum eine Zunahme von fünf Prozent.

Durch einen Krankenhausaufenthalt kommen die betroffenen depressiven Kinder für durchschnittlich 39 Tage aus ihrem Schul- und Familienalltag raus. „Die Stigmatisierung, die sich mit einem langen Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie verbindet, ist für die Betroffenen eine zusätzliche Belastung. Wir brauchen eine offene Diskussion über das Tabuthema Depression bei Kindern“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Wir haben offenkundige Versorgungslücken nach der Krankenhausentlassung, die wir dringend schließen müssen. Eine Rehospitalisierungsquote von 24 Prozent ist alarmierend.“

Chronische Krankheiten steigern Risiko für Depressionen

Der Report zeigt erstmals auf Basis von Abrechnungsdaten, wie stark bestimmte Faktoren die Entwicklung eines Seelenleidens beeinflussen. So tragen Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung insbesondere im Jugendalter ein bis zu 4,5-fach erhöhtes Depressionsrisiko. Für eine Angststörung ist das Risiko bis zu 3-fach erhöht. Auch bei Adipositas und Schmerzen gibt es deutliche Zusammenhänge: Unabhängig vom Alter sind Jungen und Mädchen mit krankhaftem Übergewicht 2,5- bis 3-mal häufiger von einer depressiven Störung betroffen als Gleichaltrige mit normalem Körpergewicht. Bei Kindern, die unter Schmerzen leiden – Rücken-, Kopf-, Bauch- oder Beckenschmerzen –, besteht ein 2- bis 2,5-faches Risiko. Auch das familiäre Umfeld kann ein Faktor sein: Kinder seelisch kranker Eltern sind deutlich gefährdeter (3-fach), selbst eine depressive Störung zu entwickeln. Kinder suchtkranker Eltern sind ebenfalls signifikant häufiger betroffen (2,4-mal häufiger) als Gleichaltrige aus suchtfreien Elternhäusern.

Depressionen und Angststörungen zählen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den schwerwiegendsten Leiden in der Gruppe der psychischen Erkrankungen. Laut Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit treten beide Diagnosen häufig parallel auf. So hat fast ein Viertel (24 Prozent) aller depressiven Mädchen zusätzlich eine Angststörung. Bei Jungen sind es 17 Prozent. Depressionen sind gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessenverlust. Bei schweren depressiven Episoden haben die jungen Patienten Schwierigkeiten, ihre alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen. Sie ziehen sich stark zurück, schaffen es kaum noch, in die Schule zu gehen. 41 Prozent aller Fälle im Jahr 2017 diagnostizieren die Ärzte als mittelschwer oder schwer. Bei Angststörungen ist der natürliche Angstmechanismus des Menschen aus den Fugen geraten. Die Betroffenen zeigen Reaktionen, die der jeweiligen Situation nicht angemessen sind und losgelöst von einer realen äußeren Gefährdung ablaufen.

Hohe Dunkelziffer angenommen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt den neuen Report, sieht darin jedoch nur die Spitze des Eisbergs. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus“, sagt Präsident Dr. Thomas Fischbach. „Es gibt sehr viele Kinder, die leiden und erst spät zu uns in die Praxen kommen. Erst wenn sie eine entsprechende Diagnose haben, tauchen sie in dieser Statistik auf.“ Auf Grundlage des Reports wollen die DAK-Gesundheit und der Verband die bestehende Versorgung von Kindern und Jugendlichen weiter optimieren.

Die DAK-Gesundheit reagiert auf den wachsenden Bedarf und die Versorgungslücke nach der Krankenhausbehandlung mit einem neuen integrierten Versorgungskonzept „veo“, das depressiven Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren für drei Jahre eine vernetzte ambulante Nachsorge und Versorgung ermöglicht. Parallel intensiviert die Krankenkasse ihre Aktivitäten im Bereich Stressprävention. Gemeinsam mit der Cleven-Stiftung hat sie mit fit4future Teens ein neues Präventionsprogramm zum Thema Stressprävention für 800 weiterführende Schulen entwickelt.

Weitere Informationen



Quelle: DAK-Gesundheit
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