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Risiko Hüftfraktur bei älteren Menschen: Orthogeriatrisches Co-Management senkt Sterblichkeit

Hüftfrakturen treten überwiegend bei Patientinnen und Patienten über 80 Jahren auf und ziehen eine erhöhte Sterblichkeit nach sich. Das Zusammenspiel von Unfallärzten, Chirurgen und Spezialisten für Alternsmedizin hilft, die Sterblichkeit der Betroffenen erheblich zu senken. Vor allem in den ersten 30 Tagen nach der Krankenhausaufnahme war die relative Mortalitätsrate um 22 Prozent geringer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit Partnern aus Stuttgart und Hamburg über das so genannte orthogeriatrische Co-Management.

Risiko Hüftfraktur bei älteren Menschen - Orthogeriatrisches Co-Management senkt Sterblichkeit

Hüftfrakturen gehören zu den so genannten Fragilitätsfrakturen und treten überwiegend bei Patientinnen und Patienten im Alter über 80 Jahre auf. Dieser Personenkreis ist außerdem häufig sehr gebrechlich und leidet unter vielen weiteren Krankheiten und Alterungserscheinungen. Auch gehen diese Frakturen für die Betroffenen oft mit großen Schmerzen einher und die Betroffenen verlieren in vielen Fällen dauerhaft einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit – auch Todesfälle sind zu beklagen. Innerhalb eines Jahres versterben laut Weißbuch Alterstraumatologie bis zu 30 Prozent der Patientinnen und Patienten. Dass eine Hüftfraktur kein seltenes Phänomen ist, zeigen die Fallzahlen: Allein 2018 wurden in Deutschland 120.000 so genannte hüftgelenknahe Femurfrakturen, im Volksmund auch „Oberschenkelhalsfrakturen“ genannt, stationär operiert. Bei älteren Menschen mit Pflegebedarf besteht ein besonders hohes Frakturrisiko.

interdisziplinäre Zusammenarbeit

Zusammen mit Kooperationspartnern aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart sowie dem Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben Ulmer Forschende die Auswirkungen eines neuen Behandlungsmodells, des orthogeriatrischen Co-Managements, auf die Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen untersucht.

Beim Co-Management behandeln Unfallchirurgen und Geriater Fragilitätsfrakturen gemeinsam. Kernkomponente der Therapie ist es, die Patientinnen und Patienten möglichst rasch zu mobilisieren. Unter der Leitung eines Geriaters arbeitet bereits im Krankenhaus ein multidisziplinäres Team aus Physio- und Ergotherapie, speziell weitergebildeten Pflegekräften sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und weiteren Experten zusammen.

Studie wertet 58.000 Datensätze aus

Den Forschenden lagen für ihre Untersuchung die Daten einer großen deutschen Krankenkasse vor, der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK). Die Krankenkassen-Daten erlaubten auch Aussagen über einen vorliegenden Pflegegrad oder einen Aufenthalt im Pflegeheim. AOK-Versicherte repräsentieren rund ein gutes Drittel der gesetzlichen Krankenversicherten in Deutschland. In der Studie konnten so Daten von rund 58.000 Menschen ausgewertet werden, die in 828 deutschen Krankenhäusern mit der Diagnose Hüftfraktur behandelt worden sind.

Co-Management senkt Mortalitätsrate um 22 Prozent

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen zu dem Fazit, dass Patientinnen und Patienten, die in einem Krankenhaus mit orthogeriatrischem Co-Management behandelt wurden, ein geringeres Risiko hatten, nach einer Hüftfraktur zu versterben. Vor allem in den ersten 30 Tagen nach der Aufnahme war die relative Mortalitätsrate um 22 Prozent geringer. „Aus den Zahlen können wir abschätzen, dass durch orthogeriatrisches Co-Management etwa 30 Todesfälle pro 1.000 Hüftfrakturen vermieden werden. Dieses eindrucksvolle Ergebnis zeigt, wie notwendig die interdisziplinäre Zusammenarbeit hier ist“, so Professor Dietrich Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm.

Dabei war die Aufenthaltsdauer der Betroffenen in Krankenhäuser mit orthogeriatrischem Co-Management zwar länger als ohne (19,8 Tage im Vergleich zu 14,4 Tagen). Dieser Wert relativierte sich aber wieder, wenn man die Gesamtbehandlungsdauer beobachtet. Insgesamt wurden Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen im orthogeriatrischem Co-Management im Durchschnitt lediglich zwei Tage länger behandelt.

Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Konsortialprojekts „Prevention and Rehabilitation of Osteoporotic Fractures in Disadvantaged Populations 2 – PROFinD2“ gefördert.

Originalpublikation:

Rapp K, Becker C, Todd C, Rothenbacher D, Schulz C, König HH, Liener U, Hartwig E, Büchele G:
The association between orthogeriatric co-management and mortality following hip fracture — an observational study of 58000 patients from 828 hospitals. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 53–9. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0053



Quelle: Universität Ulm


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