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Smartphone, Tablet, Fernseher: Warum es nicht egal ist, wie Kinder Bildschirmmedien nutzen

Im Rahmen einer Studie haben Pädagogen der Universität Regensburg untersucht, ob sich verstärkte Bildschirmerfahrungen nagativ auf die Vorstellungskraft im Kindesalter auswirken. Die Vorstellungskraft ist es, die es uns erlaubt, eine bestimmte Szenerie vor Augen zu haben - auch wenn wir uns diese nur vorstellen oder darüber lesen. Sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen ist sie ein wichtiger Baustein für kognitive Funktionen wie etwa Denken, Problemlösen, Sprache und Phantasie.

Bildschirmmedien beeinflussen Vorstellungskraft von Kindern

Stellen Sie sich eine Blumenwiese an einem sonnigen Tag vor: Sie leuchtet in unterschiedlichen Grüntönen, durchsetzt mit blauen, violetten, gelben, weißen und roten Farbtupfern – den bunten Blüten der Wiesenblumen. Schmetterlinge flattern umher und scheinen sich gegenseitig zu jagen, Vögel zwitschern ein fröhliches Lied und es steigt Ihnen der würzige Geruch der Wiesenkräuter in die Nase… Können Sie die Wiese sehen? Hören Sie vielleicht sogar das Vogelgezwitscher und riechen den Duft der Kräuter? – Dann liegt das an Ihrer Vorstellungskraft.

In ihrer Studie haben die Pädagogen der Universität Regensburg genau diese Fähigkeit der Vorstellung untersucht – und zwar im Zusammenhang mit dem häuslichen Bildschirmkonsum, etwa per Fernseher, Tablet oder Smartphone. Dabei haben sie herausgefunden, dass eine häufigere Nutzung von Bildschirmmedien mit einer verzögerten Entwicklung von Vorstellungsfähigkeiten einhergehen kann.

Die Vorstellungskraft (Engl: mental imagery) ermöglicht es uns, Ereignisse oder Objekte wie vor einem „inneren Auge“ abzubilden. Dies wird nicht zuletzt auch beim Lesen deutlich. Wer etwa Goethes Italienische Reisen richtig liest, nimmt die beschriebenen Berge und Städte innerlich wahr. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Fähigkeit zur Erzeugung solcher inneren Bilder wesentlich auf tatsächlichen Erlebnissen und Erfahrungen mit den Vorstellungsobjekten basieren. Grundsätzlich stellt die Vorstellungskraft sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen einen wichtigen Baustein für kognitive Funktionen, wie etwa Denken, Problemlösen, Sprache und Phantasie dar.

Blicken wir auf einen Bildschirm, nimmt uns dieser hier viel Arbeit ab. Jedoch ermöglichen Bildschirme nach wie vor fast ausschließlich visuelle und auditive Erfahrungen. Dies trifft besonders dann zu, wenn Bildschirmmedien genutzt werden, um Bilder oder Filme zu konsumieren. Die über den Bildschirm vermittelten Reize und Bilder werden dem Zuschauer bereits „vollständig“ präsentiert. Die eigenständige Erzeugung oder Ergänzung von Bildern, wie dies beim Hören oder Lesen einer Sprache erforderlich ist, entfällt.

Vor diesem Hintergrund hat das Forscherteam untersucht, ob sich die Vorstellungskraft im Kindesalter langsamer entwickelt, wenn Kinder verstärkt Bildschirmerfahrungen machen. Sie nahmen an, dass solche Kinder generell weniger Übung bei der Erzeugung eigener Bilder haben und folglich eine geringere Vorstellungskraft entwickeln. An der Studie nahmen 266 Kindergartenkinder und GrundschülerInnen zwischen drei und neun Jahren teil. Die Pädagogen fanden heraus, dass sich die Vorstellungskraft im Beobachtungszeitraum umso langsamer entwickelte, desto länger die tägliche Nutzung von Bildschirmmedien andauerte. Dies galt nicht nur für die passive Bildschirmnutzung, z. B. am Fernseher, sondern auch für die sogenannten aktiven Medien, wie Smartphone, Tablet oder PC.

Die Wissenschaftler raten daher zu einer besonneneren Bildschirmnutzung und mehr kompensatorischer Aktivität. So gibt es Apps, die das Konzept des „Interaktiven“ berücksichtigen und z. B. Elemente haben, welche die aktive Bilderzeugung anregen. Generell gilt jedoch, dass Bildschirmmedien gesprochene Sprache, Vorlesen etc. nicht ersetzen können. Darüber hinaus sollten Kinder ausreichend Gelegenheit erhalten, sich auch in der dreidimensionalen Welt aktiv und kreativ zu betätigen.

Originalpublikation

Suggate, S. P. & Martzog, P., Screen-Time Influences Children’s Mental Imagery Performance, Developmental Science.
DOI: 10.1111/desc.12978

Das Projekt wurde von der Software AG Stiftung gefördert.



Quelle: Universität Regensburg



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