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Schlechte Datenlage zum Nutzen der Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersuchen derzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Federführung der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Frage, ob die Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit helfen kann. Vorläufiges Ergebnis: Wegen der schlechten Evidenzlage konnten die Expertinnen und Experten nur bei Betroffenen der Parkinsonkrankheit sowie bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich eine Nutzenaussage ableiten. Hier findet sich jeweils ein Anhaltspunkt für einen Nutzen der Feldenkrais-Methode im Vergleich zur betreffenden Vergleichstherapie.

Anfrage einer Bürgerin als Ausgangspunkt des Berichts

Der jetzt vorliegende vorläufige HTA-Bericht geht auf den Vorschlag einer Bürgerin zurück. Es handelt sich dabei um eine Gesundheitstechnologie-Bewertung (engl. Health Technology Assessment = HTA) im Rahmen des IQWiG-Verfahrens ThemenCheck Medizin. Die Vorschlaggebende hatte die Erfahrung gemacht, dass Rückenschmerzen oft mit Medikamenten behandelt werden, manchmal sogar Operationen empfohlen werden. Vor diesem Hintergrund fragte sie das IQWiG, ob Feldenkrais eine Methode sein könnte, die gegebenenfalls eine medikamentöse oder operative Therapie überflüssig machen könnte.

Mit der Feldenkrais-Methode soll durch eine bewusstere Körperwahrnehmung die Koordination von Bewegungsabläufen optimiert werden. Sie geht auf den Physiker und Neurophysiologen Moshé Feldenkrais zurück. Da die Feldenkrais-Methode formal nicht als Heilmittel gelistet ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten nur in Ausnahmefällen.

Sechs randomisierte kontrollierte Studien für fünf Indikationen

Die vom IQWiG beauftragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten bei ihrer Recherche zum Nutzen der Feldenkrais-Methode sechs randomisierte kontrollierte Studien für fünf unterschiedliche Indikationen identifizieren. Keine dieser sechs Studien wurde in Deutschland durchgeführt, alle Studien wiesen ein hohes Verzerrungspotenzial auf. Anhaltspunkte für einen (höheren) Nutzen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur bei zwei Indikationen ermitteln:

  • Bei Betroffenen mit Morbus Parkinson gibt es nach Auffassung der beauftragten externen Sachverständigen einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode gegenüber Bildungsprogrammen in Form von Vorträgen (= passive Strategie). Dies betrifft die Verbesserung der Beweglichkeit und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität am Therapieende.

  • Die Evidenzlage bei Betroffenen mit chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich ist im Vergleich mit aktiven Strategien uneinheitlich. Gegenüber einem Training mit Übungen für die Rumpfstabilität gibt es in einer Studie einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode am Ende der fünfwöchigen Therapie wegen besserer Beweglichkeit und besserer gesundheitsbezogener Lebensqualität. Gegenüber der Teilnahme an einer mehrmonatigen Rückenschule gibt es in einer weiteren Studie zwar einen Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen der Feldenkrais-Methode hinsichtlich Schmerzverringerung, aber gleichzeitig auch einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen dieser Methode in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Unmittelbar am Ende der Therapie wurden aber keine Unterschiede in den Effekten der beiden Verfahren festgestellt.

Die Expertinnen und Experten konnten keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen bei weiteren Indikationen oder für einen langfristigen Nutzen der Feldenkrais-Methode finden. Allerdings konnten sie auch keinen Anhaltspunkt für einen Schaden der Feldenkrais-Methode finden, wobei Angaben zu Todesfällen und zu unerwünschten Ereignissen in den Studien fehlen. Die Frage nach dem Nutzen der Feldenkrais-Methode im Vergleich zu aktiven Strategien wie einer Physiotherapie bleibt grundsätzlich noch offen.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen erkennen daher weiteren Forschungsbedarf – vor allem zu langfristigen Effekten der Feldenkrais-Methode, ihrer Anwendung bei verschiedenen Indikationen und gegenüber anderen, üblicherweise in der Praxis angewendeten aktiven Vergleichstherapien wie etwa der etablierten Physiotherapie.

Originalpublikation

Vorläufiger HTA-Bericht: Störungen der Beweglichkeit: Hilft die Feldenkrais-Methode?



Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


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