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Gleichgewichtstraining als Kassenleistung?

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22. Mai 2012 18:05 # 1
Registriert seit: 17.05.2011
Beiträge: 14

Hallo,
ein HNO-Arzt hat sich bei mir erkundigt, ob ich Patienten mit Gleichgewichtsstörungen und Schwindel auf Kassenrezept behandeln würde. Ich täte es ja gerne, nur habe ich im Diagnoseindex keine dazu passende Diagnose gefunden, die eine Behandlung vor der Kasse rechtfertigen würde. Die Patienten müssten zusätzlich andere Beschwerden haben. Sehe ich das so richtig, oder habt ihr noch eine Idee, was ich dem Arzt sagen kann? Er würde gerne wissen, was bei Gleichgewichtsstörungen und Schwindel auf dem Rezept stehen muß.
Ich habe auch schon gehört, dass die AOK mal eine kostenlose Fortbildung für Sturzprophylaxe angeboten hat. Die Kurse für Patienten wären dann zum großen Teil von der Kasse übernommen worden. Wißt ihr was darüber?
Grüße
ergoir

22. Mai 2012 20:55 # 2
Registriert seit: 27.11.2011
Beiträge: 226

Hallo,

also das mit der Sturzprophylaxe war so: man konnte über die Kasse eine Fortbildung besuchen und dann als Sturzprophylaxetrainer in Einrichtungen für ein halbes Jahr tätig sein. Man wurde von der Kasse bezahlt. Diese Einrichtungen haben sich im Gegenzug verpflichtet während des halben Jahres 1-2 Angestellte zur Verfügung zu stellen, welche "angelernt" wurden. Anschließend musste die Einrichtung den Kurs und eben mit diesen weiterführen. Dieses Projekt gibt es aber seit Ende 2011 nicht mehr.

Grüße

23. Mai 2012 12:12 # 3
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Hallo ergoir,

explizit für die symptomatische Behandlung von Schwindel gibt es bei den Physiotherapeuten die Diagnosegruppe SO3.

Da die Indikation für die ergotherapeutische Behandlung anders gestellt wird als bei den Physiotherapeuten, könnte der HNO-Arzt Schwierigkeiten mit der Kasse oder KV bekommen, wenn er trotzdem Ergotherapie verordnet.

Da ein HNO ja eigentlich keine neurologischen oder orthopädischen Patienten behandelt, käme eine Verordnung über diese Diagnoseschlüssel ja auch nicht in Frage.

Sehe da deshalb ehrlich gesagt schwarz.

Grüße von

Oetken1
23. Mai 2012 12:25 # 4
Registriert seit: 17.05.2011
Beiträge: 14

Vielen Dank für die Rückmeldung!
Das Gleichgewicht spielt ja eine sehr wichtige Rolle in der ergotherapeutischen Behandlung. Seltsam, dass KG´s das als alleinige Diagnose behandeln dürfen, wir aber nur in Kombination.

23. Mai 2012 13:19 # 5
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Geändert am 23.05.2012 13:22:00
Zitat:

Vielen Dank für die Rückmeldung!
Das Gleichgewicht spielt ja eine sehr wichtige Rolle in der ergotherapeutischen Behandlung. Seltsam, dass KG´s das als alleinige Diagnose behandeln dürfen, wir aber nur in Kombination.



Hallo ergoir,

das Gleichgewicht, so wie andere abstrakte, funktionelle Items spielt eine wichtige Rolle in den von den Ergotherapeuten seit ungefähr 30 Jahren präferierten Behandlungsverfahren. Die schneiden, was die Wirksamkeit angeht, aber bei Studien nicht gut ab.
Seit einigen Jahren hat sich deshalb, nicht zuletzt durch Forschung die diesbezügliche Einstellung gewandelt (siehe z.B. biopsychosoziales Paradigma der ICF).

Die Entwickler der HMR haben versucht, dem Rechnung zu tragen. Die Alternative wäre gewesen, die Ergotherapie als Heilmittel nur noch für die Gebiete zu belassen, in denen sie eigene Verfahren hat und ihr Vorgehen sich klar von anderen Berufsgruppen unterscheidet.

Oder noch drastischer (war damals der Vorschlag von Herrn Seehofer): Ergotherapie den Kassen als Gestaltungsleistung anzubieten. Hätte in Realität bedeutet: Ergotherapie wäre von den Kassen nicht mehr finanziert worden.

Insofern bin ich mit den HMR schon ganz zufrieden.

Übrigens: die Physiotherapeutenverbände waren ganz unglücklich damals, dass sie den Bereich "Aktivität/Alltag" nicht bekommen.

Eigentlich kurios: wir wertschätzen den gar nicht, sondern kopieren lieber Physios bzw. Verhaltenstherapeuten oder Sonderpädagogen, während diese Berufsgruppen auf die Felder schielen, die uns zugeordnet sind.

Mir fallen dazu immer zwei Zitate ein: "Ergotherapeuten trauen dem Gegenstand ihrer eigenen Profession nicht" (Joachim Rottenecker, Wannsee-Schule) und
"Ergotherapeuten- denn sie wissen nicht, was sie tun" (Dozentin an der ergotherapeutischen Fakultät einer Hochschule, die nicht genannt werden möchte )

Grüße von

Oetken1
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