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Nicht genug Erfahrung?

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10. März 2022 14:06 # 16
ergo-ex
ergo-ex
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 338

Zitat / Mariamaria hat geschrieben:


Auch einige Patienten haben sich schon angekündigt das diese mit mir mitgehen würden ::laugh::


Derartige Aussagen sind Schall und Rauch (Erfahrung!!)
10. März 2022 19:52 # 17
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 494

Du hast dich doch schon entschieden. Dann mach es, wenn du den Mut und die finanziellen Mittel dazu hast. Nur du weißt wie deine Familienplanung aussieht, wann ungefähr Nachwuchs geplant ist, ob es in der nahen Zukunft aus Altersgründen Pflegefälle in der Familie geben wird. Nur du weißt wie fit du beruflich und wie belastbar du körperlich und mental in Krisensituationen bist, wie gut du Beruf und Familie trennen kannst, wie stressresistent du bist. Du kannst nicht einfach nach Hause gehen und es dir egal sein lassen was noch an Arbeit liegen geblieben ist. Du bist dann immer selbst und ständig für alles verantwortlich, an jedem Tag im Jahr, zu jeder Uhrzeit und für alles was dich und dein Unternehmen betrifft, incl. den Mist den deine zukünftigen Mitarbeiter verzapfen.

Ich liebe die Selbständigkeit mit allen Höhen und Tiefen und will es nicht mehr anders haben. Ich bin aber auch in diesem Umfeld der Selbständigkeit aufgewachsen und wollte dies schon immer, von Kindheit an. Ich kann mir auch nicht vorstellen mit Eintritt ins Rentenalter die Selbständigkeit aufzugeben und werde wohl in meiner Praxis mit 85 Jahren einfach umfallen und Ende ist´s.

Meine Mitarbeiter sind teilweise seit Jahren auch täglich 30 bis 45 min durch Berlin oder aus dem Umland unterwegs um bei mir arbeiten zu können. Die Fahrzeit ist hier nicht unbedingt Ausschlußkriterien. Wenn das Gesamtpaket stimmt, dann ist dies auch ok. Warum mietest du dir keinen Parkplatz an deinem Arbeitsort oder fährst mit einem E-Scooter die letzte Strecke? Als Selbständige mußt du auch für alles eine Lösung finden und keine Probleme horten. Das geht nur als Angestellte.

Wenn du dich für die Selbständigkeit entscheidest, dann trenne dich von Altlasten und nimm keine Patienten mit. Diese Patienten haben Vorstellungen, Ansprüche und Angewohnheiten die zu deinem alten Arbeitplatz gehören und die du dann bitte auch weiterhin erfüllen mußt, egal ob du diese gut findest oder nicht. Mach deinen Neustart so wie du das für dich für richtig hälst, mit deinen Regeln nach deinen Ansprüchen. Alles andere hat sich dem unterzuordnen. Wenn Altpatienten dann von sich aus zu dir finden, dann ist dies ok, aber dann zu deinen Konditionen und Bedingungen. Es ist dein Baby mit dem du bis zu deiner Rente glücklich sein willst.

Geh mit deinem Arbeitgeber im guten auseinander, vielleicht braucht ihr euch noch einmal. Halte deine alten Kontakte in Ehren und knüpfe stetig neue Kontakte und vernetze dich. Nutze die sozialen Medien und stell dich von Anfang an digital auf. Tritt einem Berufsverband bei.

"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
12. März 2022 21:20 # 18
ergo-ex
ergo-ex
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 338

Mal wieder ein herzerfrischend wertschätzender Austausch::blink::
Genau 2 Tage hält das Interesse der TE an ihrer eigenen,hochnotwichtigen Frage..
12. März 2022 22:29 # 19
Registriert seit: 29.09.2007
Beiträge: 793

Geändert am 14.03.2022 17:43:00

Tja, wenn Mariamaria vielleicht eher Bestätigung als (auch kritischen) Austausch sucht ...
13. März 2022 20:39 # 20
Registriert seit: 30.05.2008
Beiträge: 151

Bei uns in der Schweiz ist neben anderem die Bedingung für eine Zulassung zur selbständigen Berufsausübung
2 Jahre Vollzeit Berufserfahrung unter Leitung einer Ergotherapeut*in, der/die selber die Bedingungen für eine selbständige Berufsausübung erfüllt.
Es könnte sein, dass das Gründe hat...

Ansonsten auf jeden Fall regelmässige Fallbesprechungen oder einen Qualitätszirkel/ Intervision mit erfahrenen Kolleg*innen organisieren.

Auch ich schätze nach mehr als 25 Jahren Berufserfahrung die Reflexion meines Tuns mit Teamkolleginnen und anderen Berufsgruppen.
Das unterstützt mich neben mind 5 Tagen externe Fortbildung/ Jahr, wöchentliche interne Fortbildungen sowie Artikel und Bücher lesen nicht stehen zu bleiben in "Standardtherapie" und Komfortzone.
Fragestellungen und Klienten in der Ergotherapie sind sooooo vielfältig und individuell und verdienen ein breit abgestütztes Wissen/ Erfahrung.

Grüsse
5. April 2022 10:14 # 21
Registriert seit: 20.07.2005
Beiträge: 55

Ich habe mich nach 4 Jahren Angestelltensein in Vollzeit mit diversen guten Fobis im Gepäck selbständig gemacht (in NRW), mit einigen Alleinstellungsmerkmalen (z.B. Einsatz von ausgebildeten Therapiebegleithunden und Pferden, natürlich mit entsprechender Weiterbildung etc.).
Früher hätte ich es nicht machen wollen, denn gerade in den ersten 2 Jahren nach Ausbildung finde ich, ist man noch so unsicher und muss erst einmal Erfahrungen sammeln und sicher im Sattel werden mit diversen Patienten.
Mit jedem Jahr mehr im Gepäck kommt mehr Erfahrung, Fobis und Routine, so dass man dann auch wieder den Kopf frei hat für den ganzen Bürokratiekram, der dann mit dem Selbständigsein noch auf einen zukommt.
Mittlerweile bin ich 17 Jahre selbständig, habe ein tolles Team und leider fast 200 Patienten auf der Warteliste. Mir fehlt es an neuen Mitarbeitern (durch Schwangerschaften etc. fallen einige aus), aber das ist ja vermutlich überall so...

Es ist leider so, dass ich fast die Hälfte bis 2/3 der Arbeit mit administrativen Sachen und Büro verbringe, das ist wirklich ein hartes Stück... wobei ich zu der Arbeit auch Fallberatungen für meine Mitarbeiter, Berichte gegenlesen usw. verstehe, wo ich mein angesammeltes Fachwissen einbringen kann (also nicht nur Steuerkram, Einkauf, Verträge, Buchhaltung usw.).
Meine Kinder habe ich "nebenher" bekommen. Ich habe bis ein paar Tage vor der Entbindung noch live am Patienten gearbeitet und 4 Wochen danach wieder (immer in den Stillpausen, mit netten, flexiblen Patienten geht das), zwar noch reduzierter, aber ganz rausziehen ging einfach nicht und ohne Omas/ Opas und frühe Kindergartenzeit auch nicht.

Um es kurz zu machen meine Meinung: Selbständigkeit sollte man aus Überzeugung machen, sonst scheitert es! Nie nur "aus der Not" heraus!
Und vor allem erst mit mehr Berufserfahrung im Gepäck, denn sonst ist es so, wie schon wer anders schrieb: Der Ruf der Ergotherapie wird durch schlechte Behandlungen nur weiter in den Dreck gezogen. Das wäre äußerst schade.
Früher war hier in D auch die Regel, dass man mind. 2 Jahre in Vollzeit gearbeitet haben muss, um sich selbständig machen zu können. Das wurde wohl nur wegen des Fachkräftemangels abgeschafft, was ich äußerst schade finde.
5. April 2022 12:25 # 22
Registriert seit: 22.08.2004
Beiträge: 399

Dein Zitat: "Da habe ich mir einfach gedacht packs an, mach genügend Fortbildungen, bis dahin machste zum Beispiel nur Pädiatrie und bei Erwachsenen Krankheitsbildern bei denen ich schon gut Erfahrung sammeln konnte."

In der Praxis funktioniert so etwas nicht. Du bist auf Geldeinnahmen angewiesen und musst deshalb die Rezepte, die kommen auch behandeln können. Da kannst du in der Selbständigkeit gerade am Anfang nicht abweisen. Deshalb halte ich Berufserfahrung unabdingbar. In einer größeren Einrichtung, wo man Kollegen hat, kann man am Besten Berufserfahrung sammeln und Fortbildungen zu absolvieren gibt Sicherheit im Beruf.


23. Februar 2025 21:46 # 23
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Geändert am 23.02.2025 22:44:00
Dieser Beitrag ist zwar schon älter, aber ich greife ihn nocheinmal kurz auf.
Mit der Berufserfahrung ist das so eine Sache. Erfahrung WOMIT? Wir haben drei Jahre lang einen Beruf erlernt und es klingt gerade einbisschen so, dass wir doch eigentlich nichts können, ohne Fortbildung und "Erfahrung".
Da wir doch im Grundsatz nach kanadischem Model arbeiten, welches sehr strukturiert ist und viele Assessments bietet, können wir doch eigentlich "alles"? Die Krankheitsbilder sind da doch nicht allein ausschlaggebend, es geht immer wieder um die Betätigungsperformanz? Und ob ein Arm gebrochen ist, ein Neglect oder eine Ataxie vorliegt, ob die Performanz durch die Arthrose oder die Demenz gestört wird, spielt doch wenn überhaupt nur eine Nebenrolle? Also nicht falsch verstehen, natürlich gibt es "Übungen", die helfen können, aber am Ende geht's dann doch um die Zufriedenheit der Betätigungsausführung. Auch nach vielen Jahren in einer Praxis, wo einem unglaublich viele diverse Krankheitsbilder begegnen, ist die Betätigungsperformanz bei jedem Patienten doch trotzdem so individuell, dass man da im Grunde nicht wirklich von "Erfahrungen" sprechen kann, oder?
Ich denke das "Problem", welches hier mit "Erfahrung" bezeichnet wird ist, dass immernoch viel zu viele Therapeuten meinen, sie müssen irgendwelche "manuellen Techniken" drauf haben - aber das haben wir in der Ausbildung weder gelernt noch kann man nach einer oder zwei Fobis von "Erfahrungen" sprechen? Die meisten Fobis werden auch von Physios (sogar überwiegend nach meiner Erfahrung) wahrgenommen. Das zeigt schon wieder ein "Vermischen" der Berufsstände. Klar gibt es geschlossene Konzepte für gewisse Krankheitsbilder. Aber eigentlich sollte man doch meinen, dass man mit der Ausbildung auch irgendwie einen bestimmten Beruf erlernt hat, den man im Anschluss auch ausüben kann?
By the way: ich bin seit 7 Jahren in Kliniken und Praxen tätig gewesen, zur Zeit in einer Praxis und habe tatsächlich viele Patienten, die ich lieber an die Physio abgeben würde, weil sie im Sinne des CMOP keine Ziele formulieren können/wollen, sie wollen einfach, dass "Der Daumen wieder funktioniert" 😌 Das sind dann so Herausforderungen, da selbst ein echtes ADL-Ziel zu erkennen, oder dem Patienten klarer zu machen, was Ergotherapie eigentlich ist... (da kommt dann oft: Aaaber in der Reha haben die Ergos massiert). Es gibt schlicht bei weitem nicht genug "echten ergotherapeutischen Bedarf", der trotzdem immernoch überall "irgendwie behandelt wird".
PS: ich arbeite nicht mit Kindern.
25. Februar 2025 20:39 # 24
Registriert seit: 06.05.2011
Beiträge: 306

Ich denke nicht dass Betätigungszentrierung Berufserfahrung ersetzt. Ja kein Betätigungsanliegen gleicht dem anderen aber trotzdem hilft mir Erfahrung massiv um für Betätigungsanliegen eine Lösung zu finden oder (anders formuliert) den Klienten bei der Lösungsfindung zu unterstützen.

Berufserfahrung auf mehreren Ebenen:
Kommunikativ mit dem Klienten
Fachlich auf Störungsseite
Fachlich auf Interventionsebene
Fachlich auf Hilfsmittelebene
Verstehen von Lebenswelten
Kommunikativ mit Kollegen auch anderer Berufsgruppen
Anleitend mit Schülern und Praktikanten
...

Ja nach 3 Jahren Ausbildung (wenn es denn eine gute war) kann man auch ohne Fortbildungen gut arbeiten, Praxisgründung mit allen Konsequenzen ist nochmal was anderes.
26. Februar 2025 10:50 # 25
Registriert seit: 03.01.2011
Beiträge: 412

Betätigungsorientiert arbeiten heißt ja auch nicht das man sich immer eine Alternative Möglichkeit der Ausführung ggf mit Hilfsmitteln sucht, sondern schon erstmal schaut, was muss getan werden, damit die Tätigkeit so wie bisher ausgeführt werden kann und dazu gehören eben auch passive Maßnahmen um ggf Bewegungsausmaß zu erhöhen, Gelenke zu mobilisieren oder eben Anleitung zum auftrainieren von Musklatur usw. Hierfür ist auch eine gute Einschätzung der Prognose notwendig. Also wie viel ist bei der Ausgangslage zu erreichen, wo muss man ggf doch eher mit Kompromissen leben und sich andere Formen der Ausführung überlegen oder Hilfsmittel einsetzen. Hilfsmittel sind super, aber ich versorge ja niemanden mit einem Hilfsmittel bei dem ich innerhalb von 3 Monaten mit der richtigen Therapie erreichen kann, das er es ohne ausführt. Und manchmal muss man einfach passiv Sachen lösen und schon ist ein ganz anderes schmerzfreies Bewegungs Ausmaß möglich und dadurch kann derjenige seine Jacke wieder selbständig anziehen. Und dazu ist Berufserfahrung eben schon nicht ganz unwichtig
25. April 2025 13:17 # 26
Registriert seit: 19.02.2007
Beiträge: 38

Zitat / Mietzi hat geschrieben:
Betätigungsorientiert arbeiten heißt ja auch nicht das man sich immer eine Alternative Möglichkeit der Ausführung ggf mit Hilfsmitteln sucht, sondern schon erstmal schaut, was muss getan werden, damit die Tätigkeit so wie bisher ausgeführt werden kann und dazu gehören eben auch passive Maßnahmen um ggf Bewegungsausmaß zu erhöhen, Gelenke zu mobilisieren oder eben Anleitung zum auftrainieren von Musklatur usw. Hierfür ist auch eine gute Einschätzung der Prognose notwendig. Also wie viel ist bei der Ausgangslage zu erreichen, wo muss man ggf doch eher mit Kompromissen leben und sich andere Formen der Ausführung überlegen oder Hilfsmittel einsetzen. Hilfsmittel sind super, aber ich versorge ja niemanden mit einem Hilfsmittel bei dem ich innerhalb von 3 Monaten mit der richtigen Therapie erreichen kann, das er es ohne ausführt. Und manchmal muss man einfach passiv Sachen lösen und schon ist ein ganz anderes schmerzfreies Bewegungs Ausmaß möglich und dadurch kann derjenige seine Jacke wieder selbständig anziehen. Und dazu ist Berufserfahrung eben schon nicht ganz unwichtig


Das ehe ich wie du!

Berufserfahrung ist enorm wichtig, bevor man in die Selbstständigkeit geht.
Das heisst in meinen Augen auch Berufserfahrung in einer Praxis und in der Zusammenarbeit in einem Team.
Das ist einfach eine Grundvoraussetzung für die Eröffnung einer eigenen Praxis.
Am Ende muss es Jeder selbst entscheiden, doch es geht immer um den Ruf der Ergotherapie, fachliche Kompetenz.
Es macht in meinen Augen auch einen Unterschied, ob es 3 Jahre Berufserfahrung nach der Ausbildung sind oder 10 oder 15.
Doch letztendlich muss auch hier Jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Liebe Grüße an alle Interessierte!
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