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Keine Ziele bei Menschen mit Behinderung oder "Mach einfach irgendwas"

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28. Juni 2023 12:18 # 1
Registriert seit: 12.12.2021
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Beiträge: 29

Geändert am 28.06.2023 12:30:00
Hallo,
Ich bin schwerpunktmäßig in der Pädiatrie/Psychiatrie tätig und nun 2 Tage die Woche in einem Behindertenwohnheim eingesetzt. Am Anfang habe ich mich sehr gefreut, da mir der Umgang mit Menschen mit Behinderung im FSJ und als Integrationshelferin immer sehr viel Freude gemacht hat und mir auch liegt. Als Ergotherapeutin (Dienstleistung) bin ich seit 2 Jahren nun zunehmend frustriert.
Die Anamnesegespräche habe ich zusammen mit den Betreuern geführt, die mir zwar viele Infos geben konnten, nicht aber, was die Ziele sein könnten. Also habe ich die Bewohner erstmal kennen gelernt. Ein Teil ist sprechend und trotz geistiger Behinderung durchaus in der Lage, Anliegen zu formulieren. Mit einigen habe ich verfolgbare Ziele, mit den anderen nicht. Vor allem mit den Schwerstmehrfachbehinderten Klienten. Entweder wurde sich von mir Dsyphargietherapie oder Atemtherapie gewünscht, was ich als Ergo absolut nicht anbieten kann, da ich davon keine Ahnung habe oder es wurde gesagt: "Mach einfach irgendwas" / "Mach einfach Ergotherapie". ::confused::
Da die Rahmenbedingungen so schlecht sind (kein Therapieraum/ keine Behandlungsliege/ kein ungestörtes Behandeln) bleibt mir oftmals nichts anderes, als "basale Stimulation" indem ich die Klienten mit einem Igelball massiere, Handmassage oder mit ihnen im Rolli spazieren gehe. Ein Klient zeigt mir aber deutlich, dass er das nicht will, indem er die Hand wegzieht und Berührungen abwehrt. Das habe ich zurück gemeldet, aber mir wurde gesagt er soll weiterhin Ergo bekommen. Ich bin ratlos. Bei schlechtem Wetter sitze ich an seinem Bett und singe, weil er Berührungen abwehrt. Und das 2x die Woche. Eine Physiotherapeutin sagte zu mir "Ohne Zwang (und somit Gewalt) geht es nun mal nicht." was ich als Ergo ganz anders sehe! Bin ratlos und frustriert. Ich finde ja, es sollte nach dem Willen der Klienten gehen. Eine Klientin lässt zum Beispiel nichts anderes zu (seit 2 Jahren alles mögliche ausprobiert) als Steckspiele, welche ich ihr anreiche. Das ist Beschäftigungstherapie, die jedes Kind/Praktikant durchführen könnte. Ein anderer, sprechender Klient hat keine Ziele weil er glücklich ist und auch die Betreuer und Eltern haben keine Ziele - also Beschäftigungstherapie. Ohne Ziel. Als ambitionierte Therapeutin werde ich von Tag zu Tag unmotivierter, weil gleichzeitig die Warteliste für pädiatrische Anfragen aus allen Nähten platzt, aber 2 Tage durch diese Dauerpatienten blockiert sind. Ich sehe bei einigen keine Indikation für Ergotherapie und habe das auch schon mal vorsichtig angesprochen, aber da wurde nur von der PDL gesagt, dass es weiterlaufen soll. ::sad::
Der zuständige Arzt verlangt auch keine Therapieberichte und verschreibt dauerhaft.
Hat jemand Erfahrung in diesem Bereich?
28. Juni 2023 13:58 # 2
Registriert seit: 20.07.2018
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 98

Hallo ich habe leider keine Erfahrung in dem Bereich aber vielleicht hilft es dir mal anzuschauen, wobei die Bewohner Schwierigkeiten im Alltag haben. Also die Bereiche Selbstversorgung, Produktivität, Freizeit. Vielleicht kannst du hier anknüpfen? Und Therapie unter Zwang würde ich persönlich definitiv auch ablehnen. Schließlich steht doch der Klient im Fokus und nicht, was andere meinen, was dieser machen soll..
28. Juni 2023 20:29 # 3
Registriert seit: 21.11.2014
Beiträge: 99

Was heißt denn dort eingesetzt?
Unter welchem Abrechnungsaspekt?
Mach einfach Ergo heißt für mich: Kein Ziel -> Keine Therapie
Wir sind doch keine Clowns die für andere den Tag verschönern...
Also zumindest nich alle von uns ::scared::
"Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können!"
- Abraham Lincoln -
29. Juni 2023 06:09 # 4
Registriert seit: 12.12.2021
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Beiträge: 29

Zitat / Narhalla hat geschrieben:
Was heißt denn dort eingesetzt?
Unter welchem Abrechnungsaspekt?
Mach einfach Ergo heißt für mich: Kein Ziel -> Keine Therapie
Wir sind doch keine Clowns die für andere den Tag verschönern...
Also zumindest nich alle von uns ::scared::


Ich bin bei einem Verein für Menschen mit Behinderung eingesetzt und muss vorrangig die Mitglieder/Bewohner "versorgen" - in Einzeltherapie auf Rezept. Es ist dieses "Therapie um der Therapie Willen- Ding". Jemand ist behindert also braucht er automatisch Ergotherapie. Bei PT und Logo wird das viel differenzierter betrachtet, aber bei Ergo nicht. Meine Vorgesetzte sagt, bei ihnen in der Disziplin ist es auch nicht anders - die "gehen da auch einfach hin". Und meine Vorgängerin hätte schließlich auch Non-stop jahrelang Ergotherapie mit allen gemacht- was genau weiß ich nicht.
Ich mein klar, kann ich jedem Menschen was Gutes tun, aber dafür gibt es so viele andere tolle Angebote von Beschäftig und sozialer Betreeung. Einige werden extern versorgt, weil ich sie allein nicht alle zeitlich schaffe und da wird bei Logo, Ergo und Physio nur spazieren gegangen. (Bei einem ähnlichen Fall, wo keine Ziele eruiert werden konnten.)
Für mich einfach Ressourcenverschwendung. Ich hätte gerne mehr Mitspracherecht, ob ich als Therapeutin eine Ergotherapie für sinnvoll erachte- bekomme ich aber nicht, weil auf struktureller Ebene: die brauchen alle Ergo.

Wie gesagt, ich arbeite da auch sinnvoll und zielführend mit einigen Klienten.

Ich sehe das so, dass wenn jemand doch zufrieden mit seinem Leben ist und seinen Alltag - auch mit Behinderung (die ist und bleibt ja nun mal da) auf die Reihe bekommt, keine Ergotherapie braucht. Die Bewohner sind, was Pflege, begleitete Tagesstruktur betrifft echt gut versorgt.
29. Juni 2023 08:20 # 5
Registriert seit: 21.11.2014
Beiträge: 99

Zitat / Lerchenblick hat geschrieben:

Ich bin bei einem Verein für Menschen mit Behinderung eingesetzt und muss vorrangig die Mitglieder/Bewohner "versorgen" - in Einzeltherapie auf Rezept.


Und auf Rezept sind wir schon beim Punkt der Notwendigkeit, schließlich zahlt dort eine Krankenkasse eine Therapie.
Und wenn kein Ziel da ist, ist keine Notwendigkeit da...
Vielleicht sollten sich deine Vorgesetzten mal mit diesem Thema auseinander setzen...

Zitat / Lerchenblick hat geschrieben:

Ich sehe das so, dass wenn jemand doch zufrieden mit seinem Leben ist und seinen Alltag - auch mit Behinderung (die ist und bleibt ja nun mal da) auf die Reihe bekommt, keine Ergotherapie braucht.

Gleicher Punkt wie oben... Und das siehst du vollkommen richtig.
Ich bin mir nicht sicher, ob du in den Rahmenverträgen was findest, aber die therapeutische Notwendigkeit ist von dir als Therapeut zu prüfen.

Zitat / Lerchenblick hat geschrieben:
Und meine Vorgängerin hätte schließlich auch Non-stop jahrelang Ergotherapie mit allen gemacht- was genau weiß ich nicht.

Sind wir wieder am Punkt Clown für alle ::laugh::

Was du am Ende draus machen willst und wirst bleibt dir überlassen, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, solche Stellen sind nicht sehr lange zufriedenstellend
"Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können!"
- Abraham Lincoln -
29. Juni 2023 08:45 # 6
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Beiträge: 235

ich verstehe noch nicht so ganz, wie das läuft...

Dein AG gibt dir einen Plan, da stehen deine Termine drauf...und du musst dann da hin und "irgendwas" machen?

Oder nimmst du selbst die Rezepte an, verwaltest deine Termine selbst?
Denn wenn du da eher eigenverantwortlich arbeitest (ich stelle mir das vor, wie bei mir früher in der Praxis, da kamen Anfragen, und ich entschied selbst ob und wann ich die unterbringe), was hält dich davon ab, bei den Patienten, bei denen du keine Indikation siehst, die Therapie zu beenden und einfach kein neues Rezept anzunehmen? Stattdessen dann Pädiatrische Fälle anzunehmen, wenn da so eine hohe Nachfrage ist?

Bitte hilf mir auf die Sprünge.

LG Salu
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
29. Juni 2023 10:29 # 7
Registriert seit: 12.12.2021
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Beiträge: 29

Der AG hat meinen Plan gemacht und alle Bewohner, die vorher Ergo hatten, wurden dann von mir übernommen bzw. ich wurde da hingeschickt. In der Praxis darf ich ein bisschen selbstverantwortlicher arbeiten, weil ich von der Laufkundschaft, also Kinder/Erwachsene die nicht im Verein sind, quasi selbst entscheiden kann wen ich aufnehme, ob ich die Qualifikation für diesen speziellen Fall habe oder ob der passende Raum zum Termin frei ist (Turnhalle). Aber an erster Stelle müssen die Bewohner versorgt werden, dafür bin ich ja hauptsächlich eingestellt.

Sie bekommen 24 Rezepte (ich meine außerhalb des Regelfalls) sind zulassungsbefreit und bekommen seit Jahren Folgerezepte ohne Pause. Da steht auch nie ein konkreter Behandlungsauftrag drauf.
29. Juni 2023 11:57 # 8
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 235

Ok, das würde mich tatsächlich auch sehr frustrieren.

Und deinen Arbeitgeber erlebst du da auch als wenig gesprächsbereit? Vielleicht gibt es ja auch andere Patienten? oder es gibt Angehörige/ Betreuer, die Ziele für diese schwierigen Fälle formulieren könnten?

Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
29. Juni 2023 16:28 # 9
Registriert seit: 05.07.2007
Beiträge: 4

Hallo,

Ich muss mich den vorigen Meinungen anschließen. Wenn es keine Therapie-Indikation oder Veränderungswünsche der Betroffenen oder des Umfeldes gibt, sollten wir uns als Ergotherapeuten unbedingt dafür einsetzen, die Therapie an dieser Stelle zu beenden. Ich begegne dem Thema auch im pädiatrischen Bereich am SPZ regelmäßig, dass teilweise davon ausgegangen wird, dass die Kinder nur weil sie eine Diagnose haben, dauerhaft Therapie erhalten sollen. Hinsichtlich der begrenzten Ressourcen unseres Gesundheitssystems, im Hinblick auf den Fachkräftemangel und auch im Sinne der Glaubwürdigkeit unserer Berufsgruppe, sollten wir meiner Meinung nach ganz klar gegen Dauertherapien ohne klare Indikation eintreten.

Das gegenüber deinem AG zu vertreten, ist sicher keine einfache Aufgabe. Vielleicht geht es dem AG ja auch einfach um eine sichere Einnahmequelle… Ethisch vertretbar finde ich es aber nicht. Ich denke, es steht auch in jeder Leitlinie ganz klar, dass therapeutische Interventionen immer mit klarer Zielsetzung und zeitlich begrenzt stattfinden sollen.
Ich drücke dir die Daumen, dass du etwas erreichst. Ganz vom ethischen Standpunkt abgesehen, ist es ja auch total unbefriedigend, so zu arbeiten, oder?! Und ich denke, es schadet dem Ansehen unserer Berufsgruppe wenn wir auf Kosten der Krankenkasse dauerhaft mit den Leuten einfach irgendwas machen weil irgendwer das von uns erwartet.
Viel Glück!
29. Juni 2023 19:03 # 10
Registriert seit: 22.08.2004
Beiträge: 398

Das Problem ist, dass du dort angestellt bistund wenn du dann entscheidest, da ist Ergotherapie nicht sinnvoll - zu Recht- , dann gehen deiner Vorgesetzten aber die Gelder verloren und damit wird sie nicht einverstanden sein.


30. Juni 2023 09:26 # 11
Registriert seit: 30.05.2008
Beiträge: 151

Gerne trage ich meine Gedanken zu Deinem Problem bei
1. Menschen mit Einschränkungen werden in Einrichtungen oft "verwaltet", es fehlen individuelle Visionen für Entwicklung und bedeutungsvolle Teilhabe. Darum erhältst Du aus dem Betreuungsbereich keine Ziele und Ideen
2. Menschen mit kognitiven Einschränkungen haben meist beeinträchtigte exekutive Funktionen. DH Flexibiltät, Umstellungsfähigkeit, Ideenproduktion können beeinträchtigt sein. Das könnte der Grund sein warum nichts neues gewünscht ist und Bewohner keine Ziele entwickeln können.
3. Gleichzeitig fehlen auch Anreize (Vorbilder) für eigene Visionen, was ich nicht sehe/ erlebe provoziert auch keine Motivation für Veränderung.
4.Wenn ich als Therapeutin die Rahmenbedingungen nicht ändern kann, dann muss ich auf die Suche nach Spielräumen gehen sonst reibe ich mich am Rahmen auf und verliere die Lust auf kreatives arbeiten, vielleicht war das der Grund dass Kolleginnen vor dir einfach gemacht haben.
5. Therapie kann auch ermöglichen von Betätigung sein, die sonst nicht möglich ist weil die Betreuung kein Wissen über gezielte Unterstützung hat (Modell der 3 Felder der Rehabilitation aus der HoDT), spazieren gehen ist die einfachste Form davon...man kann spazieren gehen um: Bewegung zu ermöglichen, frische Luft zu schnappen, ein Naturerlebnis ermöglichen, Veränderungen im Umfeld mitzubekommen, soziale Kontakte zu ermöglichen....

Ideen:
- Mach die gleichen Handlungen wie bisher und überlege deine Intention dazu (ich mache um zu) und mach sie Transparent, verändere deine Intention immer mal wieder und schau was sich bei der Person verändert dadurch
- suche Kolleginnen in gleichem Arbeitssetting und tausche Ideen aus
- Suche bei den Bewohnenden brachliegende Ressourcen und find Möglichkeiten wie diese ohne Mehraufwand in die Betreuung eingebaut werden können
- mach Blocktherapien( verdichtung der Therapiefrequenz mit nachfolgenden Pausen)
- hab nicht den Anspruch grad für alle Bewohnenden eine Veränderung zu bewirken, beginne mit 1 Person

Bin gespannt
30. Juni 2023 15:37 # 12
Registriert seit: 03.01.2011
Beiträge: 412

Hast du denn mal mit deinem Arbeitgeber gesprochen? So wie ich das verstehe, ist es ja mehr oder minder eine Kooperation deines Arbeitgebers (einer Praxis) und der Einrichtung.
Letztendlich kann es deinem Chef doch egal sein, ob du dort oder in der Praxis bist und am Patienten arbeitest. Und du wärst glücklicher.

Erklär diesem, wo das Problem ist und das du so unglücklich mit deinem Aufgabenfeld bist.
Dein AG kann sich dann überlegen, ob er dich anders einsetzt und du damit zufriedener bist, oder ob du auf langer Sicht gehst, weil dir dein Aufgabenfeld dort nicht gefällt.
Dein Chef kann doch entscheiden welche Patienten er annimmt und welche nicht mehr. Dann wird halt z.b. ein Tag in der Einrichtung gekürzt. Weil du anderweitig eingesetzt werden musst und du behälst einfach dann die Leute, die du als Sinnvoll erachtes
1. Juli 2023 07:02 # 13
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Beiträge: 77

Hallo,
ich habe auch viele Menschen mit Behinderungen.
Sie bekommen aus vielen verschiedenen Aspekten Ergotherapie und das schon seit Jahren.
Konkrete Ziele kommen eher selten von der Einrichtung. Ich lerne jeden Klienten ganz in Ruhe kennen, baue eine intensive Beziehung auf ( natürlich mit der nötigen Distanz)und Stelle dann meine eigene Zielpyramide auf. Diese kommuniziere ich dann mit der Einrichtung und verfolge sie anschließend Kleinschrittig. Und da viele Klienten in dem Bereich sehr langsam dazu lernen, dauert das halt teilweise sehr lange.

Kurzes Beispiel: Klient sehr reizoffen, kaum Frustrationsteranz, Konzentration extrem kurze Zeitspanne und arbeiten am Tisch unmöglich.
Das habe ich alles aufgeteilt und nach und nach ( über 4 Jahre) erarbeitet.
Mittlerweile können wir Projekte verfolgen und sie arbeitet am Tisch, Konzentration deutlich verbessert.
Und alles ohne Druck und Zwang!

Einfach so Ergotherapie gibt es bei mir nicht. Es hat alles ein Ziel.

Ich muss aber dazu sagen, das manch ein Vorgänger auch einfach nur so da war und die Einführung zielgerichteten Arbeitens schon das erste Ziel war . Und das wird mittlerweile von dem Personal dort gut angenommen und somit hat sich auch die Kommunikation verbessert.
3. Juli 2023 11:16 # 14
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Beiträge: 29

Lieben Dank für die sehr konstruktiven und konkreten Antworten! Das hat mir auf jeden Fall andere Perspektiven eröffnet.

Es ist so, dass die Praxis und die Wohnheime von der selben Organisation verwaltet werden, also bin eine "hauseigene" Therapeutin mit der Priorität, erst die "eigenen" Patienten zu versorgen - den Bedarf (den ich zum Teil nicht sehe) zu decken, denn externe Praxen nehmen kaum Menschen mit Behinderung aus Wohnheimen an, da das halt "Dauerbrenner" sind. Als hauptsächliche Kindertherapeutin finde ich diese Vorgehensweise eher ungewohnt. Auch bei Kindern mit Behinderung arbeite ich nach Zielen und finde auch Therapiepausen wichtig, um zu schauen, wie es sich entwickelt (die Eltern wollen das meist nicht, weil sie ihr Kind best möglich versorgt wissen wollen.)

Als ich mir nach den Kennenlernen einen groben Plan erstellt habe, musste ich die simplen Sachen (adaptiertes Spielen - Pat. lässt sich nur auf ein winziges Medium ein, spazieren gehen, passiv-aktive Handmassagen) ständig erklären, mich rechtfertigen. Das war ein richtiger Kampf und sehr frustrierend, weil mir von den MA auf die Finger geguckt und meine Vorgehensweise in Frage gestellt wird. Es gibt halt keinen Rückzugsort für die Therapien und es wird sich ständig eingemischt. "Kann ja jeder." - "Partizipationsebene" war das Zauberwort. Denn auf die Frage, was man sich denn konkret von mir wünsche kam dann auch keine Antwort oder unrealistische Ziele (stark geistig beeinträchtige Pat. soll weniger gierig essen z.B.)

Trotzdem habe ich das Gefühl dort zu stören. Die Bewohner haben einen taffen Zeitplan, sind wenn nicht in der WfMmB in einem Tagesstruktur-Programm wo sie rund um die Uhr sinnvoll und betätigungsorientiert beschäftigt werden. Da muss ich sie dann manchmal "rausholen". Oder nach der WfMmB sollen sie erstmal in Ruhe Kaffee trinken und ich werde blöd angemacht, wenn ich um vereinbarten Termin auftauchen, weil ich die Leute stressen würde. Weder habe ich das Gefühl willkommen zu sein, noch das meine Arbeit zielführend ist.

Ich habe jetzt um ein gemeinsames Gespräch mit der PDL und meiner Vorgesetzten gebeten, da ich offen gesagt habe, dass ich aktuell sehr unzufrieden bin. Es steht im Raum, ob für zwei Klienten die Ergo beendet wird und ich möchte nochmal alle Möglichkeiten aufgreifen (Organisation und Kommunikation) bevor ich kapituliere.

Vielleicht bin ich auch einfach zu ehrgeizig für diesen Bereich. Deswegen habe ich am Anfang meines Berufslebens auch die Geriatrie verlassen und habe mich auf Pädiatrie fokussiert.


3. Juli 2023 11:49 # 15
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 235

besteht denn eventuell auch die Möglichkeit einen Raum für die zu finden, wo du arbeiten kannst? Ungestört?

Den du vielleicht sogar selbst einrichten und gestalten kannst, mit dem was du für die Therapie brauchst?
Ich mein, wenn du quasi hauseigene Therapeutin bist, dann sollte dir auch ein Arbeitsraum zur Verfügung stehen finde ich.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
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