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Wut wahrnehmen - wohin mit der Wut?

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19. Oktober 2023 11:00 # 1
Registriert seit: 19.10.2023
Beiträge: 4

Liebe Ergos,
was würdet Ihr bei Klient*innen empfehlen, die "endlich" ihre Wut äußern können, die erstmals benennen können, was sie wütend macht und sich verloren fühlen im Gefühl der Wut, da sie aus Grenzverletzungen, emotionalem Missbrauch, Missbrauch, häuslicher Gewalt, Gewalt am Arbeitsplatz und Traumata an sich entstanden ist. Ihnen wird von der Umgebung eher vorgeworfen, nicht gelassen zu sein. Die Gesellschaft möchte sie still und "funktionierend", sie sollen es einfach endlich mal vergessen, sollen mal verzeihen lernen. Doch dieses Verzeihen war eher ein Verdrängen von traumatischen Erlebnissen, deren Muster sich innerhalb verschiedener Zusammenhänge und mit verschiedenen Personen wiederholen. Die Klient*innen wünschen sich eigentlich Klärung und eine Herstellung ihrer Reputation. Das können wir Ergos nicht bieten. Was Ideen hättet Ihr, um Personen in ihre Wut zu nehmen, diese also nicht kleinzureden, sie präsent sein zu lassen und einen guten Umgang damit zu finden.
(Ich war früher in einer Praxis, in der Jugendliche mit selbstgerollten Tonkugeln das selbst gezeichnete Bild ihres Lehrers abwerfen sollten. Das ließ zwar viel Wut raus, aber an so etwas hatte ich für den Erwachsenenbereich nicht gedacht.)
Es wäre schön, Eure Ideen zu lesen. Die dann empfundene und wahrgenommene Wut sollte sie halt auch weder in neue Krisen, noch in ein Zerlegen des Ergoraumes führen.
19. Oktober 2023 11:19 # 2
Registriert seit: 19.10.2023
Beiträge: 4

Anmerkung:
Wenn Bewegung, Auspowern, Rennen, Tanzen zwar hilft, aber die Wut bleibt.
Wenn sie nicht zu vergehen scheint, auch durch "die Zeit heilt alle Wunden" nicht und die Wut Personen immer wieder einholt. Soll die Person dann Eurer Meinung nach die Wutgefühle klar zulassen, sich darauf einlassen, auch wenn es sie immer wieder in die Denkspirale bringt?

Weitere Anmerkung:
Psycholog*innenbesuche und Psychotherapie fanden/finden statt.
19. Oktober 2023 11:22 # 3
Registriert seit: 19.10.2023
Beiträge: 4

Regulationsstrategien und Bewältigungsmechanismen,
Möglichkeit von Skills in "ungünstigen Situationen?" und ein Rauslassen der Wut.
20. Oktober 2023 09:08 # 4
Registriert seit: 19.10.2023
Beiträge: 2

Geändert am 20.10.2023 12:29:00
Hallo,
meine erste Frage wäre: In welchem Setting arbeitest du? Akut oder ambulant? In einem multiprofessionellen Team? Dann: Was sind die ergotherapeutischen Ziele auf Betätigungs-/Teilhabeebene? Was möchte/muss dein Klient denn in seinem persönlichen Alltag und in Bezug auf seine sozialen Rollen wieder tun können? Konntest du das zusammen eruieren?
Du schreibst von „Grenzverletzungen, emotionalem Missbrauch, Missbrauch, häuslicher Gewalt, Gewalt am Arbeitsplatz und Traumata“, das sind alles Themen, die wir als Ergos nicht bzw. nur begleitend/nach ausreichender Stabilisierung behandeln sollten!! Dafür gibt es Psychotherapeut*innen, die dafür viele Jahre länger in Studium/Ausbildung sind und diesen Schwerpunkt haben. Natürlich bringen unsere Klient*innen diese Themen mit und vor dem Hintergrund eines holistischen Ansatzes muss man selbstverständlich damit arbeiten. Allerdings sollte der Fokus auf der Betätigung liegen, die wieder zufriedenstellend ausgeführt werden soll, nicht auf „Umgang mit Wut“. Außerdem sollte man hier sehr achtsam mit eigenen Grenzen sein, damit ist man seinen Klient*innen auch gleich ein positives Vorbild. Allerdings erwähnst du, dass eine PT stattfindet. Da würde ich schleunigst einen engen Austausch anstreben und abstimmen, welches Vorgehen bzw. welche Strategien dort bereits erarbeitet wurden. Welcher Ansatz wurde dort verfolgt? Welche Haltung hat der/die PT*in zum Thema „Loslassen der Wut“?? Nutzt dein Klient denn bereits erfolgreich Strategien, an denen man betätigungsorientiert ansetzen könnte? In welchen Situationen/in welchem Kontext tritt Wut auf? Ist das Ziel klar, die therapeutische Beziehung stimmt und ist dein Klient ausreichend stabil (auch hier ggf Rücksprache mit Psychotherapie halten!) könnte man ja mal Themen aufgreifen wie „wie kann sich Wut allgemein äußern und wie/wo spüre ich sie?“, „ist Wut eigentlich ein schlechtes Gefühl? Welchen Nutzen hat sie evtl?“ (wichtig zu begreifen, wenn man sie loslassen möchte. Ist das überhaupt sinnvoll?), „wie gehen andere Menschen in meinem Umfeld (heute!! Würde da nicht in der Vergangenheit wühlen) mit Wut um?“ , Sammlung sozial/gesellschaftlich akzeptierter Strategien im Umgang mit Wut“. Strategien können sooo unterschiedlich aussehen. Der eine profitiert von Entspannung/autogenem Training, der nächste von Sport (auch wieder die Frage welcher), Ablenkung, wieder andere müssen einfach kurz die Situation verlassen, eine Reorientierungsübung/Achtsamkeitsübung machen…und das alles ist auch wieder untrennbar mit dem jeweiligen Kontext verbunden. Die Strategie muss also passgenau sein. Ich kann zB im Unterricht, wenn die Wut auf den Lehrer total hochkocht ja schlecht meine vorbereiteten Tonkügelchen samt Zielscheibe aus der Tasche ziehen. Wenn die Wut aber immer genau dann auftaucht, ist die Tonkügelchenstrategie voll für die Tonne (ich überlege noch, ob mir ein Alltagsanliegen einfällt, bei dem ich dazu raten würde :-D). Wichtig finde ich, das alles immer wieder in Bezug zur angestrebten Betätigung und Teilhabe zu setzen, denn das ist unsere berufliche Kerndomäne.
Ich hoffe, ich konnte dir hier und da einen Denkanstoß bieten, das ist ein wirklich herausforderndes und komplexes Thema! In jedem Fall wünsche ich weiterhin viel Erfolg
kollegiale Grüße

26. Oktober 2023 17:42 # 5
Registriert seit: 19.10.2023
Beiträge: 4

Oh ja, das konntest Du.
In vielen Punkten war mir auch klar, dass Ihr/Du schreiben würdet, dass dies in die Psychotherapie. fällt, doch sie, die Wut, ist ja da und sie zu unterdrücken hat schließlich schon sehr lange stattgefunden.
Mein Arbeitsfeld ist nicht Akutpsychiatrie. Ja, es ist interdisziplinäres Arbeiten und über einen längeren Zeitraum.
Vielen vielen Dank für Deine umfassenden Gedanken :)
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