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Ergotherapieausbildung mit 32 beginnen oder Psychologiestudium weiterführen?

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17. Januar 2024 17:49 # 1
Registriert seit: 17.01.2024
Beiträge: 8

Hallo liebe Foren-Mitglieder,

ich befinde mich schon seit längerem in einer beruflichen Sackgasse bzw. Tunnel,
an dessen Ende ich bisher kein Licht sehe.
Ich bin 32 und habe in meinem ersten Studium (vor über 10 Jahren) Freie Kunst studiert (Diplom)
auch abgeschlossen, dieses Studium brachte mir arbeitstechnisch bisher aber natürlich nichts.
Seitdem bin ich quasi auf der "Suche" - zunächst begann ich ein Lehramtsstudium, was aber eine Art Verlegenheitslösung war und letztlich passte dieser Weg nicht zu mir (zu enge Strukturen in der Schule), Kunsttherapie hatte ich eine Zeit lang überlegt und wurde nach meinem Kunststudium bereits an Hochschulen angenommen - hier sind aber die Jobchancen extrem schlecht und rar, wenn man sich auf den Jobportalen umschaut (und auch von den Erfahrungsberichten anderer Kunsttherapeuten her).
Ich habe mir dann trotz des enorm langen und beschwerlichen Weges vor 1,5-2 Jahren "herausgenommen" mit einem berufsbegleitenden Psychologiestudium (an einer Fachhochschule) zu beginnen. Das Studium entspricht meinen Interessen, meiner Neigung den Dingen auf den Grund zu gehen, naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Interessen zusammenzubringen usw. Insbesondere Psychoanalyse interessiert mich seit 2, 3 Jahren. Das Problem nun an der ganzen Sache ist nur, dass die praktische Tätigkeit und Anwendbarkeit quasi erst nach etlichen Jahren möglich sein wird, wenn überhaupt, da es sehr unklar ist, ob ich im Laufe des Bachelors an eine staatliche Uni werde wechseln können, was ja für eine angestrebte Approbation die erste Voraussetzung (mit einem Bachelor an einer Fachochschule oder Fernuni kann man diesen Weg halt vergessen, es sei denn man wechselt). Also sehr viel Unsicherheit, was mich enorm belastet (auch aufgrund meines fortgeschrittenen Alters).
Dies also zu meinem bisherigen Weg.
Über die Ergotherapie-Ausbildung denke ich seit einem Jahr nach und habe mich vor einigen Monaten bereits beworben, wurde aber zunächst nicht genommen da mir das einschlägige Praktikum fehlte. Dies mache ich aktuell im Bereich Arbeitstherapie.
Ich finde die Vielfätigkeit der Ergotherapie-Ausbildung sehr interessant und sie spricht mich auch an.
Mein Ziel ist es allerdings, nach eine solchen Ausbildung definitiv nur Teilzeit zu arbeiten, um meine künstlerische Tätigkeit weiter zu verfolgen und gegebenenfalls auch mit der Ergotherapie zu verbinden.
Denkt ihr dass das realistisch ist?
Ein Teil in mir tut sich schwer, den "Forscherdrang" in mir zugunsten einer sicheren und (endlich) eindeutigen beruflichen Perspektive aufzugeben, auch wird mir die enge schulische Struktur in der Ausbildung wahrscheinlich schwer fallen, wie ich mich einschätze (habe mich in den letzten Jahre immer recht flexibel selbst organisiert). Ich stelle Dinge tendenziell oft in Frage, wobei an meinem bisherigen Weg sehen kann, dass mir dies teils auch geschadet hat.
Wenn ich über die finanziellen Aspekte des Ergotherapieberufes in euren Beiträgen lese, frage ich mich jedoch, ob es dafür dann Sinn macht, oder ob ich mit einem Psychologie-Bachelor nicht ähnlich verdienen würde (hier sind die Stellen aber ganz schön rar muss man sagen). Aktuell arbeite ich in einem kleinen Museum und verdiene dort 15 Euro pro Stunde...
Dieser Punkt ist hier bis jetzt untergegangen, aber natürlich ist es sowohl mit dem Psycholgie-Studium als auch mit der Ergotherapie mein Anliegen, therapeutisch mit Menschen zu arbeiten (und dafür die entsprechenden Kompetenzen zu erwerben).

Vielleicht kann mir jemand von euch trotz meiner wirren Ausführungen mal ein Feedback dazu geben - ob eine Ergotherapieausbildung hier passen würde, oder ob ich nicht aufgrund meines Kunst - und angefangenen Psychologiestudiums zu stark das Gefühl hätte, noch einmal von vorne anzufangen und vielleicht den eingeschlagenene Weg mit dem Psychologiestudium einfach weiter gehen sollte.

Vielen Dank (auch dafür wenn ihr bis hier gekommen seid) ::unsure::
18. Januar 2024 02:19 # 2
Registriert seit: 05.10.2023
Beiträge: 6

Was sagt dir dein Impuls? Wenn du dich bereits beworben hast, hast du doch vom Bauchgefühl her bereits entschieden.
Und 32 ist doch noch kein Alter, dir stehen alle Türen offen!
Ich finde, dass sich deine Interessen gut damit verbinden lassen könnten.
Ich würde an deiner Stelle auch mal in einer Praxis reinschnuppern, denn die Arbeitstherapie ist nur einer von vielen Fachbereichen unseres Berufsbildes.

Keep going und everybody is his Glückes Schmied!
18. Januar 2024 21:39 # 3
Registriert seit: 17.01.2024
Beiträge: 8

Danke dir für die Antwort, Zyklopps!
Ich glaube ich bin derzeit sehr verkopt und habe daher keinen guten Zugang zu meinem Bauchgefühl -
es ist aktuell vor allem ein Abwägen von Für und Wieder, ein einziges Hin und Her.
In einigen Beiträgen in diesem Forum kam auch vor, dass einige nach einigen Jahren letztlich frustriert von ihrem Beruf als ErgotherapeutIn sind - obwohl ihnen die Arbeit an sich Spaß macht, es fehlen Ihnen aber die finanzielle Anerkennung (und Fortbildungen qualifzieren dann hauptsächlich noch weiter in die Breite). Schade wäre es, wenn es dann ein "dead end" ist - denn mit 36, 37, oder 38 nochmal ein Psychologiestudium anzugehen ist dann zwar auch nicht unmöglich aber das überlegt man sich dann schon 3,4 oder 5 mal ob man sich das antut oder sich nicht doch lieber auf andere Dinge konzentrieren möchte - oder wie siehst du das?
@Zyklopps du bst in der Ergotherapie tätig, wenn ich fragen darf? :)
Mich interessiert vor allem die Ergotherapie in psychiatrischen Einrichtungen, das werde ich mir vorher auch noch mal genauer angucken..
19. Januar 2024 03:38 # 4
Registriert seit: 05.10.2023
Beiträge: 6

Klar darfst du das.
Ich arbeite in einer Praxis und fühle mich da wohl.
Zum finanziellen Aspekt kann ich nur sagen (und ich bin in den letzten Jahren viel rumgekommen und habe Vergleichswerte direkt aus erster Hand, nämlich aus meiner), dass die Verdienstunterschiede schon mehr als erheblich sind. Und auch die Ansichten, was das angeht.
Ich persönlich, als männlicher Vertreter dieses Berufes, habe eine Familie durchzufüttern und bin mehr als zufrieden.

Was das Studium angeht, kenne ich so einige Leute, die jenseits der 40 ein Studium angefangen haben und das sowohl gut geklappt hat als auch für sie zufriedenstellend ist.

Ich bin schon ein paar Jährchen Therapeut und "dead end" ist noch weit entfernt.

20. Januar 2024 12:41 # 5
Registriert seit: 17.01.2024
Beiträge: 8

Vielen Dank für deine Erläuterung.
Ich nehme an, dass es sich in einer Praxis generell besser verdient als angestellt bei einem größeren Träger, wie in einer Klinik, Werkstatt, Wohnheim o.ä. - oder wie sind da deine Erfahrungswerte?
Meinst du, dass die Verdienstunterschiede allein auch bundesweit groß sind, je nach Gegend?
Ich würde später ehrlich gesagt nur Teilzeit arbeiten wollen, ob das dann reicht weiß ich nicht,
allerdings habe ich bisher jedenfalls nie sonderlich Ansprüche gehabt.
(denn Zeit war mir immer lieber als Geld)
Kennst du da auch konkret ErgotherapeutInnen die zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal angefangen haben etwas zu studieren?
22. Januar 2024 07:47 # 6
Registriert seit: 28.04.2016
Beiträge: 7

Hallo,
ich bin seit 17 Jahren Ergotherapeutin; war in Kliniken beschäftigt und nun seit einigen Jahren in einer Praxis angestellt.
Du schreibst, du befürchtest ein Dead End. Meinst du damit Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten oder zu wenig Möglichkeiten deine Therapie weiterzuentwickeln?
Vom finanziellen her gibt es definitiv Grenzen. Tariflich werden Ergotherapeutinnen maximal in Entgeltgruppe 9b eingruppiert (TVÖD). Vielleicht gibt es hier aber auch Ergos, die dem widersprechen, da sie evtl. aufgrund eines abgeschlossenen Studiums, höher eingruppiert wurden?
Nach meiner Erfahrung sind Bezahlung, Urlaubstage und betriebliche Vorsorgeleistungen in einer Einrichtung mit größerem Träger besser als in einer Praxis.
Es gibt hier in den Foren einige Beiträge zum Thema Gehalt und Stundenlohn. Da werden Stundenlöhne in Praxen angegeben von 14 bis 25 Euro.
Die Vorteile einer Praxis sind meist freiere Zeiteinteilung, neue Therapie- und Arbeitsmittel können schneller zur Verfügung gestellt werden. Mir persönlich gefällt auch, dass ich relativ einfach mit den Patienten im häuslichen oder beruflichen Umfeld arbeiten kann. Da macht mein Job für mich besonders viel Sinn.
Was Weiterbildungen angeht: ich bin jetzt 40 Jahre alt und habe noch viele Weiterbildungen, die mich interessieren und auch eine Arbeitgeberin, die mich dabei unterstützt.
Wenn ich etwas anders machen würde, würde ich allerdings das Studium zur Ergotherapeutin anstatt der Ausbildung machen. Ich habe mich nach der Ausbildung mit der Abgrenzung zur Physiotherapie schwer getan und da hat mir die Beschäftigung mit ergotherapeutischen Modellen geholfen. Auch das wissenschaftliche Arbeiten und evidenzbasierte Medizin sind Themen, die in meiner Ausbildung viel zu kurz gekommen sind. Da bin ich immer noch dabei, mich weiterzubilden. Das wäre in einem Studium alles intensiv behandelt worden.
Tatsächlich habe ich schon öfter mit dem Gedanken gespielt, Psychologie zu studieren; gar nicht um Psychotherapeutin zu werden, sondern eher um in den Bereich Jobcoach oder Beratung tiefer einzusteigen. Der Weg ist allerdings (mit Familie und Job) sehr lang und für mich ebenfalls nur über ein Teilzeit-Fernstudium möglich.



23. Januar 2024 20:18 # 7
Registriert seit: 24.02.2023
Beiträge: 28

Ich habe Deinen Text gelesen und möchte Dir Mut machen! Nach einem Musikstudium und mehreren Diplomen habe ich als Freischaffende über 20 Jahre in dem Beruf gearbeitet - künstlerisch wie pädagogisch.
Corona hat die Kunstszene lahmgelegt und auch mich zum Nachdenken gebracht.
Die Arbeit wieder aufzunehmen nachdem die Bühnen wieder bespielbar waren, fiel mir zunehmend schwerer.
Ich habe alles hinterfragt und auch mich selbst. So habe ich verschiedene andere Aus- und Weiterbildungen gemacht (Klangarbeit, Heilpraktiker Psychotherapie) und bin (wie interessanterweise schon vor sehr vielen Jahren schon einmal) bei der Ergotherapie gelandet. Ich habe Praktika absolviert, mich erneut hinterfragt und mich dann nach langer Überlegung mit 47 Jahren an verschiedenen Schulen beworben, vor allem bei denen mit Ausbildungsvergütung.
Nun bin ich an meiner Traumschule genommen worden und kann Dir sagen: es ist DAS BESTE, was ich je in meinem Leben gemacht habe!!

Ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Menschen umgeben und freue mich jeden Tag auf die Schule. Jeden Tag!!!

Auch ich habe nicht vor, am Ende Vollzeit irgendwo zu arbeiten. Mit meinem eigenen Unterricht und meinen Konzerten verdiene ich 3x so viel pro Stunde und das möchte ich auch weiterführen - so wie ich es jetzt auch während der Ausbildung.

Nach der Ausbildung bzw. im 3. Jahr möchte ich den Bachelor noch machen. Mich interessieren viele Themen noch tiefer, für die in der kurzen Ausbildung zu wenig Zeit ist.

PS: Übrigens hat meine Schwester Psychologie studiert und eine sehr teure Psychotherapie-Ausbildung absolviert, um dann nach wenigen Jahren im Burnout zu landen und festzustellen, dass sie eigentlich was ganz anderes machen möchte...

Das Leben steckt voller Überraschungen... ::smile::
28. Januar 2024 14:21 # 8
Registriert seit: 17.01.2024
Beiträge: 8

Geändert am 28.01.2024 14:46:00
@Tilda83
zunächst einmal dir vielen Dank für deine Antwort.
Tatsächlich möchte ich lieber erst einmal die Ausbildung machen und dann ggf. anschließend/ im letzten Jahr dual das Studium - so sind ja mittlweile auch die gängigsten Modelle.
Ein reines Ergotherapie-Studium, welches allein berufsqualifizierend ist gibt es in Deutschland gar nicht oft - und ich möchte dafür nicht umzuziehen.

Ich frage mich, warum du nicht ein verkürztes berufsbegleitendes Ergotherapie-Studium noch anhängst, da du ja bereits ausgebildet bist? Für mich klingt es so, als ob du davon profitieren könntest.

Gibt es eigentlich einen insgeheimen Neid mancher Ergotherapeuten auf Psychologen (weil sie in manche, psychisch bedingte Probleme tiefer einsteigen können - auch aufgrund ihrer Ausbildung?) - oder projiziere ich da vielleicht?

Liebe Grüße aus Köln
28. Januar 2024 14:41 # 9
Registriert seit: 17.01.2024
Beiträge: 8

@cypria
Vielen Dank auch für deine Mutmach-Antwort :)
Du klingst ausgesprochen positiv und hast einen spannenden, sehr vielseitigen Werdegang - toll!
Dann hast du auch mehrere Praktika gemacht und dir Zeit gelassen mit der Entscheidung für die Ausbildung, nehme ich an?
Aktuell mache ich ein Praktikum im Bereich Arbeitstherapie (Werkstätten) - und es gefällt mir gut, nur Vollzeit finde ich schwierig. Da bin ich noch etwas unsicher, ob ich das so 3 Jahre durchgehend packe.
Eine Schule mit vergüteter Ausbildung wäre natürlich das Beste, gibt es aber hier in Köln nicht - jedenfalls keine, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln in akzeptabler Zeit (alltäglich) erreichbar wäre.
Welche Vorteile hat man denn, wenn man den Bachelor auch noch macht? Ich bin da bisher nirgendwo auf Informationen gestoßen, die im beruflichen Sinne Vorteile aufzeigen - spannend klingt natürlich der internationale Master in Ergotherapie an der ZHAW - aber der wird einem in Deutschland ja wahrscheinlich auch nicht große Vorteile bringen - einerseits weil man diesen nicht für die Berufsausübung braucht (auch nicht zum unterrichten an Ergotherapie-Schulen), andererseits weil es ja nicht so grandiose Aufstiegsmöglichkeiten in der Ergotherapie gibt -
naja gut, aber das ist natürlich ziemliche Zukunftsmusik :)

Für mich ist es so, dass ich mir nach einer solchen Ausbildung, wenn ich beruflich ein bischen gesettelter bin, gerne wieder mehr Kunst mit reinholen würde - auf welche Weise weiß ich jetzt noch nicht (Kunsttherapie-Master) oder einfach in Form vermehrt eigener künstlerischer Praxis - denn ohne eine andere (davon unabhängige berufliche Basis) wird die schnell unfrei (jedenfalls ist das meine Erfahrung).
30. Januar 2024 14:32 # 10
Registriert seit: 24.02.2023
Beiträge: 28

Ja, genau. Ich habe mehrere Praktika gemacht, um mir wirklich sicher zu sein.
Was meinst Du damit, dass Du Werkstatt nicht drei Jahre aushalten würdest?
Man hat in der Ausbildung ja mehrere Praktika in verschiedenen Bereichen. Psycho-sozial, motorisch-funktionell und Arbeitstherapie ist es zum Beispiel bei uns, hinzu kommen ein Instituttionskundepraktikum und ein Beobachtungspraktikum.

Wir haben in den ersten beiden Jahren eigentlich nur schulischen Unterricht, unterbrochen von praktischen Projekten, recht abwechslungsreich.

Sicher wirst Du am Ende auch Kunst mit in Deine Therapie einfließen lassen. Schließlich macht das einen wichtigen Teil Deines bisherigen Lebens aus. Und wie sagte ein Kollege neulich im Spaß: "Ergotherapie kann fast alles machen, muss es nur gut begründen." :) Das ist natürlich nicht ernst gemeint, jedoch steckt ein Körnchen Wahrheit darin, denn Ergotherapie findet man überall, wo man sie sehen will und kann.

Ich werde auch meine künstlerische und pädagogischen Skills und das Wissen aus meiner psychotherapeutischen Ausbildung in mein therapeutisches Handeln einfließen lassen. Es kann ja auch gar nicht anders gehen - wir haben ja auch Leben und Erfahrungen hinter uns, nicht wie mit 17 oder 18 Jahren...
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