Hallo Nele,
Ich finde, das ist ein ganz tolles Projekt

Wie gestalten wir das Gespräch bei Neuankömmlingen?
- Individuell, je nach Krankheitsbild und Alter des Patienten. Das lässt sich pauschal schlecht beantworten. Manche haben schon Therapieerfahrung, andere gar nicht, manche wissen was sie wollen und erwarten, andere nicht. Der Patient wird da abgeholt wo er steht und darauf baut man das Gespräch auf.
Wie kann man die eigenen persönlichen Interessen/ Werte/ Grundgedanken hintenanstellen, um trotz unterschiedlicher Einstellung eine Beziehung zu den Klienten aufzubauen?
- Einfach machen. Berufsethos waren und nichts bewerten. Menschen sind wie sie sind und ich bin ihre Therapeutin, nicht ihre Freundin. Ich behandle jeden Patienten gleich auch wenn die Basis mal nicht passt, das muss sie doch auch nicht. Für die therapeutische Beziehung ist das kein Muss. Jeder der mit Menschen arbeitet, muss sich selbst hintenanstellen, man kann ja nicht nur die Patienten behandeln, die man mag oder die dieselben Werte vertreten. Und für sowas ist ein erstes Gespräch gut. Da sieht man ob es passt und sich alle Beteiligten miteinander wohlfühlen. Was die Menschen außerhalb meiner Praxis machen, geht mich nichts an. Therapeutische Beziehungen haben Grenzen und das ist gut so.
Wie kann man am besten eine Beziehung zu Kindern aufbauen, die sich im autistischen Spektrum befinden?
- Zeit und Geduld! Interessen erfragen, Elterngespräche, Anamnese, Angebote machen und Zeit zum Erkunden geben. Wenn die Kinder spüren, dass man sie nicht drängt, ihre Perspektive versucht zu verstehen und ihnen Raum gibt, sich wirklich auf sie einlässt und Interaktion anbahnt ohne Druck, baut sich nach und nach eine Beziehung auf.
Wie ist der beste Umgang mit Kindern ?
- Altersgerecht und Interessenbezogen arbeiten, ihnen zuhören, in ihre kindliche Welt eintauchen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen Spaß haben. Ich erfrage grundsätzlich Hobbies, Interessen, Freizeitaktivitäten etc., so kann ich die erste Einheit schon individuell gestalten und die Kinder fühlen sich wahrgenommen in ihrer Identität, der Rest ist Sympathie und Authentizität. Ich sage den Eltern auch, dass die Kinder ihr Lieblingsplüschtier mitbringen können und habe selbst welche da und wenn ein Kind etwas besonders mag, liegt es bei der nächsten Einheit schon am Platz und darf mitmachen.
Wie geht man mit einem Konflikt mit den Eltern um (Eltern haben andere Ansicht zum Kind als der Therapeut)?
- Auch hier, akzeptieren und fertig. Solange es das Therapieziel nicht behindert oder dem Kind erheblich schadet, wird es nicht bewertet, falls doch sollte man das Gespräch suchen und das miteinander klären.
Gibt es Strategien zum Umgang mit eigenem Ekel vor gewissen hygienischen Zustände/ Umständen/ anderen Ansichten zur Hygiene?
- Jeder hat andere Ekelgrenzen aber wenn schon die eigene Hygiene ein Problem darstellt, käme das bei mir nach ganz oben auf die Zielliste. Sowas kann unterschiedliche Gründe haben und kann Teil der Erkrankung sein oder auch nicht. Auch hier hilft nur direkte Kommunikation.
Wo ist der Unterschied beim Beziehungsaufbau zwischen Therapeuten und Erziehern?
- Ich wüsste jetzt keinen gravierenden Unterschied. Der Auftrag ist ein anderer aber beide müssen eine Beziehung zum Kind aufbauen und gestalten, beide beziehen die Eltern mit ein. Der Handlungsauftrag ist anders, ähnlich wie bei Kinderärzten oder Lehrern.
Wie baut man eine Beziehung zu Menschen mit einer Demenzerkrankung auf? Können wir Merkmale setzen damit wir erkannt werden?
- Authentizität! Demenziell erkrankte Menschen spüren genau wer sie ernst nimmt und echtes Interesse an ihnen hat. Ich lege großen Wert auf Selbstbestimmung und arbeite biografiebezogen, beziehe die Angehörigen mit ein. Und auch wenn die Menschen nicht mehr den Namen wissen, sie spüren genau, der Mensch da, der ist nett zu mir, dem kann ich vertrauen. Validierende Gesprächsführung, Sicherheit vermitteln und schöne Momente schaffen, so entsteht nach und nach eine tolle Beziehung.
Wann setze ich wie Grenzen und wie zeige ich diese bezogen auf die professionelle Distanz?
- Jeder hat andere Grenzen und wenn man spürt, hier stimmt was nicht, dann hilft nur Kommunikation. Jeder Therapeut hat da andere Richtlinien. Ich bin da sehr frei und flexibel, ich wohne dort wo ich arbeite und begegne Patienten im Supermarkt oder mein Kind besucht dieselbe Schule. Bei den meisten Patienten ist das gar kein Thema, man begegnet sich auf Augenhöhe und mit Respekt. Professionalität erarbeitet man sich durch Kompetenz. Grenzen setze ich so, dass ich zu niemandem nach Hause gehe, der keinen Hausbesuch hat, ich lade niemanden zu mir nach Hause ein oder verteile wahllos meine private Telefonnummer oder Adresse. Ich bin und bleibe Therapeutin und das kann man klar kommunizieren. Ich muss aber oft gar nicht bewusst Grenzen ziehen, bisher erst ein Mal seit ich meine eigene Praxis habe. Und das klappte prima.
Ich hoffe das hilft und ihr erhaltet zusammen viele Antworten und könnt das Thema ausgiebig bearbeiten. Viel Spaß noch weiterhin in der Ausbildung. Du hast dir gute Fragen ausgesucht.
Liebe Grüße, Kaufi
"Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen." (Pearl S. Buck)