Registriert seit: 12.06.2026
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Hallo zusammen,
ich würde gerne eure Einschätzung zu meiner Arbeitssituation hören.
Ich arbeite seit einigen Jahren als Ergotherapeutin in einer ambulanten Praxis. Ich habe eine Teilzeitstelle mit 30 Stunden an vier Tagen pro Woche und verdiene etwa 2.900 € brutto monatlich (12 Gehälter, kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld). Zusätzlich stehen mir pro Woche zwei Stunden Vor- und Nachbereitungszeit zur Verfügung, die gesondert vergütet werden. Allerdings werden diese nicht bezahlt, wenn ich krank bin.
In den letzten Monaten habe ich zunehmend gemerkt, dass mich die Arbeit stark belastet. Aktuell befinde ich mich in einer depressiven Episode bzw. einem Burnout, und ich habe das Gefühl, dass die Arbeitssituation dazu beigetragen hat.
Besonders schwierig finde ich den ständigen Zeitdruck. Die Termine sind häufig direkt hintereinander geplant, und ich habe oft das Gefühl, nicht genügend Zeit für Vor- und Nachbereitung, Dokumentation oder Berichte zu haben. Zwar versuche ich mir durch Hausbesuche, Behandlungen in Einrichtungen oder Blankoverordnungen etwas mehr Luft zu verschaffen, trotzdem bleibt das Gefühl, ständig unter Zeitdruck zu stehen.
Zusätzlich organisiere ich meine Termine selbst über ein Diensthandy. Das bedeutet auch, dass ich bei Krankheit selbst absagen muss und für Klient:innen und Angehörige erreichbar bin. Bei Ausfällen wird erwartet, dass ich die Termine möglichst selbstständig nachbesetze. Wenn das nicht gelingt, nutze ich die Zeit für Dokumentation oder Berichte. Gleichzeitig fehlt mir dadurch oft eine verlässliche Struktur für Vor- und Nachbereitung, weil diese Zeiten nicht fest eingeplant sind.
Zeitweise habe ich außerdem viele organisatorische Aufgaben übernommen, wie Telefonate, Wartelistenmanagement und allgemeine Praxisorganisation. Das habe ich als sehr belastend erlebt, insbesondere die Verantwortung für lange Wartelisten und den organisatorischen Ablauf.
Deshalb meine Fragen an euch:
* Sind diese Arbeitsbedingungen im ambulanten Bereich aus eurer Sicht üblich? * Wie geht ihr mit dem ständigen Zeitdruck um? * Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? * Falls das ambulante Setting nicht zu mir passt: Welche anderen Arbeitsfelder in der Ergotherapie erlebt ihr als besser strukturiert oder weniger belastend?
Ich freue mich über eure Erfahrungen und Einschätzungen.
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Registriert seit: 13.06.2026
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Hallo,
ich gehe einfach mal direkt auf alle Fragen ein.
Die Arbeitsbedingungen sind leider im ambulanten Bereich so, wie du es beschreibst, größtenteils üblich. Es gibt großzügigere Praxen, aber viele arbeiten genauso hochfrequent. Ich muss sagen, mit mehr als 22 € die Stunde wirst du, zumindest in meiner Region, sehr gut bezahlt. Dementsprechend wird dann auch so viel Leistung gefordert. Ich kenne das von anderen Praxen auch.
Meine momentane Praxis ist da noch sehr human. Ich habe feste Berichtszeiten und auch täglich Zeit, mich ausgewogen vorzubereiten oder habe sogar Freiraum. Wir haben eine Sekretärin, die alle organisatorischen Aufgaben abseits der Therapien übernimmt. Meinen Plan kann ich frei gestalten. Dafür verdiene ich dann aber auch etwas weniger, was auch so klar kommuniziert wird. Man möchte lieber weniger Leistungsdruck aufbauen, zahlt dafür aber finanziell auch nicht am oberen Limit. Nichtsdestotrotz ist das regional gesehen absolut in Ordnung. Das passt für mich sehr gut und ich nehme das gerne so an.
Ich hatte nämlich das gleiche Problem wie du. In einer anderen Praxis wurde leistungsabhängig je nach Umsatz der Praxis gezahlt, weshalb die gesamte Qualität der Therapie gelitten hat und man durch andere, unter anderem die Praxisleitung, extremen Leistungsdruck hatte. Das mündete bei mir aufgrund des täglich hohen Stresslevels schließlich in Panikattacken. Ich hatte kaum Planungszeiten, teilweise wurden Patienten parallel geplant. Es war fürchterlich.
Die beste Lösung für dich wäre, mit deiner Chefin bzw. deinem Chef zu sprechen und deine Probleme klar anzusprechen, damit ihr gemeinsam eine Lösung finden könnt, die für beide Seiten passt. Wenn man innerlich bereits gekündigt hat und mit der Arbeit unzufrieden ist, hilft es nicht, nur die Symptome zu lindern. Klar, es gibt ein paar Tipps:
Um bei dir speziell etwas Zeit zu gewinnen, schreibe die Dokumentation direkt am Ende der Therapie. Nutze die letzten fünf Minuten für Smalltalk und schreibe nebenbei. Kürze die Dokumentation so weit wie möglich. Nutze KI für Folgeberichte, das spart erheblich Zeit.
Man muss aber die Ursache beheben, sonst wird das nichts mehr. Und in der heutigen Zeit, in der Therapeuten rar sind, wird auch deine Praxis lieber einen Therapeuten behalten wollen, als irgendwann vielleicht gar keinen mehr zu haben.
Als Bereiche, die ich als entspannter empfunden habe, würde ich hauptsächlich psychiatrische stationäre oder teilstationäre Einrichtungen nennen. Dort findet meistens alles in Blöcken statt. Man hat zwei bis drei Blöcke Gruppentherapie und verbringt den Rest der Zeit größtenteils mit Planung, Dokumentation, Supervision etc. Auch Wohnheime oder Pflegeheime sind oft entspannter.
Der Nachteil, weshalb ich die Praxis trotzdem immer bevorzugt habe, sind die Wochenend- und Schichtdienste, die man im ambulanten Bereich in der Regel nicht hat.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen.
Liebe Grüße
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Beiträge: 51
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Hallo Poiesis,
die geschilderten Arbeitsbedingungen klingen doch eher nach Ausbeutung. Arbeitest du diese 30 Stunden ohne jegliche Orgapause? Und warum wird die Orgazeit extra vergütet, vermutlich auch noch schlechter?
Ich denke, nicht der ambulante Bereich ist das Problem, sondern dein Arbeitsplatz. Leider gibt es keine festen Vorgaben. Wie stellst du dir denn deine Traumstelle vor? Was wäre für dich notwendig, um nicht überlastet zu sein?
Mir hilft es feste Termine zu vergeben. Tag X + Uhrzeit X, um eine innere Struktur zu haben. Der Tipp mit der KI taucht inzwischen immer öfter auf. Da würde ich allerdings recherchieren, ob das Ganze überhaupt erlaubt ist. Siehe Datenschutz und Schweigepflicht.
Beste Grüße, Susanne
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Registriert seit: 12.06.2026
Beiträge: 2
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Hallo ihr beiden, vielen Dank für eure Einschätzungen und Tipps. Mir ist bewusst, dass ich sehr gut verdiene und weiß auch das Praxisinhabende wirtschaftlich denken und handeln müssen. Ich werde schauen, ob ich mit meiner Chefin zu einer Einigung kommen kann und es sich für beide Seiten stimmig anfühlt. Mir hilft auf jeden Fall, dass es nicht nur mir so geht, sondern auch andere das Pensum als stressig empfinden. Ich überlege aktuell tatsächlich in eine psychiatrische Einrichtung zu wechseln, da ich in dem Bereich das meiste Interesse und auch Fortbildungen habe. Leider konnte ich den psychiatrischen Zweig hier vor Ort noch nicht wirklich aufbauen.
Vielleicht habe ich es nicht gut erklärt: ich arbeite 28h am Klienten und habe feste 2h Orgazeit. Bei Ausfällen, die ich nicht gefüllt bekomme, darf ich auch Orgazeit nehmen. Ich versuche auch gerade herauszufinden was meine Traumstelle ist. Ich habe in den letzten Jahren viel durch Versuch und Irrtum gelernt. Auf jeden Fall habe ich festgestellt, dass ich diese Taktung auf Dauer nicht durchhalte. Außerdem bevorzuge ich eher längere Einheiten wie 60min. Motorisch-funktionell versuche ich zu vermeiden. Meine akute Strategie ist erstmal wieder auf 20h zu reduzieren.
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Registriert seit: 04.08.2002
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Die Arbeitsbedingungen entsprechen leider der Realität, die ich in den letzten 20 Jahren oft erlebrt habe. Das Gehalt finde ich eher bescheiden, knapp 22,50€. Als ich zuletzt gearbeitet habe war 23,-€ für Berufsanfänger normal. Viel Erfolg und die nötige Kraft Gutgehn
Signaturen lesen ist Zeitverschwendung!
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Registriert seit: 03.01.2011
Beiträge: 412
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Also bei uns ist es schon etwas ähnlich, allerdings gibt's so ein paar Sachen die eben doch anders sind, sodass es sich vermutlich nicht ganz so extrem anfühlt. Wir haben erstmal eine Bürokraft von 9- 14 uhr Wir sind zwar weiterhin selbst für unsere Pläne zuständig, aber wenn da mal ne Lücke ist dann können wir ihr sagen, wen sie anrufen soll. Spart zumindest die Zeit der telefoniererei. Auch die Sachen mit Ärzten Rezepte ändern usw übernimmt sie dann alles. Wenn wir krank sind wird für uns abgesagt (auch wenn die bürokraft nicht da ist übernehmen das die Chefin und Kollegen, das einzige ist das man manchmal den ersten morgens früh schon anruft, weil es sonst zu knapp wenn es ein früher Termin ist. Vorbereitungszeiten haben wir uns selbst eingeplant im Plan. Also die sind nicht so fix. Eher kurz gehalten für die täglichen Einheiten. Ich hab in der Regel 30 Minuten (manchmal muss ich da allerdings von nem hausbesuch erst zur Praxis fahren 5 Minuten). Das dann muss dann zumeist 5- 6 Kinder Einheiten vorbereiten. An längeren Tagen wo ich eher 6-7 Einheiten in der Praxis am Stück habe (hab in der Praxis zu 90% Kinder) habe ich zwischendurch noch einmal 15 Minuten bezahlte Luft geplant. Hab gemerkt das es das brauche zum durchatmen und ggf falls was liegen blieb es weg zu räumen oder falls ich nicht alles vorbereitet habe das noch zu machen. Ausfall sollen wir natürlich versuchen zu füllen. Bei der Menge Kinder oft schwierig, klappt bei den Kollegen oft besser. Gehalt ca 1€ mehr, allerdings auch lange dort und aufm Papier ne Leitungsposition (ohne Aufgaben)
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