Zitat / ergo2026 hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich befinde mich aktuell in der intensiven Detailplanung für die Neugründung meiner eigenen freien Ergotherapie-Praxis (ostdeutsche Mittelstadt) und würde mich riesig über Feedback und Erfahrungswerte von euch freuen!
Das geplante Konzept:
Leistungsspektrum: Vollständiges ergotherapeutisches Spektrum für alle Patientengruppen und Diagnosen (GKV/PKV), allerdings mit einem personell und räumlich gut getakteten Schwerpunkt im Bereich Pädiatrie (Einzel- sowie Gruppenbehandlungen via Muster 13).
Praxisfläche: Kompakte, schlanke 60qm - 80qm, um die laufenden Miet-Fixkosten gering zu halten und eine möglichst hohe Raumauslastung zu erzielen.
Finanzierung & Rahmen: Investitionsbedarf liegt bei ca. 30.000€ - 35.000€
(Erstausstattung/GWG, Zulassungsvoraussetzungen, IT und Liquiditätspuffer). Geplant ist die Finanzierung über einen KfW-Gründerkredit (StartGeld) zusammen mit der Hausbank.
Meine Fragen an euch Praxisinhaber & Erfahrenen:
KfW-Kredit & Bankgespräch: Gibt es hier Inhaber, die ihre Praxis ebenfalls über einen KfW-Gründerkredit finanziert haben? Worauf hat eure Hausbank beim Businessplan/Ertragsvorschau bei einer Heilmittelpraxis besonders geachtet?
GKV-Zulassung & Liquiditäts-Vorlauf: Wie viel zeitlichen Puffer bezüglich GKV-Zulassung und der ersten Abrechnungsschleife (Zahlungsziele der Abrechnungszentren) sollte man für die Anlaufphase realistisch einplanen, bis der Cashflow stabil läuft?
Praxisalltag auf kleiner Fläche: Wie gut lässt sich die Kombination aus allgemeiner Ergotherapie und gezielten pädiatrischen Kleingruppen auf 60qm - 80qm organisatorisch bei euch im Alltag takten? Gibt es Stolpersteine, die ihr rückblickend anders gelöst hättet?
Ich freue mich sehr auf euren Input, eure Tipps und einen ehrlichen Erfahrungsaustausch!
Liebe Grüße
Gibt es auch "unfreie" Ergotherapiepraxen? Es nennt sich eigentlich ambulante Ergotherapiepraxis. Ergotherapeuten gehören zu den Freien Berufen und sind deswegen Freiberufler, auch wenn sie als ergotherapeuten im Angestelltenverhältnis arbeiten.
Hast du überhaupt Berufserfahrung mit der Arbeit in einer ambulanten Praxis? Hast du dir schon einmal ein Existenzgründerseminar bei einem der beiden Berufsverbände für den fachlichen Teil und der IHK für den kaufmännischen Teil angetan? Wieviel Berufserfahrung hast du überhaupt in welchen Fachbereichen der Ergotherapie? Wieviel Finanzielle Rücklagen hast du für deine Privaten Ausgaben? Welche Rücklagen planst du für deine Ausfälle bei Krankheit oder Urlaub ect.? Wann willst du wieviele Mitarbeiter einstellen? Hast du überhaupt schon Führungsverantwortung in einem Unternehmen übernommen? 60qm - 80qm sind zwei schöne Zahlen. Wie teilt sich jedoch deine Praxis (Therapieräume, Lager, Wartebereich, Sozial und Sanitärräume, Büro, Lauf- und Rettungswege, ...) auf diese 80qm auf? Was meint das Bau- und das Integrationsamt zu deinen Praxisplänen?
Für deine "Abrechnungsschleife" hast du die Vorgaben aus dem Bundesrahmenvertrag als Selbstabrechner, oder die Vorgaben des Abrechnungszentrum mit dem du abrechnen willst. Du kannst dir doch ausrechnen wie lange du für die Abarbeitung einer 10er Heilmittelverordnung benötigst. In der Regel 10 Wochen plus Zeitzugaben für Feiertage, Krankheit, unentschuldigtes Fehlen und Urlaub ect. von dir und/oder Patienten. Im optimalen Fall also 10 Wochen (bei Blankoverordnungen 16 Wochen) plus 21 Tage ab Posteingang bei der Krankenkasse zuzüglich 3 Tage Bearbeitung bei der Bank. Die 21 Tage Zahlungsfrist reduzieren sich bei deinem Abrechnungszentrum wenn du bereit bist dafür zusätzlich zu zahlen und keine Abrechnungsfehler produzierst. Um so höher deine Fehlerquote, um so länger dein Zahlungsziel bei deinem Abrechnungszentrum, oder um so teurer dein Vergnügen über ein eigenes Abrechnungszentrum mit den Krankenkassen abzurechnen.
Die Abrechnung mit den Privatpatienten und den Berufsgenossenschaften ist da noch einmal ein ganz anderes Thema mit anderenVorraussetzungen, Eigenheiten und Tücken.
Vor 30 Jahren galt einmal, dass du für eine Praxisneugründung das Geld für 9 Monate als Rücklagen parat haben solltest um damit alle beruflichen und privaten Ausgaben ohne zusätzliche Einnahmen bestreiten könntest. Daran hält sich heutzutage jedoch kaum noch einer. Letztendlich muss dies jeder selbst für sich wissen.
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."