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Vorneweg: ja ich habe ein Asperger-Syndrom und nein ich bin deshalb nicht "Gestört", ich bin ganz einfach so wie ich bin und wenn sich andere daran stören, dann haben diese eine Toleranz-Störung. Meinen Angestellten sagt ich beim Einstellungsgespräch: "Sprich zu mir nie durch die Blume, denn sonst hast du es nur der Blume gesagt." Ich präferiere die Bezeichnung "Rundohr-Vulkanier", denn Spock und Co sind mir artverwandt, ich habe nur keine spitzen Ohren. Aber: so lange ein Autistisches Spektrum eine "Störung" sein soll, solange weigere ich mich auch konsequent, mir jemals irgendwo diese Diagnose anhängen zu lassen. Dieser Beitrag wurde editiert, es handelt sich um eine Werbeanzeige. Bitte beachten Sie vor dem Erstellen Ihrer Einträge die allgemeinen Verhaltensregeln:https://www.ergotherapie.de/foren/netiquette.aspx#4wer sich aber das Geld sparen will, denn ich will keinen Profit machen, kann sich den selben Inhalt auf YouTube anschauen: https://www.youtube.com/shorts/ZR7ARm5H3Wo Fragen darf man mich natürlich alles, ich finde immer gut, wenn Menschen Vorurteile abbauen.
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Geändert am 20.06.2026 08:10:00
doppelwobbler
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Die Frage ist ja letztendlich die: fühlst Du selber Dich "gestört"? Leidest Du? Siehst Du Veränderungsbedarf? Wenn nicht, ist eine Diagnose komplett überflüssig. Ich halte auch nichts von Pathologisierung von Verhalten außerhalb der Norm. Ohne Leidensdruck braucht kein Mensch eine Diagnose. Griuß, Karsten
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Zitat / KW hat geschrieben:Die Frage ist ja letztendlich die: fühlst Du selber Dich "gestört"? Leidest Du? Siehst Du Veränderungsbedarf? Wenn nicht, ist eine Diagnose komplett überflüssig. Ich halte auch nichts von Pathologisierung von Verhalten außerhalb der Norm. Ohne Leidensdruck braucht kein Mensch eine Diagnose.
Griuß, Karsten Danke für diese Antwort Karsten.  Sage wir mal so, die Vor- und Nachteile halten sich im Endeffekt in etwa die Waage. Ich wünschte, ich könnte mir besser Gesichter merken und so Personen leichter wiedererkennen. Ich wünschte, ich würde nicht immer wieder Menschen auf den Leim gehen, weil ich versteckte Absichten nicht erfassen kann. Ich bin froh, dass ich so ein strukturiertes Denken habe Ich bin froh, dass mir Programmieren und Konstruieren so leiht fällt und das ich in fast jeder Hinsicht ein Autodidakt bin. Ich wünschte, ich hätte eine Small-Talk-Fähigkeit, auch wenn ich persönlich das unnütz finde, aber ohne diese Fähigkeit ist man in unserer Gesellschaft eher einsam. Ein Veränderungsbedarf besteht so wenig wie wenn ein Frosch das Fliegen lernen sollte. Was bringt, sich etwas Veränderung zu wünschen, wenn man von vorn herein weiß, dass man schlicht und einfach eben anders gestrickt ist, als andere? Man muss damit klar kommen und schafft es bestenfalls, dass der innere Trottel nicht beständig dem inneren Genie im Wege steht.
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Und hier in Kürze noch eine Erweiterung zu meinem Text von gestern... Wir Menschen im autistischen Spektrum machen nur einen einstelligen Prozentsatz der Bevölkerung aus. Und doch hat es uns vermutlich schon immer gegeben. Vielleicht waren wir diejenigen, die früher nicht am Höhlenfeuer saßen und Lieder sangen, sondern darüber nachdachten, wie man Holz und Stein bearbeiten oder Werkzeuge entwickeln kann. Eine Gesellschaft würde wohl nicht funktionieren, wenn sie ausschließlich aus Menschen wie uns bestünde, genauso wenig aber, wenn es uns gar nicht gäbe. Viele Innovationen, technischer Fortschritt und kreative Lösungsansätze sind das Ergebnis von Menschen, die anders denken und die Welt aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachten. Ohne diese Denkweisen wäre die Menschheit vermutlich deutlich langsamer vorangekommen. Deshalb gehört es auch dazu, anders zu sein – und aus eigener Sicht dieses Anderssein auch zu tragen oder gelegentlich zu ER-tragen. Gleichzeitig liegt darin eine besondere Stärke. Viele Menschen im autistischen Spektrum verfügen über eine außergewöhnliche Kreativität, ein hohes Maß an Innovationskraft sowie ein ausgeprägtes intuitives und autodidaktisches technisches Verständnis. Diese Eigenschaften sind ein wertvoller Beitrag für die Gesellschaft. Anders zu sein ist eine Herausforderung und oft zugleich eine Begabung, die Fortschritt ermöglicht und unsere Welt bereichert - Neurodiversität eben. Und hätte es ein "Heilmittel" gegen Asperger gegeben, wir hätten nun keine Relativitätstheorie, auch wenn ich mich mit diesem Menschen mitnichten messen möchte - so sehr Asperger bin ich dann doch nicht. Gehen wir noch weiter im Spektrum (ins Spektrum hinein), so kommen wir bei den Servants raus, kennt jemand Rüdiger Gamm das Rechen-Genie? Und falls ihr ihn auf YouTube anschaut, achtet mal auf dessen monotone - ja fehlende - Satzmelodie.
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Zitat / Habakuck hat geschrieben: ... Ein Veränderungsbedarf besteht so wenig wie wenn ein Frosch das Fliegen lernen sollte. ... Fun Fact: Es gibt tatsächlich fliegende Frösche. Sogenannte "Fallschirmfrösche" besitzen extrem große Schwimmhäute zwischen den Zehen. Wenn sie von Bäumen springen, nutzen sie diese als Gleitsegel und können so bis zu 20 Meter weit durch die Luft segeln. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Wallace-Flugfrosch (Rhacophorus nigropalmatus) aus den Regenwäldern Südostasiens. Er nutzt diese Technik, um Feinden zu entkommen oder in den Baumkronen auf Beutesuche zu gehen.
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
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Zitat / onkel tom hat geschrieben:Zitat / Habakuck hat geschrieben: ... Ein Veränderungsbedarf besteht so wenig wie wenn ein Frosch das Fliegen lernen sollte. ... Fun Fact: Es gibt tatsächlich fliegende Frösche. Sogenannte "Fallschirmfrösche" besitzen extrem große Schwimmhäute zwischen den Zehen. Wenn sie von Bäumen springen, nutzen sie diese als Gleitsegel und können so bis zu 20 Meter weit durch die Luft segeln. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Wallace-Flugfrosch (Rhacophorus nigropalmatus) aus den Regenwäldern Südostasiens. Er nutzt diese Technik, um Feinden zu entkommen oder in den Baumkronen auf Beutesuche zu gehen. Ja nur ist das kein wirkliches Fliegen, es ist eben ein Gleiten. Und so ungefähr sehe ich das auch, im autistischen Spektrum hat man zum Beispiel eine niedrige emotionale Intelligenz, man kann es versuchen kognitiv zu kompensieren, aber eher mit Ach und Krach. An der Entwicklung meiner Kinder gemessen, kann ich ungefähr sagen, mit sechs Jahren bereits haben sie eine bessere intuitive Menschenkenntnis als ich, vermutlich als ich jemals haben werde. Man muss sich also in Menschen hinein denken, das funktioniert aber mit Sicherheit nie so gut, wie wenn es intuitiv läuft. Ist übrigens auch der Grund dass ich beim reden, wenn ich also selbst rede, Leuten nicht ins Gesicht schauen kann, die Analyse von Gesichtszügen braucht zu viel Gedankenleistung dann kommt mein Redefluss im stocken.
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Was mich persönlich interessieren würde: Wann und woran hast Du gemerkt, dass Du von der "Norm" abweichst? Dass die anderen irgendwie anders ticken als Du? Und war das eine leidvolle Erfahrung? Ist eine sehr intime Frage, wenn Du keine Lust hast, darauf zu antworten, respektiere ich das natürlich. Ich denke nur manchmal darüber nach, wie es ist, wenn man feststellt, man liebt nicht so wie die meisten um einen herum, man lebt in deutlich anderen Gefühlswelten, man hat andere Fähigkeiten als alle anderen, etc. Ich selber bin nicht in irgendeiner Form neurodivergent oder von der heterosexuellen Norm oder von anderen Normen "abweichend", ich bin ein weißer, heterosexueller CIS-Mann, aber ich habe mich als Kind und als Jugendlicher oft "irgendwie anders" gefühlt, als würde ich nicht immer so dazu gehören wie es andere tun. Und ich kann mir vorstellen, dass das noch viel krasser und evtl. auch belastender ist, wenn man große Unterschiede zu anderen bemerkt. Aber das ist jetzt nur meine Spekulation. Gruß, Karsten
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Als ich fünf Jahre alt war, erkannte ich langsam, dass mit den anderen Menschen etwas nicht stimmt. Sie konnten alle miteinander kommunizieren OHNE ZU REDEN und das konnten sogar Menschen DIE SICH GAR NICHT KENNEN! Einzige Erklärung (für mich damals), die Welt ist ein Theater oder eine Simulation oder so was und ich AUSGERECHNET ICH bin das Versuchsobjekt. Und irgendetwas wollen die durch mich herausfinden - was? Keine Ahnung! Ich konnte das aber niemals jemand erzählen, zu groß meine Angst, im nächsten Gremium sagen die "Der ahnt was, wir müssen die Geheimsprache nun komplexer machen!" Nein ich wartete still und lausche an Fenstern an denen ich vorbeilief. Denn so perfekt KÖNNEN DIE NIENALS SEIN, irgendwann werden die sich verraten und ich kann ihnen beweisen, ich weiß jetzt was da gespielt wird. Und jetzt könnt ihr mich ENDLICH in eure Geheimsprache einweisen, UND DANN KANN ICH ENDLICH SO SEIN, WIE IHR ALLE. Erst in der Pubertät erkannte ich, dass es keine Geheimsprache gibt, es ist mein eigenes Defizit.
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Geändert am 09.07.2026 18:05:00
Warum ich das überhaupt teile? Nicht, weil ich mit meinem autistischen Spektrum hadere – ganz im Gegenteil. Ich habe mich längst damit abgefunden und gelernt, die Stärken daraus zu nutzen: meine ausgeprägte Fähigkeit, Strukturen zu erkennen, und meine autodidaktischen Fähigkeiten. Was allerdings sehr lange gedauert hat, war, meinem Anderssein überhaupt einen Namen geben zu können: Asperger also autistisches Spektrum. Erst mit dieser Erkenntnis konnte ich mich selbst wirklich akzeptieren. Seitdem gehe ich vor allem mit mir selbst viel nachsichtiger um. Ich verurteile mich nicht mehr für Dinge, die ich schlicht nicht wahrnehme, oder eben anders wahrnehme. Wie oft habe ich mich früher schlecht gefühlt, wenn andere sagten: „Sowas merkt man doch!“ Ja – viele Menschen merken das, aber als Mensch im autistischen Spektrum merkt man das eben nicht! Und das ist keine Gleichgültigkeit oder mangelndes Interesse, sondern einfach eine andere Art der Wahrnehmung. Genau deshalb möchte ich das teilen: Vielleicht hilft es anderen, mehr Verständnis für Menschen zu entwickeln, die die Welt auf ihre eigene Weise wahrnehmen – und vielleicht auch dem einen oder anderen, sich selbst endlich besser zu verstehen, weil dieser Mensch vielleicht auch ein Asperger-Syndrom hat.
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