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Wie arbeitet ihr?

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29. März 2024 12:15 # 31
Registriert seit: 03.01.2011
Beiträge: 412

Geändert am 29.03.2024 12:27:00
Zitat / Kaufi hat geschrieben:
Und ja, wer nur so seine AN bezahlen kann, ist in meinen Augen kein guter AG. Man weiß doch was die Kassen zahlen, man kann doch rechnen und wenn ich nur jemanden einstellen kann, wenn ich ihm wichtige Zeit wegnehme, sollte mir doch klar sein, dass das nicht gut ist. Warum wird es trotzdem gemacht? Ich könnte das auch machen... Ich stelle jemanden ein, Patienten sind ja genug da, also ran und durchklotzen. Aber gute Doku und individuelle Berichte und komplexe und durchdachte Sitzungen will ich auch, tja... Ich würde so ordentlich Umsatz machen aber eben auf Kosten von Patienten und AN. Und genau deswegen arbeite ich noch alleine. Entweder alles oder nichts. Ich bin doch als AG auch für meine AN verantwortlich und sollte sie nicht nur als Geldmaschinen sehen, die ja keine andere Wahl haben, wenn sie auch ihre Rechnungen bezahlen wollen. Das kann man doch nicht gut finden... Und dann den schwarzen Peter den Kassen zuschieben, die ja nicht mehr zahlen. Auch die zwingen niemanden dazu jemanden zu solchen Bedingungen einzustellen.


Heißt also, alle sollten alleine arbeiten, denn es ist nicht möglich qualitativ und Vorschriftenkonform zu arbeiten und Angestellte für die heutige Zeit angemessen zu bezahlen. Ich fürchte dann kriegen wir ein noch größeres Versorgungsproblem, denn was machen die Therapeuten, die keine eigene Praxis aufmachen können und genug Zeit investieren können, damit diese sich auch ausreichend rechnet, um selbst davon Leben zu können?

Zitat / Kaufi hat geschrieben:
Und die meisten Sitzungen benötigen nunmal Vor und Nachbereitung... man holt was aus dem Schrank, baut einen Parkour auf, holt ein Heft mit Entspannungsübungen, holt das Rapsbad usw, räumt hinterher alles zurück, muss was aufwischen oder desinfizieren, das braucht doch alles Zeit.

Ja braucht es, aber wirklich so viel, das man zwischen jeder Einheit 15 Minuten Zeit hat? Verbrauche ich wirklich viel Zeit, wenn ich das Rapsbad hole, während ich mit dem Patienten in den Raum gehe. Die meisten unser Mittel liegen im Raum bereit, ich muss nur an ein Regal gehen und es rausnehmen. Die erste Sache hole ich raus, während wir den Raum betreten und der Patient sich setzt. Währenddessen kann ich schon mit diesem reden, schauen wie es ihm zum aktuellen Zeitpunkt geht. Dabei geht nicht wirklich Zeit verloren. Muss ich das Rapsbad erwärmen, stell ich es schnell rein während wir in den Raum gehen, gebe dem Patienten meist eine kurze bekannte Aufgabe und kann es in der Zeit holen gehen. Ich räume Dinge weg, wenn ich neue hole, der Wechsel von Medien kommt ja öfters vor und selbst wenn ich 15 Minuten vorher Zeit hätte, würde ich es schwachsinnig finden alle Sachen die ich geplant habe, bereits in der Reihe hinzulegen, damit ich in der Einheit 30 Sekunden Zeit spare. Zumal in der Einheit es immer mal zu Adaptionen oder Umplanungen kommt, die dann evtl noch etwas anderes nötig machen.
Wenn etwas ausläuft oder sonst was, muss man es wohl eh zwischendurch aufwischen und lässt es nicht bis zum Ende liegen und desinfizieren tu ich in der Zeit, in der sich der Patient ggf anzieht und unterschreibt. All diese Tätigkeiten hören sich nach viel Zeit an, aber gut organisiert nimmt das 1-3 Minuten Zeit ein, die man großteils eben nebenbei machen kann.
Ich persönlich arbeite allerdings auch nicht mit psychischen Klientel, sondern vorwiegend Neurologisch, etwas Orthopädisch und sehr viel Pädiatrisch. Gerade in der Pädiatrie ist Auf und Abbau bei mir in der Therapie mit eingeplant. Möchte ich einen Parcous machen, dann lässt sich der Auf und Abbau doch wunderbar mit so vielen Therapiezielen verknüpfen. Ich könnte dir zu so ziemlich jeder Problematik etwas nennen, weswegen das Kind mit mir zusammen auf und ab baut. Sachen die ich vorher mache, sind sowas wie Zettel kopieren. Aber dafür brauch ich keine 15 Minuten vor jeder Einheit. Dafür reichen mir 15 Minuten vor einem 3-4 Kinder Block.
Bei Berichten (besonders bei den Erstberichten) haben wir auch mehr Anspruch als einen 3 Zeiler. Dafür werden aber einfach Ausfallzeiten genutzt. in 15 Minuten zwischen zwei Einheiten könnte ich keinen vernünftigen Bericht verfassen. Hierfür macht also auch keine 15 Minuten zwischen jeder Einheit Sinn. Übrigens soweit ich es gehört habe, wollten die Krankenkassen keine extra Abrechnungsposition für den Bericht (wie es das bei der Logopädie gibt, diese bekommen 6€ für nen 3 Zeiler und über 100€ für einen ausführenlichen Bericht und das obwohl sie vom Minutenpreis her einen ähnlichen bis besseren Minutensatz als wir haben) und deswegen wurde sich darauf geeinigt, das ein 3 Zeiler reichen würde, alles was überher geht, macht man also überher der vertraglich vorgeschriebenen Leistung.
Erzieher, Lehrer, Eltern gehören doch zum erweiterten Klienten. Gespräch mit diesen gehören zur Adaption des Lebensumfeldes oder eben der Beratung, Schulung usw des Umfeldes, damit gehört es ebenfalls zur regulären Therapieleistung. Habe ich hier ein ausführliches Gespräch mit den Erziehern oä ist dies eben auch eine Therapieeinheit, hierfür muss der Klient nicht vor mir sitzen. Bei einem Elterngespräch habe ich das Kind ja auch nicht dabei. Habe ich nur ein kurzes Gespräch, dann läuft das bei uns auch unter Vor und Nachbereitungszeit. Zeit für beides findet sich immer, entweder in Ausfallzeiten oder wenn es nötig ist auch mal nach dem eigentichen Feierabend (lässt sich oft eh nicht so einfach planen, das beide Partein zeitgleich Zeit haben) natürlich ist das dann Arbeitszeit und ich kann es mir dann ja frei einteilen, das es in meinen Tagesablauf passt.
Es ist ja nicht so, als wenn diese ganzen Tätigkeiten in anderen Praxen, die nach einem anderen Konzept arbeiten, nicht passieren oder alles nur zu Lasten des Patienten oder der Mitarbeiter. Nur es ist eben eine andere zeitliche Einteilung und sehr wohl damit Vertragskonform, denn dort steht nicht, das diese Leistungen immer direkt Vor und Nach der einzelnen Einheit erbracht werden müssen. Ich persönlich finde zeitliches Zusammenziehen und es dann in Ausfallzeiten legen sehr viel sinnvoller für manche Tätigkeiten wie Berichte und Telefonaten. Denn da möchte ich nicht immer im Nacken haben, das ja in 15 Minuten der Nächste auf mich wartet und ich dann ein wichtiges Telefonat abbrechen muss. Diese Ausfallzeiten hier und dort gibt es schließlich immer mal wieder (gerade wenn man mit Kinder arbeitet, die öfters Krank sind und oft auch unflexibler sind, sodass man keinen Ersatz in die Lücke legen kann). Finanziell ist das eh für die Praxen schon immer eine 0 Nummer. Mit dieser Aufteilung können diese aber eben in die Vor und Nachbereitungszeiten verrechnet werden.

Wie gesagt, ich bin voll und ganz bei dir, das man nicht non Stop am Patienten arbeiten kann in seiner Arbeitszeit, das ist ein verheizen an Mitarbeitern und zudem auch nicht Vertragskonform möglich. Man braucht gewisse Zeiten um etwas vorzubereiten, etwas zu organisieren oder einfach sich mal kurz zu sammeln (hier sicherlich auch abhängig vom Fachbereich, ob dafür mehr oder weniger Zeit nötig ist). Aber ob man dies wirklich nach jeder Einheit braucht oder eben erst nach 3,4 Einheiten muss wohl jeder für sich entscheiden und eben auch wieviel finanzielle Einbuße (egal ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer) man für mehr Verschnaufmöglichkeiten man in Kauf nehmen will. Das sind eben die verschiedene Modelle nachdem Praxen arbeiten und jeder Arbeitnehmer muss sich dann eben eine suchen, die zu seinen Bedürfnissen passt.
5. April 2024 15:04 # 32
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Beiträge: 173

Ich bezweifle, dass das o.g. "Versorgungsproblem" größer würde. Im Gegenteil: ich kann nur jedem raten, die Möglichkeit, eine eigene Praxis aufzumachen, sorgfältig zu prüfen. ist keine "Raketenwissenschaft". Damit kann man seine eigenen Vorstellungen umsetzen und ist unabhängiger und letztendlich zufriedener. Und, z.B., ob - und wieviel Übergangszeiten man einplant, bleibt einem ohne Rechenschaft selbst überlassen.
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