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Ausbildungsbewerbung / selbst Patient gewesen - erwähnen?

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20. Januar 2010 17:09 # 1
Registriert seit: 20.01.2010
Beiträge: 21

Hallo ihr Lieben,

ich möchte sehr gern eine Ausbildung zur Ergotherapeutin machen.
Im Frühsommer letzten Jahres war ich aufgrund von Depressionen selbst Patient von verschiedenen Ergotherapeuten.
Nun frage ich mich, ob ich das im Motivationsschreiben angeben oder lieber weglassen soll.

Pro:
- ich kenne den Alltag
- ich weiß Bescheid über genauere Abläufe und konnte mir bereits ein Beispiel nehmen, wie Ergotherapeuten mit Patienten umgehen
- ich weiß aus der Sicht des Patienten, was einen guten Ergotherapeuten ausmacht, kann mich z.B. bei möglichen Problemen oder der allgemeinen Programmplanung gut in die andere Seite hineinversetzen

Contra:
- die Schulleiter halten mich für "Balla balla", ich könnte aber auch sagen, dass ich nur wegen meiner Darmprobleme im Krankenhaus war, vielleicht kommt das nicht ganz so schlimm wie Depressionen.
Natürlich haben solche Leute nur mit Kranken zu tun und sollten daher Verständnis haben, aber oft werden Leute, die schon immer gesund waren, bevorzugt.
Vielleicht haben die Angst, dass ich wieder depressiv werde oder so.

Was sagt ihr?

20. Januar 2010 19:39 # 2
Majati
Majati
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 621

Geändert am 21.01.2010 08:24:00
Hallo Divinia,

ich finds eigentlich traurig, dass man die Darmerkrankung erwähnen darf und die Depression nicht.
Das macht deutlich, dass psychische Erkrankungen nach wie vor tabuisiert sind.

Die Depression gehört aber zu deinem Leben; sie hat sicher eine Menge Einschränkungen mit sich gebracht, aber sie ist heilbar.
Du hast doch nichts Unrechtes getan, dass du nun verheimlichen müsstest! Es ist eine ERKRANKUNG.

Aber es wird in deinem Schreiben auch deutlich, dass du dir vielleicht selbst nochmal den eigenen Standpunkt zu deiner Depression klar machst. Denn "balla balla" gehört ja nun kaum zur Symptomatik.

Ich bin jedenfalls immer dafür, mit offenen Karten zu spielen...

20. Januar 2010 19:44 # 3
Registriert seit: 26.02.2009
Beiträge: 37

Spannend finde ich immer die Erstposter mit Themen am Scheideweg. Die Rückschlüsse welche gezogen werden sind ein wenig zum Haare raufen ,) Vielleicht sollte man ja dazu übergehen, vermehrt Alkoholiker in Suchtberatungsstellen einzusetzen - die könnten wohl ähnlich argumentieren. Dies nur generell.

Nachtigall ick hör dir trapsen

20. Januar 2010 19:45 # 4
Registriert seit: 05.03.2003
Beiträge: 562

na ich würde doch lieber sagen, daß du es nicht angiebst, das mit den krankheiten...ehrlichkeit hin oder her, jeder mensch wähl den beruf, der ihn am besten in seinem eigenen leben unterstützt. aber depression und Darmprobleme (sind gut in die psychoschienen zu stecken) ....nee reden ist silber schweigen ist gold.....meine meinung....

LG und viel glück beim bewerben
Claudia

20. Januar 2010 20:52 # 5
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Hallo Divina,
wenn es eine gute Schule ist, dann ist eine Erkrankung wie "Depression" kein Hindernis.
Es ist keiner davor gefeit, zu erkranken.

Spanndend ist, was man daraus macht.

Das heißt, wenn Du Dich outest, dann solltest Du damit rechnen, besonders intensiv nach Deiner Motivation befragt zu werden, einen therapeutischen Beruf zu ergreifen.
Und danach, wie es mit Deiner "Abgrenzungsfähigkeit" und "Psychohygiene" bestellt ist.
Auch wie realistisch Dein Berufsbild ist, wird sicherlich das Auswahlgremium besonders interessieren.

Es gibt eine Menge Leute, die aus ihren Erfahrungen als psychiatrischer Patient heraus die Idee entwickeln, Ergotherapeut zu werden.

Das ist nicht immer eine gute Idee, v.a. wenn man die Rolle und die Umstände, die zur Krankheit geführt haben, nicht realistisch anschaut und Gegenstrategien entwickelt.

Klassiker : Familie mit Neigung zu Aufmerksamkeitsstörungen und Suchterkrankungen, Kind hat die Rolle des "Gefühlsregulierers" wird krank (bevorzugt Depression oder Eßstörungen) und macht das dann zur Profession (anderen helfen, dafür sorgen, daß sie sich wohl fühlen).

Das Unglück ist vorprogrammiert, aber die neurotische "Helfersucht" manchmal unheilbar.

Vom Besuch einer Schule, der das egal ist, würde ich abraten.

Alles Gute wünscht


Oetken1
21. Januar 2010 08:16 # 6
Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein
Beiträge: 722

Liebe Divina,

ich habe den Beruf des Ergotherapeuten ebenfalls zunächst in der Rolle des Patienten kennen gelernt.
Zwar musste ich für meine Ausbildung kein Motivationsschreiben verfassen, allerdings wurden wir zu Beginn von fast jeder Lehrkraft danach gefragt, warum es denn nun ausgerechnet Ergotherapie sein soll.

Für mich habe ich die Sache so gelöst, dass ich zwar erwähnt habe, selbst mal in ergotherapeutischer Behandlung gewesen zu sein, aber hierfür keine Gründe genannt habe. Ich finde, dass du die Rolle des Patienten kennst, ist eine wichtige Information, allerdings geht es keinen etwas an, was genau du hast/hattest. Das ist letztlich so, als würde ich bei meinem Arbeitgeber zusammen mit der Krankschreibung angeben, warum genau ich nicht zur Arbeit erscheinen kann.

Ein Praktikant hat sich mal bei mir um einen Praktikumsplatz beworben, indem er im Anschreiben Erkrankungen und seine ergotherapeutische Behandlung erwähnt hat. Ich fand das unangebracht und zu intim. Zwar hat er den Praktikumsplatz bekommen, aber ich habe ihm dringend geraten, seine Bewerbung nochmal zu überarbeiten.

Kurz gesagt: Ich würde die Depressionen nicht erwähnen, wohl aber die Tatsache, dass du in Behandlung warst.
Dazu solltest du - wenn es denn so ist - schreiben, dass dies dein Interesse an dem Beruf des Ergotherapeuten geweckt hat und du dich eingehend über die Facetten, die Möglichkeiten und Inhalte dieses Berufes informiert hast, sonst könnte der Eindruck entstehen, du hättest eigentlich gar keine Ahnung, was Ergotherapie ist und fandst es als Patient einfach nur "schön".

Soweit, viele Grüße und viel Erfolg bei deiner Bewerbung! Kinaa

22. Januar 2010 08:42 # 7
Registriert seit: 20.10.2008
Beiträge: 223

Hi und Hallo,
auch ich habe den Beruf des Ergo aus der Motivation heraus erlernt,selber einmal die Wirkung (ebenfalls psychiatrisch) erfahren zu haben.
Bereits in der Ausbildung habe ich gespürt, dass ich dies zu meinem Vorteil machen konnte. Im Vergleich zu manch anderem Schüler, lernte ich mit Herzblut und Motivation. Und so arbeite ich heute! Leider muss ich feststellen, dass vielen meiner Praktikantin dieses Engagement und die Leidenschaft fehlt. Das ist schade. Ich will nicht sagen, dass man als guter ET selbst mal Erfahrungen gesammelt haben muss. Aber mir persönlich hilft meine Geschichte. Ich bin seit einigen Jahren im Bereich Psychiatrie tätig. Hier ist es natürlich wichtig emphatisch zu sein! Das fiel mir anfangs vielleicht etwas schwerer...

Aber um auf deine Frage zu kommen- in meinen ersten Bewerbungen habe ich meine Motivation immer eklärt. Im nachhinein betrachte ich dies allerdings als ungünstig. Man muss sich nicht rechtfertigen! Heute erwähne ich, meine private(!) Motivation nicht mehr!
Mein Vorschlag: benenne doch statt deiner Erkrankung, die Möglichkeiten die du in der ET siehst. Was macht den Beruf für dich aus? Wie stellt du dir deinen Arbeitsalltag vor? Nimm Bezug auf deine Eigenschaften- nicht deine Biografie.

Lieber Gruß und alles Gute,
der ErgoFloh

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