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Keine Therapiebereitschaft bei Demenz

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19. April 2023 20:01 # 1
Registriert seit: 11.04.2023
Beiträge: 9

Hallo zusammen!

Ich habe schon seit längerer Zeit einen älteren Herren (85 J.) mit Demenz in Therapie. 1x die Woche komme ich zu ihm und seiner Frau nach Hause.

Doch schon seit Anfang an hat mein Patient keine Motivation/Therapiebereitschaft für die Ergotherapie. Der Physiotherapeut kommt mittlerweile auch nicht mehr weil der Patient nicht mehr mitarbeiten möchte.
Auch in der Ergotherapie ist das leider so… bis auf einen kurzen Spaziergang und ein ihm bekanntes Gesellschaftsspiel möchte er nichts anderes machen.
Zu mir sagte er vor kurzem, dass er in seinem Leben schon so viel Sport gemacht hat, dass er die ganzen Spaziergänge nicht mehr will. Seine Frau möchte aber dass er Ergotherapie bekommt, dass sie wenigstens für eine Stunde etwas Ruhe hat und Sachen erledigen kann. Sie ist auch sehr dankbar dass ich zu ihrem Mann komme aber ich kann leider nicht viel bewirken wenn ihr Mann nicht bereit ist mitzuarbeiten. Letztens wollte ich mit ihm Stadt-Land-Fluss spielen und ich benötigte 15 Minuten um ihn überhaupt von dem Spiel zu überzeugen.
Er hatte auch schon immer einen etwas „schwierigen“ Charakter (laut seiner Frau). Er hat sich noch nie viel von Frauen sagen lassen und war auch schon immer sehr dominant und bestimmend.

Hättet ihr vielleicht bitte ein paar Tipps die euch vielleicht schon einmal etwas gebracht hatten?
VG
20. April 2023 07:34 # 2
Registriert seit: 21.11.2014
Beiträge: 99

Wenn der Patient kein Ziel hat, dann brauchst du auch keine Therapie machen...
Egal wer da was will.
Wenn seine Frau was erledigen will, kann er von einem Alltagsbetreuer betreut werden oder in eine Tagespflegeeinrichtung gehen für ein paar Stunden.
Von deiner Beschreibung her erscheint es mir nicht so, als könne man diesen Herren nicht auch mal ein paar Minuten allein lassen, das will ich aber nicht beurteilen.

Aber Therapie machen nur damit was gemacht wird, oder weil andere das wollen ist absolut unnütz.
Frag ihn was er will. Und dann kannst du danach handeln.
"Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können!"
- Abraham Lincoln -
20. April 2023 09:40 # 3
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1225

Versuche es doch mal mit Biographiearbeit.
20. April 2023 17:51 # 4
Registriert seit: 11.04.2023
Beiträge: 9

Mit Biographiearbeit habe ich es auch schon versucht. Bin mit ihm alte Fotoalben durchgegangen. Er meinte dabei nur dass ich es doch selbst durchschauen sollte und ich mich bei Fragen an ihn wenden soll. Es ist wirklich schwierig ihn davon zu überzeugen weil er einfach keinen Sinn dahinter sieht…
20. April 2023 17:53 # 5
Registriert seit: 11.04.2023
Beiträge: 9

Ich werde denke ich nochmal das Gespräch mit seiner Frau suchen und ihnen eine Alltagsbetreuung empfehlen. Denn so macht die Ergotherapie auch keinen Sinn.
21. April 2023 08:15 # 6
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 235

Geändert am 21.04.2023 08:18:00
Behalte bei all dem auch im Hinterkopf, dass es in der ET nicht nur um das Verbessern geht. Manchmal ist der Erhalt oder das Verlangsamen des Fortschreitens auch ein Ziel.
Vor allem aber richtet sich der Inhalt unseres Tuns nach den Wünschen des Patienten. Hat er ein Ziel? Dann orientiere dich daran. Hat er keines, dann beende die Therapie.

Er ist doch dein Patient. Ist seine Demenz schon soweit fortgeschritten, dass er sich dazu nicht mehr klar äußern kann?
Oder ggf. sprich mit beiden.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
21. April 2023 11:49 # 7
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1225

Erarbeite doch mit der Ehefrau einmal was er früher gerne gemacht hat. Es gibt sicherlich Ressourcen wo er sich gut auskennt.Oder er " helfen " kann . Feste Aufgaben die er im Haushalt machen könnte mit dir zusammen. Ein schwer dementer Mensch hat selten Ziele oder Motivation. Das heisst aber nicht das er und sein Umfeld nicht davon profitieren wenn er etwas tut. Vielleicht gibt es etwas was ihm gut tut. Massage, Wärme. Oder er geht auf Ballspielen, luftballon zu spielen oder ähnliches ein. Viele machen gerne puzzles oder Zahlenverbinden. Ergänzen Sprichwörter. erstelle mit ihm doch eine Liste mit Sprichwörtern oder ähnliches. Vielleicht mag er seine Ehefrau mit etwas überraschen. Oder er zeigt dir in einem Atlas wo er schon gewesen ist. Es gibt selten gar keinen Ansatz.Wie reagiert er denn wenn seine Frau sagt , ich bin jetzt mal die halbe stunde nicht da während Ergotherapie da ist?
Vielleicht könnte sie sagen ob er nicht derweil etwas erledigen könnte.( Socken zusammenlegen, einen Brief abschicken usw.
21. April 2023 13:32 # 8
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 235

Zitat / roo22 hat geschrieben:
... Ein schwer dementer Mensch hat selten Ziele oder Motivation....


Da hast du recht. Aus dem Text geht für mich nur nicht hervor, wie weit die Demenz fortgeschritten ist.
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
21. April 2023 15:16 # 9
Registriert seit: 30.05.2008
Beiträge: 151

hier kommen ein paar Gedanken von mir...
- Der Klient ist 85 Jahre alt! auch andere 85 jährige möchten nicht mehr aktiviert werden...
- Nein sagen ist für Klienten mit kognitiven Einschränkungen oft die einzige Möglichkeit zur Autonomie/Selbstbestimmung, sie haben oft keine Möglichkeit aufgrund der kognitiven Schwierigkeiten eigene Anliegen anzubringen und sie können nicht mehr überblicken wozu sie eigentlich ja sagen.
- Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten reagieren oft auf "Fordern" mit Ablehnung, da der Grat zur Überforderung oft ein schmaler ist, Oft schwingt auch noch ein Angst vor Scheitern oder Blossgestellt werden mit. Einfacher ist es ihre Selbstbestimmung, ihren Stolz anzusprechen z.b. zeigen sie mir mal wie sie...machen (wichtig zu wissen ist, dass die Aufgabe bewältigt werden kann).
- Beim Spazieren zum Beispiel kann der Mensch nicht einschätzen wie weit er noch gehen soll und reagiert darum mit Überforderung und Ablehnung. Hilfe bietet ein etappieren oder eine Frage: mögen sie noch bis zur nächsten Strassenecke gehen oder wir gehen noch bis da und da hin (wichtig: Ziel sichtbar)
- Manchmal gilt es einfach auszuhalten, dass es keine "Verbesserung" mehr gibt sondern es darum geht etwas zu ermöglichen, was ohne ergotherapeutische Intervention gar nicht mehr möglich ist, gezieltes Hilfe geben/ermöglichen von bedeutungsvoller Betätigung ist auch therapeutisches Handeln.

bezüglich ziel: welche Aktivitäten/ Funktionen müssen unbedingt erhalten werden, damit ein Leben zu Hause mit der Ehefrau noch möglich bleibt. das könnte eine Frage an die Ehefrau sein und daraus kann der Therapieauftrag abgeleitet werden
24. April 2023 09:16 # 10
Registriert seit: 30.07.2001
Bundesland: Baden-Württemberg
Beiträge: 173

Wenn Du die Möglichkeit hast, schick' doch mal einen männlichen Kollegen vorbei.
Es ist mitunter sehr interessant, wie sich das Verhalten und die Motivation ändern können.
Ich habe auch schon erlebt, dass bereits bei der Anmeldung explizit nach einem Ergotherapeuten gefragt wurde,
gerade bei, wie Du selbst schreibst, "solchen Männern".
3~°
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