Anzeigen:
Sie sind hier: Forum >> Ergotherapie-Forum >> Allgemeine Themen >> Patientenanzahl in der Praxis

Diskussionsforum

Patientenanzahl in der Praxis

Optionen:
27. August 2025 10:29 # 1
Registriert seit: 27.08.2025
Beiträge: 2

Ich bin 26,m und seit 3 Jahren Ergotherapeut. Derzeit arbeite ich in einer Praxis und ich brauche dringend einen Erfahrungsaustausch. Ich behandle 10-11 Patienten am Tag und habe dazwischen keine Pausen außer die reguläre Mittagspause. Mein Arbeitsbeginn ist der erste Patient und mein Arbeitsschluss der letzte Patient weshalb ich immer Überstunden habe (täglich zwischen 5-15 min- unbezahlt ohne Arbeitszeiterfassung). Ich habe keine vor und Nachbereitungszeit und bin auch dazu verpflichtet Ausfälle zu füllen damit ich meine vorgegebe Orgazeit nicht überschreite. Die Orgazeit sind knapp 2 Stunden in der Woche und die bekomme ich nur wenn Patient absagt, bei mehr absagen wird mir Orga Zeit der darauffolgenden Woche abgezogen und mit Pat gefüllt (übrigens arbeite ich nur 32 Stunden auf 4 Tage, ich habe noch einen Nebenjob in der Gastronomie). Es gibt wie bei allen modernen Praxen übrigens eine Rezeption die jedoch nur die Absagen und Terminvergabe übernimmt - scannen und Rezepte anlegen mache ich selbst. Ist das bei euch auch so oder werde ich ausgebeutet?
27. August 2025 11:21 # 2
Registriert seit: 15.05.2024
Beiträge: 8

Alles was ich jetzt schreibe entspricht meinem aktuellen Wissensstand, ist aber natürlich keine verbindliche Rechtsberatung.

10 Patienten am Tag entspricht bei SPB 7,5 Stunden Therapiezeit (10x45 Min), bleibt rechnerisch von deiner Arbeitszeit noch eine halbe Stunde, mal 4 Tage wären die 2 Stunden Orgazeit.

Allerdings bleibt dann natürlich von den 10 Stunden Vor-und Nachbereitungszeit, die die GKV bei 40 Einheiten bezahlt (40x 15 Min) noch 8 Stunden übrig, welche dann bei einer Rezeptionskraft von eben dieser ausgeführt werden.

Da kann ich jetzt von außen nicht sagen ob Sie dir Tätigkeiten in dem Umfang abnimmt oder nicht.
Wenn wir aber annehmen dass du die Dokumentation, das Berichte schreiben, die Rezept/Patientenverwaltung in der Software übernimmst und evtl. Dokumente selbst digitalisierst und natürlich die Einheiten vorbereitest, dann stellt sich schon die Frage warum dir nicht mehr Verwaltung abgenommen wird.

Wobei da natürlich wieder die Frage ist, wie gut Du mit den 2 Stunden zurecht kommst für alle Tätigkeiten. (Und wer die 8 Stunden pro Woche tatsächlich bezahlt bekommt.)

Und dein Arbeitgeber ist verpflichtet auf die Einhaltung deiner vertraglich festgelegten Arbeitszeiten zu achten. Und entsprechend Ausgleichszeiten zu schaffen...

Das Model mit dem Abzug der Orgazeit hängt auch wieder von der Bezahlung ab. Ein Abziehen vom Gehalt wenn du keinen Patient behandelt ist nicht zulässig, aber du kannst natürlich zusätzliche Patienten eingeteilt bekommen.
27. August 2025 11:32 # 3
Registriert seit: 27.08.2025
Beiträge: 2

Meine Frage ist wie es mit anderen Therapeuten ist und ob diese auch so viele Patienten haben. Es ist für mich einfach zu viel und Dinge wie auf die Toilette gehen sind teils schwierig. Dokumentation sollte dann auch während der Therapie stattfinden und wurde von der Zeit am Patienten abgezogen. Das ist meiner Meinung nach unfair für den Patienten und ich glaube nicht das so langfristig eine gute Qualität gesichert werden kann wenn man nur gestresst ist und kaum durchatmen kann. Ich weiß das manche Kollegen nur 8 Patienten haben auf 5 Tage Arbeitszeit um Überlastung zu vermeiden. Aber ich weiß nicht ob es überall so ist.
27. August 2025 12:29 # 4
Registriert seit: 15.05.2024
Beiträge: 8

Zitat / Murmeli Fuchs hat geschrieben:
Dokumentation sollte dann auch während der Therapie stattfinden und wurde von der Zeit am Patienten abgezogen.


Das geht bei einem GKV-Rezept nicht. Die Vergütung setzt sich explizit aus der reinen(!) Behandlungszeit + Vor-und Nachbereitungszeit zusammen. Und Dokumentation gehört nicht zur Behandlungszeit (Anamnese auch nicht, Thermische Anwendung schon, aber das nur am Rande).

Bei einem SPB Rezept musst Du also 45 Minuten behandeln und die Doku danach machen. Ausser Du machst Sie mit dem Patient zusammen, als Gedächtnistraining...

Und wir haben einen kognitiv sehr anspruchsvollen Beruf, da ist es völlig legitim weniger Patienten bzw. Behandlungen machen zu können, insbesondere abhängig vom Klientel.
Aber für den Praxisinhaber ist da natürlich auch noch die wirtschaftliche Rechnung.

Egal ob 10 Einheiten für 4 Tage oder 8 Einheiten für 5 Tage, es wären ja 40 Einheiten, also ca. 3000€ Umsatz. Dann kann da am Ende nicht der selbe Stundenlohn stehen.

Für mich ist das eine Absprachesache, mehr Stundenlohn oder entspannter arbeiten.
27. August 2025 12:36 # 5
Registriert seit: 17.10.2023
Bundesland: Niedersachsen
Beiträge: 3

Hallo Murmeli,

ob du ausgebeutet wirst vermag ich nicht zu sagen. Ich kann aber schildern wie es bei uns ist.

Wir sind eine Praxis mit zwei Inhabern, vier angestellten Therapeutinnen und einer Empfangskraft.

Die Empfangskraft legt VOs und Klientenakten an, bereitet die Vertragsunterlagen für Anamnesegespräche vor, kümmert sich um Absagen, etc. Ziel ist es, dass sie den Therapeutinnen so viel wie möglich abnimmt damit diese sich auf das therapieren konzentrieren können. Lediglich die Terminplanung machen die Therapeutinnen selber - klappt dann einfach besser als wenn noch eine Empfangskraft dazwischen hängt.

Unsere Therapeutinnen können sich zwischen jedem Termin eine Lücke von bis zu 15 Minuten einplanen um zu dokumentieren, sich auf den nächsten Termin vorzubereiten, oder einfach mal zu verschnaufen. Im Falle einer Absage wird geguckt ob ein anderer Klient einspringen kann. Wenn nicht, wird die Zeit meist genutzt um Berichte zu schreiben oder andere Dinge zu erledigen die vielleicht liegengeblieben sind. Häufig wird eine solche Lücke aber auch genutzt um sich einfach mal mit den Kolleginnen auszutauschen.

Jede Therapeutin bekommt einen Laptop. Für jede Mitarbeiterin wird ein Parkplatz in der Tiefgarage gemietet (Kosten übernimmt die Praxis). Jede Therapeutin hat ein jährliches Budget für Fortbildungen. Wir machen jeden Mittwoch eine Stunde Teammeeting, für welches die Praxis immer Essen bestellt und bezahlt. Es stehen zwei PKWs für Hausbesuche zur Verfügung. Außerdem bekommen alle ein Festgehalt. Die Arbeitszeiten werden registriert und Überstunden können abgefeiert werden.

Hoffe das hilft dir beim bewerten deiner Situation.
27. August 2025 13:11 # 6
Registriert seit: 30.05.2016
Beiträge: 40

Lieber Murmeli,

ich persönlich finde Du wirst ausgebeutet. Da Du noch einen Nebenjob hast, scheint das Gehalt ja auch nicht so toll zu sein.

Möchtest Du Dir nicht einfach eine bessere Stelle suchen?

Beste Grüße, Susanne
27. August 2025 13:48 # 7
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 443

Zitat / MaPi hat geschrieben:
Zitat / Murmeli Fuchs hat geschrieben:
Dokumentation sollte dann auch während der Therapie stattfinden und wurde von der Zeit am Patienten abgezogen.


Das geht bei einem GKV-Rezept nicht. Die Vergütung setzt sich explizit aus der reinen(!) Behandlungszeit + Vor-und Nachbereitungszeit zusammen. Und Dokumentation gehört nicht zur Behandlungszeit (Anamnese auch nicht, Thermische Anwendung schon, aber das nur am Rande).

Bei einem SPB Rezept musst Du also 45 Minuten behandeln und die Doku danach machen. Ausser Du machst Sie mit dem Patient zusammen, als Gedächtnistraining...

Und wir haben einen kognitiv sehr anspruchsvollen Beruf, da ist es völlig legitim weniger Patienten bzw. Behandlungen machen zu können, insbesondere abhängig vom Klientel.
Aber für den Praxisinhaber ist da natürlich auch noch die wirtschaftliche Rechnung.

Egal ob 10 Einheiten für 4 Tage oder 8 Einheiten für 5 Tage, es wären ja 40 Einheiten, also ca. 3000€ Umsatz. Dann kann da am Ende nicht der selbe Stundenlohn stehen.

Für mich ist das eine Absprachesache, mehr Stundenlohn oder entspannter arbeiten.
... und schon wieder kennst du den Bundesrahmenvertrag nur bruchstückweise.

Die Dokumentation gehört laut Bundesrahmenvertrag in die Therapieeinheit, der Therapiebericht jedoch nicht. Die Funktionsanalyse deckt den Mehraufwand rund um die Therapieplanung ab und ist kein separatet Termin.

Zitat DVE:[u][/u]
Die Analyse des ergotherapeutischen Bedarfs ist eine Abrechnungsposition für den Mehraufwand, der bei der Neuaufnahme einer Patientin/eines Patienten notwendig ist.

Die ergotherapeutische Diagnostik2 sowie die Auswertung der durchgeführten Tests und Assessments gehört „abrechnungstechnisch“ zur Therapieleistung dazu (siehe Teil 1 Ziffer 2 der Leistungsbeschreibung). Sie wird daher im Rahmen der ersten Therapietermine durchgeführt und als Behandlungseinheit/en abgerechnet. Es ist daher nicht erforderlich, für die Diagnostik eine eigene Abrechnungsmöglichkeit zu haben – die benötigten Einheiten legen Sie selbst nach Bedarf fest. Sie können selbstverständlich auch eine Zwischen- bzw. Abschlussdiagnostik machen und entsprechend als Einheiten abrechnen.

Die Analyse des ergotherapeutischen Bedarfs beinhaltet gemäß Leistungsbeschreibung folgende Leistungen (daneben fallen bei einer Neuaufnahme selbstverständlich noch weitere Verwaltungsaufgaben an, z.B. das Anlegen der Akte oder die Zuordnung zur behandelnden Therapeutin):
1. Bewertung der patientenbezogenen Unterlagen
2. Erhebung der ergotherapeutischen Anamnese
3. Prüfung der Verwendbarkeit der vorhandenen Hilfsmittel
4. Prüfung der Notwendigkeit ergotherapeutischer temporärer Schienen
5. Auswahl der und Assessmentmethoden und -materialien (z.B. Tests) zur ergotherapeutischen Diagnostik
6. Erstgespräch mit der Patientin oder dem Patienten und ggf. auch mit den Angehörigen oder relevanten Bezugspersonen über die individuellen Therapieziele und den Therapieplan
7. ggf. Abstimmung mit anderen Leistungserbringenden (Achtung, Schweigepflicht beachten!)

Die Vor- und Nachbereitungszeiten sind nicht für den Therapeuten allein gedacht. Mit der Vergütung dieser Zeiten werden die gesamten administrativen Tätigkeiten von der Aquise über die therapiebegleitenden Maßnahmen bis zur Abrechnung und dem Mahnwesen durch die GKV finanziert. Dies wurde so durch den Gesetzgeber und das Schiedsgericht verlangt und muss bei der Preisfindung der einzelnen Heilmittelpreise berücksichtigt werden.

Wieviel Therapieeinheiten jeder Therapeut zu leisten vermag, das ist sehr individuell. Die aktuelle Vergütung eines Therapeuten sollte einen Stundenlohn von 20,00€ Brutto nicht mehr unterschreiten. Wenn Therapeuten mehr Pausen pro Tag benötigen, dann sollte sich kein Arbeitgeber daran stören, da Pausen immer noch unbezahlt sind. Theoretisch kann sich jeder Therapeut nach jeder Behandlung eine unbezahlte Pause gönnen. Sein Arbeitstag zieht sich dadurch jedoch in die Länge. Viele Therapeuten sind jedoch der Meinung, dass ihnen anscheind bezahlte Pausen durch ihren Arbeitgeber zustehen. Dem ist jedoch nicht so, nicht einmal für Raucherpausen. Als Arbeitgeber kann man dies zwar tun, jedoch schlägt sich dies auch bei der Gehaltsberechnung nieder. Letztendlich kann man nur so viel Geld ausgeben wie man eingenommen hat. Gibt man so viel Geld aus wie man einnimmt, dann findet das Finanzamt dies auch nicht gut und stuft das Unternehmen als Hobby ein und kann einem deswegen sogar den Laden dicht machen. Jedem Unternehmer wird eine Gewinnabsicht unterstellt an dem sich der Staat auch beteiligen und seinen Teil des Kuchen abhaben will.
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
28. August 2025 18:21 # 8
pfofeld
pfofeld
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 8

Hallo

ich bin Praxis Inhaber mit ca 6 Therapeuten.
Das wichtigste ist doch das es ein gutes Miteinander zwischen Chef und Mitarbeiter gibt.
Das heißt jeder macht das was er kann und schafft.
Meine Kolleginen bekommen soviel Doku und sonstige Zeit wie sie benötigen.
Natürlich ist das alles Arbeitszeit.
Wichtig für alle ist was unter dem Strich übrig bleibt und das alle gut bezahlt werden.
Ich hoffe du wirst wenigstens gut dafür bezahlt Und bekommst sonstige Zusatz Leistungen.

lg Georg

Optionen:

nach oben scrollen