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Mitarbeiterakquise

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19. April 2011 13:29 # 1
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Liebe KollegInnen,

angeregt durch die "Gehaltsdiskussion" im Ergotherapie-Forum stelle ich diesen Beitrag ein.

Ich habe seit einiger Zeit Probleme, geeignetes Personal zu finden. Vielmehr ist es so, dass die BewerberInnen, die ich gerne einstellen würde, offenbar attraktivere Angebote, v.a. durch Institutionen bekommen.
Dabei biete ich eine Bezahlung in Anlehnung an TVÖD an und die Möglichkeit zu fachlicher Schulung und Supervision.

Darüber habe ich auch mit Kollegen aus angrenzenden Berufen gesprochen (Pflegedienste, Arztpraxen, Physios, Logos) denen es ähnlich geht.

Die bisher beste Idee war, gezielt nach fitten Leuten zu suchen, die die Ausbildung machen wollen, aber nicht finanzieren können. Das wären Leute mit schlechtem Schulabschluß wegen LRS, Menschen, die aus biografischen Gründen einen Beruf erlernen mußten, der ihnen nicht liegt, die eine Familie unterhalten müssen usw.

Und diesen Schülern dann einen Ausbildungskredit zu finanzieren, den sie später dann in der Praxis "abarbeiten". Sie also zu binden.

Ich habe noch nicht untersucht, ob das rechtlich okay wäre, aber mir gefällt das irgendwie.

Was denkt ihr?

Grüße von



Oetken1
19. April 2011 14:07 # 2
Registriert seit: 05.04.2005
Beiträge: 945

Geändert am 19.04.2011 15:20:00
Der Gedanke gefällt mir ebenfalls. Allerdings halte ich das für rechtlich fragwürdig wegen der langfristigen Unternehmensbindung, die daraus entstehen könnte. D.h. es müsste juristisch tatsächlich als persönlicher Kredit ausgestaltet sein. Das wiederum hat aus (steuer-)rechtlichen Gründen in einer Heilmittelpraxis nichts verloren. Ich seh´s also, trotz aller Sympathie für den Gedankengang, eher kritisch...

Da wir gerade beim "Brainstormen" sind. Wir unterstützen Mitarbeiter in Sachen Fortbildung. Dazu wird regelmäßig eine Rückerstattungsvereinbarung getroffen, die insbesondere bei "großen" Maßnahmen durchaus längere Bindungsfristen vorsieht. Warum also nicht eine "Kultur" unter den Praxisinhabern entwickeln, wonach diejenige Praxis, die einen Mitarbeiter einstellt auch seine eventuell bestehenden "Rückzahlungsverpflichtungen" übernimmt, da sie ja schließlich in der Folge der Nutznießer der vom Vorarbeitgeber finanzierten Maßnahme ist. "Ablöse"* als gängiges Modell? Rechtlich? Wie könnte eine solche "Ablöse" ausgestaltet werden? (...muss da mal mit meinem STB reden - vielleicht hat eine/r von Ihnen ja vor mir einem Termin?)

Ein ganz wesentlicher Punkt für Mitarbeiterzufriedenheit ist das Bestehen einer guten Führungskultur. Als lesenswerte Info dazu.....die Gallup-Studie 2010 (Engagement Index):

Link

Seite 37/38 zeigt die wesentlichen Versagensbereiche von Führungskräften auf.


* Nachtrag: dadurch ließe sich die Bereitschaft der Praxen in Fort- und Weiterbildung zu investieren erhöhen. Gleichzeitig entstünde ein fairer Interessensausgleich zwischen den Praxen 1+2 und den Mitarbeitern. Klar möchte ich primär Mitarbeiter länger bei uns haben. Doch das Leben ist kein Wunschkonzert und die Freizügigkeit bezüglich persönlicher Veränderung ist jedem Mitarbeiter per se zuzugestehen.


die Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf! (K. Tucholsky)
19. April 2011 14:17 # 3
tilman
tilman
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 110

Hallo,
Ich lese seit längerer Zeit das Forum, bekam auch schon die eine oder andere Frage beantwortet. Ich habe auch schon viel Unsinn gelesen. Bei jedem Thema war es aber so, dass Klarheit in die Sache kam, wenn Oetken 1 sich ihrer annahm. Sachlich, überprüfbar richtig, qualifiziert und dazu immer freundlich.
Was nun zu tun ist, wenn Oetken 1 eine FRAGE stellt, kann sich wohl niemand hier vorstellen.

P.S. - Das war ernst gemeint, Danke für die Zeit und Mühe, die du hier opferst
- Was uns (Gemeinschaftspraxis) da vorschwebt, ist, möglichst viele PraktikantInnen kennenzulernen, was natürlich Vor-u. Nachteile hat.

19. April 2011 15:45 # 4
Registriert seit: 10.01.2008
Beiträge: 167

Geändert am 19.04.2011 15:55:00
Hallo an alle,

Ausbildungen zu finanzieren würde ich als zusätzlichen "Klotz" am Bein empfinden, diese langfristige (zumal noch rechtlich ungeklärte) Bindung würde ich nicht eingehen wollen.
Was will man mit Ausbildungsabbrechern machen?

Bzgl. Angestellte
Ich habe es lange so gehandhabt, dass ich Angestellten z.T. ganze Fortbildungen finanziert habe (vertraglich geregelt), sie dann noch 1-2 Jahre in der Praxis hatte und sie die praktische Umsetzung der Fobi erlangen konnten, und dann nahmen sie oft andere (lukrativere) Angebote an.

Ich stelle auch heute gern Berufsanfänger ein, sage aber inzwischen, es gibt keine Fobi-Zuschüsse mehr, dafür die Möglichkeit mit den entsprechenden Fobis mehr Geld zu verdienen.

Wenn dann jemand über längere Zeit bleibt, kann ich auch über Zuschüsse nachdenken. Vorher nicht. Ich habe immer wieder den Aufwand gehabt und finanzielle Mittel in die Hand genommen, das mache ich so nicht mehr.

Wenn sich aber auf Stellenausschreibungen niemand meldet, ja dann wird es schwierig. Da mag die Idee der Ausbildungsfinanzierung erst mal nett klingen, mir hängen da zu viele Unwägbarkeiten dran.

Ich habe viel über Anzeigenschaltung in lokalen und überregionalen Zeitungen gemacht, und erstaunlicherweise kamen da meistens mehr Bewerbungen als über Internet Anzeigen. Zumindest bei den letzten Stellenausschreibungen.
Diese Anzeigen sind in der Regel deutlich teurer als Internetanzeigen, aber es lohnt sich.


Zusatz @Groß:
Welchen Nutzen habe ich denn von einer Ablöse? Keinen. Die Leute "sitzen" die Zeit doch aus, und vertragliche Bindung gibt es nur mit zeitlicher Beschränkung.

Wenn Leute lukrativere Angebote, wie von Oetken beschrieben, annehmen, dann sind das oft Einrichtungen die nicht ihr eigenes Geld ausgeben.
"Gehalt nach BAT", na toll, die Kommunen und Gemeinden haben kein Geld mehr, bezahlen aber als gäbe es kein Morgen... Steuerzahler übernehmen Sie...



19. April 2011 16:20 # 5
Registriert seit: 05.04.2005
Beiträge: 945

Geändert am 19.04.2011 16:23:00
Wenn ich´s richtig verstehe, und das würde sich mit unseren Erfahrungen decken, dann haben die Praxen ein zunehmendes Problem, ihre Arbeitsplätze in Konkurrenz zu Arbeitgebern der öffentlichen Hand attraktiv zu gestalten. Ein wesentlicher Faktor hierfür ist die BAT-Schere, die, aufgrund nicht ausreichender Steigerungsraten der GKV-Honorare, die Lohnhöhen in Praxen beschränkt. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen (v.a. Arbeitszeiten) in Praxen vermutlich häufig als "belastender" einzustufen.

Konkret: für die Attraktivität eines von mir angebotenen Arbeitsplatzes in einer Praxis kann ich als Arbeitgeber ein solches "Ablöse-" oder "Übernahmeangebot" machen. Der Nutzen: ich bekomme genau den Bewerber, der meiner Praxis weiter hilft, da er z.B. über eine bestimmte Qualifikationen bereits verfügt.

Für den Vorarbeitgeber ergibt sich dagegen der Vorteil, dass er Teile der investierten Ausbildungskosten auf diesem Wege zurückfordern kann. Das kann er zwar streng genommen auch gegenüber dem Mitarbeiter, wobei dann aber noch zu prüfen wäre, inwieweit die Fortbildungskosten bzw. der FoBi-Zuschuß nicht als geldwerter Vorteil im Nachhinein noch zu versteuern/sozialversichern wäre. Komplex, ich weiß, daher auch auf meiner persönlichen Agenda mit dem STB.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele PI, wie Sie ja offenbar auch, die Investition in Fortbildungen wegen des Verlustrisikos scheuen. Das ist nachvollziehbar, macht aber die Praxisarbeitsplätze auch nicht attraktiver.

Ein "Aussitzen" habe ich hier jedenfalls noch nicht erlebt. Wenn der Partner weit weg nen guten Job bekommt, dann wartet man nicht unbedingt noch 2 Jahre, oder? Und die zeitliche Beschränkung ist nicht nur rechtlich klar geregelt sondern auch moralisch vollkommen in Ordnung.

die Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf! (K. Tucholsky)
19. April 2011 16:57 # 6
Registriert seit: 10.01.2008
Beiträge: 167

Zeitliche Beschränkungen im Bezug auf Fobi Kosten sind völlig ok, damit habe ich kein Problem.

Ich scheue auch keine Investitionen in Fortbildungen. Ich biete aber seit geraumer Zeit mehr Gehalt bei entsprechenden Fortbildungsabschlüssen. Und siehe da, das ist für die Angestellten attraktiv, hätte ich auch nicht geglaubt, ist aber so.
Fobi Kosten sind noch steuerlich absetzbar, dannach gibt es mehr Gehalt. Jeder kann sich ausrechnen wann er seine Ausgaben wieder erwirschaftet hat und ich habe etwas davon über die Verbesserung der Qualität.
Noch nie wurden Fortbildungswünsche und -vorstellungen so früh geäußert wie in diesem Kalenderjahr.

Und mit dem "Aussitzen" meine ich, dass nach Ablauf der Rückzahlungsfrist die Suche nach einer neuen Stelle beginnt. In aller Ruhe und ohne Stress.

Abschließend noch eine Anmerkung zu den GKV Sätzen. Auch ich habe da meine Kritik, aber vlt. liegt das Problem doch zu einem großen Teil in den Ausgaben durch die Arbeitgeber der öffentlichen Hand.

Ich würde auch gerne etwas andere Abrechnungssätze haben, keine Frage, aber ich muss mich dem abfinden was es gibt. Ich kann (und ich will) nicht schmollen und mich von einer Versicherung auffangen lassen.
Und genau das kritisiere ich bei einigen Stellenbewerbern.

19. April 2011 19:36 # 7
Registriert seit: 27.03.2009
Beiträge: 166

Hallo Oetken1,

dein Modell wäre dann wohl so etwas wie ein duales Studium, welches eine Firma bezahlt.
Ist doch eine gute Idee.

Eine andere Frage wäre, warum die anderen Angebote für deine Wunschkandidaten so viel attraktiver scheinen?

Viel Erfolg!

Liebe Grüße,
Pitbull
19. April 2011 19:49 # 8
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Zitat:


Eine andere Frage wäre, warum die anderen Angebote für deine Wunschkandidaten so viel attraktiver scheinen?

Viel Erfolg!

Liebe Grüße,
Pitbull


Hallo Pitbull,

das ist eine ganz wesentliche Frage.

Bis vor ein paar Jahren habe ich Festgehälter gezahlt. Das hatte zur Folge, dass mein Betrieb recht unwirtschaftlich lief. Zu viele Ausfälle durch Krankheit, nicht so effektive Orga, die MA steckten viel Energie da hinein, dass es den Patienten "gut" geht, aber weniger darein, dass es ihnen und mir gut ging.
Das ist sicherlich ganz häufig so in psychosozialen Berufen.

Da es aber jedes Jahr wirtschaftlich enger wird und ich keine Perspektive sah, habe ich Folgendes gemacht: das durchschnittliche TVÖD-Gehalt geteilt, die Hälfte gibt es als Festgehalt, die andere Hälfte als umsatzabhängige Zulage.
Es gab somit mehr Geld, aber nur für die, die wirtschaftlich arbeiten.

Einige MA haben damals die neuen Verträge nicht unterschrieben. Die die jetzt in der Praxis sind können gut mit dem System leben ("Leistung lohnt sich".

Im öffentlichen Dienst gibt es natürlich nichts dergleichen. Im Grunde zählt nicht mal die Anwesenheit. Wer also "für sich sorgt", versucht dort unterzukommen.
Leitungsstellen im öffentlichen Dienst eröffnen den Zugang zu kostenlosen Fobis, es gibt im Laufe der Zeit mehr Urlaub und mehr Geld ohne dass mehr geleistet werden muß.

Das sehe ich als Hauptgrund für meinen Mißerfolg an.

Bei mir ist die Arbeit zwar ziemlich selbstbestimmt, abwechslungsreich und sicherlich "pure Ergotherapie", aber ich kann es verstehen, dass jemand sagt : "für das Gehalt muß ich mich woanders nur halb so doll engagieren".

Machen wir uns nichts vor: in manchen Einrichtungen gibt es so gut wie gar keine effektive Leistungskontrolle oder? Die Inhalte der Arbeit sind den Vorgesetzten egal, Hauptsache die Häkchen für die Statistik werden gemacht und das Konzept klingt professionell.....

Meine "Favoritin" hatte 7! Angebote aus großen Institutionen. Dagegen komme ich nicht an. Das habe ich mir inzwischen abgeschminkt und suche jetzt nach anderen Lösungen.

Mich tröstet ja zumindestens, dass es den anderen PI offenbar ähnlich geht.

Bin gespannt auf weitere Meinungen und bedanke mich für die tollen Beiträge bisher!

Grüße von

Oetken1
20. April 2011 18:54 # 9
Registriert seit: 27.03.2009
Beiträge: 166



Meine "Favoritin" hatte 7! Angebote aus großen Institutionen. Dagegen komme ich nicht an. Das habe ich mir inzwischen abgeschminkt und suche jetzt nach anderen Lösungen.

Mich tröstet ja zumindestens, dass es den anderen PI offenbar ähnlich geht.

Bin gespannt auf weitere Meinungen und bedanke mich für die tollen Beiträge bisher!

Grüße von

Oetken1



Hallo Oetken1

kann ich deiner Beschreibung entnehmen, dass du durchaus einige Bewerbungen hast. Deine Wahl jedoch (regelmäßig?) auf Bewerber fällt, die dann doch andere Angebote annehmen?

Falls dem so ist, dann könntest du vielleicht überlegen, ob du deinen Focus eventuell verschieben könntest.

Ich selbst stelle z.B. sehr gerne Mitarbeiter ein, die sich schon "die Hörner abgestoßen" haben, jedoch noch frisch genug und ausbau- und lernwillig sind. Das sind häufig Mütter aber nicht nur. Bei Eignung werden sie von mir sanft aber konsequent angeleitet und gefördert.
Mein Team ist in der Lage, wenn es sein müsste, eine längere Zeit ohne mich auszukommen.
Es befindet sich allerdings keine "Praxisleitung" dabei.
Ich glaube, das ist wohl das, was du suchst?

Hast du dich auch schon an die Hochschulen gewendet? Die können dein Stellenangebot evtl. an die Studenten weitergeben.

Viel Erfolg!



Liebe Grüße,
Pitbull
22. April 2011 09:49 # 10
Registriert seit: 19.02.2008
Beiträge: 84

meine Gedanken dazu:
Drei Jahre – das ist eine lange Zeit, da kann viel passieren im Lebenslauf, in der Einstellung zum angestrebten Beruf. Auch die Praktika müssten dann mehrheitlich in deiner Praxis stattfinden. Und wer nimmt gerne einen Praktikanten, der den Vertrag mit einem anderen AG quasi schon in de Tasche hat?
Günstiger finde ich die Bindung durch einen Ausbildungskredit für das letzte Ausbildungsjahr anzustreben. Das AA übernimmt nur 24 Monate die Finanzierung einer Umschulung zum ET.
Auch bei Erstauszubildenden ist das ein machbarer Zeitraum ohne große Risiken auf beiden Seiten.
Für das letzte Ausbildungsjahr bietet sich meiner Meinung gut die Möglichkeit, geeignete „Leute“ an die Praxis zu binden.

Eine andere Möglichkeit sehe ich in einem guten Kontakt zu den Anbietern der benötigten Weiterbildungen, in fast jeder WB, die ich besucht habe waren auch 1 bis 2 Selbstzahler dabei, die keine PI sind. Vermutlich hochmotiviert.
Frohe Ostern Euch allen
Waldmann



29. April 2011 20:25 # 11
Registriert seit: 01.02.2010
Beiträge: 17

Hallo Oetken1,

Sorry aber ich würde dein Arbeitsangebot auch nicht annehmen. Einziges Kriterium das anzunehmen währe für mich Berufserfahrung zu sammeln und die habe ich seit 13 Jahren.

Die Bezahlung stimmt nicht. Als AN möchte ich wissen was ich am Monatsende auf das Konto bekomme und rechnen können. Bei deiner Bezahlung trage ich ja das halbe Risiko mit. Gehe ich in den Urlaub oder bin wirklich ernsthaft krank habe ich keine Möglichkeit mein Gehalt aufzupolieren.

Mir ist auch mal eine Stelle angeboten worden: 400 Euro Festgehalt und der Rest über Überstunden. Lieber Hartz IV als das, sorry aber es ist so. Kann ich aus irgend einem Grund nicht arbeiten heißt dann für mich und mein Kind als alleinerziehende Mutter ohne Krankenversicherung zu sein!!!

Deine Bezahlung ist ebenfalls untragbar für einen Familienvater der alleinversorger der Familie ist.

Untragbar für jemanden der Kredite zu bezahlen hat, u.a. für seinen PKW (den er für Hausbesuche benötigt und immer einsatzbereit sein muß

Die Idee eine Gehaltserhöhung bei entsprechenden Fortbildungen zu bekommen sehr gut. Es ist für einen AN sehr frustrierend eine teuere Fortbildung auf eigene Kosten zu machen und genau das selbe zu verdienen. Da bleibt dann kein Weg drumherum sich eine neue Stelle zu suchen.

29. April 2011 20:45 # 12
Registriert seit: 18.07.2009
Beiträge: 74

Hallo!

Ich stimme Webster zu.
Ich kann mich mit fast allem arrangieren, aber auch ich muss rechnen können.

Was ok ist und womit ich als AN schon sehr zufrieden war, ist eine Art "Bonussystem". Damals in einer privaten Einrichtung wurde zweimal im Jahr eine Leistungsprämie aus dem wirtschaftlichen Plus an die Mitarbeiter ausgeschüttet. Dabei wurde jeder anhand eines Bewertungsbogens eingeschätzt, es gab ein Gespräch und Zielvereinbarungen für die nächste Periode. War man engagiert und arbeitete gut konnte man dann für die nächsten 6 Monate auch mal 200 oder 250€ mehr auf dem Konto finden- die aber wieder (vertraglich) vom letzten Gehalt abgezogen wurden wenn man innerhalb der nächsten 3 Monate kündigte.Wenn man sich eher nicht so gut anstellte warens vielleicht nur 50€ plus oder auch mal gar nichts- aber immer mit der Option sich im nächsten halben Jahr deutlich zu steigern oder wieder zu fallen. Da man aber sein "Grundgehalt" komplett hatte war alles in Ordnung selbst ohne Bonus.


So wie du Oetken1 beschreibst keine "guten" Mitarbeiter zu finden bin ich selbst am "guten Arbeitgeber" suchen...
Ja ich weiß, der richtige Ort etc. Aber manchmal geht umziehen eben nicht (aus familiären Gründen) und dann bleibt nur vor Ort was suchen.

LG
Mirri

29. April 2011 23:03 # 13
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Zitat:

Hallo Oetken1,

Sorry aber ich würde dein Arbeitsangebot auch nicht annehmen. Einziges Kriterium das anzunehmen währe für mich Berufserfahrung zu sammeln und die habe ich seit 13 Jahren.

Die Bezahlung stimmt nicht. Als AN möchte ich wissen was ich am Monatsende auf das Konto bekomme und rechnen können. Bei deiner Bezahlung trage ich ja das halbe Risiko mit. Gehe ich in den Urlaub oder bin wirklich ernsthaft krank habe ich keine Möglichkeit mein Gehalt aufzupolieren.

Mir ist auch mal eine Stelle angeboten worden: 400 Euro Festgehalt und der Rest über Überstunden. Lieber Hartz IV als das, sorry aber es ist so. Kann ich aus irgend einem Grund nicht arbeiten heißt dann für mich und mein Kind als alleinerziehende Mutter ohne Krankenversicherung zu sein!!!

Deine Bezahlung ist ebenfalls untragbar für einen Familienvater der alleinversorger der Familie ist.

Untragbar für jemanden der Kredite zu bezahlen hat, u.a. für seinen PKW (den er für Hausbesuche benötigt und immer einsatzbereit sein muß

Die Idee eine Gehaltserhöhung bei entsprechenden Fortbildungen zu bekommen sehr gut. Es ist für einen AN sehr frustrierend eine teuere Fortbildung auf eigene Kosten zu machen und genau das selbe zu verdienen. Da bleibt dann kein Weg drumherum sich eine neue Stelle zu suchen.



Hallo Waldmann, Hallo KollegInnen,

du hast doch jederzeit die Gelegenheit, eine Praxis zu eröffnen, dann kannst du dir ein angemessenes "Gehalt" selbst auszahlen

Im Ernst:
mein Modell habe ich über Jahre entwickelt und dabei versucht, die Realitäten genauso zu berücksichtigen, wie meine Interessen als Unternehmerin und die meiner Mitarbeiter abzugleichen.

Zahle ich ein Festgehalt, dann muß ich um ökonomisch zu wirtschaften, natürlich sämtliche Ausfallraten über die Gehälter abfangen.
Das heißt, dass ich auf gar keinen Fall entsprechend TVÖD zahlen kann. Und es heißt, dass die Mitarbeiter, die selbst ökonomisch und verantwortungsbewußt arbeiten keinerlei finanzielle Anerkennung dafür bekommen. Denn ich kann nur weitergeben, was auch reingewirtschaftet wurde.

Das was du oben beschreibst, mit dieser 400 Euro-Stelle ist einfach ungesetzlich und hat mit meinem Modell nichts zu tun.

Ich habe alle gewöhnlichen Ausfälle durch Urlaub und Krankheit schon einberechnet in die Jahresdurchschnittsnorm. Und mit meinem Modell kommen die Mitarbeiter auf fast 13 Euro.

Wo gibt es das außerhalb von Institutionen? Vielleicht abgesehen von Gegenden mit sehr vielen Privatpatienten?

Ob jemand viel oder wenig Berufserfahrung hat, habe ich als nicht so entscheident erlebt. Ebenfalls die Menge an Fortbildungen. Die können sogar in negativer Weise prägend sein, indem sie unflexibel machen und unangemessene Überzeugungen und Routinen fördern.
Wichtig ist eher die Reflektionsfähigkeit, Lernbereitschaft und eine gewissen Leistungsbereitschaft bei Mitarbeitern, die sich auch in psychischer Widerstandskraft niederschlägt.
Und bei alleinerziehenden Müttern und Vätern, dass die Kinderbertreuung geregelt ist.
Die allein erziehenden Eltern und die Familienernährer sind im Übrigen die Mitarbeiter, die am meisten bei mir für sich und mich rauswirtschaften.
Denn sie haben meist niemanden im Hintergrund, der "für sie sorgt". Im Gegenteil: sie müssen für andere sorgen. Deshalb lassen sie sich auch nicht gehen.

Im Endeffekt ist mein Problem auch weniger, dass die Bezahlung nicht stimmt, sondern dass die Arbeit in einer Praxis offenbar im Vergleich zu einer Einrichtung mit fester Finanzierung (SPZ, Fachschule, Beratungsstelle, Krankenhaus) als unbequem gilt.

Diese Stellen gehen an die hoch qualifizierten, fähigen Leute.

Und dieser Anteil schwindet im Großen und Ganzen.

Einmal weil die Zahl der Absolventen aus demografischen Gründen sinkt, zum Anderen weil fitte Leute andere Berufe als den eines Ergotherapeuten wählen.

Das sind einfach Realitäten.

Durch eure Beiträge hier bin ich auch nochmal ins Nachdenken gekommen, ob es Wege gibt, der allgemeinen Abwanderung aus unserem Beruf zu begegnen. Denn da gibt es auch viel Schwund.

Danke euch allen,
ein schönes Wochenende wünscht





Oetken1
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