Hallo Jasue,
herzlichen Glückwunsch zur neuen Praxis!
Schienenbau sehe ich kritisch, wenn man nicht schon mit erheblicher Erfahrung beginnt. (aus der Klinik oder einer Praxis, die viele Schienen baut).
Viele Schienen bekommt man nur relativ selten, die müssen aber trotzdem sitzen. Das erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und ständige Übung.
Wir sind eine große Praxis mit 8 MA und eine Praxis die zu 70% auf Handtherapie fußt. Das bedeutet in unserem Fall:
Daumenhülsen z.B. sind recht häufig bei uns, ca. alle 1 -2 Wo. eine. Kleinert od. ReverseK, ca. ein Mal pro zwei Monate. Stack´sche ca. 1 Mal pro Wo.
Vor einigen Tagen haben wir ein Kombination gebaut aus 60° EB-Block und Radialisfunktionsschiene.
Der Aufwand war enorm, eine MA ist erstmal 2 Std. unterwegs, um die passenden Materialien für das Gelenk und die Blockung zu besorgen. Dann zu Zweit gebaut. Hervorragend geworden, die Chirurgen haben gestaunt. Aber mehr als Renommee haben wir da jetzt nicht gewonnen, die gesamte Zeit kann ich ja unmöglich der Kasse in Rechnung stellen, insbesondere, da nach 14 Tg. die Blockung aufgehoben wird.
Wir haben uns ausprobiert und Erfahrung gesammelt, dafür war es gut.
Wirklich etwas verdienen kann man nur, wenn man routiniert ist und die Schienen ökonomisch und schnell bauen kann.
Ich selbst habe seit 1992 Erfahrung im Schienenbau, meine MA seit 12 Jahren. Da kommt eine enorme Routine zusammen.
Trotzdem ist jeder Sonderfall eben keine Routine und ist, wie oben beschrieben, eher für uns als Herausforderung und als Renommee zu sehen

Überlegt also gut, ob ihr die Übung mitbringt um aus dem Stegreif gute Scheinen zu bauen.
Weiterer Aspekt: Die Schienenverordnungen kommen häufig spontan, nicht selten müssen die Schienen mehr oder minder "sofort" gebaut werden (1 Tag Vorlauf od. sogar noch am selben Tag). Du musst also ziemlich viel Material vorrätig haben (Ausleger usw.), was auch recht teurer ist. Wie man oben sieht, haben wir keine EB-Gelenkführung (ca. 300€) vorrätig, Lieferzeit war 2 Wo.. Also ab in den Baumarkt und sich selbst was einfallen lassen.
Wir haben pro Wo. 2 Std. (bei wechselnden MA) zum Schienenbau in Reserve. Wird die Zeit nicht genutzt, ist das blöd.
Manchmal kommen pro Woche drei Schienen, die 2 Stunden reichen hinten und vorne nicht. Wer macht´s? Welche Patienten sagen wir dafür ab?
Also du siehst, lukrativ ist was anderes. Lukrativ ist das Alleinstellungsmerkmal und der Ruf, auch wirklich schwierige Anforderungen praktisch sofort und in guter Qualität ohne viel Nachfragen und hin und her zu erledigen.
Absolut positiv an der "Hand"-Arbeit ist die enge Zusammenarbeit mit den Chirurgen, die wirklich zu schätzen wissen, was wir machen. Das sorgt für hohe Motivation und Selbstwertgefühl bei den MA (und mir).
Lieben Gruß und alles Gute für euch!
kaenguru
Im Alter möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.