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Hat sich die Arbeitsmoral so geändert?

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16. Januar 2015 08:49 # 1
Registriert seit: 09.01.2004
Beiträge: 128

Hallo,

ich habe in den letzten 1 1/2 Jahren insgesamt drei neue Mitarbeiter eingestellt. Alle drei haben nach wenigen Wochen gekündigt. Der Arbeitsplatz, Team, Patienten hätte alles gepasst. Eine Mitarbeiterin (Schulabgängerin) fühlte sich etwas überfordert, zwei Mitarbeiterinnen bekamen wohnortnäher ein Angebot. Alle drei Mitarbeiter hätten sich nicht beworben, sondern wurden angerufen und erhielten die Stelle angeboten.
Die Praxis ist im ländlichen Bereich, Patientenklientel ist gemischt, Neurologie, Pädiatrie, Orthopädie, wie wahrscheinlich in vielen Praxen. Insgesamt erscheint ein recht großer "Mangel" an Therapeuten zu herrschen in der Region. Es stehen mehrere Praxen im Umkreis als suchend bei der ARbeitsagentur.
Bei den Konditionen, versuche ich schon sehr auf die Bedürfnisse der AN einzugehen. Praxisauto ist selbstverständlich, selbständige Terminplanung, GEhalt überdurchschnittlich,.....
Ich habe das Gefühl, pflichtbewußt oder verantwortungsbewusst nicht nur mir sondern auch dem Patienten gegenüber scheint es immer weniger zu geben.
Ich möchte hier keinen ARbeitnehmer angreifen, auch ich habe lange Jahre als Angestellter gearbeitet und bin noch nicht so lange Selbständig. Ich kann und versuche mich immer wieder in die Gegenseite hineinzuversetzen. Aber zeitweise bin ich dann recht verzweifelt. Man baut zu den Patienten eine gute "Beziehung" auf, übergibt diese dann aufgrund zu vieler ARbeit dann irgendwann an einen Mitarbeiter und dann ist der nach wenigen Wochen wieder weg. Einmal ist dies ok, aber jetzt zweimal relativ kurz hintereinander.... Ich weiß, dass ich einigen Patienten mit einem neuen Mitarbeiter nicht zu kommen brauche..... Aber alleine schaffe ich es auch nicht, 60 STunden die Woche am Patienten!!
Wo sind die guten Arbeitskräfte, bin gerne bereit mehr zu bezahlen und Sonderleistungen zu bieten, wenn die Arbeit passt.

Wie ist das bei euch? Oder leigt es wirklich nur an der Region?

lg
16. Januar 2015 09:34 # 2
saloia
saloia
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 3621

welche Region ist es denn? Eine Angabe wäre hilfreich, wenn man das beurteilen soll...
16. Januar 2015 10:07 # 3
Registriert seit: 09.01.2004
Beiträge: 128

Hallo,

die Region Bayern.
16. Januar 2015 11:52 # 4
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1225

Ich glaube wirklich das es an der Region liegt. Ich weiß einige unbesetzte Ergostellen weil die Therapeuten Auswahl haben. Viele scheuen Fahrwege oder Arbeit auf dem Land usw.
16. Januar 2015 14:18 # 5
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1492

Ich kenne eine Ergotherapiepraxis in meinem Umfeld mitten in der Kleinstadt, wo du viel HB auch zu Fuß oder mit dem Farad erreichen kannst, die ständig wechselndes Personal hat. Keine Ahnung woran es bei ihm liegt. Wie die Arbeitsumstände bei meinem Kollegen sind kann ich nix dazu sagen, aber er sucht ständig neue Mitarbeiter und die bleiben alle auch nicht lange. Er hat seine Praxis in der gleichen Stadt wo sich meine befindet. Ich komme aus Bayern. Wobei als ich noch Arbeitnehmerin war und mich in anderen Praxen in Bayern beworben habe und auch für diese gearbeitet habe. Da habe ich auch schon von manchen Patienten deren Unmut zu spüren bekommen, dass ich jetzt in so kurzer Zeit schon die dritte Ergo bin und sie zu mir gesagt haben, Sie haben doch vor zu bleiben oder? Die waren schon nicht gerade gut drauf. Wobei ich da dann wusste warum ich meine Vorgänger nicht so lange geblieben sind.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
16. Januar 2015 21:22 # 6
Registriert seit: 10.02.2005
Bundesland: Niedersachsen
Beiträge: 722

Zitat / Kukdiehe hat geschrieben:
Wobei ich da dann wusste warum ich meine Vorgänger nicht so lange geblieben sind.


Warum denn?

Karsten
R46.2 – und Spaß dabei!
17. Januar 2015 13:36 # 7
saloia
saloia
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 3621

ich denke es liegt zum einen dran, das regional wirklich Kräftemangel herrscht, heißt, die Ergos können sich eher aussuchen, wo und wie sie arbeiten.
zum anderen: ja! die Arbeitsmoral hat sich meiner Beobachtung in diversen Bereichen nach (deutlich) geändert. Weniger Leistungswille, kein Durchhaltevermögen, kein Wille, sich bei Problemen auch mal durchzubeißen, insgesamt eine gaaaaanz niedrige Belastungs- und Frustrationsgrenze..
Das Leben ist ein Ponyhof!

(Lieblings-) Zitat eines FJSlers -immerhin doch auch schon Anfang 20- nach seinem ersten Arbeitstag:
"Wie??!!! Die ganze Woche jetzt um neun hier sein?? Ich glaube, das ist mir zu stressig.."
Und er ward nicht mehr gesehen.


17. Januar 2015 15:00 # 8
Registriert seit: 17.01.2015
Bundesland: Bayern
Beiträge: 1

Hallo,
das sich nur die Arbeitsmoral verändert hat bezweifle ich, da ich die Sache aus der Arbeitnehmer Perspektive sehe. Natürlich gibt es immer motivierte und unmotivierte oder auch nicht so erfahrene Kollegen die vielleicht aufgrund dessen nicht sehr belastbar sind, denn in einer Praxis zu arbeiten ohne Berufserfahrung fordert viel Eigeninitiative und zwar von beiden Seiten.
Zudem hab ich die Erfahrung gemacht, dass die Fortbildungen nicht bezahlt werden und Praxis interne Fortbildungen nicht angeboten werden oder diese nicht zur Arbeitszeit gehören. Ich persönlich suche schon seit längerer Zeit eine Alternative zum meiner aktuellen Arbeitsstelle, hab nun 7 Jahre Berufserfahrung ...... hab mich schon mehrmals in Praxen beworben und bin sofort zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Mit dem Ergebnis, dass ich 1800 Euro - 2000 Euro Brutto verdienen würde, 24-26 Urlaubstage hätte, kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld und eine 40 Stundenwoche.......aber dafür sollte ich mächtig Eigenleistung bringen und die Therapieeinheiten die ausfallen bekommt man auch nicht bezahlt.
Meine Lösung für das Praxisproblem, faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen, Fortbildungen für Mitarbeiter extern wie intern und ein gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe.



" Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat´s gemacht"
17. Januar 2015 16:01 # 9
Registriert seit: 09.01.2004
Beiträge: 128

Hallo,
ja es liegt sich an der Region, dass Fachkräfte im kompletten sozialen Bereich gesucht werden. An den Arbeitsbedingungen kann es nicht liegen. Ich bezahle mehr als die Praxen in der Region, Fortbildungen würden bezahlt werden - aber soweit kam es ja gar nicht, beide Male wurde nach 8 Wochen gekündigt - zu einer Exmitarbeiterin habe ich immer wieder noch Kontakt. Laut Beiden hätten die Rahmenbedingungen und das Team und alles gepasst. Ich kann beide Gründe nachvollziehen, dass man z. B. lieber wohnortnah arbeitet. Dies habe ich vor dem Unterschreiben des Arbeitsvertrages auch deutlich angesprochen, dass es eine überlegte Entscheidung sein soll, (der/die Mitarbeiterin sich die weite Anfahrtszeit gut überlegen soll) und dass ich die STelle gerne längerfristig besetzen möchte.
Ich habe die Einarbeitungszeit immer sehr "sanft" gemacht, so dass der Mitarbeiter Zeit hat die Patienten, Praxis, Materialien.... kennenzulernen, somit natürlich auch in den Mitarbeiter "investiert", als es dann losging mit eigenen Patienten behandeln - kam die Kündigung. Frustiert als Arbeitgeber natürlich und ich merke, dass natürlich auch von meiner Seite die Motivation sinkt, einem neuen Mitarbeiter den Einstieg möglichst einfach zu gestalten.
Auch ich habe lange Jahre in einer Praxis gearbeitet, kenne die Arbeitsbedingungen von AN-Seite aus noch sehr wohl und versuche schon faire Bedingungen zu bieten - aber diese sollten natürlich nicht nur einseitig sein.
Aber vielleicht bin ich ja mit meiner AN-Wahl einfach nur Pech gehabt und irgendwann findet sich jemand zuverlässiger, der die Anstrengungen meiner Seite zu schätzen weiß.

lg
17. Januar 2015 19:22 # 10
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1492

Hallo KW,
es gab genau zwei Arbeitgeber wo ich auch von meiner Seite nicht länger arbeiten wollte. Bei dem einem Arbeitgeber hatte ich mich eher wie hm " Dreck " behandelt gefühlt. Mir fällt jetzt keine bessere Formulierung ein. Dazu musste ich 10 Stunden am Stück ohne Pause arbeiten. Da war mir klar langfristig hält das auch keiner durch. Das wusste ich vor her noch gar nicht. Im Vorstellungsgespräch hatte sich das alles noch total anders angehört. Und viele meiner Kollegen hatten auch Angst vor dem Gehabt. War besser so man begegneten den Chef gar nicht. Na ja ich wurde ja von den Dorfbewohner schließlich schon vorgewarnt, als ich dort hingezogen bin. Kaum war ich eingezogen und man fragte mich wo ich den meine Stelle antreten würde und ich sagte bei dem und dem fange ich morgen an. Wurde schon nur über meinen Arbeitgeber schlecht geredet und ich sollte es mir gut überlegen.

In der zweiten Praxis wurde ich als Krankheitsvertretung eingestellt. Wobei ich mich da nicht als Angestellte sondern als Praktikantin gefühlt hatte. Bei jeder meiner Behandlungen war meine Chefin mit dabei. Die hatte mich auch noch regelrecht nervös gemacht, da sie immer sofort gleich mal eingeschritten ist, anstatt mich einfach mal machen zu lassen. Sie hatte dann während der Behandlungen mich die ganze Zeit kritisiert. Ich mag es zwar wenn man mir ein Feedback gibt und mir Radschläge gibt, aber was ich nicht mag, ist behandelt zu werden als sei ich der letzte Depp und noch ne Praktikantin. Es waren eher Kleinigkeiten meistens habe ich die Kinder entweder zu wenig gelobt oder nicht richtig gelobt. Und ständig wurde mir gesagt du musst jetzt das Kind loben. Die Kritik galt meistens nicht an der Behandlungsmethode an sich sondern an der Art und Weise und wie oft ich das Kind Gelobt oder nicht gelobt habe. Und wenn ich zwei Kindern gleichzeitig therapieren sollte, dann wurde halt kritisiert, das ich dem einem Kind zu viel und dem anderen zu wenig Aufmerksamkeit gegeben hätte und genau die Stellen aufgezeigt wo ich jetzt hätte dem Kind mehr Aufmerksamkeit hätte geben sollen und an welcher Stelle ich auch noch vergessen hätte es zu loben. Dann musst ich ihr auch jedes mal sagen wie mein Behandlungskonzept aussehen würde. Ich muss dazu sagen das ich vorher schon mal als Fachliche Leitung gearbeitet. Und ich musste keine Anwälte ihr auf dem Hals hetzen, damit sie mir ne bessere Note gibt.
Ich habe jedes Feedback von meinen Arbeitgebern immer sehr gut angenommen und mir kann man auch schlechte Kritik geben, aber ich mag es nicht, wenn man mich immer und ständig vor dem Patienten kritisiert.

Ach ja und Dockuzeit ist keine Arbeitszeit. Ich durfte mir nur die Arbeitszeiten am Patienten aufschreiben. Als das man da dann nicht lange bleibt ist ja wohl verständlich.

Ich bin bereit gerne Überstunden zu leisten, auch mit meinem eigenen Auto zu den Hausbesuchen zu fahren. Und ich erwarte auch nicht ein üppiges Gehalt, da ich weis, dass die PIs nicht so gut zahlen können. Und ich halte auch mal Stress aus. Aber ich möchte mit Respekt behandelt werden. Ich erwarte ein gutes Betriebsklima. Und ich möchte auch für Teamsitzungen und Co bezahlt werden.
Wenn ich mich irgend wo wohl fühle dann bleibe ich auch. Wenn man so wie ich es in meinem Beispielen beschrieben mit einem Umgegangen wird, dann braucht man sich nicht Wundern warum die Angestellten nicht so lange bleiben. Gut es gibt auch Praxen da weis man einfach nicht den Grund, warum da die Angestellten ständig wechseln. Was allerdings auch sehr schade ist, wenn es Praxen passiert, die eigentlich gut Zahlen und bei denen wirklich alles stimmt.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
18. Januar 2015 21:26 # 11
Registriert seit: 09.01.2004
Beiträge: 128

Hallo
@Kukdiehe: schade für dich dass du so schlechte erfahren musstest.
An dem schlechten Ruf kann es bei mir nicht liegen, ich hatte vor den besagten Mitarbeiterinnen, keine Angestellten. Einen Anspruch an gute ARbeit habe ich allerdings schon. Ich habe jetzt einige Jahre hart gearbeitet einen guten Ruf bei den Patienten, Ärzten, Einrichtungen... zu erarbeiten und möchte mir diesen nicht durch einen schlecht arbeitenden Mitarbeiter ruinieren!

lg
19. Januar 2015 18:57 # 12
Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1492

@CD77 ja ich glaub gute Arbeitnehem erwartet ja wohl jeder. Wenn du schlechte Arbeitenehmer hast, dann schadet das natürlich deinen Ruf. Als ich mich noch bundesweit bewerben musste, da wurde ich auch von den Praxen von weiter weg eher ungern genommen. Zumindest bei denen, die schon die Erfahrung gemacht haben, dass welche Mitarbeiter nach 3 Monaten gekündigt haben, da diese was in der Heimatstadt bekommen haben. Die hatten zu sehr Angst gehabt, dass ich ebenfalls nach 3 Monaten zurück ziehen möchte. Dabei ist es mir egal wo ich arbeite, Hauptsache ist stimmt alles. Auf der Arbeit hält man sich doch am meisten auf. Ich würde wahrscheinlich auch keinen von der Ferne einstellen wollen. Ist das Risiko anscheinend zu groß, dass die dann doch wieder in ihre Heimat zurück möchten.
So was kann dich halt echt ruinieren. Welche suchen ja mich aus, weil sie zu meinem Kollegen nicht wollen, da ja bei ihm die Angestellten nicht so lange bleiben. Sind zwar nicht viele, aber es ist halt blöd für ihn. Für mich ist es ja gut.
Ich wünsch dir noch viel Glück bei der Angestelltenwahl. Irgendjemand wird doch wohl gute Arbeit leisten wollen und nicht gleich wieder gehen wollen.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
19. Januar 2015 20:51 # 13
Registriert seit: 03.07.2007
Beiträge: 490

Hallo CD77,

vielleicht hilft es dir dein Problem mal anders zu sehen:

Vielleicht war es deine Mitschuld (dein Verhalten)
Vielleicht die Umweltkonditionen (Ort, Praxis, Vertragskonditionen)
Vielleicht waren es persönliche Entscheidungen deiner ehemaligen Mitarbeiter (Freunde, Familie, etc.)

Was davon wirklich ausschlaggebend war, wissen nur deine ehemaligen Mitarbeiter.

Ich kann dir nur den Rat geben, dass du wieder lernst zu Vertrauen. Wer weiß vielleicht mag ja ein Ergo wirklich gerne aufs Land ziehen/pendelt (um z.B. mit Freund/in im nächsten Ort zu wohnen). Bestimmte Bewerber kategorisch im Voraus auszuschließen denke ich ist jedenfalls die falsche Methode um Mitarbeiter zu werben.

lg Ceilidh

21. Januar 2015 19:40 # 14
Registriert seit: 09.01.2004
Beiträge: 128

Hallo,

danke an alle für die Rückmeldungen.

lg und schönen Abend
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