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Lerntherapie als Ergotherapie?

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29. Februar 2016 14:40 # 1
Registriert seit: 05.02.2011
Beiträge: 242

Hallo ihr,

Fine43 hat in einem anderen Thread das hier geschrieben:

"Andererseits verstehe ich den Unmut, wenn Angebote über die Krankenkassen abgerechnet werden, die eben nicht in den Leistungskatalog gehören, oder nicht im Sinne des verordnenden Arztes ausgeführt werden. Dies geschieht in den Ergotherapiepraxen ja am häufigsten bei LRS etc. Lerntherapie wird gerne mal auf Rezept abgerechnet, und dann auch noch mal ne Unterschrift mehr als geleistete Einheiten weil das Angebot ja "teurer" ist als "normale" Therapie.::scared::. Alles schon erlebt::thumbdown::"

Ich würde das Thema gern vertiefend aufgreifen und eure Meinung hören: Darf Diagnostik bzw. Förderung/Therapie bei isolierten Lernstörungen bzw. Lernschwächen im Rahmen einer Ergotherapie erfolgen? Ich kenne jemanden, der genau das sagt. Er sagt, dass das geht, wenn die Indikation "ADHS" oder "AVWS" lautet. Lautet sie hingegen "Lese- Rechtschreibstörung" oder "Rechenstörung", so sei eine kassenfinanzierte Legasthenie- bzw. Dyskalkulietherapie laut Heilmittelrichtlinien ausgeschlossen.

Gruß und im Voraus vielen Dank für eure Meinungen bzw. Erfahrungen zu diesem Thema!
29. Februar 2016 18:10 # 2
Mschiew.
Mschiew.
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 935

Auszüge aus den aktuellen Heilmittelrichtlien

Anlage
Nichtverordnungsfähige Heilmittel im Sinne dieser Richtlinie

b) Indikationen, bei denen der Einsatz von Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen ist, nicht anerkannt ist
1. Entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeit im Kindesalter
2. Stimmtherapie bei nicht krankhaftem Verlauf des Stimmbruchs
3. Alle psychotherapeutischen Behandlungsformen, die Regelungsgegenstand der Psychotherapie-Richtlinie sind
4. Störungen wie Lese- und Rechtschreibschwäche, sonstige isolierte Lernstörungen

Also keine Indikation für Ergotherapie
29. Februar 2016 18:18 # 3
Mschiew.
Mschiew.
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 935

Wenn die Diagnose ADHS lautet dann wäre es unser ergotherapeutischer Job, Performanze Probleme zu identifizieren und diese als Auftrag zu sehen.

Klar kann man dann auch was anders machen. Und sicherlich bekommt das auch keiner mit, wenn man das nicht an die große Glocke hängt. Aber aus berufs-ethischer Sicht fände ich das nicht gut.

Grüße
29. Februar 2016 20:59 # 4
Registriert seit: 18.10.2005
Beiträge: 386

Hallo,
es sind meiner Meinung nach 2 völlig verschiedene Herangehensweisen.
Wenn ein Kind das Ziel äußert, in Mathe auf eine Note 3 kommen zu wollen, versuche ich als Ergo gemeinsam mit dem Kind herauszufinden, was genau das Kind daran hindert, diese 3 zu bekommen. Und daran setzt die Therapie an. Liegt es daran, dass das Kind sich beim Kopfrechnen die Aufgaben nicht merken kann, dann muss hier etwas passieren usw.... Ich gebe den Anstoß, geübt wird Zuhause.

Im Dyskalkulietraining wird geübt, geübt und wieder geübt und es werden mathematische Grundfertigkeiten erarbeitet. Auch das Training der Wahrnehmungsbereiche gehört mit dazu, wenn es Probleme gibt, was bei Dyskalkulie meist der Fall ist.

Ergo und Lerntherapie können wunderbar vernetzt miteinander arbeiten. In einen Topf darf man beides aber nicht werfen.

VG Susan
1. März 2016 11:50 # 5
Registriert seit: 05.02.2011
Beiträge: 242

Hallo Mschiew. und Susan,

vielen Dank für eure Antworten! Wie sehen das die stillen Mitleser? Ich würde mich freuen, von euch und euren Erfahrungen bzw. Kenntnissen in dieser Sache zu hören. Fine43 hat ja geschrieben, dass bei LRS etc. Lerntherapie gerne mal auf Rezept abgerechnet wird. Geht das bei AVWS- bzw. ADHS-Kindern? Da müsste es doch noch mehr geben, die dazu eine Meinung haben.

Dank und Gruß!
1. März 2016 11:57 # 6
Mschiew.
Mschiew.
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 935

Vielleicht auch nochmal zum ergänzen.

Mit LRS und Dyskalkulie geht jedes Bundesland anders um. Weil es sich im Lernstörungen handelt sind die Bildungsminisiterien dafür zuständig. In Sachsen gibt es LRS Klassen, wo die Kinder speziell 2 Jahre gefördert werden. In anderen Bundesländern muss man über das Sozialamt die Förderung extra neben der Schule beantragen....

Auch das spielt eine Rolle, wie man mit diesen isolierten Lernstörungen umgeht. Und wie bedürftig die Eltern sind.
1. März 2016 13:05 # 7
Sina12
Sina12
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 117

Ich bin sehr dankbar, dass dieses Thema eröffnet wurde! Mich ärgert es schon länger, von Kollegen auf Kinder hingewiesen zu werden, welche ich aufgrund ihrer "schlechten oder mangelhaften Schulleistung" therapieren soll. Ich frage mich, welchen Sparten ich mich nun noch anschließen muss. Psycho, Lerntrainier, Erziehungsberater, professionelle Basteltante... Ich finde es wunderbar, wenn ihr Kollegen bereits mit dem Fortschritt in der Ergotherapie geht. Ich jedenfalls empfinde es als ganz ganz schwierig auf Basis der tatsächlichen Betätigung zu arbeiten und die Identität der Ergos an meiner Arbeitsstelle dahingehend zu stärken. Über gute Literaturvorschläge bin ich dahingehend immer dankbar.
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