Anzeigen:
Sie sind hier: Forum >> Praxisinhaber >> Bonussysteme - Ausfälle - Wirtschaftlichkeit

Diskussionsforum

Bonussysteme - Ausfälle - Wirtschaftlichkeit

Optionen:
30. Mai 2026 23:23 # 1
Registriert seit: 31.07.2013
Beiträge: 5

Hallo zusammen,

Meine aktuelle Situation sieht wie folgt aus:
Ich habe einige Angestellte und jeder performt unterschiedlich. Wir arbeiten mit einem Empfang/Büro zusammen, was uns die Möglichkeit gibt, den Therapeuten die Planung abzunehmen bzw. zu erleichtern. An sich behält aber jeder Therapeut die Hoheit über seinen eigenen Plan.

Trotzdem entstehen natürlich immer wieder Ausfallzeiten. Um einen Anreiz zu schaffen, Therapeuten mehr in die wirtschaftliche Verantwortung zu holen und aktives Mitdenken zu belohnen, überlege ich aktuell, mein Gehaltsmodell anzupassen.

Meine Idee:
Ein solides Festgehalt, das an ein realistisches "Soll" an Therapieeinheiten geknüpft ist. Aktuell rechne ich grob mit 1 TE/Stunde abzüglich 10 % Ausfalltoleranz in der Woche. Das "Soll" liegt also bewusst etwas darunter und ist im Normalfall eigentlich immer erreichbar. Mir ist dabei völlig klar, dass das rechtliche Betriebsrisiko bei mir liegt – das Festgehalt ist und bleibt also sicher, auch wenn es mal nicht erreicht wird.

Die konkrete Umsetzung:
Werden Lücken (durch Patientenabsagen) aktiv vom Therapeuten wieder gefüllt oder Zusatztermine gemacht, sodass das Soll übertroffen wird, soll diese Mehrleistung finanziell lukrativ belohnt werden (Prämie/Bonus).

Mich interessieren eure ehrlichen Erfahrungen zu solchen Systemen:

Nutzt ihr ähnliche Modelle (Fixum + Bonus ab Einheit X) und wie hoch würdet ihr den Bonus pro Einheit ansetzen?

Wie hoch setzt ihr dieses "Soll" an (z. B. 80 % oder 85 % Auslastung)?

Wie reagiert das Team darauf? Fördert es wirklich die Motivation, Lücken zu füllen, oder führt es eher zu Konkurrenzkampf um die "zuverlässigen" Patienten?

Wir schöpfen, was die steuerfreien Zusatzleistungen angeht, bereits alles aus. Mir geht es hier also rein um die Wirtschaftlichkeit der Praxis, wie ich das Potenzial voll ausschöpfen und die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen kann.

Ich freue mich auf euren Input, gerne auch über die Stolpersteine, die ihr bei solchen Modellen erlebt habt!::confused::
31. Mai 2026 10:32 # 2
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 475

Da du deine Arbeitsverträge nicht nachträglich einseitig ändern kannst, solltest du dich mit deinen Angestellten besprechen was sie sich selbst vorstellen könnten. Machst du es nicht, kannst du deine Wünsche und Vorstellungen auch gleich in die Tonne kloppen, weil keiner die Vertragsänderungen unterschreiben wird. Du hast ja anscheinend schon das Rundumsorglospaket für deine Therapeuten geschaffen. Warum sollten deine Therapeuten jetzt von sich aus arbeitsvertragliche Abstriche machen? Es besteht für deine Therapeuten keine Notwendigkeit dies zu tun. Das du finanziell mit den Gehältern ans Maximum gegangen bist ist dein betriebswirtschaftliches Problem und nicht das Problem deiner Angestellten.

Wozu bezahlst du eigentlich einen "Empfang/Büro" wenn du deren Aufgaben zusätzlich auch deinen Therapeuten bezahlst, du also selbst doppelte Kostenstrukturen schaffst? Wenn du schon Bürotätigkeiten anbietest, dann können diese Mitarbeiter auch die Lücken der Therapeuten füllen. Das wird deutlich günstiger. Die Therapeuten, die dies nicht wollen, können dann selbst dafür sorgen, dass sie keine Lücken haben die von den Bürokräften gefüllt werden müssen. Dafür benötigst du keine Änderungen der Arbeitsverträge deiner Therapeuten und auch keine zusätzlichen Bonusprogramme.
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
31. Mai 2026 12:55 # 3
Registriert seit: 03.01.2011
Beiträge: 411

Ich finde das Modell schwierig. Weil manchmal kann man ja nicht so viel für seine Masse an Ausfälle. Da bei uns wenige Therapeuten mit Kindern arbeiten und die Warteliste der Kinder so lang ist hab ich Mittlerweile zu 80% Kinder im Plan. Da ist der Ausfall natürlich oft höher als bei den anderen. Gleichzeitig sind übrige Patienten natürlich deutlich unflexibeler. Ich versuche schon Lücken zu füllen, Patienten vor zu ziehen, aber für gewöhnlich kommen am Ende des Tages eben auch die Kinder die eben aufgrund der Schule oder Arbeit der Eltern nicht früher kommen können.
Fände es ziemlich unfair wenn darunter mein Gehalt leiden würde.
Also auf weniger als jetzt würde ich mich als Grundgehalt als deine Angestellte nicht einlassen. Wenn du mir Bonus drauf zahlen möchtest, der dann eben an die Menge der geleisteten Einheiten orientiert, könnten ich wohl eher dann damit leben. Ist die Frage ob du das willst
2. Juni 2026 07:24 # 4
Registriert seit: 12.12.2021
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Beiträge: 29

Geändert am 02.06.2026 07:28:00
Genau so ein System wurde bei uns eingeführt. Ich als AN sehe das sehr negativ und leide mehr darunter, als das es mir irgendwelche Vorteile bringt. Das ist auch u.a. der Grund, warum ich das Unternehmen verlassen werde.

Ich arbeite mit Kindern im sozialen Brennpunkt. Die Ausfallqute ist enorm! Viele Familien kriegen es nicht hin, ihre Kinder zu den Terminen zu bringen. Ausfallrechnung und gut zureden bringt nichts. Vom AG bekomme ich allerdings Druck und mir wird die Verantwortung zugesprochen (die Patienten würden meine Therapie dann nicht schätzen, seien nicht krank nur faul, hätte keine gute Kommunikation/Beziehung zu ihnen...) Jeden Tag muss ich um meine Quote bangen und viele Tage sind ein Fiasko.
Nicht-Erscheinen und kurzfristige Ausfälle lassen sich nicht neu belegen.

Ich fühle mich ausgebrannt, wie viele Kollegen auch. Junge Kollegen jagen dem Bonus hinterher und überarbeiten sich völlig, bis dieses irgendwann auch so weit sind.

Wenn Vertretungen, dann von fremden Kindern (Lückenfüller) mit denen man dann halt "irgendwas" macht, weil es keine Vorbereitung/Übergabe gibt.

Am schlimmsten fand ich, als die Ergebisse als Balkendiagramm präsentiert wurden und alle sehen konnten wie "gut" oder- in meinem Fall "schlecht" man war... empfand das als demütigend.

Und ja, es gibt einen Konkurrenzkampf um zuverlässige Patienten. Die Therapeuten "behalten" diese für sich und geben nicht zur Vertretung frei, während ihr Lücken vom Büro mit meinen Patienten gefüllt werden. Ich habe keine Kraft mehr für dieses Spiel. Es geht nur noch um Geld. Therapie steht nicht mehr Im Vordergrund.

Ich habe Verständnis für den wirtschaftlichen Gedanken. Für mich ist dieses System nichts.
5. Juni 2026 22:42 # 5
Registriert seit: 24.02.2023
Beiträge: 27

Unter solchen Bedingungen würde ich als Therapeutin niemals arbeiten wollen. Ich erwarte ein Festgehalt und wenn Bürokräfte da sind, ist meine Aufgabe idR nicht die Terminplanung (Ausnahmen gibt es immer, I know), Ich stelle meine Arbeitskraft bei nicht aufzufüllenden Ausfallzeiten der Praxis anderweitig zur Verfügung (Therapiematerialien sichten, aufräumen, Bedarf von Nachbestellungen auflisten, Doku, Berichte, Therapievorbereitung, usw.…) Die Wirtschaftlichkeit einer Praxis liegt nicht in meiner Verantwortung als Mitarbeiterin.
7. Juni 2026 10:48 # 6
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 475

Zitat / cypria hat geschrieben:
Unter solchen Bedingungen würde ich als Therapeutin niemals arbeiten wollen. Ich erwarte ein Festgehalt und wenn Bürokräfte da sind, ist meine Aufgabe idR nicht die Terminplanung (Ausnahmen gibt es immer, I know), Ich stelle meine Arbeitskraft bei nicht aufzufüllenden Ausfallzeiten der Praxis anderweitig zur Verfügung (Therapiematerialien sichten, aufräumen, Bedarf von Nachbestellungen auflisten, Doku, Berichte, Therapievorbereitung, usw.…) Die Wirtschaftlichkeit einer Praxis liegt nicht in meiner Verantwortung als Mitarbeiterin.

Die KI-Antwort zur Aussage "Die Wirtschaftlichkeit einer Praxis liegt nicht in meiner Verantwortung als Mitarbeiterin."

Die Wirtschaftlichkeit liegt auch zu einem Teil in der Verantwortung der angestellten Therapeuten. Während der Praxisinhaber das unternehmerische Gesamtrisiko trägt, tragen Angestellte eine Mitverantwortung für die operative Umsetzung. Diese Faktoren beeinflussen sie direkt im Arbeitsalltag:

- Auslastung und Termintreue: Durch die aktive Vermeidung von Leerlaufzeiten, eine hohe Termintreue und schnelles Nachbesetzen von Ausfallzeiten sichern sie den Umsatz der Praxis.
- Dokumentation und Abrechnung: Eine zeitnahe, vollständige Dokumentation und korrekte Leistungsabrechnung sind essenziell für die zeitnahe Auszahlung durch die Kostenträger.
- Ressourceneinsatz: Der bewusste und sparsame Umgang mit Therapiematerialien, Arbeitsmitteln und Energie wirkt sich direkt auf die Praxiskosten aus.
- Patientenbindung: Zufriedene Patienten, die verordnete Therapieserien voll ausschöpfen und Folgerezepte annehmen, sichern die langfristige Auslastung.

Das unternehmerische Risiko (Verhandlungen mit Krankenkassen, Praxismiete, Anschaffungskosten) bleibt jedoch immer beim Praxisinhaber. Den rechtlichen Rahmen zum Wirtschaftlichkeitsgebot regelt beispielsweise das Fünfte Sozialgesetzbuch (SGB V).
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
Optionen:

nach oben scrollen