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Erlaubt?Oder unerlaubter Wettbewerb?

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26. November 2012 20:13 # 1
Registriert seit: 25.04.2006
Beiträge: 150

Hallo zusammen! Seit einigen Wochen gibt es bei uns in der Region (NRW) alle Therapien nicht nur in Kindergärten, sondern auch in den OGS. Diese Entwicklung finde ich furchtbar und zum Glück teilen die Kinderärzte bei uns meine Meinung. Weiter kommt jetzt noch dazu: Eine große interd. Praxis wirbt damit ( und tut es auch ) , dass sie die Kinder alle mal kostenlos anschauen und Empfehlungen geben - zum Teil fragen sie auch nicht die Eltern, sondern es geht über Lehrer und Erzieher. Das heisst: Erzieher/in findet ein Kind auffällig, bittet Ergo, Logo oder Physio sich das Kind mal kostenlos anzuschauen, dann Gespräch mit Eltern/Mutter, da irgendwie alle Kinder die kostenlos angeschaut werden Therapien benötigen. Dumm nur , wenn Kinder darunter sind, die schon in Therapie sind, wie es jetzt oft passiert ist. Jetzt haben wir den ersten Kinderarzt, der pauschalisiert und meint er möchte am Liebsten keine Therapien mehr verschreiben, da er die Nase voll davon habe, dass ihm Therapeuten sagen, wer Therapie benötigt. Kann ich ja auch verstehen. Aber jetzt mal zu meiner Frage: Dürfen kostenlose "Begutachtungstermine" angeboten werden? Insb. noch ohne die Eltern zu fragen?
Und: gibt es diese Entwicklung auch in anderen Bundesländern?
Vile Grüße und schonmal Danke für Rückantworten!
gothika
26. November 2012 20:37 # 2
Registriert seit: 18.12.2002
Bundesland: Bayern
Beiträge: 348

hallo gothika,

ich kenne diese entwicklung hier in bayern noch nicht aber es klingt nicht okay was da abläuft, insbesondere das es passiert ohne einverständnis der eltern. würde schon sagen das das unter unlauterer wettbewerb läuft.
ergotherapie ist immer noch ein vom arzt zu verordnendens heilmittel

Liebe Grüße
26. November 2012 21:35 # 3
Registriert seit: 02.06.2005
Beiträge: 3212

Geändert am 26.11.2012 21:40:00
Hallo gothika,

setz dich so schnell wie möglich mit den Kinderärzten in deinem Einzugsbereich zusammen und überlegt eine gute Lösung.

"Kostenlose Beratungsbesuche" sind an sich ungesetzlich. Denn eine ergotherapeutische Beratung ohne Verordnung ist eine unerlaubte Heilbehandlung. Es sei denn die Therapeuten dort in den Kitas hätten einen Heilpraktikerschein. Und die Praxis eine Heilpraktikerzulassung.

Aber: die Gesundheitsämter interessieren sich nicht so sehr dafür, haben eh Personalmangel. Und die Kassen reagieren wenn überhaupt nur auf Anzeigen von Versicherten.

Insofern: an sich darf ein Kinderarzt keiner bestimmten Praxis zuweisen. Aber er hat durchaus das Recht und sogar die Pflicht, eine Behandlung zu verweigern, wenn er von deren Nutzen nicht überzeugt ist (SGB V Wirtschaftlichkeitsgebot).

Insofern: wenn du sowieso schon spezifische Behandlungsberichte, die überprüfbare Therapieziele und eine anschauliche Beschreibung der therapeutischen Maßnahmen inkl. deren Effektivität enthalten schreibst, dann kann nicht viel passieren. SMART, COPM und ICF seien hier als Stichworte genannt.

Elternanleitung, Übertragung des in der Therapie Erarbeiteten in den häuslichen Alltag sollten selbstverständlich sein.

Die entsprechenden Ärzte könnten dann auch diese bestimmte Praxis einladen und mit der PI über deren Therapiekonzept sprechen. Falls es eben nicht den Anforderungen an eine "wirtschaftliche, zweckmäßige und ausreichende Versorgung" (Wirtschaftlichkeitsgebot) entspricht, dürfte er eigentlich dahin nicht verordnen.

Zumindestens wäre er im Falle von Heilmittelregressen nicht geschützt.

Das Wirtschaftlichkeitsgebot ist nämlich sozusagen das "erste Gebot" für alle Ärzte.

Und es hat einen Nebeneffekt: die Ärzte, die nicht mit dir sprechen wollen, hängen evtl. mit dieser Praxis zusammen. Man kennt sich... du weißt schon

Dann hast du zumindestens mal klare Linie für die Zukunft.

Und nicht zuletzt: mit den Kitas ganz allgemein darüber sprechen, wie eine effektive und moderne ergotherapeutische Behandlung aussieht. Nämlich nicht "Wahrnehmungsförderung im Extraraum" sondern zielorientierte, lebensweltorientierte Therapie unter Einbezug von Eltern und Erziehern.

Grüße von

Oetken1
26. November 2012 22:00 # 4
Registriert seit: 25.04.2006
Beiträge: 150

Hallo, danke für die schnellen Beiträge! Wir haben alle 8-10Wochen ein interd. Treffen - Kreis von Kinderärzten, KiJuPsychiatern, Logos, Ergos, Physios und Heilpädagogen. Das Thema wurde jetzt per Rundmails in diesem Kreis diskutiert, bzw. hat es heute begonnen. Vor einigen Jahren gab es Ähnliches in unserem Kreis - da haben sich die Kinderätzte zusammen getan und einen Brief an die damalige Praxis verfasst mit entsprechenden Richtlinien usw. Innerhalb von 24Stunden war diese Praxis aus 7 (!!!!!) Einrichtungen raus.
Diesmal ist es eine andere Praxis ( mehrere interd. Praxen, Inhaber ist Betriebswirt!!), aber von 2 Kinderärzten gab es schon die Rückmeldung, dass sie im Kreis der Kinderärzte überlegen werden und entsprechend reagieren wollen. Ich bin gespannt, ich finde das einfach anstrengend, wobei es mir wirklich nicht um mehr Patienten geht, sondern um die Art und Weise wie es läuft und das solche Leute den Ruf allgemein versauen.
Grüße
gothika
27. November 2012 06:31 # 5
chipchap
chipchap
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 1333

Das Verhalten der erwähnten Praxis schockt mich weniger als
die Handlungsweise der Erzieher und Lehrer.
Würde ich als Mutter erfahren, daß ohne mein Wissen mein Kind
"therapeutisch mal gecheckt" wurde..
der Kita- oder Schulleitung würde ich die Hölle heißmachen!
Für mich ist das eher ein Fall für die jeweilige Stadtverwaltung,
Resort Bildung und Jugend, damit die Einrichtungsleitungen
darüber aufgeklärt werden, was sie dürfen und was nicht.

LG, chipchap

27. November 2012 18:26 # 6
Registriert seit: 19.05.2006
Beiträge: 542

Zitat:

Hallo, danke für die schnellen Beiträge! Wir haben alle 8-10Wochen ein interd. Treffen - Kreis von Kinderärzten, KiJuPsychiatern, Logos, Ergos, Physios und Heilpädagogen. Das Thema wurde jetzt per Rundmails in diesem Kreis diskutiert, bzw. hat es heute begonnen. Vor einigen Jahren gab es Ähnliches in unserem Kreis - da haben sich die Kinderätzte zusammen getan und einen Brief an die damalige Praxis verfasst mit entsprechenden Richtlinien usw. Innerhalb von 24Stunden war diese Praxis aus 7 (!!!!!) Einrichtungen raus.
Diesmal ist es eine andere Praxis ( mehrere interd. Praxen, Inhaber ist Betriebswirt!!), aber von 2 Kinderärzten gab es schon die Rückmeldung, dass sie im Kreis der Kinderärzte überlegen werden und entsprechend reagieren wollen. Ich bin gespannt, ich finde das einfach anstrengend, wobei es mir wirklich nicht um mehr Patienten geht, sondern um die Art und Weise wie es läuft und das solche Leute den Ruf allgemein versauen.
Grüße
gothika


Hallo gothika,
das mit der Rufschädigung, die dann leider gleich alle Ergotherapeuten betrifft, das kann ich nur so bestätigen.
Ich habe in einem sehr langen und intensiven Ärztegespräch mir sagen lassen, dass auch in unserer Region wohl Ergos in die Kindergärten gehen, um dort einen therapeutischen Förderbedarf abzuklären. Laut Aussage der Ärzte werden dort Kinder im Kiga angeschaut und dann entschieden, ob die Kinder Ergotherapie brauchen. Wenn ja werden dann die Eltern zu den Ärzten geschickt, um eine Vo zu besorgen, damit die Therapie beginnen kann.
Zudem sollen laut den Ärzten die Therapeuten und auch die Erzieher in mehreren Einrichtungen den MOT mit Kindern in Gruppen von 4-6 Kindern durchführen und auch anhand der Ergebnisse festlegen, was die Kinder brauchen.
Die Ärzte waren meiner Meinung nach zurecht sauer und fühlten sich erstmal in ihrer fachlichen Kompetenz total übergangen und fühlen sich dann wohl von den Eltern auch penetrant genötigt, VO auszustellen.
Wenn sie das nicht tun, wäre dann Ärztehopping angesagt...
In so einer Region, in der so etwas wohl öfter gemacht wird, ist es wirklich sehr schwer, das Vertrauen in eine qualitativ hochwertige und effektive Ergotherapie bei den Ärzten wiederherzustellen.....
....
lg


http://therapaedia-mobile-ergotherapie.webnode.com/
facebook: Therapädia - Konzept für Ergotherapie in tagesstrukturierten Einrichtungen
4. Dezember 2012 20:04 # 7
Registriert seit: 08.10.2011
Beiträge: 4

Hallo! Diese Sache beobachten wir bei uns nicht nur in Kindergärten, sondern auch in Pflegeheimen.
Ich finde diese Dinge einfach nur noch zum Schreien, aber wenn man beim Verband anruft und diese Sache schildert, bekommt man natürlich wie immer keine Hilfe. Muß dazu sagen, dass ich die Ergotherapeutin kenne, die diese Dinge abzieht und auch sie ist im Verband.
Ich finde es bei Euch nur gut, dass die Kinderärzte etwas unternehmen und ich wünsche, dass sie das auch durchziehen.

4. Dezember 2012 23:18 # 8
Registriert seit: 30.11.2007
Beiträge: 160

Hallo Gothika,

also die Entwicklung in der OGS zu behandeln kenne ich auch, allerdings ist das zum Teil aus der Not heraus so gekommen. Durch die Tatsache, dass Kinder immer länger in der Schule sind, haben wir in der Praxis enorme Schwierigkeiten gehabt allen einen passenden Termin zugeben. Und mal ehrlich, was soll ein Kind mit 7 oder 8 Jahren um 17Uhr oder später noch leisten können, wenn es seit 8Uhr in der Schule sitzt?

Allerdings bleibt der Weg bei uns der gleiche: Der Kinderarzt verordnet Ergotherapie, die Eltern melden sich in der Praxis. Geht das Kind auf die entsprechende Schule, mit der eine Kooperation besteht, kann nach Absprache die Therapie in der Schule/ OGS stattfinden. Dort gibt es einen gut ausgestatteten Therapieraum und so ist lediglich der Ort der Behandlung ein anderer.
Ich finde es eine sehr bedenkliche Entwicklung, wenn "Begutachtungen" angeboten werden um zu entscheiden wer Therapie braucht und wer nicht. Letztlich liegt die Verantwortung für die Kinder immernoch bei den Eltern und der Arzt ist derjenige, der über therapeutischen Maßnahmen entscheidet.

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